Zuletzt aktualisiert: 17. März 2021

Im Zusammenhang mit Unterhaltszahlungen gibt es anrechenbare Aufwendungen, die die Summe der Unterhaltszahlung beeinflussen. Es ist ein komplexes Thema, das viele gesetzliche Grundlagen beinhaltet und mit dem du dich sehr genau befassen musst.  Meist ist es am einfachsten, einen Steuerberater oder Anwalt hinzuzuziehen.

Allerdings ist es immer von Vorteil, sich schon vorab mit dem Thema befasst zu haben. Hierbei treten immer wieder häufig Fragen und Unklarheiten auf, über welche wir dir im folgenden Artikel einen Überblick verschaffen möchten. Diese Kriterien haben wir dir in unserem folgenden Artikel beantwortet und zusammengefasst.




Das Wichtigste in Kürze

  • Anrechenbare Aufwendungen auf Unterhalt haben einen großen Einfluss auf die Höhe der Unterhaltszahlung. Diese wird aus dem tatsächlichen Einkommen des Unterhaltszahlenden berechnet und individuell angepasst.
  • Das tatsächliche Einkommen wird aus der Summe aller Teile berechnet, die zum Einkommen dazuzählen. Anrechenbare Aufwendungen erhöhen das Einkommen, wohingegen anrechnungsfreie Aufwendungen das Einkommen vermindern, welches für die Berechnung berücksichtigt wird.
  • Bei einer Verweigerung der Unterhaltszahlung kann sich der Betroffene strafbar machen. Diese Situation tritt nicht immer ein, sondern nur durch bestimmte Umstände. Hier wird die Lebenssituation beider Personen, welche betroffen sind, genau untersucht sowie die finanziellen Umstände.

Hintergründe: Was du über anrechenbare Aufwendungen bei Unterhalt wissen solltest

Zum Thema Anwendungen bei Unterhalt tauchen häufig Fragen und Unklarheiten vor allem in Bezug auf rechtliche Grundlagen auf. Im folgenden Abschnitt haben wir dir die wichtigsten Fragen zusammengestellt und beantwortet.

Was sind anrechenbare Aufwendungen bei Unterhalt?

Viele Personen müsse Unterhaltszahlungen leisten. Diese gehen fast immer an nahe Verwandte, wie zum Beispiel unterhaltsberechtigte Kindern, Eltern, Ehe- und Ex-Ehegatten.

Es gibt eine Aufwendungen, die auf das Einkommen angerechnet werden. Dadurch erhöht sich die Unterhaltszahlung.

Die monatliche Unterhaltspflicht kann in vielen Fällen eine erhebliche Belastung verursachen.

Um diese sogenannten Unterhaltsschuldner ein wenig zu entlasten, gibt es bestimmte Wege, um den Unterhalt ein wenig zu reduzieren.(1)

Dies wird durch die anrechenbaren Aufwendungen bei Unterhalt ermöglicht. Diese anrechenbaren Aufwendungen vermehren den Betrag der Unterhaltszahlung. Wenn du diese Möglichkeit nutzt und geltend machst, kann sich der Unterhalt um eine beachtliche Summe erhöhen.

Die Summe des Unterhalts kann durch viele unterschiedliche Arbeitssituationen beeinflusst werden. (Bildquelle: Lena Balk / Unsplash.com)

Natürlich müssen hier einige Vorgaben des Gesetzgebers beachtet werden. Welche Aufwendungen angerechnet werden und die Unterhaltszahlung erhöhen können, werden wir dir im nächsten Abschnitt genauer erläutern.

Was zählt alles zum Einkommen?

Um die Aufwendungen bei Unterhalt genauer abgrenzen zu können, zeigen wir dir erst einmal, was alles zu deinem Einkommen dazugehört.(2)

