Arbeitslosengeld Zuverdienst
Zuletzt aktualisiert: 26. März 2021

Arbeitslosigkeit gibt es leider in fast jedem Land der Welt. Vielleicht bist auch du oder ein Bekannter von dir von diesem Sozialphänomen betroffen. Völlig egal, ob es sich um einen kurzfristigen Verlust der Arbeitsstelle handelt oder du schon lange ohne festen Job bist. Die Arbeitslosigkeit ist meist eine schwierige Lebensphase, die von vielen Unsicherheiten und Spannungen geprägt ist.

Obwohl der deutsche Staat Arbeitslosengeld zusichert, reicht dieses häufig nur für ein Leben am Existenzminimum aus. Deshalb möchten wir dir mit diesem Artikel aufzeigen, wie du dir einen kleinen Zuverdienst zu deinem Arbeitslosengeld erwirtschaften kannst. Was musst du dabei beachten und wie viel darfst du nebenbei überhaupt verdienen? Diese und weitere Fragen wollen wir dir im folgenden Artikel kurz und knapp beantworten.




Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt diverse Möglichkeiten, sich zum Arbeitslosengeld etwas dazuzuverdienen. Die Art des Minijobs ist grundsätzlich frei wählbar. Jeder Arbeitgeber muss jedoch bewilligt werden.
  • Bei dem Zuverdienst müssen einige Bedingungen beachtet werden, besonders im Rahmen der Lohnhöhe und der Arbeitszeit. Bei Nichteinhaltung dieser gibt es diverse Konsequenzen.
  • Auch bestimmte Pauschalen und Boni können angerechnet werden. Eine Weiterbildung steht dem Arbeitslosengeld ebenfalls nicht im Wege.

Hintergründe: Was genau ist “Arbeitslosengeld” und was meint “Zuverdienst”?

In Deutschland ist die Arbeitslosenquote aktuell um einiges höher als noch im Vorjahresmonat, dem Februar 2020(1). Deshalb beziehen auch deutlich mehr Personen Arbeitslosengeld. Als Arbeitslosengeld bezeichnet man eine staatliche Geldleistung, welche Bürgern ohne regelmäßiges Einkommen oder feste Arbeitsstelle zusteht.

Melde dich immer so früh wie möglich beim Arbeitsamt.

Eine ausführliche Definition des Arbeitslosengeldes findest du auch auf der Übersichtsseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Informationen dieses Anbieters werden regelmäßig aktualisiert und sind äußerst zuverlässig.

Um Arbeitslosengeld zu erhalten, muss man sich bei der lokalen Agentur für Arbeit persönlich melden. Dies tut man am besten frühzeitig, da dieses Amt tendenziell sehr stark frequentiert wird. Anmelden kann man sich sowohl telefonisch wie auch online, oder per E-Mail.

Vor einem Gespräch sollte man sich bereits im Klaren sein, welche Höchstanspruchsdauer von Arbeitslosengeld einem zusteht. Am besten orientierst du dich dazu an folgender Tabelle:

Versicherungspflicht in den letzten 5 Jahren vor der Arbeitslosenmeldung (Monate) Vollendetes Lebensjahr Höchstanspruchsdauer (Monate)
12 - 6
16 - 8
20 - 10
24 - 12
30 50. 15
36 55. 18
48 58. 24(2)

Diese und weitere Bedingungen können als erste Orientierung zu Beginn der Arbeitslosigkeit dienen. Wenn du dir vor einem persönlichen Gespräch dein Arbeitslosengeld bereits selbst errechnet hast, kannst du auch damit im Gespräch Zeit sparen.

Als Zuverdienst oder auch "Nebeneinkommen" werden Tätigkeiten gezählt, welche trotz Arbeitslosigkeit gegen Bezahlung ausgeführt werden. Das können sowohl selbständige wie auch arbeitsrechtlich geregelte Jobs sein. Nach diversen Abzügen lassen sich diese Zuverdienste aber durchaus am Arbeitslosengeld anrechnen. Wie das geht und was du dabei beachten musst, zeigen dir die folgenden Abschnitte.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Arbeitslosengeld 1 und 2?

