Außergewöhnliche Belastungen
Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2021

Außergewöhnliche Belastungen sind ein steuerlicher Vorteil über den nicht viele Menschen Bescheid wissen. Viel zu oft entgehen dem Steuerzahler wichtige Rückzahlungen, da sie nicht berücksichtigen, was sie alles geltend machen können. Der Bereich der außergewöhnlichen Belastungen ist nicht bekannt.

Damit du weißt, was außergewöhnliche Belastungen eigentlich sind, findest du nachfolgend wichtige Fragen, die dir das näher erläutern sollen. Ferner erfährst du, was alles als außergewöhnliche Belastung gilt und auch, wie du die Grenze überschreiten kannst, um einen steuerlichen Vorteil für dich zu erhalten.




Das Wichtigste in Kürze

  • Außergewöhnliche Belastungen sind Belastungen, die die zumutbaren Belastungen überschreiten. Grundsätzlich werden diese am Gesamteinkommen eines Haushalts berechnet. Die Different beider gibt die steuerliche Rückzahlung an.
  • Man kann viele verschiedene Dinge als außergewöhnliche Belastung absetzen. Wichtig ist, dass alles belegt werden muss. Krankheitskosten, Pflegekosten usw. werden nur erstattet, wenn sie medizinisch bestätigt werden.
  • Menschen mit Behinderung können anstelle der außergewöhnlichen Belastungen Pauschbeträge von den Steuern absetzen. Diese richten sich nach dem Grad der Behinderung und sind dementsprechend gestaffelt.

Hintergründe: Was du über außergewöhnliche Belastungen wissen solltest

Außergewöhnliche Belastungen sind nicht irrelevant für deine Steuererklärung. Denn du kannst mit ihrer Hilfe Steuern sparen. Doch was genau außergewöhnliche Belastungen sind und wie du diese am besten von den Steuern absetzen kannst, wird dir in den nachfolgenden Fragen näher erläutert.

Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Die Frage, was genau außergewöhnliche Belastungen sind, kann recht einfach beantwortet werden. Sie sind genau das, was der Name verspricht. Finanzielle Belastungen, die in einem Jahr aufgekommen sind, die außergewöhnlicher sind, als deine sonstigen alltäglichen Ausgaben.

Diese Ausgaben werden daran gemessen, inwiefern sich diese Ausgaben von anderen Steuerzahlern mit gleichem Einkommen und Familienstand unterscheiden (1). Generell gilt laut Paragraph 33 des Einkommensteuergesetzes, dass diese Ausgaben zwangsläufig sind, wenn sie aus "rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen" unausweichlich sind (2).

Welche Kosten sind außergewöhnliche Belastungen?

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen verschiedene Kosten, die aus verschiedenen Gründen auf dich zukommen können. Jede dieser Kosten wird unterschiedlich vom Staat berücksichtigt und wird bei der Absetzung von der Steuer verschieden betrachtet.

Krankheitskosten

Am Bekanntesten sind die Krankheitskosten. Zu den Krankheitskosten kann man verschiedene Kosten zählen. Zum einen zählen dazu Kosten für Brillen, Massagen, Rollstühlen oder anderen Maßnahmen, die privat getragen werden müssen. Jedoch ist dabei zu beachten, dass vorbeugende Maßnahmen nicht als außergewöhnliche Kosten betrachtet werden. Die Kosten müssen mit einem tatsächlichen Krankheitsfall belegt werden.

Wichtig ist, dass es Belege über die benötigten Mittel gibt, oder die medizinische Notwendigkeit belegt werden kann.

Ein Beispiel dafür wäre der Fall einer Allergie. Generell gilt, dass die zusätzlichen privat anfallenden Kosten von den Steuern abgesetzt werden können. Jedoch muss es einen ärztlichen Nachweis geben, weswegen diese Maßnahmen benötigt werden. Darüber hinaus sind auch die Kosten für Krankenhausaufenthalte oder einhergehenden Fahrten, falls ein Angehöriger im Krankenhaus liegt, absetzbar (3).

Alternativmedizin

Auch bei der Alternativmedizin gilt, wie bei der klassischen Medizin, dass die Kosten zwar generell abgesetzt werden können. Jedoch ist der Nachweis von ärztlicher Seite notwendig. Nur so kann vom Finanzamt entschieden werden, ob es sich um außergewöhnliche Belastungen handelt.

