Betriebliche-Altersvorsorge
Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2021

Es ist eine lange Tradition, dass Arbeitnehmer über den Chef für das Alter vorsorgen. Schon vor mehr als 100 Jahren begannen Firmen für ihre Mitarbeiter eine Rente anzusparen und diese später auszuzahlen. Das ist aber nicht die einzige Möglichkeit, wie du eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) umsetzen kannst. Im folgenden Artikel erklären wir dir alles, was du über die betriebliche Altersvorsorge wissen musst.

Viele Leute können von einer betrieblichen Altersvorsorge profitieren. Besonders seit es 2018 und 2019 neue Regulierungen seitens des Gesetzgebers gab, lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge häufig mehr als zuvor. Wenn der Arbeitgeber nicht selbst finanziert, kannst du auch einen Teil deines Bruttolohns sparen. Dieser wird vom Chef sogar bezuschusst.




Das Wichtigste in Kürze

  • Eine betriebliche Altersvorsorge kann arbeitgeberfinanziert oder eine Entgeltumwandlung sein. Zweiteres wird von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu unterschiedlichen Teilen finanziert.
  • Eine betriebliche Altersvorsorge lohnt sich oft aber nicht immer. Bei einer Entgeltumwandlung spielt der prozentuale Zuschuss des Arbeitgebers eine große Rolle
  • Die Betriebsrente wird in der Spar-Phase nicht versteuert und bietet innerhalb dieser Zeit daher steuerliche Vorteile. Bei Auszahlung muss die Rente aber komplett versteuert werden.

Hintergründe: Was ist eine betriebliche Altersvorsorge?

Eine betriebliche Altersvorsorge ist gar nicht so kompliziert wie es zunächst scheint. Es ist wichtig, sich frühzeitig um die eigene Versorgung im Alter Gedanken zu machen. Eine betriebliche Altersvorsorge sichert deine Rente später zusätzlich zur gesetzlichen Rente ab.

Was ist eine betriebliche Altersvorsorge?

Eine betriebliche Altersvorsorge versorgt dich im Alter zusätzlich zur gesetzlichen Rente mit Einkommen. Die bAV wird dabei innerhalb eines Unternehmens generiert und gespart. Die Rente wird dir ausgezahlt, sobald du pensioniert bist. Du bist also zusätzlich abgesichert. Auch bei finanziellen Problemen wie Insolvenz des Unternehmens brauchst du dir aber um deine Altersvorsorge keine Sorgen zu machen.

Was für Arten der betrieblichen Altersvorsorge gibt es?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten der bAV, welche sich durch die Finanzierung unterscheiden. Wir stellen dir beide im Folgenden vor und erklären dir, wie sie funktionieren. Beide Arten werden dabei teilweise oder ganz vom Arbeitgeber finanziert. Wieso also nicht mehr aus seinem Geld machen?

Arbeitgeberfinanziert

Die erste Art der betrieblichen Altersvorsorge ist die arbeitgeberfinanzierte Variante. Hier finanziert der Arbeitgeber die bAV alleine. Bei dieser Form der bAV trägst du selber finanziell nicht zur Altersvorsorge bei. Du solltest diese Form also auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Wenn du die Rente später beziehst, wird die bAV versteuert.

Entgeltumwandlung und wie sie genau funktioniert

Eine andere Art der betrieblichen Altersvorsorge ist die sogenannte Entgeltumwandlung, bei welcher der Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttoverdiensts in die Altersvorsorge steckt. Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, diesen zu bezuschussen.

Eine Entgeltumwandlung verringert den zu versteuernden Verdienst in der Spar-Phase. Im Alter, wenn die Betriebsrente ausgezahlt wird, wird diese aber dann versteuert. Krankenkassenbeiträge müssen für jeden Euro Rente bezahlt werden, der einen Freibetrag von 160 Euro übersteigt.

Eine betriebliche Altersvorsorge wird mit unterschiedlichen Prozentsätzen vom Arbeitgeber bezuschusst. Seit 2019 muss ein Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge mit mindestens 15 % bezuschussen(2). Eine Entgeltumwandlung lohnt sich dann, wenn die heutige Ersparnis die künftigen Abgabenlasten übersteigt. Dazu ist bei einer zusätzlichen Verzinsung des Vertrags nach Kosten (mit ca. 2 % oder mehr pro Jahr) der Fall.