Das sogenannte "ALG I" ist eine Versicherungsleistung, die eine berufstätige Person selbst eingezahlt hat. Während eines festen Jobs wird also Geld auf die Seite gelegt, dass beim plötzlichen Eintritt der Arbeitslosigkeit genutzt werden kann. ALG I erhält man demnach von der Bundesagentur für Arbeit. Prozentual entspricht das ALG I 60% des vorherigen Nettogehaltes.

Das "ALG II" ist hingegen eine staatliche Leistung, welche auch unter dem Namen "Hartz IV" bekannt ist. Arbeitslosengeld 2 erhält man per Antrag vom lokalen Jobcenter. Berechnet wird es je nach individuellem Bedarf, Unterzahlungsleistungen, Anzahl Kinder etc. im direkten Gespräch.

Leider ist es in der Realität oft so, dass das ALG I den täglichen Verbrauch eines Arbeitslosen nicht ausreichend abdeckt. Das liegt daran, dass besonders im Niedriglohnsegment auch nur wenig für die potenzielle Arbeitslosigkeit eingespart werden kann.

Deshalb beziehen viele ALG I-Empfänger zusätzlich ALG II, also Hartz IV. Diese Problematik hängt stark mit der Diskussion der Anhebung des Mindestlohns zusammen. In diesem Artikel soll es aber primär um mögliche Zuverdienste zum ALG I gehen.

Welche Beschäftigungen zählen als Zuverdienst?

Grundsätzlich lassen sich keinerlei bezahlte Beschäftigungen ausschließen. Das gilt, so lange sie bei der Agentur für Arbeit frühzeitig angemeldet und bewilligt werden. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt spätestens am Tag des Beginns der Nebentätigkeit die Arbeitsagentur zu informieren.

Arbeitslosengeld Zuverdienst

Beliebte Nebentätigkeiten sind Jobs im Büro oder Callcenter. Auch Minijobs bei Reinigungsagenturen oder als Aushilfe in der Gastronomie kommen häufig vor. (Bildquelle: Arlington Research/ Unsplash)

Die Art der Beschäftigung steht dir also frei. Wichtig ist nur, die Bedingungen zur Anrechnung zu beachten. Diese erklären dir die folgenden Absätze.

Unter welchen Bedingungen ist ein Zuverdienst zum Arbeitslosengeld möglich?

Wie bereits beschrieben, steht es dir frei, mit welcher Tätigkeit du dir etwas dazuverdienst. Grundsätzlich ist es jedem gemeldeten Arbeitslosen möglich, eine Nebentätigkeit auszuführen und sich etwas zum Arbeitslosengeld dazu zu verdienen.

Allgemein geht es bei den Anrechnungsbedingungen um zeitliche und geldliche Fragen, welche beachtet werden müssen. Die genauen Bedingungen dafür werden in den folgenden Fragen aufgezeigt.

Wie viele Stunden darf man zusätzlich geringfügig arbeiten?

Die Bundesagentur für Arbeit und Soziales erlaubt eine Erwerbstätigkeit von maximal 15 Stunden pro Kalenderwoche. Dabei muss es sich aber um eine bewilligte und versicherte Arbeitstätigkeit handeln. Arbeitest du also aktuell oder wieder mehr als 15 Stunden pro Woche, giltst du nicht (mehr) als arbeitslos.

Außerdem gilt zu beachten, dass bei größeren Nebenverdiensten oft ein Auto für den Arbeitsweg notwendig ist. Aber die Arbeitslosigkeit sollte dem fahrbaren Untersatz nicht im Wege stehen. Auch für Arbeitslose gibt es diverse Möglichkeiten, sich ein Auto ohne Anzahlung zu finanzieren.

Was ist beim Arbeitslosengeld bei der Sperrzeit und der Zuverdienstgrenze zu beachten?

Die sogenannte "Sperrzeit" tritt bei versicherungswidrigem Verhalten in Kraft. Sie beinhaltet eine zeitliche begrenzte Sperrung sämtlicher Arbeitslosengelder. Diese Sperrung dauert oft mehrere Wochen.

Die genaue Reglementierung von Verstößen wird im persönlichen Gespräch mit der Arbeitsagentur aufgezeigt.

Als Zuverdienstgrenze bezeichnet man die reglementierte Einkommensgrenze von Nebenverdiensten. Diese liegt bei Arbeitslosengeld-Beziehenden bei 165 Euro im Monat(3). Verdient ein Arbeitsloser monatlich mehr, wird das Arbeitslosengeld gekürzt. Es ist also egal, wie viel du mit deinem Nebenjob zusätzlich einnimmst. Es werden nie mehr als 165 Euro zum Arbeitslosengeld 1 dazu gezahlt.

