Zuletzt aktualisiert: 1. Juli 2021

Mitarbeiter kosten Unternehmen viel Geld. Wenn es um das Thema Lohn und Gehalt geht, bedenken viele Arbeitgeber bei der Berechnung des Arbeitgeberbruttos allerdings nicht, dass die Kosten für einen Mitarbeiter durch andere Bestandteile zusätzlich erhöht werden. Der Arbeitgeber muss Anteile der Lohnnebenkosten übernehmen.

Was genau das Arbeitgeberbrutto ist und was du zu den Bestandteilen des Arbeitgeberbruttos wissen solltest, erklären wir dir in diesem Artikel. Zudem werden wir dir häufige Fragen zum Thema Arbeitgeberbrutto beantworten und dir anhand einer Beispielrechnung erklären, wie das Arbeitgeberbrutto berechnet wird. Schließlich bekommst du von uns auch ein paar Tipps, wie die Lohnnebenkosten von Arbeitgebern gesenkt werden können!




Das Wichtigste in Kürze

  • Das Arbeitgeberbrutto ist die Summe aller Lohnkosten, die ein Unternehmen für einen Mitarbeiter zahlen muss. Im Gegensatz zum Bruttolohn von den Arbeitnehmern müssen Arbeitgeber zusätzlich die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber zahlen (1).
  • Arbeitgeber müssen für die Budgetplanung des Unternehmens das Arbeitgeberbrutto berechnen, damit die Personalkosten vollständig gedeckt werden können. Das Arbeitgeberbrutto ist aufgrund der Lohnnebenkosten höher als das letztendliche Bruttoentgelt der Mitarbeiter.
  • Die Lohnnebenkosten betragen ungefähr 21 %. Die Lohnnebenkosten können gesenkt werden, indem steuerfreie oder pauschal besteuerte Leistungs- und Sachzuwendungen genutzt werden (2).

Hintergründe: Was heißt Arbeitgeberbrutto?

Das Arbeitgeberbrutto ist das Bruttogehalt des Arbeitnehmers zusätzlich der Sozialabgaben des Arbeitgebers. Das Arbeitgeberbrutto ist ein Wert, der Unternehmen bei der Kalkulation der Personalkosten hilft. Das Arbeitgeberbrutto muss deshalb auch nicht auf der Gehaltsabrechnung angegeben werden (3).

Im folgenden Abschnitt findest du die wichtigsten Informationen zum Arbeitgeberbrutto. Die wichtigsten Fragen werden dir beantwortet. Wie du das Arbeitgeberbrutto berechnest, erfährst du weiter unten!

Arbeitgeberanteile bei den Sozialversicherungen

Die Arbeitgeberanteile bei den Sozialversicherungen bestehen aus den folgenden Punkten.

  • Krankenversicherung: Der Krankenversicherungsbeitrag variiert je nachdem ob, der Arbeitnehmer gesetzlich oder privat versichert ist. Hat der Arbeitnehmer eine gesetzliche Krankenversicherung, liegt der Krankenversicherungsbeitrag für den Arbeitnehmer bei 14,6 %. Bei einer Privatversicherung hängt der Arbeitnehmerbeitrag von den genutzten Leistungen ab. Der Arbeitgeber ist in diesem Fall verpflichtet, die Hälfte zu übernehmen. (4).
  • Pflegeversicherung: Wenn der Arbeitnehmer keine Kinder hat, beträgt der Beitrag 3,3 %. Ansonsten liegt er bei 3,05 %. Das nennt sich Elterneigenschaft (4).
  • Rentenversicherung: Arbeitnehmer zahlen 18,6 % für die Rentenversicherung. Arbeitgeber sind auch hier dazu verpflichtet, einen Anteil der Kosten zu übernehmen. Aktuell übernehmen Arbeitgeber 9,3 % der Rentenversicherung. Sofern Minijobber oder eine Befreiung von der Rentenversicherung wünschen, entfällt der anfallende Betrag (4).
  • Arbeitslosenversicherung: Der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung liegt bei 2,4 %. Arbeitgeber beteiligen sich an der Hälfte (1,2 %). Nur Minijobber, Rentner, Beamte und Soldaten sind von der Arbeitslosenversicherung ausgenommen (4).

