abfindung-versteuern
Zuletzt aktualisiert: 31. März 2021

Das Erhalten einer Abfindung nach einem Abgang aus dem Unternehmen ist jedermanns Traum. Unternehmer zahlen nach einer Kündigung eine Abfindung als Entschädigung aus. Doch nicht jeder erhält eine Abfindung ausbezahlt.

Für eine Abfindung gibt es keinen grundsätzlichen Anspruch, dennoch wird die Entschädigung ausbezahlt, um jegliche Gerichtsprozesse zu vermeiden. Was allerdings die wenigsten wissen ist, dass Abfindungen voll versteuert werden.

In unserem umfangreichen Ratgeber zum Thema Abfindung versteuern wollen wir dich mit hilfreichem Wissen, wie Abfindungen versteuert werden, ausstatten. Weiterhin erhältst du von uns alle Antworten auf die meist gestellten Fragen in Bezug auf das Thema Abfindung versteuern, um dich über eine bevorstehende Abfindung zu informieren.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Unternehmer bezahlen gekündigten Arbeitnehmern eine Abfindung aus. Die Abfindung wird auch auch Entschädigungszahlung genannt. Allerdings wird die Auszahlung laut dem Steuerrecht voll versteuert.
  • Je höher das Einkommen, desto höher ist der Steuersatz, das sich wiederum negativ auf die Abfindung auswirkt. Daher wird eine sogenannte Fünftelregelung angeboten, die hohe Steuern ermäßigen kann.
  • Die Abfindung kann entweder als ganzer Betrag oder in Raten ausgezahlt werden. Allerdings ist es wichtig, dass die Raten im selben Jahr ausbezahlt werden, sonst verliert die Fünftelregelung ihre Wirkung.

Hintergründe: Was du über das Versteuern einer Abfindungen wissen solltest

Bevor du Entscheidungen bezüglich einer Abfindung triffst, solltest du unbedingt einige Punkte wissen. Deshalb werden wir dir in den folgenden Abschnitten alle wichtigen Informationen über die Versteuerung der Abfindung erläutern, um dich bei deiner Entscheidung zu unterstützen.

Was ist eine Abfindung?

Unter einer Abfindung versteht man eine einmalige Sonderzahlung, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer nach einer Kündigung ausbezahlt. Mit der Abfindung wird der Arbeitnehmer nicht nur für den Verlust seines Arbeitsplatzes entschädigt, sondern auch für den zukünftigen Dienstausfall.Von der Seite des Arbeitnehmers betrachtet, besteht kein gesetzlicher Anspruch auf eine Auszahlung der Abfindung.

Eine Abfindung ist ein Geldbetrag der dem Arbeitnehmer nach einer Kündigung ausgezahlt wird. (Bildquelle: Lena Balk / Unsplash)

Wird jedoch aber der Arbeitnehmer betriebsbedingt gekündigt, dann kann er eine Abfindung verlangen. Das ist allerdings nur dann möglich, wenn der Gekündigte die Frist einer Kündigungsschutzklage vernachlässigt. Erst dann hat der gekündigte Arbeiter Anspruch auf eine Abfindung.

Hierbei musst du darauf achten, dass diese Option im Kündigungsschreiben festgehalten ist. Nur so hast du laut dem Kündigungsschutzgesetz Anspruch auf eine Abfindung (1).

Muss die Abfindung versteuert werden?

Abfindungen sind nicht mehr steuerfrei. Allerdings wurde im Jahre 2006 beschlossen, dass Abfindungen voll versteuert werden müssen. Abfindungen gelten als außerordentliche Einkünfte (§34 EStG) (2), die dementsprechend auch in der Steuererklärung angeben werden muss. Sozialversicherungsbeiträge wie Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden hierbei nicht mitgerechnet.

Laut dem Steuerrecht werden Abfindungen als außerordentliche Einkünfte betrachtet, daher werden sie seit 2006 voll versteuert.

Allerdings sind Personen die ein höheres Einkommen erhalten mit höheren Steuern konfrontiert als jene mit einem geringen Einkommen. Das Ansteigen des persönlichen Steuersatzes wird von der Höhe deines Einkommens bestimmt.

Das bedeutet, je höher das Einkommen, desto höher werden die eigenen Steuern, was die Abfindung negativ beeinflussen kann. Was allerdings die Versteuerung vermindern kann ist die sogenannte Fünftelregelung. Sie ist aktuell die maßgeblichste und mögliche Steuererleichterung in diesem Bereich.