  • Einkünfte aus selbst- oder unselbstständiger Erwerbstätigkeit: Sowohl Selbstständige als auch Angestellte müssen Unterhaltszahlungen aufbringen.
  • Kapitaleinkünfte: Hierzu zählen sowohl Zinsen als auch Dividenden. Außerdem werden auch die Zinseinkünfte aus Immobilienverkäufen, in der die Ehepartner vor ihrer Trennung gelebt haben, mit eingerechnet.
  • Rente: Die Rente wird in die Berechnung der Zahlung mit einbezogen, da sie durch den Verdienst der letzten Jahrzehnte bestimmte wurde und somit als Einkommen zählt.
  • Sozialvergünstigungen: Dazu zählen Krankengeld, Bafög, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld und Unfallrente. Allerdings gelten nicht alle Sozialleistungen als Einkommen.
  • Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung: Dies sind ebenfalls Einkünfte, da der Zahlende durch sie Profit schlägt.
  • Steuerrückerstattungen: Diese zählen ebenso wie Steuervorteile infolge von Abschreibungen oder aus Steuerfreibeträgen zum Einkommen. Falls ihnen Belastungen gegenüberstehen, müssen diese berücksichtigt werden und die Freibeträge können nicht komplett ausgeschöpft werden.
  • Nebentätigkeiten: Der Gewinn aus einer Nebentätigkeit zählt ebenfalls zum Einkommen. Sollten damit allerdings Schulden abbezahlt werden, zählen die Einkünfte bis zur Höhe der monatlichen Schulden nicht mit rein.
  • Sonderprivilegien des Arbeitnehmers: Auch Dinge, die der Arbeitnehmer von seinem Unternehmen erhält, wie zum Beispiel eine Werkwohnung, günstigeres Essen oder einen Firmenwagen, zählen zum Einkommen. Sie werden in Geld umgerechnet und dem Einkommen hinzuaddiert.
  • Krankengeld: Falls der Schuldner länger als  sechs Wochen Krank ist, erhält er Krankengeld anstatt des normalen Einkommens. Trotzdem wird es als Ersatz für das normale Einkommen gesehen und auch so behandelt.
  • Arbeitslosengeld:Es tritt in Kraft, wenn der Unterhaltszahlende seine Arbeit verliert. Da trotzdem Unterhalt gezahlt werden muss, wird das Arbeitslosengeld in den meisten Fällen als das neue Einkommen gesehen.
  • Kurzarbeitergeld: Dies ist auch ein Ersatz für das Einkommen und legt auch eine Grundlage zur Berechnung des Unterhalts.
  • Schlechtwettergeld: Hierbei handelt es sich um eine besondere Form des Ersatzes für tatsächliches Einkommen. Allerdings zählt auch das in die Zahlung mit ein.

Zum Unterhalt zählen somit alle tatsächlichen Einkünfte. Die Einkünfte der letzten zwölf Monate werden zusammenaddiert und durch zwölf dividiert. Bei Selbstständigen werden sogar die Einkünfte der letzten drei Jahre zusammengerechnet.(5)

Wie wirken sich Einkommensveränderungen nach der Scheidung auf den Unterhalt aus?

Der Betrag der Unterhaltszahlung wird immer nach dem tatsächlichen Einkommen berechnet. Wenn sich also das Einkommen des Ex-Ehepartners nach der Scheidung erhöht, erhöht sich gleichzeitig auch der Betrag der Unterhaltszahlung.

Andersherum ist es allerdings genauso. Sollte der Unterhaltsschuldner weniger Geld verdienen, muss er auch einiger Unterhalt zahlen. Das kann beispielsweise durch weniger Gehalt, aber auch durch einen Wechsel in eine andere Steuerklasse geschehen.(6)

Im Falle einer Unterhaltsverweigerung treten in manchen Situationen rechtliche Konsequenzen in Kraft. (Bildquelle: Bill Oxford / Unsplash.com)

Es sind zudem viele weitere Kriterien zu berücksichtigen. Sollte der Unterhaltszahlende eine neue Ehe eingehen, muss auch der Steuervorteil des neuen Ehepartners berücksichtigt werden. Das mindert wiederum das Einkommen des Zahlenden. Außerdem gibt es bestimmte Ausnahmen für den Einstieg in die Selbstständigkeit. Dabei wird vor allem geprüft, ob es ein sinnvoller Schritt war und ob das Einkommen sinkt und dadurch die Zahlung vermindert wird.

Falls der Unterhaltsschuldner arbeitslos wird, verringert sich natürlich auch der zu zahlende Beitrag des Unterhalts. Allerdings muss hierbei der Grund der Arbeitslosigkeit beachtet werden. Sollte sich der Zahlende keine Mühe machen oder absichtlich seine Arbeit verloren haben, wird das bei der Verringerung des Beitrags nicht berücksichtigt.(3)

Es gibt sehr viele Besonderheiten, die bei der Berechnung des Unterhalts berücksichtigt werden müssen. Du solltest dich vorab auf jeden Fall gut informieren und gegebenenfalls alles mit deinem Steuerberater besprechen.

Welche Teile des Einkommens sind anrechnungsfrei?