Mit sogenannten "Werbungskosten" kannst du diesen Freibetrag allerdings erhöhen. Werbungskosten sind Ausgaben, die für deinen Zuverdienst zusätzlich anfallen. Das können Reinigungskosten, Ausgaben für Arbeitsmaterial oder Fahrtkosten sein. Für die Anrechnung solcher Werbungskosten bietet die Bundesagentur für Arbeit ein eigenes Merkblatt und Anmeldeformular.

Dennoch sollte die Zuverdienstgrenze deine Arbeitsmotivation nicht schmälern. Geht es dir beim Arbeiten sowieso eher um die Beschäftigung an sich, der Unterstützung anderer oder dem Erlernen neuer Fähigkeiten, darfst du einer Nebentätigkeit mit gutem Gewissen nachgehen.

Wie wird mein Zuverdienst beim Arbeitslosengeld angerechnet?

Um einen Zuverdienst anrechnen zu lassen, muss ein Antrag gestellt werden. Dies ist z.B. online über die Bundesagentur für Arbeit möglich. Häufig übernehmen diese Eingabe die jeweiligen Arbeitgeber, welche Arbeitslose in Minijobs beschäftigen.

Alternativ lassen sich Nebenjobs auch per Post anmelden. Dazu muss dieselbe Bescheinigung ausgefüllt und an die jeweilige Agentur für Arbeit geschickt werden. Bei Fragen zur Einreichung kannst du dich aber immer auch telefonisch informieren. Besonders bei sensiblen Daten zu deiner finanziellen Lage ist es wichtig, dass diese bei der richtigen Person landen.

Was darf das Jobcenter nicht anrechnen?

Das Jobcenter darf keine Nebentätigkeiten anrechnen, die über einem Bruttolohn von 1.200 Euro liegen. Dieser Betrag gilt als Obergrenze für Leistungsberechtigte ohne Kinder(4).

Grundsätzlich werden nur Zuverdienste anerkannt, welche über klare Arbeitsanforderungen verfügen. Um potenzielle Grauzonen zu vermeiden, ist ein befristeter Arbeitsvertrag also keine schlechte Wahl. Arbeitgeber, die bereits Arbeitslose beschäftigt haben, können mit ihren Erfahrungen ebenfalls eine gute Wahl sein.

Natürlich gibt es auch beim Jobcenter gewisse Ausnahmen und Sonderfälle, grundsätzlich ist aber alles streng reglementiert. Individuelle Lösungen und Ansätze können am besten im persönlichen Gespräch diskutiert werden.

Welche Boni und Pauschalen werden beim Arbeitslosengeld angerechnet?

Auch bei der Anrechnung von Boni und Pauschalen zum Arbeitslosengeld gibt es unterschiedliche Regelungen. Im Folgenden wollen wir dir die häufigsten Fälle kurz vorstellen.

  • Ehrenamtspauschale: Im Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeiten neben der Arbeitslosigkeit gilt gemäss der Bundesagentur für Arbeit folgendes: "Üben Sie unentgeltlich eine ehrenamtliche Tätigkeit aus, steht dies der Arbeitslosigkeit nicht entgegen, wenn die Tätigkeit bestimmten Anforderungen genügt. Die ehrenamtliche Tätigkeit steht der Arbeitslosigkeit grundsätzlich z.B. auch dann nicht entgegen, wenn sie 15 Stunden oder mehr wöchentlich erfasst und der pauschalierte Auslagenersatz plus Aufwandsentschädigung den Betrag von 200 Euro monatlich nicht übersteigt. Sie sind verpflichtet, jede mindestens 15-stündige wöchentliche ehrenamtliche Tätigkeit vor deren Beginn der Agentur für Arbeit anzuzeigen(5)". Einer ehrenamtlichen Tätigkeit kann also nachgegangen werden, so lange sie angemeldet wird.
  • Provision: Die meisten Provisionen werden ohne Probleme an das Arbeitslosengeld angerechnet. Ausnahmefälle oder allfällige Unsicherheiten sollten dennoch am besten mit der eigenen Agentur für Arbeit geklärt werden. Ausnahmen können besonders hohe Geldbeträge bilden.
  • Weihnachtsgeld: Auch einmalige Boni wie Weihnachtsgeld, werden an das Arbeitslosengeld angerechnet, da bestehen meist keinerlei Probleme(6).