Was ist eine Fünftelregelung?

Im deutschen Steuerrecht begünstigt die Fünftelregelung das außerordentliche Einkommen. Das bedeutet mit der Fünftelregelung hast du die Option die Höhe deiner Steuern, die sich nach deinem Einkommen richten, zu minimieren. Die einmalige Abfindung wird so behandelt, als ob du die Zahlung gleichmäßig auf die nächsten fünf Jahre verteilt bekommen würdest.

abfindung-versteuern

Die Höhe der Steuern hängt von der Höhe des derzeitigen Einkommens ab. Mit der Fünftelregelung werden die Steuern minimiert und verschont somit den Abfindungsbetrag. (Bildquelle: Markus Spiske / Unsplash)

Das heißt, hier wird die Betragssumme voll versteuert und nur ein Fünftel wirkt sich auf den Steuersatz aus. Mit der Fünftelregelung wird eine enorme Steuerbelastung verhindert. Personen die eine hohe Differenz zwischen der Abfindung und dem zu versteuerndem Einkommen haben, profitieren am meisten (3).

Wird die Fünftelregelung automatisch angewendet?

Bei der Auszahlung der Abfindung ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet dem Arbeitnehmer die Fünftelregelung zu gewährleisten. In manchen Fällen kann es passieren, dass sich eine Zusammenballung durch die Abfindung nur zusammen mit den Einkünften, die dem Arbeitgeber unbekannt sind, ergibt.

Das würde bedeuten, dass der Arbeitnehmer selber den Antrag auf die Anwendung des Fünftelregelung stellen muss. Was du allerdings beachten musst, unabhängig vom Erhalt der Steuerbegünstigung ist, dass die Abfindung gesondert auf dem Formular der Steuererklärung angegeben werden muss.

Wie werden die Steuern nach der Fünftelregelung berechnet? (Rechenbeispiel)

Hier zeigen wir dir Anhand eines Beispiels wie die Steuern nach der Fünftelregelung berechnet werden:

Beispiel: Ein lediger Mann wird von seinem Arbeitgeber entlassen und erhält dafür eine Abfindung über 10.000 Euro. Im Jahr 2020 hat er nach Abzug seiner gesamten abzugsfähigen Aufwendungen (Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen) ansonsten 42.000 Euro als Lohn zu versteuern.

Bei der Fünftelregelung wird ein Fünftel der Abfindung dazugezählt. Die darauf entfallende Einkommensteuer wird mit derjenigen verglichen, die auf das zu versteuernde Einkommen ohne Abfindung anfällt. Der fünffache Unterschiedsbetrag aus beiden Beträgen gilt als Einkommensteuer für die Abfindung.

Auswirkung der Fünftelregelung (Beispiel)
Jahreseinkommen (nach Werbungskosten etc.) € 42.000,-
+ ein Fünftel der Abfindung € 2.000,-
= zu versteuerndes Einkommen € 44.000,-
Einkommensteuer 2020 mit Abfindung € 9.877,-
Einkommensteuer 2020 ohne Abfindung € 9.156,-
= Unterschiedsbetrag € 721,-
Fünffacher Unterschiedsbetrag € 3.605,-
Steuern mit Fünftelregelung € 12.761,-
- Steuern ohne Fünftelregelung € 12.930,-
Steuerersparnis € 169,-
Steuerersparnis in Prozent 1,31 %

Mit einfachen fünf Schritten erklären wir dir wie die Ergebnisse der versteuerten Abfindung zustande kommen:

