Zuletzt aktualisiert: 1. Juli 2021

Was ist eine Aktiengesellschaft? Wie wird sie gegründet? Und wer leitet eine AG? Diese und noch viele weitere interessante Fragen haben wir für dich zusammengefasst. Die Aktiengesellschaft ist eine komplizierte Rechtsform, mit diesem Artikel lernst du jedoch alle grundlegenden Aspekte dieser Gesellschaftsform kennen.

Hier erfährst du alles, was man für die Gründung, doch auch als Aktionär wissen muss. Hast du noch kein Vorwissen oder willst du einfach dein Wissen wieder auffrischen? In diesem Artikel bekommst du einen informativen Crash Kurs.




Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Aktiengesellschaft ist eine juristische Person und kann als solche klagen, verklagt werden sowie, ähnlich wie eine natürliche Person, ihre Rechte und Pflichten ausüben. Des Weiteren ist sie eine Kapitalgesellschaft (1) und die Rechte und Pflichten bestehen vollkommen unabhängig von den Eigentümern.
  • Die AG hat den Vorteil, dass durch die Vergabe von Aktien in kurzer Zeit die finanziellen Mittel erhöht werden können, die Gründung ist jedoch mit einem hohen Gründungskapital von 50.000 Euro sowie komplizierten und komplexen Strukturen verbunden. Die Gründung ist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden, denn es müssen viele Schritte durchlaufen werden bis die AG rechtsfähig ist.
  • Die Rechtsform AG besteht aus drei Organen: dem Vorstand, welcher das Unternehmen nach außen vertritt; dem Aufsichtsrat, das Überwachungsorgan des Vorstands (2) und der Hauptversammlung. Die Hauptversammlung wird einmal im Jahr einberufen. Bei ihr üben alle Aktionäre ihre Mitbestimmungsrechte aus.

Alles Wissenswerte zum Thema Aktiengesellschaft, einfach erklärt:

Gesellschaftsformen sind oft vieldiskutierte Themen in der Finanzwelt. Schließlich beeinflusst die Wahl der Rechtsform jedes Unternehmen nachdrücklich. Die Nachfrage nach aktuellem und akkuraten Wissen zum Thema "Gesellschaftsformen" steigt und mit ihr auch die Zahl an Neugründungen.

Insgesamt wurden im Jahr 2020 in Deutschland 542.200 Unternehmen neu gegründet. (3) Eine der sieben Gesellschaftsformen heißt Aktiengesellschaft. Doch was genau ist das?

Was ist eine Aktiengesellschaft (AG)?

Eine AG ist eine Kapitalgesellschaft. Aus § 1 ergibt sich, dass es sich außerdem um eine juristische Person mit einem in Aktien zerlegten Kapital handelt. Was genau bedeutet "juristische Person"? Diese hat bestimmte Rechte und Pflichten, ähnlich wie eine natürliche Person.

Diese Rechte und Pflichten bestehen jedoch vollkommen unabhängig von den Eigentümern. Das unterscheidet eine Kapitalgesellschaft von einer Personengesellschaft.

Je höher der von Aktionären enthaltene Anteil am Grundkapital, desto mehr Mitbestimmungsrecht haben sie.

Und was sind Aktien? Die Anteile des Unternehmens - sogenannte Aktien - werden von Aktionären sowie Gesellschaftern gehalten. Diese sind dadurch auch (Mit-)Eigentümer der Gesellschaft und haben ein Mitbestimmungsrecht.

Wie wird eine Aktiengesellschaft (AG) gegründet?

Die genauen Regularien, welche man bei der Gründung einer AG beachten und befolgen muss, sind im Aktiengesetz (AktG) festgelegt. Folgende Schritte müssen durchgeführt werden:

  • Schließen eines notariell beurkundeten Vertrags, welcher die Satzung enthält, § 23 AktG.
    Der Vertrag muss gem. § 23 AktG folgende Angaben enthalten: Firma und Sitz der Gesellschaft, Gegenstand des Unternehmens, Höhe des Grundkapitals, die Zerlegung des Grundkapitals in Nennbetragsaktien oder Stückaktien und die Anzahl der Vorstandsmitglieder.
  • Bestellen des ersten Aufsichtsrats und durch diesen Bestellung des Vorstands, gem. § 30 AktG.
  • Verfassen des Gründungsberichts nach §§ 32 ff. AktG.
  • Übernahme der Aktien, gegen Geld- oder Sacheinlagen, durch die Gründer, §§ 27 ff. AktG.
    Bis zu diesem Zeitpunkt haften die Organwalter gem. § 41 Abs. 1 AktG persönlich und solidarisch für ihr Handeln.
  • Eintragung ins Handelsregister - Erst dann ist die AG rechtsfähig! § 41 Abs. 1 S. 1 AktG

Wieviel kostet die Gründung einer Aktiengesellschaft?

Das Grundkapital einer Aktiengesellschaft, die in Deutschland gegründet wird, beträgt mindestens 50.000 Euro. Basierend auf dem Betrag des Grundkapitals werden die Aktien ausgegeben.