Pauschalsteuer

Einfluss auf die Lohnnebenkosten haben Bezüge, die pauschal versteuert werden können (vgl. § 40 Abs. 2 EStG). Dazu zählen die folgenden Beispiele:

Sofern Mitarbeiter einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, werden nicht die regulären Steuerabzüge angewendet. Bei Minijobs wird in diesem Fall eine spezielle Pauschalsteuer angesetzt, die sich aus der Lohnsteuer, dem Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer zusammensetzt. Dieser spezielle Satz beträgt 2 % (4).

Folgende sozialversicherungsfreie Bezüge können pauschal mit 25 % versteuert werden (vgl. § 40 Abs. 2 EStG):

  • Essenszuschüsse für Arbeitstage
  • Arbeitslohn anlässlich von Betriebsversammlungen
  • IT

Umlagen für Lohnfortzahlung

Arbeitgeber zahlen in der Regel einen Fixbetrag an die gesetzliche Krankenversicherung des Arbeitnehmers, um verschiedene Umlageverfahren der Krankenkasse zu nutzen.

Die Umlageverfahren helfen bei dem Schutz des Arbeitgebers, wenn Arbeitnehmer zum Beispiel für einen langfristigen Zeitraum krankheitsbedingt ausfallen. Die Berechnung der Kosten von den Umlagen unterscheidet sich je nach Krankenkasse.

Auf dem Schreibtisch liegt Papierkram, Geld und ein Laptop

Ein wichtiger Teil der Kalkulation ist die Berechnung der Lohnnebenkosten. Nur so kann der Arbeitgeber wissen, wie viel ein Mitarbeiter wirklich kostet. (Bildquelle: Tima Miroshnichenko / Pexels)

Es gibt verschiedene Umlageverfahren: Das Umlageverfahren U1, das Umlageverfahren U2 und die Insolvenzgeldumlage. Im folgenden Abschnitt erklären wir dir die verschiedenen Umlageverfahren genauer.

Umlageverfahren U1

Liegt ein langfristiger Krankheitsfall vor, wird häufig das Umlageverfahren U1 verwendet. Dieses Umlageverfahren schützt den Arbeitgeber vor langfristigen Krankheitsausfall der Mitarbeiter. In den ersten 6 Krankheitswochen des Arbeitnehmers übernimmt die Krankenkasse in der Regel 80 % der Lohnkosten. Die genaue Erstattungshöhe variiert je nach Angebot der Krankenkasse.

Die Bedingungen und Kosten des Umlageverfahrens U1 variieren sehr stark. Die Krankenkassen bieten viele verschiedene Programme an. Deshalb solltest du die Preise und Angebote gut vergleichen.

Deshalb solltest du die verschiedenen Angebote der Krankenkassen gut vergleichen und entscheiden, welches Angebot das Richtige für dein Unternehmen ist. Menschen mit Beeinträchtigungen und Auszubildende werden bei diesem Verfahren in der Regel nicht berücksichtigt. Das Umlageverfahren U1 wird häufig von kleineren Unternehmen mit bis zu 30 Mitarbeitern genutzt (4).

Umlageverfahren U2

Im Fall einer Mutterschaft greift das Umlageverfahren U2. Dieses Verfahren sorgt dafür, das Beschäftigte Frauen von ihrer gesetzlichen Krankenkasse ein Mutterschaftsgeld erhalten. Die Höhe der Auszahlung ist abhängig von der Höhe des Einkommens der Arbeitnehmerin.

Eine Frau und ein Mann fassen an einen schwangeren Bauch.

Durch das Umlageverfahren U2 ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter. Der Arbeitgeber bekommt die Kosten für die Mutterschaft von der Krankenkasse erstattet. (Bildquelle: John Looy/ Unsplash)

Durch das genutzte Umlageverfahren übernimmt die Krankenkasse 100% der Entgeltfortzahlung. Seit Januar 2006 muss jedes Unternehmen am Umlageverfahren U2 teilnehmen und somit in regelmäßigen Abständen eine Zahlung aufgrund des Umlageverfahrens U2 tätigen(4).

Insolvenzgeldumlage

Dieses Verfahren muss von allen insolvenzfähigen Arbeitgebern verwendet werden. Arbeitgeber zahlen regelmäßig das Insolvenzgeld, damit die Mitarbeiter geschützt werden.

Sofern das Unternehmen Insolvenz beantragen muss, erhalten die Arbeitnehmer Insolvenzgeld von der Krankenkasse. Dieses Insolvenzgeld erhalten Arbeitnehmer, wenn sie ihr Entgelt aufgrund der Insolvenz des Arbeitgebers nicht erhalten (4).