Was sind Freibeträge der betrieblichen Altersvorsorge?

Beiträge zur bAV bis 4 % der Bemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) sind Sozialabgaben frei. Der Freibetrag steigt zusammen mit der Bemessungsgrenze jedes Jahr etwas. 2020 lag der Freibetrag bei 276 Euro im Monat. Seit 2018 gilt, dass du bis zu 8 % der Bemessungsgrenze steuerfrei in einen bAV-Vertrag stecken kannst. Das waren 552 Euro im Jahr 2020. Der Verlauf der bAV-Freibeträge für Sozialabgaben(1) wird dir in der folgenden Tabelle gezeigt:

2018 2019 2020
Beitragsbemessungsgrenze (West) der Deutschen Rentenversicherung 6500 Euro 6700 Euro 6900 Euro
max. geförderter Beitrag (4 %) aus Entgeltumwandlung 260 Euro 268 Euro 276 Euro

Ab 01.01.2021 steigt die Bemessungsgrenze auf sogar 7100 Euro an(1). Der maximale Beitrag aus Entgeltumwandlung liegt für das Jahr 2021 also bei 284 Euro. Beachte, dass diese Werte in Ost und West unterschiedlich sind. Die hier aufgeführten Werte sind die der alten Bundesländer.

Wer kann eine betriebliche Altersvorsorge beziehen?

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge. Das heißt, dass jeder Arbeitnehmer, welcher in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, einen Anspruch darauf hat, bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze in einen bAV-Vertrag zu stecken.

Was sind Pflichten, welche bei der bAV beachtet werden müssen

Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, dir eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten, sofern du das wünschst. Dabei hast du lediglich Anspruch auf eine Entgeltumwandlung, bei der dein Arbeitgeber deine Rente bezuschusst.

Betriebliche Altersvorsorge

Wenn du eine betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen willst, ist dein Arbeitgeber dazu verpflichtet dir mit einem Zuschuss entgegen zu kommen. Die Rente ist sicher, auch vor Insolvenz des Arbeitgebers. (Bildquelle: Matthew Bennett/ Unsplash)

Um deinen Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge nicht zu verlieren, musst du seit 2018 mindestens drei Jahre im Unternehmen bleiben und bei Ausscheidung mindestens 21 Jahre alt sein. Zuvor war diese Hürde durchaus grösser. Bis Ende 2017 musste ein Mitarbeiter mindestens 5 Jahre im gleichen Unternehmen tätig sein und durfte bei Verlassen der Firma nicht älter als 25 Jahre alt sein.

Wann ist die betriebliche Altersvorsorge sinnvoll?

Die Altersvorsorge zusätzlich durch eine betriebliche Rente zu erweitern und abzusichern ergibt durchaus Sinn. Jedoch ist die bAV nicht für jeden die beste Alternative. Ob du langfristig tatsächlich sparst, musst du vorher ausrechnen. Alternativen zur bAV ist staatlich gefördertes Riester-Sparen und eine private Altersvorsorge.

Ob die bAV sinnvoll für dich ist hängt vom Angebot und den Konditionen ab, welche dein Arbeitgeber dir gegenüber bringt. Die Höhe des Zuschusses durch den Arbeitgeber ist wahrscheinlich der wichtigste Teil.

Dennoch musst du bedenken, dass deine Rente im Alter versteuert und krankenversicherungspflichtig ist. Seit 2020 wurden Betriebsrentner entlastet und der Freibetrag für krankenversicherungspflichtige Beiträge auf knapp 160 Euro gehoben(3).

Eine arbeitgeberfinanzierte bAV solltest du immer in Anspruch nehmen. Auch wenn die Rente später steuerpflichtig ist, machst du plus. Du selbst zahlst ja nie in diese Rente ein und bekommst Hinterher dennoch die Rentenbezüge.

Eine Entgeltumwandlung war früher erst dann sinnvoll, wenn der Arbeitnehmer sehr alt wurde. Durch eine Gesetzesänderung im Jahr 2018 (2) muss der Arbeitnehmer die betriebliche Altersvorsorge mit mindestens 15 % bezuschussen. Damit wurde die betriebliche Altersvorsorge deutlich attraktiver und lohnt sich nun auch schon früher. Eine Beispielrechnung dafür findest du weiter unten.