  • Schritt 1: Zunächst musst du ein Fünftel deiner Abfindung berechnen, indem du den Betrag der Abfindung durch ein Fünftel teilst. Das Ergebnis wird auf das Jahreseinkommen addiert, abzüglich der Werbungskosten, Sonderausgaben sowie außergewöhnlichen Belastungen. Das Ergebnis ist das zu versteuernde Einkommen. (Beispiel: 10.000 / 5 + 42.000 = 44.000) Des Weiteren wird anschließend die fällige Einkommensteuer mit der Abfindung berechnet. In diesem Beispiel beträgt diese € 9.877,-. Es ist auch wichtig sich die Einkommensteuer ohne Abfertigung auszurechnen. Im Beispiel entfällt auf das Jahreseinkommen von € 42.000,- eine Einkommensteuer von 9.156 Euro.
  • Schritt 2: Im zweiten Schritt musst du den Unterschiedsbetrag berechnen. Dazu wird die Einkommensteuer des Jahreseinkommens mit Abfindung von der Einkommensteuer des Einkommens ohne Abfindung subtrahiert. (Beispiel: 9.877 – 9.156 = 721) Darauffolgend wird das Ergebnis mit fünf multipliziert. So erhältst du die Einkommensteuer, die nur für die Abfindung allein anfällt, den sogenannten Fünffacher Unterschiedsbetrag. (Beispiel: 721 x 5 = 3.605)
  • Schritt 3: In zweiten Schritt hast du nur die Einkommensteuer für die reine Abfindung kalkuliert. Im dritten Schritt wird die gesamte Einkommensteuer berechnet. Hierbei muss die Einkommensteuer für das Jahreseinkommen addiert werden. Das Ergebnis weist die gesamte Steuerschuld auf. Diese fällt allerdings an, wenn die Fünftelregelung angewendet wird. (Beispiel: 3.605 + 9.156 = 12.761)
  • Schritt 4: Im vierten Schritt kannst du überprüfen, ob du tatsächlich an Steuern gespart hast. Dabei musst du dir die Steuerschuld berechnen, die ohne die Anwendung der Fünftelregelung angefallen wäre. Dazu addierst du das Jahreseinkommen mit der gesamten Abfindungssumme. (Beispiel: 42.000 + 10.000 = 52.000) Für diesen Betrag musst du wieder die Einkommensteuer berechnen. Im Beispielfall beträgt diese 12.930 Euro.
  • Schritt 5: Im letzten Schritt subtrahiert man die Ergebnisse aus dem dritten und dem vierten Schritt miteinander. Das Ergebnis zeigt, wie viel durch die Fünftelregelung tatsächlich gespart wurde. (Beispiel: 12.930 – 12761 = 169) Wenn die Fünftelregelung in Anspruch genommen wurde, dann liegt das Steuerersparnis bei € 169,-.

Wie bereits genannt ist die Höhe der Steuer vom Einkommen abhängig. Das bedeutet, dass der Steuerersparnis nicht immer gleich hoch ausfällt. Je höher die Differenz zwischen dem Jahreseinkommen und der Abfindung ist, desto höher ist das Steuerersparnis.

Welche Voraussetzungen gelten für die Fünftelregelung?

Wie du in dem Beispiel sehen kannst, kann der Steuer-Ersparnis entweder gering oder hoch ausfallen. Das ist alles von der Höhe des tatsächlichen Einkommens abhängig. Um Anspruch auf eine Fünftelregelung zu bekommen, müssen zwei wichtige Voraussetzungen erfüllt sein (4).

  • Gleiches Kalenderjahr: Damit die Fünftelregelung zur Reduktion der Steuern verwendet werden kann, muss die gesamte Abfindungssumme innerhalb eines Kalenderjahres auf deinem Konto überwiesen sein. Sollte doch ein Teil der Abfindung erst im Folgejahr überwiesen werden, dann darf die Summe nicht größer als fünf Prozent der Gesamtsumme betragen. In diesem Fall solltest du unbedingt darauf achten, denn das Finanzamt könnte die beantragte Fünftelregelung einziehen.
  • Zusammenballung von Einkünften: Die zweite Voraussetzung besteht in der Zusammenballung von Einkünften. Dies ist dann gegeben, wenn die Abfindung höher ist als die ausbleibenden Einkünfte des restlichen Kalenderjahres. Genauer gesagt: bisherige Einkünfte des laufenden Kalenderjahres + Abfindung > Einkünfte des laufenden Kalenderjahres + ausbleibende Einkünfte durch Kündigung.

Muss der Arbeitgeber die Abfindung versteuern?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet die Lohnsteuer und gegebenenfalls den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer von der Abfindung abzuziehen und muss dementsprechend die anfallenden Abgaben in den Gehaltsunterlagen dokumentieren. Bedenke, dass die Fünftelregelung vom Arbeitgeber verwendet wird, wenn eine Lohnsteuersenkung dadurch bewirkt wird (5).

Wo wird die Abfindung in der Steuererklärung eingetragen?