Werden beispielsweise 100 Aktien ausgegeben, dann entspricht eine Aktie einem Anteil von 1 % des Unternehmenswerts. Diese Aktien werden "Stückaktien" genannt, denn sie repräsentieren einen festgelegten Teil des ganzen Grundkapitals.

Das Anlegen von Aktien ist für den Anleger einerseits ein finanzielles Risiko, andererseits jedoch auch eine Möglichkeit, Geld zu vermehren.  (Bildquelle: Austin Distel / Unsplash)

Es gibt jedoch auch noch eine zweite Aktienart: Nennbetragsaktien entsprechen einem gewissen Wert, also Geldbetrag. Es sind nur ganze Geldbeträge zulässig und der Mindestwert beträgt einen Euro.

Was sind die Organe einer Aktiengesellschaft?

Im Folgenden zeigen wir dir auf welche wichtigen Organe es innerhalb einer Aktiengesellschaft gibt.

Der Vorstand:

Der Vorstand vertritt die Aktiengesellschaft nach außen und kann auch nur aus einer Person bestehen. Er ist außerdem das Leitungsorgan des Unternehmens. (4)

Er handelt gem. §§ 76 f. AktG in eigener Verantwortung und sein Vertreterhandeln ist gem. § 78 AktG unbeschränkt und auch nicht beschränkbar. Der Vorstand stellt außerdem das Außenorgan der Gesellschaft dar, mit anderen Worten, er vertritt die Gesellschaft nach außen.

Der Aufsichtsrat:

Seine Hauptaufgabe ist die Überwachung des Vorstandes. (5) Er ist verantwortlich für die Bestellung und Abberufung des Vorstandes, nach § 84 AktG, die Überwachung der Geschäftsführung, nach § 111 Abs. 1 AktG, die Einberufung der Hauptversammlung in Notwendigkeitsfällen, nach § 111 Abs. 3 AktG.

Der Aufsichtsrat fungiert als Kontrollorgan der AG.

Außerdem vertritt er die Gesellschaft gegenüber den Vorstandsmitgliedern nach § 112 AktG, prüft den Jahresabschlusses nach § 171 AktG und kann eine Anfechtungsklage gegen Beschlüsse der Hauptversammlung erheben, nach § 245 Nr. 5 AktG. Die Wahl des Aufsichtsrats erfolgt mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen. (6)

Die Hauptversammlung:

Bei einer Hauptversammlung sind grundsätzlich alle Aktionäre vertreten und üben ihre Mitbestimmungsrechte aus. Sie wird einmal im Jahr einberufen.

Auf einer Hauptversammlung werden größtenteils organisatorische Fragen geklärt, z.B. wird die Wahl der Aufsichtsräte oder Kapitalherabsetzungen und -erhöhungen sowie die Verwendung des Gewinns besprochen. Kurz gesagt: Durch die Hauptversammlung üben die Aktionäre ihre Rechte im Inneren aus, § 118 Abs. 1 AktG. (7)

Welche Rechte hat ein Aktionär?

Ein Aktionär ist der Besitzer von Aktien einer Aktiengesellschaft und geht damit auch ein finanzielles Risiko ein. Er ist Gesellschafter bzw. Miteigentümer des Unternehmens. Als solcher hat er auch streng festgelegte Rechte. Die Rechtsstellung der Aktionäre lässt sich juristisch gesehen aufteilen in die: (8)

Rechte des Aktionärs Beispiel
Vermögensrechte Dividende, Bezugsrechte, Liquidationserlös
Mitgliedschaftsrechte/Verwaltungsrechte Stimmrecht, Kontrolle

Was genau versteht man beispielsweise unter einer Dividende? Darunter versteht man den Anteil am jährlichen Bilanzgewinn, der auf eine einzelne Aktie entfällt und auf den der jeweilige Aktionär einen Anspruch hat.

Es werden jedoch meist nicht alle Gewinne an die Aktionäre verteilt, da auch Rücklagen gebildet werden müssen, damit das Unternehmen wettbewerbsfähig bleibt. Die genaue Erklärung der einzelnen Rechte ist jedoch eine umfangreiche Thematik für sich und würde in diesem Artikel den Rahmen sprengen.

Was muss eine Aktiengesellschaft veröffentlichen?

Eine Aktiengesellschaft hat die Pflicht, den Jahresabschluss zu veröffentlichen und klare Regelungen, was auch die Zusammensetzung des Jahresabschlusses betrifft, einzuhalten.

Der Jahresabschluss einer Aktiengesellschaft umfasst die Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie einen Anhang (§§ 242, 264 HGB), nicht aber einen Lagebericht. Der Umfang des Jahresabschluss hängt jedoch stark von der jeweiligen Größe des Unternehmens ab.

Fazit

Eine Aktiengesellschaft ist eine juristische Person und hat damit Rechte und Pflichten, ähnlich einer natürlichen Person. Es ist jedoch eine Gesellschaftsform, die vor allem von Großunternehmen mit großem Kapitalbedarf bevorzugt wird. Warum? Diese Rechtsform bietet einen Zugang zur Börse. Die Börse wiederum bietet dank der Ausgabe von Aktien die Möglichkeit, schneller Kapital und bares Geld zu erhalten.