Was gilt im Fall einer Weiterbildung, wenn ich Arbeitslosengeld beziehe?

Es ist eine tolle Möglichkeit, dass trotz einer Arbeitslosigkeit Weiterbildungen besucht werden können. Auch während der Zeit deiner Weiterbildung hast du Anspruch auf dein Arbeitslosengeld.

Erfolgreiche Weiterbildungen haben schon vielen Arbeitslosen zurück in den Berufsalltag geholfen. Besonders im Bereich von digitalen und technischen Qualifikationen ist die Nachfrage groß.

Arbeitslosengeld Zuverdienst

Eine Weiterbildung ist eine tolle Möglichkeit, berufliche und private Kontakte zu knüpfen. Erlernte Fähigkeiten können die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. (Bildquelle: Austin Distel/ Unsplash)

Dabei ist jedoch wichtig zu beachten, dass auch deine Weiterbildung von deiner Agentur für Arbeit bewilligt und anerkannt sein muss. Weitere Informationen dazu findest du auf dem Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit(7).

Bist auch du arbeitslos, interessierst dich aber dennoch für eine Weiterbildung, ist das also grundsätzlich kein Problem. Tatsächlich waren in den Jahren 2012 - 2018 nur 85% der Weiterbildungsteilnehmer berufstätig(8).

Allerdings sind viele Weiterbildungen kostenpflichtig. Ohne geregeltes Einkommen, kann dir für die Finanzierung ein Kredit für Arbeitslose helfen. Dann steht dem erfolgreichen weiterbilden nichts mehr im Wege.

Fazit

Nur weil du arbeitslos gemeldet bist, bedeutet das nicht, dass du in diesem Lebensabschnitt nicht arbeiten darfst. Nebentätigkeiten können grundsätzlich innerhalb des Freibetrags von 165 Euro angerechnet werden, wenn du nicht mehr als 15 Stunden pro Woche arbeitest.

Grundsätzlich ist es wichtig, sich bei der Aufnahme einer Nebentätigkeit mit seiner Arbeitsagentur kurz zu schließen. Bei dem Gespräch mit einem professionellen Gegenüber können allerlei Fragen und Unsicherheiten geklärt werden. Da jeder Arbeitslose in seiner Wahl der Nebentätigkeit individuelle Präferenzen hat, schadet ein persönliches Gespräch wirklich nie.

Bildquelle: Lacheev/ 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Statista Research Departement: Arbeitslosenquote in Deutschland von Februar 2020 bis Februar 2021. März 2021.
Quelle

2. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.): Anspruchsdauer von Arbeitslosengeld. August 2020.
Quelle

3. Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Nebenjob und Arbeitslosengeld. Ohne Datum.
Quelle

4. Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.), Jobcenter Frankfurt (Oder): Leistungen. Anrechnung von Einkommen.
Quelle

5. Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Die wichtigsten Merkblätter und Formulare zum Download. Oktober 2019.
Quelle

6. Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Bemessungsentgelt. Ohne Datum.
Quelle

7. Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Merkblatt. Förderung der beruflichen Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dienste und Leistungen der Agentur für Arbeit (6). November 2019.
Quelle

8. Statista Research Departement: Statistiken zu Weiterbildung in Deutschland. März 2020.
Quelle

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Onlineartikel
Statista Research Departement: Arbeitslosenquote in Deutschland von Februar 2020 bis Februar 2021. März 2021.
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Onlineartikel
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.): Anspruchsdauer von Arbeitslosengeld. August 2020.
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Onlineartikel
Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Nebenjob und Arbeitslosengeld. Ohne Datum.
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Onlineartikel
Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.), Jobcenter Frankfurt (Oder): Leistungen. Anrechnung von Einkommen.
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Merkblatt
Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Die wichtigsten Merkblätter und Formulare zum Download. Oktober 2019.
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Onlineartikel
Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Bemessungsentgelt. Ohne Datum.
Gehe zur Quelle
Merkblatt
Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Merkblatt. Förderung der beruflichen Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dienste und Leistungen der Agentur für Arbeit (6). November 2019.
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Onlineartikel
Statista Research Departement: Statistiken zu Weiterbildung in Deutschland. März 2020.
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