Pflegekosten

Einen Angehörigen zu pflegen oder selbst gepflegt zu werden ist immer mit hohen Kosten verbunden. Dementsprechend gilt, dass generell jegliche Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen angerechnet werden können, egal um welches Pflegemodell es sich tatsächlich handelt. Die einzige wichtige Voraussetzung ist, dass die gepflegte Person zu den begünstigten Personen zählt. Das bedeutet, dass sie in die Pflegegrade 1 - 5 eingestuft wurde (4).

Nicht nur die Langzeitpflege ist absetzbar. Auch Kurzzeitpflege oder die Anstellung eine Fachkraft können zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen.

Zu außergewöhnlichen Belastungen zählt jedoch nicht nur die Langzeitpflege. Auch die Kurzeitpflege kann von den Steuern abgesetzt werden. Bei beiden Modellen ist jedoch wichtig zu beachten, dass jeweils nur die Aufwendung für die Pflege und die Betreuung der Person abgesetzt werden kann. Falls eine Pflegekraft auch sonstige Aufgaben im Haushalt übernimmt, können diese nicht berücksichtigt werden (4).

Die außergewöhnlichen Belastungen werden in diesem Fall jedoch trotzdem gesplittet und zumutbare Belastungen und außergewöhnliche Belastungen. Das bedeutet, obwohl diese Kosten von den Steuern abgesetzt werden können, muss ein Teilbetrag selbst von der Person getragen werden.

Bestattungskosten

Im Falle einer Bestattung gilt, dass alle Kosten, die direkt mit der Bestattung zusammenhängen, von der Steuer abgesetzt werden können. Die indirekten Kosten, wie zum Beispiel die Bewirtschaftung der Trauergäste ist wiederum nicht absetzbar.

Bestattungskosten kann man über die Erbschaftssteuer oder die Einkommensteuer absetzen. Bis zu einem bestimmten Betrag benötigt man nicht mal die Belege.

Generell gilt, wenn das Erbe zu gering ausfällt, oder es kein Erbe vom Verstorbenen gibt, besteht die Möglichkeit, diese zusätzlichen Kosten als außergewöhnliche Belastungen abzusetzen. Dafür wurde eine Ermessensbasis für die Erbschaftsteuer berechnet, die aktuell bei 10.300 Euro liegt. Nur wenn dieser Betrag überschritten wird, müssen Nachweise über die Kosten erbracht werden. Bleibt der Wert unterschritten, können diese Kosten problemlos als außergewöhnliche Belastungen ausgezeichnet werden (5).

Im Rahmen der Einkommensteuer können Kosten für Bestattungen bis zu einer Summe von 7.500 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Falls jedoch vom Verstorbenen in einem Testament vorgegeben wurde, wie das Grabmal aussehen soll, und diese Kosten den Betrag übersteigen, kann der komplette Betrag von den Steuern abgesetzt werden (5).

Wiederbeschaffungskosten

Bei den Wiederbeschaffungskosten wird unterschieden, warum es zur einer Wiederbeschaffung nach Schaden kommt. Grundsätzlich ist eine steuerliche Absetzung nur möglich, wenn es zu einem "unabwendbaren Ereignis" kam. Dazu zählen Hochwasser, Sturm, Hagel, Erdbeben oder ein Blitzeinschlag. Wichtig zu beachten ist, dass eine Beseitigung von baulichen Mängeln am Eigenheim nicht darunter zählt und dementsprechend nicht als außergewöhnliche Belastung angesehen wird.

Außergewöhnliche Belastungen

Die Steuerklärung kann oftmals positiv überraschen. Gerade nach Schäden durch höhere Gewalt können die Kosten als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden. (Markus Winkler / Unsplash)

Der Schaden muss einen existenziellen, wichtigen Bereich betreffen, wie zum Beispiel die Wohnung. Ein beschädigter PKW zählt also nicht. Darüber hinaus ist es wichtig, ob eine Versicherung für diesen Schaden aufkommen könnte. Denn wenn jener über eine Versicherung abgedeckt wäre, kann dieser nicht mehr als außergewöhnliche Belastung von den Steuern abgesetzt werden (6).

Welche Pauschbeträge für Behinderte gibt es?

Anstelle einer Steuerermäßigung im Sinne der außergewöhnlichen Belastungen kann ein Pauschbetrag für Behinderte gewählt werden. Dieser wird aus verschiedenen Faktoren ermittelt.