Die Steuern der Abfindung werden vom ehemaligen Arbeitgeber abgeführt und überprüft gleichzeitig, ob die Voraussetzungen für den Erhalt der Abfindung vorhanden sind.

Beim Beantragen der Abfindung ist eine korrekt ausgefüllte Steuererklärung notwendig. Daher müssen die Daten der Abfindung in die Anlage N, in der Zeile „ermäßigt besteuerte Entschädigungen“ eingetragen werden.

abfindung-versteuern

Abfindungen sind laut dem Steuerrecht voll zu versteuern. Daher besteht die Möglichkeit den hohen Steuersatz zu mildern, indem die Fünftelregelung in Anspruch genommen wird. (Bildquelle: Scott Graham / Unsplash)

Sollte die Abfindung nicht gemäß besteuert werden, dann muss in der Steuererklärung die Abfindung in Zeile 18 eingetragen werden. Die anfallende Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag gehören in Zeile 19 und die Kirchensteuer in Zeile 20. Es dürfen neben der Steuererklärung die beizulegenden Unterlagen wie der Aufhebungsvertrag und die Abfindungsvereinbarung bei der Einreichung nicht fehlen.

Wo kann eine Steuerermäßigungen erhalten werden?

Durch die Fünftelregelung wird nicht nur der Steuersatz auf die Abfindung reduziert, sondern auch für das private leben wie bei der Kirchensteuer oder bei der Nutzung des Dienstautos beziehungsweise der Werkswohnung.

  • Kirchensteuer
    Wenn du ein Kirchenmitglied bist, dann kannst du dir mithilfe der Steuererklärung die Hälfte der bereits getätigten Kirchensteuerzahlung zurückholen. Hierbei musst du lediglich beim Kirchensteueramt beziehungsweise evangelischen Landeskirche einen formlosen Antrag stellen und auf Teilerlass der Kirchensteuer ansuchen. Die Kirchensteuer zählt zu den Sonderabgaben, deshalb kann ein nachträglicher Teilerlass dazu beitragen, dass du die Einkommensteuer und den Solidaritätszuschlag zurückzahlen musst (6).
  • Nutzung eines Dienstwagens oder einer Werkswohnung:
    Eine Ermäßigung der Steuer kann auch dann beantragt werden, wenn der Arbeitnehmer trotz Kündigung das Firmenauto oder eine Werkswohnung in Anspruch nimmt. Beim Beziehen weiterer Leistungen des ehemaligen Arbeitgebers muss der ehemalige Arbeitnehmer die Nutzung voll versteuern.

Wird die Abfindung als Entschädigung für entgehende Einnahmen angesehen?

Eine Abfindungszahlung kann nur dann gestattet werden, wenn tatsächlich eine Kündigung beziehungsweise eine Entlassung vorliegt. Eine Abfertigung dient auf keinen Fall als eine Art Ersatz für zum Beispiel einen nicht bezahlten Gehalt oder Bonuszahlungen.

Die Abfindung, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zahlt, wird als Entschädigung für die Entlassung gesehen.

Die meisten sind davon überzeugt, dass beispielsweise bei einem Betriebsübergang, einer Änderungskündigung oder ein Tätigkeitswechsel beim selben Arbeitgeber eine Abfindung ausgezahlt wird.

Jedoch unterliegen diese Punkte nicht dem Einkommensteuergesetz und sind nicht mit einer Abfindung zu entschädigen. Erst bei einer Kündigung bekommt der Arbeitnehmer die Abfindung, weil der gekündigte Arbeitnehmer ab diesem Zeitpunkt keinen Lohn mehr bezieht.

Die Abfindung kann im Auflösungsvertrag zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer geregelt werden. Daher ist er wichtig den Vertrag gründlich zu lesen, bevor er unterzeichnet wird.

Wie kann eine Abfindung erhöht werden?

Bei der Abfindung gibt es keine gesetzliche Regelung bezüglich der Auszahlungshöhe. Das Arbeitsgericht ist der Meinung, dass als Berechnungsgrundlage ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr dienen soll. Wo allerdings eine gesetzliche Regelung besteht, ist für den Auflösungsantrag, der nur in Ausnahmefällen eintritt.

Die Höhe der Abfertigung ist stark von der jeweiligen Branche abhängig. Um den Abfindungsbetrag zu erhöhen hilft in den meisten Fällen Verhandlungsgeschick. Mit dem richtigen Gespür für Verhandlungen und taktischem Geschick kann der Abfindungsbetrag variieren.

