Abfindung
Veröffentlicht: 19. März 2021

Nach einem beendeten Arbeitsverhältnis stellen sich viele Arbeitnehmer die Frage, ob sie Anspruch auf eine Abfindung haben und wie hoch diese ausfallen kann. In vielen Fällen wird ihm die Entscheidung abgenommen und der Arbeitgeber setzt einen Aufhebungsvertrag auf, um sich selbst abzusichern. Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein und kann ich die Abfindung von den Steuern absetzen?

In unserem umfangreichen Ratgeber werden wir dir die meist gestellten Fragen rund um das Thema Abfindung beantworten und dir einige Tipps geben. Du erfährst, was du beachten musst und wie viel Abfindung dir gesetzlich zusteht.




Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht immer hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf eine Abfindung nach der Kündigung. Es müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein.
  • Häufig setzen die Arbeitgeber von selbst einen Aufhebungsvertrag auf, um das Risiko eines Gerichtsverfahrens zu vermeiden.
  • Die Höhe der Abfindung kann stark variieren und ist abhängig vom Monatsgehalt, Beschäftigungsjahr und Verhandlungsgeschick des betroffenen Arbeitnehmers.

Hintergründe: Was du über die Abfindung wissen solltest

Nach einer Kündigung ist es oft schwierig einen klaren Kopf zu bewahren. Deshalb werden wir dir anhand der nachfolgenden Fragen alle wichtigen Informationen verständlich erklären, um dir in dieser besonderen Situation zu helfen.

Was ist eine Abfindung?

Eine Abfindung kann infolge einer Kündigung ausgezahlt werden.

Eine Abfindung (1) ist eine einmalige Geldzahlung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer im Zuge einer Kündigung vonseiten des Arbeitgebers. Diese Zahlung gilt als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes.

In Deutschland gibt es kein grundsätzliches Recht auf eine Abfindung. Trotzdem wird diese oft ausgezahlt, um einen möglichen Gerichtsprozess zu vermeiden.

Sobald die Abfindung angenommen wird, kann keine Kündigungsschutzklage mehr gestellt werden und der Kündigungsschutz ist offiziell beendet. Eine Abfindung kommt entweder dann zustande, wenn der Arbeitgeber eine Kündigungsschutzklage verhindern möchte oder im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens vor Gericht verliert.

Was ist ein Aufhebungsvertrag?

Ein Aufhebungsvertrag wird im Zuge der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses zwischen dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossen und ist eine Alternative zur einseitigen Kündigung.

Der Vertrag wird aufgesetzt, um Klarheit über die Verhältnisse zu schaffen und einen Prozess vor Gericht zu vermeiden. Er wird von beiden Parteien geschlossen und berücksichtigt diese gleichermaßen, um Unstimmigkeiten aus dem Weg zu gehen.

Abfindung

Ein Aufhebungsvertrag kann anstelle einer Kündigung aufgesetzt werden. (Bildquelle: Scott Graham / Unsplash)

In diesem Vertrag wird häufig auch die Höhe der Abfindung festgelegt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich auf einen Betrag, welcher im Aufhebungsvertrag (3) festgehalten wird und ausgezahlt werden muss. Arbeitnehmer können den Abfindungsbetrag mit etwas Verhandlungsgeschick in die Höhe treiben oder den Vertrag ablehnen und vor Gericht gehen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Bei betriebsbedingter Kündigung

Bei einer betriebsbedingten Kündigung (4) kann der Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Abfindung stellen. Dies funktioniert aber nur, wenn das Kündigungsgesetz anwendbar ist.

Das bedeutet, kleine Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern in Vollzeit können keine Abfindung an einen gekündigten Arbeitnehmer zahlen. Außerdem muss das Beschäftigungsverhältnis länger als sechs Monate existiert haben.

Des Weiteren geht mit der Abfindung ein Verbot der Gerichtsklage einher.

Der Ex-Arbeitnehmer kann, wenn er die Abfindungszahlung akzeptiert, keine Kündigungsschutzklage mehr vor Gericht einreichen.

Auch der Grund der Kündigung ist wichtig in Bezug auf die Abfindung. Diese kann nur ausgezahlt werden, wenn der Kündigungsgrund innerbetrieblich ist. Mögliche Gründe sind: ein enormer Auftragsrückgang, eine wirtschaftliche Schieflage oder eine Umstrukturierung im Unternehmen. Sollte der Grund jedoch auf den Arbeitnehmer und dessen Verhalten zurückzuführen sein, kann es nicht zu einer Auszahlung der Abfindung kommen.