Aufgrund von bestimmten Situationen werden manche Teile des Einkommens nicht mit in die Unterhaltszahlung eingerechnet. Diese lauten wie folgt:

  • Besonders hohe Einkünfte: Liegen diese über 10.000,-€, werden sie nicht vollständig mit in die Berechnung des Unterhalts aufgenommen. Normalerweise wird ein Teil davon als Kapitalanlage verwendet. Der Betrag, der über den 10.000,-€ liegt, wird somit nicht mit berechnet.
  • Erwerbstätigkeit, zu der der Erwerbstätige eigentlich nicht verpflichtet ist: Dieses Einkommen wird auch obligatorisches Einkommen genannt. Darunter zählen:
    • Mütter mit Kindern unter drei Jahren: Hier besteht keine Pflicht, einen Job auszuüben. Daher sind Mütter, die ein oder mehrere Kinder unter 3 Jahren haben, nicht verpflichtet, arbeiten zu gehen. Falls sie dennoch einen Job freiwillig ausüben, wird das verdiente Einkommen nicht mit in die Unterhaltszahlung eingerechnet.
    • Rentner: Auch Rentner sind nach dem Eintritt ins Rentenalter nicht mehr verpflichtet, Geld zu verdienen. Sie erhalten Rente, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Viele Rentner haben dennoch eine Arbeitsstelle, meist als Teilzeitstelle oder Minijobs. Das machen sie, um sich neben der Rente noch etwas dazuzuverdienen, da diese oft nicht den Bedarf des Renters deckt. Manche arbeiten aber auch, weil sie noch etwas zu tun haben möchten und es ihnen Spaß macht, ihren Job weiter auszuüben. Dies ist allerdings etwas freiwilliges und wird nicht zu der Unterhaltszahlung hinzugerechnet.
    • Schüler und Studenten: Häufig haben Schüler, aber vor allem Studenten, einen Nebenjob neben ihrem Studium. Da sie in der Schule oder an der Universität nichts verdienen und diese in den meisten Fällen sogar bezahlen müssen, finanzieren sie sich so ihren Lebensunterhalt. Es werden in größeren Firmen, aber auch bei kleinen Unternehmen, häufig Werkstudenten eingestellt, welche auf 450,-€ Basis arbeiten und in den Semesterferien sogar 40 Stunden pro Woche eingestellt sind. Diesen Verdienst müssen sie, falls sie schon Unterhalt bezahlen müssen, allerdings nicht in die Berechnung der Unterhaltszahlung mit einbeziehen.
    • Einkommen aus einer zusätzlichen Erwerbstätigkeit: In diesem Fall gibt es viele unterschiedliche Bedingungen(4), die hier beachtet werden müssen. Dabei wird besonders die Lebenssituation des Unterhaltszahlenden berechnet. Es werden in keinem Fall mehr als 50% der Nebeneinkünfte in die Berechnung des Unterhalts mit einbezogen. Außerdem wird auch Rücksicht auf die Arbeitssituation der Nebentätigkeit genommen. Falls der Arbeitende zum Beispiel einen sehr langen Fahrtweg hat oder zudem noch gesundheitlich angeschlagen ist und harte Arbeit verrichten muss, wird das unter Anderem auch berücksichtigt.

Viele Personen, die Unterhalt zahlen müssen, machen ihren Anspruch auf Einkommen, das aufwendungsfrei ist, gelten. Dadurch verringert sich das Einkommen, mit dem der Betrag des zu zahlenden Unterhalts berechnet wird. Auch hier gibt es wieder viele Möglichkeiten, die berücksichtigt werden müssen. Häufig werden Personen mit besonderen Kenntnissen in diesen Bereichen, wie zum Beispiel Scheidungsanwälte mit diesen Aufgaben betreut.

Was passiert bei Unterhaltsverweigerung?

Die Pflicht, Unterhalt zu zahlen, muss eingehalten und darf nicht verweigert werden. Allerdings gibt es immer häufiger den Fall, dass die Zahlung des Unterhalts nicht eingehalten wird. Dies kann in bestimmten Fällen als eine Straftat gesehen werden und bis zu einer Anzeige führen.(7)

Falls der Unterhaltszahlende ohne eigenes Verschulden unfähig wird, den Unterhat weiterhin zu zahlen, darf dieser ausgesetzt werden.

Es handelt sich nicht um eine Straftat, wenn der Unterhaltszahlende nachweislich und ohne eigenes Verschulden zahlungsunfähig wird. Dann darf die Zahlung des Unterhalts ausgesetzt werden. Sollte der Zahlungspflichtige allerdings absichtlich den Unterhalt verweigern, kann es in besonderen Fällen strafbar sein.