Worauf muss man bei der Abfindungszahlung in Raten achten?

Der Arbeitgeber und der entlassene Arbeitnehmer können sich darauf einigen, dass die Abfindung in Raten ausbezahlt wird. In den meisten Fällen wird die Ratenzahlung als Überbrückungsgeld angesehen, weil es dem Gekündigten ein auf Zeit verteiltes Einkommen erstattet.

Allerdings muss bei der Abfindungszahlung in Raten mit Vorsicht gehandelt werden. Wenn der Arbeitnehmer die Fünftelregelung beantragt hat, dann ist sie nur gültig, wenn die Abfindung in einem Kalenderjahr ausbezahlt wird.

Wird jedoch die Abfindung auf mehrerer Jahre verteil, dann verfällt die Fünftelregelung und kann nicht eingesetzt werden. Das würde bedeuten, dass statt einer Milderung die volle Steuer bezahlt werden muss. Allerdings ist zu erwähnen, dass eine Ausnahme besteht.

Wenn die Abfindung nicht mehr als zehn Prozent von der tatsächlichen Auszahlungssumme auf ein anderes Kalenderjahr verschoben wird, dann ist die Finanzverwaltung dazu bereit ein steuerzahlerfreundliches Urteil zu setzen.

Wie wird die Abfindung einer Riester-Kleinbetragsrente gehandhabt?

Wenn du ein Riester-Vertrag mit einem niedrigen Rentenanspruch hast, dann wird oft Kleinbetragsrenten mit einer Einmalzahlung abgefunden. Laut dem Einkommensteuergesetz kannst du bei solchen Abfindungen auch eine Fünftelregelung beantragen.

Anders als bei der Abfindung bei Entlassung ist hier eine Höchstgrenze der monatlichen Auszahlung vorgegeben. Hier beträgt die Höhe der monatlichen Abfindung ein Prozent. Natürlich steigt die Höchstgrenze mit den Jahren weiter an.

Ab einer monatlichen Riester-Rente von 31,15 Euro darf diese sofort förderunschädlich ausgezahlt werden. Demnach wird dieser Betrag nur ermäßigt versteuert. Schätzungen nach darf die Höhe der Abfindung nur circa 9.500 Euro sein. Als Riester-Sparer profitierst du von staatlichen Zulagen beziehungsweise hohe Sonderausgabenabzüge.

Im Normalfall wird die Abfindung erst ab dem Alter von 62 Jahren zu Beginn der Auszahlungsperiode ausbezahlt.

Bei älteren Verträgen kann die Auszahlung der Abfertigung bereits im 60. Lebensjahr beginnen. Nachdem die Abfindung mit Anfang der Auszahlungsphase startet, hast du dein Vorteil, indem du die erhaltenen steuerlichen Begünstigungen behalten darfst.

Ein weiterer Vorteil ist, wenn du zum Beispiel in der ersten Jahreshälfte deinen Gehalt erhältst und erst in der zweiten Jahreshälfte in Pension gehst, dann solltest du dir unbedingt die Riester-Kleinbetragsrente erst im folgenden Jahr auszahlen lassen. Bleibt deine Abfindung unterhalb der genannten Höchstgrenze, dann hast du Anspruch auf die Fünftelregelung und die Abfindung wird gemildert versteuert und dein Gehalt wird nicht mehr versteuert.

Beim Riester-Vertrag kannst du dich entscheiden, ob die Abfindung in kleine Raten mit dem Startjahr ausbezahlt werden soll oder erst im Folgejahr. Wichtig ist, dass die Abfindung, die in Kleinbetragsrenten ausbezahlt wird, in der Steuererklärung in die Anlage R eingetragen werden (7).

Kann eine Abfindung in eine Altersvorsorge umgewandelt werden ?

Die Abfindung kann seit 2018 in eine betriebliche Altersvorsorge umgewandelt werden. Das bedeutet, dass die Einzahlung in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder auch in ein Pensionsfond von der Besteuerung befreit ist, jedoch unter einer Bedingung. Der Höchstbetrag darf nicht durch andere Beiträge ausgeschöpft sein. Allerdings ist bei einer späteren Betriebsrente die Auszahlung voll zu versteuern.