Im Kündigungsschutzprozess

Auch im Kündigungsschutzprozess (5) vor Gericht kann es zu einer Abfindung kommen. Sollte der Arbeitgeber mit der Kündigung unrecht bekommen und der Arbeitnehmer kann in dem Unternehmen nicht mehr tätig sein, setzt das Gericht eine Abfindung fest.

Abfindung

Eine Abfindung kann je nach Monatsgehalt und Beschäftigungsjahren stark variieren. (Bildquelle: Markus Spiske/ Unsplash)

Diese Regelabfindung wird normalerweise mit 0,5 Monatsgehältern berechnet. In manchen Gerichten ist es jedoch üblich mit einem Faktor von 0,3 oder sogar weniger zu rechnen.

Im schlimmsten Fall wäre es also für den Arbeitnehmer besser gewesen, eine Abfindung im Voraus angenommen zu haben. Doch diese Urteile sind relativ selten. Trotzdem ist es nicht immer sinnvoll, bei einer Kündigung vor Gericht zu ziehen.

Wird die Abfindung auf das Arbeitslosengeld angerechnet?

Auch mit einer Abfindung haben Arbeitnehmer den vollen Anspruch auf das Arbeitslosengeld. Im Regelfall wird das gezahlte Geld nicht auf die beantragte Sozialleistung angerechnet. Es gibt hierbei jedoch auch Fälle, in denen die Abfindung von dem Arbeitslosengeld (6) abgezogen wird.

Dies passiert, wenn der Arbeitnehmer schon vorzeitig das Unternehmen verlässt und die Kündigungsfrist nicht berücksichtigt. In diesem Fall wird dem gekündigten Mitarbeiter kein Arbeitslosengeld bis zum Ablauf der Kündigungsfrist gezahlt.

Müssen Sozialabgaben gezahlt werden?

Da eine Abfindung eine Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes darstellt und kein Arbeitsentgelt ist, muss der Arbeitnehmer keine Sozialabgaben (7) zahlen. Die Zahlungen zur Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung fallen weg. Eine Abfindungszahlung geschieht außerhalb des Beschäftigungsverhältnisses.

Müssen Steuern gezahlt werden?

Seit 2003 muss die Abfindung grundsätzlich versteuert werden (2), da sie als außerordentliche Einkunft gewertet wird. Die Sozialversicherungsbeiträge müssen, wie oben bereits erläutert, darauf nicht gezahlt werden. Nur wer freiwillig Beiträge an die Krankenkasse zahlt, muss diese auch mit der Abfindung begleichen.

Der eigene Steuersatz kann sich durch die Abfindung erhöhen. Mit dem Anstieg des außerordentlichen Einkommens kannst du in die nächsthöhere Stufe rutschen und musst mehr Steuern zahlen (8). Je höher die Abfindung ist, desto negativer kann sich dies auf deine Steuerzahlungen auswirken. Doch es ist möglich die Höhe der Steuern zu reduzieren und diese einzusparen - mit der sogenannten Fünftelregelung.

Fünftelregelung

Die Fünftelregelung (2) ist eine Methode, um die anfallenden Steuern bei einer Abfindung zu minimieren. Dabei muss die einmalige Abfindung vollständig in einem Jahr ausgezahlt werden.

Die Abfindungszahlung wird in Fünfteln über fünf Jahre auf den Steuersatz gerechnet und fällt somit bei weitem geringer aus als würde sie mit einmal versteuert werden. Die Abfindung wird zwar einmalig ausgezahlt, steuerlich aber so behandelt, als gebe es fünf einzelne Zahlungen über die Jahre hinweg.

Diese Regelung ist besonders nützlich für gekündigte Arbeitnehmer, die eine hohe Differenz zwischen dem zu versteuerndem Einkommen und der gezahlten Abfindung besitzen. Doch auch mit der Fünftelregelung muss die Abfindungszahlung versteuert werden. Trotzdem lässt sich ein bisschen dabei sparen.

Wie viel Abfindung bekomme ich?

Die Höhe der Abfindungszahlung fällt bei jedem Arbeitnehmer unterschiedlich aus. Neben Verhandlungsgeschick zählt auch das Monatsgehalt und das Beschäftigungsjahr.

Im Internet findest du einige Rechner, die dir eine ungefähre Zahl generieren, mit welcher du rechnen kannst. Besonders ein Rechtsanwalt kann in dieser Situation helfen und sollte spätestens im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens hinzugezogen werden.

Ungefähr lässt sich die Abfindungszahlung wie folgt berechnen: ein halbes Monatsgehalt mal die Anzahl der beschäftigten Jahre.