Grad der Behinderung Pauchbetrag
von 25 bis 30 310 Euro
von 35 bis 40 430 Euro
von 45 bis 50 570 Euro
von 55 bis 60 720 Euro
von 65 bis 70 890 Euro
von 75 bis 80 1060 Euro
von 85 bis 90 1290 Euro
von 95 bis 100 1420 Euro

Diese Beträge sollen die Pflege und Heimkosten für den Menschen mit Behinderung abdecken. Darüber hinaus gibt es noch die Kategorie der hilflosen und blinden Menschen, die einen eigenen Pauschbetrag von 3700 Euro erhalten. Menschen mit einem Behinderungsgrad unter 50 müssen einen Nachweis für das Erhalten des Pauschbetrags einreichen (7).

Inwiefern sind Scheidungskosten absetzbar?

Bis zum Jahr 2013 waren Scheidungskosten durchaus absetzbar. Jedoch nicht alle Kosten, sondern allein jene, die mit dem Zweckverbund direkt verbunden waren, wie Unterhaltszahlungen oder Gerichtskosten. Dieses wurde aber mit einer Gesetzesänderung abgeschafft, sodass der heutige Stand Scheidungskosten nicht als außergewöhnliche Belastungen betrachtet.

Eine Ausnahme besteht jedoch, wenn einer der Parteien Gefahr laufen würde, durch die anfallenden Kosten seine Existenzgrundlage zu verlieren. In diesem Extremfall können Scheidungskosten weiterhin als außergewöhnliche Belastungen auf der Steuererklärung markiert werden. (8)

Welche außergewöhnlichen Belastungen hat man mit Kindern?

Grundsätzlich gilt, dass man mit Kindern kein Recht auf das Absetzen von außergewöhnlichen Belastungen hat. Zumindest so lange man für das Kind Kindergeld oder einen Freibetrag bekommt. Dies gleicht die außergewöhnlichen Belastungen so weit aus.

Außergewöhnliche Belastungen

Steuern machen bedeutet immer viel Papierkram. Gerade bei den außergewöhnlichen Belastungen ist es wichtig, dass immer alle Belege zu sammeln. (Bildquelle: Kelly Sikkema/ Unsplash)

Sollte das Kind jedoch hohe Krankheitskosten haben, die über die normalen Unterhaltszahlungen hinaus gehen, können diese durchaus als außergewöhnliche Belastungen kenntlich gemacht werden. Darüber hinaus können auch Ausbildungs- oder Fortbildungskosten in Betracht gezogen werden, da auch diese über die normalen Zahlungen hinaus gehen (9).

Welche außergewöhnlichen Belastungen kann man als Rentner abführen?

Rentner unterscheiden sich nicht stark von nicht Rentnern, wenn es um die Absetzung der außergewöhnlichen Belastungen geht. Generell gilt, dass Krankheitskosten, aber auch Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen angesehen werden und dementsprechend von der Steuer abgesetzt werden können.

Darüber hinaus zählen auch unterstützende Zahlungen an nahe Anverwandte als außergewöhnliche Leistungen. Ferne können Zahlungen für haushaltsnahe Dienstleistungen, sowie Handwerkerkosten als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden (10).

Wie ermittelt das Finanzamt die zumutbare Belastung?

Die zumutbare Belastung wird so berechnet, dass der Gesamtbetrag der Einkünfte berechnet wird. Dieser richtet sich danach, ob es eine Zusammenlegung der Einkünfte gibt oder nicht. Darüber hinaus zählt jedes Kind in einem Haushalt.

Gesamteinkünfte ohne Kinder (unverheiratet) ohne Kinder (verheiratet) mit Kinder (1/2 Kinder) mit Kinder (3/mehr)
bis 15.340 Euro 5% 4% 2% 1%
von 15.340 Euro bis 51.130 Euro 6% 5% 3% 1%
ab 51.130 Euro 7% 6% 4% 2%(11)

Die zumutbare Belastung wird anhand des Gesamteinkommens berechnet und richtet auch nach dem Ehestand und der Anzahl an Kindern. So kann man jeweils das Gesamteinkommen nehmen und die jeweilige Prozentzahl davon abrechnen. Wenn das Gesamteinkommen 40.000 Euro beträgt und man zwei Kinder hat, ergibt das eine zumutbare Belastung von 1.200 Euro. Dieser Wert wird von den außergewöhnlichen Belastungen abgezogen.

Was kann man tun, um die Belastungsgrenze zu überschreiten?