Falls der Lebensbedarf des Unterhaltsempfängers dadurch zum Beispiel gefährdet ist, liegt eine Straftat vor. Auch durch  die Notwendigkeit eines Darlehens von Freunden oder auf Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II), welche mit Zahlung des Unterhalts gar nicht eingefordert werden müssten, macht sich der Unterhaltszahlende strafbar.

Auch hier gibt es viele Kleinigkeiten, die beachtet werden müssen. Du solltest dich vorher nach den Gesetzesgrundlagen erkundigen und gegebenenfalls einen Anwalt hinzuziehen.(8)

Fazit

Anrechenbare Aufwendungen bei Unterhalt haben einen großen Einfluss auf die Höhe der Unterhaltszahlung. Diese wird aus dem tatsächlichen Einkommen berechnet. Das besteht aus vielen unterschiedlichen Einkünften und Zusprüchen und wird in Bezug auf Unterhaltszahlung sehr genau beobachtet.

Falls sich dein Einkommen oder das deines Ex-Partners nach einer Scheidung oder Trennung ändert, wird auch das bezüglich der Höhe der Zahlung berücksichtigt. Allerdings fließt auch die Summe der letzten zwölf Monate bis drei Jahre in die Berechnung mit ein.

Abschließend würden wir dir empfehlen, auf jeden Fall einen Spezialisten zu diesem Thema zu befragen und um Hilfe zu bitten. Es ist dennoch immer von Vorteil, sich schon vorab über das Thema zu informieren und an deine individuelle Situation anzupassen.

Bildquelle: Maksymiv/ 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Kanzlei-Hasselbach.de: Unterhalt kürzen mit Sonderausgaben; Franziska Hasselbach, 12.06.2014
Quelle

2. Finanz-tip.de: Berechnung des unterhaltsrelevanten Einkommens; 13.12.2012
Quelle

3. Scheidung-online.de: Nachträgliche Einkommensveränderungen
Quelle

4. Scheidung-online.de: Anrechnungsfreie Teile des Einkommens
Quelle

5. Scheidung.org: Anzeige wegen Unterhalts­pflicht­verletzung – Straftat mit teils gravierenden Folgen!; 17.02.2021
Quelle

6. Rechtsberater.de: UNTERHALTSZAHLUNGEN: UNTERHALT FÜR KINDER UND EX-PARTNER
Quelle

7. Juraforum.de: Unterhaltszahlung für Kinder, nach Scheidung oder an Eltern – wie lange muss man zahlen und wie kann man es berechnen?; Britta2; 17.11.2016
Quelle

8. Eltern.de: Wie viel Unterhalt bekommen Kinder, was die/der Ex?; Biona Schütt, Christina Amin
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Unterhalt kürzen mit Sonderausgaben
Kanzlei-Hasselbach.de: Unterhalt kürzen mit Sonderausgaben; Franziska Hasselbach, 12.06.2014
Gehe zur Quelle
Berechnung des unterhaltsrelevanten Einkommens
Finanz-tip.de: Berechnung des unterhaltsrelevanten Einkommens; 13.12.2012
Gehe zur Quelle
Nachträgliche Einkommensveränderungen
Scheidung-online.de: Nachträgliche Einkommensveränderungen
Gehe zur Quelle
Anrechnungsfreie Teile des Einkommens
Scheidung-online.de: Anrechnungsfreie Teile des Einkommens
Gehe zur Quelle
Anzeige wegen Unterhalts­pflicht­verletzung – Straftat mit teils gravierenden Folgen!
Scheidung.org: Anzeige wegen Unterhalts­pflicht­verletzung – Straftat mit teils gravierenden Folgen!; 17.02.2021
Gehe zur Quelle
UNTERHALTSZAHLUNGEN: UNTERHALT FÜR KINDER UND EX-PARTNER
Rechtsberater.de: UNTERHALTSZAHLUNGEN: UNTERHALT FÜR KINDER UND EX-PARTNER
Gehe zur Quelle
Unterhaltszahlung für Kinder, nach Scheidung oder an Eltern – wie lange muss man zahlen und wie kann man es berechnen?
Juraforum.de: Unterhaltszahlung für Kinder, nach Scheidung oder an Eltern – wie lange muss man zahlen und wie kann man es berechnen?; Britta2; 17.11.2016
Gehe zur Quelle
Wie viel Unterhalt bekommen Kinder, was die/der Ex?
Eltern.de: Wie viel Unterhalt bekommen Kinder, was die/der Ex?; Biona Schütt, Christina Amin
Gehe zur Quelle
Testberichte