Es gibt auch die Möglichkeit im Alter von 50 Jahren Frühpension, ohne jegliche Nachteile zu beantragen. In diesem Fall kann der Pensionsantritt durch Beitragszahlungen ausgeglichen werden.

Auch der Arbeitgeber kann den entlassenen Mitarbeiter unterstützen, indem er die Pensionsversicherungsbeiträge übernimmt.

Die Betriebsrente ist eine spezielle Form der Abfindung, denn die erste Hälfte der geleisteten Beträge wird von der Steuer befreit und die zweite Hälfte ist jedoch zu versteuern. Der Vorteil hierbei ist, dass der geleistete versteuerte Betrag als Entschädigung mittels der Fünftelregelung nur gemildert besteuert wird (8).

Fazit

Eine Abfindung nach einer Entlassung ist etwas was nicht jedes Unternehmen auszahlt. Die Abfindung soll dem Arbeitnehmer eine Entschädigungssumme für den Abgang ausbezahlen.

Jedoch ist hier zu beachten, dass aufgrund der hohen Summe auch hohe Steuern anfallen, denn Abfindungen werden voll versteuert. Allerdings kann die Fünftelregelung die hohen Steuern mindern und einiges auch rückerstatten, wie etwas die Kirchensteuer.

Bei der Fünftelregelung musst du aufpassen, denn wird die Abfindung nicht im selben Jahr ausgezahlt ist die Regelung ungültig und bis wieder dazu verpflichtet die volle Steuer zu bezahlen.

Das Gute an der Abfindung ist, dass die Höhe nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Das wiederum lässt viel Luft für Verhandlungen. Ob du dich für eine volle oder in Raten aufgeteilte Abfindung entscheidest, liegt nun an dir.

Bildquelle: Bill Oxford / Unsplash

Einzelnachweise (8)

1. Becker, J.: Stichwort: Abfindung. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2021. Abgerufen am 18.03.2021.
Quelle

2. steuernetz.de. Außerordentliche Einkünfte und Fünftelregelung. Abgerufen am 18.03.2021.
Quelle

3. Deutsche Handwerkszeitung. Abfindung: So lässt sich die Steuerlast abmildern. Abgerufen am 18.03.2021.
Quelle

4. Handelsblatt. So können gekündigte Arbeitnehmer die Abfindung versteuern. Abgerufen am 18.03.2021
Quelle

5. e-Abfindung. Steuern auf eine Abfindungszahlung. Abgerufen am 18.03.2021
Quelle

6. gssr. Abfindung und Kirchensteuer. Abgerufen am 18.03.2021
Quelle

7. Spiegel. Wie Sie von Ihrer Riester-Rente möglichst viel behalten. Abgerufen am 18.03.2021
Quelle

8. finanzen.at. Abfindungen clever verhandeln und Steuern sparen!. Abgerufen am 18.03.2021
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Abfindung
Becker, J.: Stichwort: Abfindung. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2021. Abgerufen am 18.03.2021.
Gehe zur Quelle
Außerordentliche EinAußerordentliche Einkünfte und Fünftelregelungkünfte und Fünftelrege
steuernetz.de. Außerordentliche Einkünfte und Fünftelregelung. Abgerufen am 18.03.2021.
Gehe zur Quelle
Abfindung: So lässt sich die Steuerlast abmildern
Deutsche Handwerkszeitung. Abfindung: So lässt sich die Steuerlast abmildern. Abgerufen am 18.03.2021.
Gehe zur Quelle
So können gekündigte Arbeitnehmer die Abfindung versteuern
Handelsblatt. So können gekündigte Arbeitnehmer die Abfindung versteuern. Abgerufen am 18.03.2021
Gehe zur Quelle
Steuern auf eine Abfindungszahlung
e-Abfindung. Steuern auf eine Abfindungszahlung. Abgerufen am 18.03.2021
Gehe zur Quelle
Abfindung und Kirchensteuer
gssr. Abfindung und Kirchensteuer. Abgerufen am 18.03.2021
Gehe zur Quelle
Wie Sie von Ihrer Riester-Rente möglichst viel behalten.
Spiegel. Wie Sie von Ihrer Riester-Rente möglichst viel behalten. Abgerufen am 18.03.2021
Gehe zur Quelle
Abfindungen clever verhandeln und Steuern sparen!
finanzen.at. Abfindungen clever verhandeln und Steuern sparen!. Abgerufen am 18.03.2021
Gehe zur Quelle
Testberichte