Man kann durchaus die jährliche Belastungsgrenze überschreiten, um den Betrag der außergewöhnlichen Belastungen so hoch wie möglich zu haben. Prinzipiell muss man dafür sorgen, dass alle wichtigen, planbaren Kosten in ein Jahr fallen. Darunter zählen bei Krankheitskosten zum Beispiel die Anschaffung einer neuen Brille oder Allergiebettwäsche.

  • Belege sammeln
  • planbare Kosten in einem Kalenderjahr
  • Antrag außergewöhnliche Belastungen ausfüllen

Auch ist es sehr wichtig, alle Belege zu sammeln, denn für außergewöhnliche Belastungen braucht man immer einen Nachweis. Bei anderen wichtigen medizinischen Eingriffen, die vielleicht nicht komplett von der Krankenkasse getragen werden, solltest du darauf achten, dass die Behandlung in einem Kalenderjahr fertig ist. So kannst du sie zu den außergewöhnlichen Belastungen hinzufügen.

Wie führt man außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung auf?

Wichtig ist zu wissen, dass diese außergewöhnlichen Belastungen nur dann vom Gesamteinkommen abgezogen werden, wenn sie auch mit in deiner Steuererklärung aufgeführt sind. Es reicht nicht, nur die Belege mit einzusenden.

Für die außergewöhnlichen Belastungen sind die Zeilen 61 bis 68 im Mantelbogen der Steuererklärung vorbehalten. Alles, was dort eingetragen wird, wird am Ende vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen (1, 11).

Fazit

Außergewöhnliche Belastungen sind ein Detail, welches nicht viele Menschen kennen. Dabei kann sich man dadurch einen steuerlichen Vorteil haben kann. Man muss nur auf die wichtigen Details achten, um zu wissen, wie man diese Belastungen geltend machen kann.

Wichtig ist auch zu wissen, wie man die zumutbaren Belastungen berechnen kann. Dann kann man so schon vorher entscheiden, ob man sich die Mühe machen muss, alle außergewöhnlichen Belastungen mit auzuführen. Aber generell gilt, man sollte es immer versuchen, denn wer weiß, welchen Vorteil man dadurch erhalten kann.

Bildquelle: brizmaker/ 123rf.com

Einzelnachweise (11)

1. Was sind außergewöhnliche Belastungen? 02.07.2020
Quelle

2. Einkommensteuergesetz (EStG) § 33 Außergewöhnliche Belastungen
Quelle

3. Außergewöhnliche Belastungen: Was verbirgt sich dahinter und wie kann ich sie steuerlich nutzen? Steuern.de-Redaktion 18. November 2020
Quelle

4. DIE GANZE WELT DES STEUERWISSENS; Lohnsteuer kompakt FAQs; Außergewöhnliche Belastungen
Quelle

5. Wann Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sind; Andrea Kutschera; 30.10.2018
Quelle

6. Beerdigungskosten von der Steuer absetzen; Anja Rohde
Quelle

7. Außergewöhnliche Belastungen Schäden an Wohnung und Hausrat
Quelle

8. Behindertenpauschbetrag 18. August 2020
Quelle

9. Außergewöhnliche Belastungen – ABC / Kinder; Dr. Ulrich Dürr
Quelle

10. Steuererklärung für Rentner: Das ist zu beachte
Quelle

11. Außergewöhnliche Belastungen; Wolters Kluwers
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Lexikon-Beitrag
Was sind außergewöhnliche Belastungen? 02.07.2020
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Lexikon-Beitrag
Einkommensteuergesetz (EStG) § 33 Außergewöhnliche Belastungen
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Lexikon-Beitrag
Außergewöhnliche Belastungen: Was verbirgt sich dahinter und wie kann ich sie steuerlich nutzen? Steuern.de-Redaktion 18. November 2020
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Lexikon-Beitrag
DIE GANZE WELT DES STEUERWISSENS; Lohnsteuer kompakt FAQs; Außergewöhnliche Belastungen
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Lexikon-Beitrag
Wann Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sind; Andrea Kutschera; 30.10.2018
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Beerdigungskosten von der Steuer absetzen; Anja Rohde
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Behindertenpauschbetrag 18. August 2020
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Außergewöhnliche Belastungen – ABC / Kinder; Dr. Ulrich Dürr
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Steuererklärung für Rentner: Das ist zu beachte
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Lexikon-Artikel
Außergewöhnliche Belastungen; Wolters Kluwers
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