Unfallversicherung

Ein weiterer Punkt, der sich auf das Arbeitgeberbrutto auswirkt, ist die Unfallversicherung. Die Unfallversicherung sorgt dafür, dass Arbeitnehmer im Falle eines Dienstausfalls weiterhin finanziell entschädigt werden. Auch Arbeitsunfälle und Unfälle auf dem Arbeitsweg werden von der Unfallversicherung berücksichtigt.

Alle Mitarbeiter müssen vom Arbeitgeber bei der zuständigen Unfallversicherung angemeldet werden, damit ihre Unfälle auf der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg versichert sind. Dies beinhaltet auch geringfügige Beschäftigte.

Die Unfallversicherung beruht auf den Grundlagen des SGB VII und wird von den Berufsgenossenschaften getragen. Welche Berufsgenossenschaft zuständig ist, hängt von der Unternehmensbranche ab (4).

Wie hoch sind Arbeitgeberkosten?

Das Arbeitgeberbrutto wird berechnet, indem du das Bruttoentgelt, die Arbeitgeberanteile der Sozialversicherung, die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung, die Kosten für das Umlageverfahren 1, die Kosten für das Umlageverfahren 2, die Kosten für die Insolvenzgeldumlage und die Pauschalsteuern addierst. In den meisten Fällen kannst du bei einem Mitarbeiter in Festanstellung mit 23% zusätzlich zum Bruttoentgelt rechnen (4).

Welche prozentualen Unterschiede gibt es bei den anderen Beschäftigungsformen?

  • Minijob: Minijobber sind in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis und dürfen monatlich bis zu 450 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei verdienen. Davon können sich Mitarbeiter in einer geringfügigen Beschäftigung allerdings befreien lassen. Sofern die Steuern, die Umlagen und die Unfallversicherung berücksichtigt werden, kosten Minijobber den Arbeitgeber ungefähr 32 % ihres Bruttolohns (5).
  • Ausbildung: Wenn das Gehalt von Auszubildenden 325 € oder weniger beträgt, müssen die Sozialversicherungsbeiträge in voller Höhe von dem Arbeitgeber übernommen werden. Sofern das Gehalt über 325 € liegt, müssen Auszubildende Sozialversicherungsbeiträge für Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung abführen. In diesem Fall übernimmt der Arbeitgeber einen Anteil (5).
  • Studentische Hilfskraft: Wenn eine Studentische Hilfskraft unter 450 € verdient, gelten die gleichen Bedingungen, wie für einen Minijobber. Sofern sie darüber eingesetzt werden, können sie als Werkstudenten tätig sein. Wenn Arbeitgeber Werkstudenten beschäftigen, zahlen sie reduzierte Sozialabgaben (6).
  • Beamte im öffentlichen Dienst: Beamte im öffentlichen Dienst müssen nicht so viele Abgaben zahlen. Es werden also keine Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Dadurch sinken die Lohnnebenkosten und somit auch das Arbeitgeberbrutto (7).

Wie wird das Arbeitgeberbrutto berechnet?

Damit das Arbeitgeberbrutto berechnet werden kann, müssen alle Lohnnebenkosten (z.B. Sozialabgaben) zu dem Bruttoentgelt des Arbeitnehmers addiert werden. In der folgenden Tabelle zeigen wir dir anhand einer Beispielrechnung, wie das Arbeitgeberbrutto bei einer Person in Festanstellung berechnet wird (8):

Kostenpunkt Anteil Beispielrechnung
Bruttoentgelt 2000 €
+ Krankenversicherung 7.3 % 157 €
+ Rentenversicherung 9,3 % 186 €
+ Arbeitslosenversicherung 1,2 % 24 €
+ Pflegeversicherung 3,3 % oder 3,05 % 35,50 €
+ Solidaritätszuschlag variabel 0 €
+ Lohnsteuer variabel 164,75 €
+ Kirchensteuer 0 %, 8 % oder 9 % -
+ Unfallversicherung 0,8 % 16 €
+ Umlage U1 2,5 % 50 €
+ Umlage U2 0,45 % 9 €
+ Insolvenzgeldumlage 0,12 % 2,40 €
+ Freiwillige Soziale Leistungen individuell hier nicht berücksichtigt
Arbeitgeberbrutto 2,399,50 €

Wie berechnet man den Arbeitgeberbrutto-Stundenlohn?