In manchen Fällen spielt noch das Alter oder der Grund der Kündigung eine Rolle und kann die Zahlung weiter erhöhen. Wichtig ist aber, dass die vorher berechnete Abfindung reine Kalkulation ist und nur als Anhaltspunkt gedacht sind. Im Erstfall kann die Zahlung ganz anders ausfallen.

Fazit

Auch wenn du nach einer Kündigung Panik bekommst und dir alles verloren erscheint, kannst du noch einiges herausholen. In den meisten Fällen hast du Anspruch auf eine Abfindung, welche du mit etwas Verhandlungsgeschick gut in die Höhe treiben kannst. Am besten informierst du dich vor einem Gespräch darüber, wie viel Abfindungszahlung dir aufgrund deines Monatsgehalts und Beschäftigungsjahres zusteht.

Häufig setzen Arbeitgeber statt einer Kündigung einen Aufhebungsvertrag auf, um das Risiko eines Gerichtsverfahrens zu vermeiden und Klarheit für beide Seiten zu schaffen. Wichtig zu wissen ist auch, dass du die Abfindung versteuern musst. Aber mit der Fünftelregelung kannst du ganz einfach einen Teil der Steuern sparen und hast damit mehr von deiner Abfindung übrig.

Jedoch hat ein Arbeitnehmer nicht immer einen Anspruch auf die Abfindung. Dafür müssen verschiedene Vorraussetzungen erfüllt sein. Doch wenn du einmal die Abfindung angenommen hast, kannst du keine Kündigungsschutzklage vor Gericht einreichen. Im Grunde solltest du dich immer fragen, ob es sich wirklich lohnt, vor Gericht zu ziehen.

Bildquelle: Primagefactory/ 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Prof. Dr. Becker, J.: Stichwort: Abfindung. In: Springer Gabler Verlag: Gabler Wirtschaftslexikon. Abgerufen am 10.03.2021
Quelle

2. Reuß, U: Abfindung versteuern - Weniger Steuern zahlen dank Fünftelregelung. In: Finanztip. Abgerufen am 10.03.2021
Quelle

3. hensche.de: Auf­he­bungs­ver­trag. In­for­ma­tio­nen und Tipps zum The­ma Auf­he­bungs­ver­trag: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht. Abgerufen am 11.03.2021
Quelle

4. arbeitsrechte.de: Was ist eine betriebsbedingte Kündigung? Abgerufen am 11.03.2021
Quelle

5. allrecht.de: Kündigungsschutzprozess – Ablauf und Kosten. Abgerufen am 11.03.2021
Quelle

6. arbeitsagentur.de: Arbeitslosengeld: Anspruch, Höhe, Dauer. Abgerufen am 11.03.2021
Quelle

7. bpb.de: Sozialabgaben Sozialbeiträge, (Sozialversicherungsbeitrag). Abgerufen am 11.03.2021
Quelle

8. bundesfinanzministerium.de: Steuern. Abgerufen am 11.03.2021
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wirtschaftslexikon
Prof. Dr. Becker, J.: Stichwort: Abfindung. In: Springer Gabler Verlag: Gabler Wirtschaftslexikon. Abgerufen am 10.03.2021
Gehe zur Quelle
Finanztip
Reuß, U: Abfindung versteuern - Weniger Steuern zahlen dank Fünftelregelung. In: Finanztip. Abgerufen am 10.03.2021
Gehe zur Quelle
Kanzlei Hensche
hensche.de: Auf­he­bungs­ver­trag. In­for­ma­tio­nen und Tipps zum The­ma Auf­he­bungs­ver­trag: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht. Abgerufen am 11.03.2021
Gehe zur Quelle
Was ist eine betriebsbedingte Kündigung?
arbeitsrechte.de: Was ist eine betriebsbedingte Kündigung? Abgerufen am 11.03.2021
Gehe zur Quelle
Kündigungsschutzprozess – Ablauf und Kosten
allrecht.de: Kündigungsschutzprozess – Ablauf und Kosten. Abgerufen am 11.03.2021
Gehe zur Quelle
Bundesagentur für Arbeit
arbeitsagentur.de: Arbeitslosengeld: Anspruch, Höhe, Dauer. Abgerufen am 11.03.2021
Gehe zur Quelle
Bundeszentrale für politische Bildung
bpb.de: Sozialabgaben Sozialbeiträge, (Sozialversicherungsbeitrag). Abgerufen am 11.03.2021
Gehe zur Quelle
Bundesfinanzministerium
bundesfinanzministerium.de: Steuern. Abgerufen am 11.03.2021
Gehe zur Quelle
Testberichte