Dadurch werden beispielsweise Finanzierungen für neue Projekte leichter realisierbar. Die Struktur einer Aktiengesellschaft ist jedoch streng geregelt und sehr komplex. Das Kapital ist zerstückelt und es muss bedacht werden, dass für diese Gesellschaftsform ein hohes Grundkapital von 50.000 Euro, in Österreich sogar 70.000 Euro, für die Gründung benötigt wird.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass eine Aktiengesellschaft, vor allem für Großunternehmen, eine ideale Gesellschaftsform bietet, und somit dem Kapital- sowie Unternehmenswachstum nichts mehr im Wege steht.

Bildquelle: Sean Pollock / Unsplash

Einzelnachweise (8)

1. Gall in Doralt/Nowotny/Kalss, AktG2 § 1 Rz 7. Strittig ist, ob die AG ein Verein ist, so Kalss in Kalss/Nowotny/Schauer, ÖGesR2 Rz 3/2; Kastner/Doralt/Nowotny, GesR5 176; differenzierend Artmann/Karollus in Artmann/Karollus, AktG I6 § 1 Rz 7 ff; zur Aktiengesellschaft als Verein bereits Ritter,AktG 19372 Vorbemerkungen Rz 2. Abgerufen am 12.05.2021.
Quelle

2. Aktiengesetz mit amtlicher Begründung – Einführungsgesetz, Durchführungsverordnungen und Einführungsverordnungen für das Land Österreich und die sudetendeutschen Gebiete. Abgerufen am 12.05.2021.
Quelle

3. Anzahl der Neugründungen von Unternehmen oder Betrieben in Deutschland im Jahr 2020; Veröffentlicht von J. Rudnicka, 22.03.2021. Abgerufen am 12.05.2021.
Quelle

4. Ortner, J. (2017): Gestaltung anreizkompatibler Entlohnungssysteme für Vorstand und Aufsichtsrat, Wiesbaden. 2016, S. 26 f. Abgerufen am 12.05.2021.
Quelle

5. Eibelshäuser, B. (2011): Unternehmensüberwachung als Element der Corporate Governance: Eine Analyse der Aufsichtsratstätigkeit in börsennotierten Unternehmen unter Berücksichtigung von Familienunternehmen, Wiesbaden. Abgerufen am 12.05.2021.
Quelle

6. Kittel, J. (2016): Handbuch für Aufsichtsratsmitglieder, 2. Auflage, Wien. 2016, S. 57 f. Abgerufen am 13.05.2021.
Quelle

7. Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Aktiengesetz, Fassung vom 12.05.2021. Abgerufen am 13.05.2021.
Quelle

8. §§ 29, 36 Abs. 2, Bundesgesetz über Aktiengesellschaften (Aktiengesetz – AktG). Abgerufen am 13.05.2021.
Quelle

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Gall in Doralt/Nowotny/Kalss, AktG2 § 1 Rz 7. Strittig ist, ob die AG ein Verein ist, so Kalss in Kalss/Nowotny/Schauer, ÖGesR2 Rz 3/2; Kastner/Doralt/Nowotny, GesR5 176; differenzierend Artmann/Karollus in Artmann/Karollus, AktG I6 § 1 Rz 7 ff; zur Aktiengesellschaft als Verein bereits Ritter,AktG 19372 Vorbemerkungen Rz 2. Abgerufen am 12.05.2021.
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Rechtsvorschrift
Aktiengesetz mit amtlicher Begründung – Einführungsgesetz, Durchführungsverordnungen und Einführungsverordnungen für das Land Österreich und die sudetendeutschen Gebiete. Abgerufen am 12.05.2021.
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Anzahl der Neugründungen von Unternehmen oder Betrieben in Deutschland im Jahr 2020; Veröffentlicht von J. Rudnicka, 22.03.2021. Abgerufen am 12.05.2021.
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Wissenschaftliches Buch
Ortner, J. (2017): Gestaltung anreizkompatibler Entlohnungssysteme für Vorstand und Aufsichtsrat, Wiesbaden. 2016, S. 26 f. Abgerufen am 12.05.2021.
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Wissenschaftliches Buch
Eibelshäuser, B. (2011): Unternehmensüberwachung als Element der Corporate Governance: Eine Analyse der Aufsichtsratstätigkeit in börsennotierten Unternehmen unter Berücksichtigung von Familienunternehmen, Wiesbaden. Abgerufen am 12.05.2021.
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Wissenschaftliches Buch
Kittel, J. (2016): Handbuch für Aufsichtsratsmitglieder, 2. Auflage, Wien. 2016, S. 57 f. Abgerufen am 13.05.2021.
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Rechtsvorschrift
Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Aktiengesetz, Fassung vom 12.05.2021. Abgerufen am 13.05.2021.
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Rechtsvorschrift
§§ 29, 36 Abs. 2, Bundesgesetz über Aktiengesellschaften (Aktiengesetz – AktG). Abgerufen am 13.05.2021.
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