Der Arbeitgeberbrutto-Stundenlohn kann berechnet werden, wenn die Lohnnebenkosten und das generelle Arbeitgeberbrutto schon bekannt sind. Anschließend kann der durchschnittliche Arbeitnehmer-Stundenlohn prozentual umgerechnet werden.

Ein Taschenrechner vor gelbem Hintergrund

Wenn man die Lohnnebenkosten kennt, kann man den Arbeitgeberbrutto-Stundenlohn berechnen. (Bildquelle: Clayton Robbins / Unsplash)

Wenn der Arbeitgeber ungefähr 20 % Lohnnebenkosten zahlen muss und der normale Stundenlohn eines Mitarbeiters 14,50 € brutto beträgt, können 20 % zusätzlich addiert werden, um den Arbeitgeberbrutto-Stundenlohn zu berechnen. In diesem Fall beträgt der Arbeitgeberbrutto-Stundenlohn 17,40 € (9).

Wie können Lohnnebenkosten gesenkt werden?

Lohnnebenkosten können von Arbeitgebern gesenkt werden, indem steuerfreie oder pauschal besteuerte Leistungszuwendungen verwendet werden. Beispiele hierfür sind (10):

  • Gutscheine für bestimmte Waren oder Dienstleistungen
  • Zuschüsse für Kinderbetreuung
  • Kostenübernahme für gesundheitsfördernde Maßnahmen

Fazit

Damit die Kosten des Unternehmens richtig kalkuliert werden können, ist eine sorgfältige Berechnung der Personalkosten wichtig. Zu wissen, welche Kosten tatsächlich mit der Einstellung eines Mitarbeiters einhergehen, ist definitiv notwendig um finanzielle Risiken zu beseitigen. Auch die Sonderfälle, wie im Falle einer Einstellung von geringfügig Beschäftigten, müssen vom Arbeitgeber berücksichtigt werden.

Mit der Hilfe eines Arbeitgeberbrutto-Rechners können alle Kosten für einen Angestellten berechnet werden. Das hilft dabei, den Überblick zu behalten. Die Möglichkeit, die Lohnnebenkosten durch steuerfreie oder pauschal besteuerte Leistungszuwendungen zu senken, kann dir dabei helfen, die Kosten zu senken.

Titelbild: Sharon McCutcheon / Unsplash

Einzelnachweise (10)

1. Arbeitgeberbrutto, smartbusinessplan.de, 2021
Quelle

2. So berechnen Sie die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber, Kristina Dreiling von factorialhr.de, 2021
Quelle

3. Arbeitgeberbrutto (recht.allgemein.wirtschaft), lexexakt.de, 2021
Quelle

4. Wie Sie das Arbeitgeberbrutto berechnen, Firma.de, 2021
Quelle

5. Lohnnebenkosten: So berechnest Du Personalkosten richtig, Yasmin von getpenta.com, 2020
Quelle

6. Was Arbeitgeber bei Studentenjobs beachten müssen, Peter Neitzsch von Impulse.com, 2018
Quelle

7. BEAMTE UND DIE STEUERN, smart steuern, 2020
Quelle

8. Arbeitgeberbrutto: Bestandteile der Personalkosten + Berechnung, fuer-gruender.de, 2021
Quelle

9. Personalkosten: Wie teuer sind Mitarbeiter wirklich?, Jens Hellmann von trillinghellmann.de, 2018
Quelle

10. Lohnkosten senken, lohnkostenoptimierung.de, 2021
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Artikel
Arbeitgeberbrutto, smartbusinessplan.de, 2021
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Artikel
So berechnen Sie die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber, Kristina Dreiling von factorialhr.de, 2021
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Definition
Arbeitgeberbrutto (recht.allgemein.wirtschaft), lexexakt.de, 2021
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Definition und Artikel
Wie Sie das Arbeitgeberbrutto berechnen, Firma.de, 2021
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Lohnnebenkosten: So berechnest Du Personalkosten richtig, Yasmin von getpenta.com, 2020
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Was Arbeitgeber bei Studentenjobs beachten müssen, Peter Neitzsch von Impulse.com, 2018
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BEAMTE UND DIE STEUERN, smart steuern, 2020
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Arbeitgeberbrutto: Bestandteile der Personalkosten + Berechnung, fuer-gruender.de, 2021
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Lohnkosten senken, lohnkostenoptimierung.de, 2021
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