Ist die bAV sinnvoll für Mitarbeiter mit geringem Verdienst?

Besonders attraktiv ist die bAV bei geringem Verdienst. Hier kannst du deine Rente gut etwas aufpolstern.

Besonders attraktiv ist die bAV bei geringem Verdienst. Hier kannst du deine Rente gut etwas aufpolstern.

Lange Zeit war dies aber nicht der Fall. Lange Zeit wurde die Betriebsrente auf die Grundsicherung angerechnet, sodass später, wenn man auf staatliche Unterstützung angewiesen war, umsonst gespart wurde.

Seit 2018 können Sparer aufatmen. Eine Betriebsrente oder eine Riesterrente, welche einen Freibetrag von 100 Euro übersteigt, darf zu 30 % behalten werden(5). Der maximale Betrag liegt bei 200 Euro. Wenn du also mit einer geringen Rente rechnest, kannst du mit einer bAV vorsorgen.

Was ist mit der bAV, wenn du oft den Arbeitgeber wechselst?

Wenn du dich in der Situation befindest, in welcher du oft den Arbeitgeber wechselst, solltest du dir im Klaren darüber sein, dass du einen bAV-Vertrag gegebenenfalls nicht zum neuen Arbeitgeber mitnehmen kannst oder durch eine Übertragung der Beiträge Verluste machen kannst. Verfallen tun deine Beiträge aber nicht(4).

Wenn du in eine Direktversicherung einzahlst, kannst du diese theoretisch zum neuen Arbeitgeber mitnehmen. Viele Arbeitgeber lehnen es aber ab, viele Einzelverträge unterschiedlicher Anbieter zu haben und lehnen die Mitnahme deines Vertrags eher ab. Dann kannst du dich entscheiden, ob du entweder den Vertrag ruhen lässt oder ob du ihn aus deinem Netto-Gehalt selber weiter laufen lässt.

Du kannst dein angespartes Guthaben auch auf einen neuen Vertrag bei deinem neuen Arbeitgeber übertragen. Dies passiert aber dann zu den Konditionen, welche dir der neue Arbeitgeber anbietet. Diese sind oft weniger gut als die Ausgangskonditionen. An dieser Stelle entstehen zudem häufig Übertragungskosten und du machst Verluste.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich seine Rentenansprüche auszahlen zu lassen. Dies kannst du tun, wenn du nur kurz im Unternehmen gearbeitet hast und eher geringe Rentenansprüche aufgebaut hast. Die Auszahlung findet dann im Rahmen einer einmaligen Abfindung statt. Du solltest dich vorher über die Höhe des Abschlags der Abfindung informieren.

Betriebliche Altersvorsorge statt Gehaltserhöhung?

Falls du eine Gehaltserhöhung verhandeln möchtest, dein Arbeitgeber aber nicht zustimmt, kannst du auch eine Erhöhung des Zuschusses zur betrieblichen Altersvorsorge vorschlagen. Frage nach, ob du statt einem höheren Bruttogehalt einen höheren Zuschuss bekommen kannst. Das ist auch für den Arbeitgeber von Vorteil, denn so werden für jeden Euro 20 % Lohnnebenkosten gespart.

Beispielrechnung: Wann lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge?

Wie viel kannst du durch Entgeltumwandlung sparen?

Schauen wir uns zunächst einmal an, wie viel du mit einer Entgeltumwandlung in der Spar-Phase sparen kannst. Nehmen wir einmal an, du bist ledig bist und verdienst durchschnittlich, z.B. 3380 Euro Brutto im Monat. Davon zahlst du nun einen Teil von 186 Euro in einen bAV-Vertrag ein, aber nicht den maximal möglichen Betrag. Dein zu versteuernder Bruttolohn reduziert sich dadurch. Du sparst 87 Euro Steuern in diesem Moment und wendest netto 100 Euro für die Altersvorsorge auf.

ohne Entgeltumwandlung mit Entgeltumwandlung Aufwand Ersparnis
Monatsbrutto 3380 Euro 3194 Euro 186 Euro -
Sozialabgaben (ca. 20%) 672 Euro 634 Euro - 37 Euro
Einkommenssteuer (inkl. Solidaritätszuschlag, exkl. Kirchensteuer) 510 Euro 461 Euro - 49 Euro
Monatsnetto 2198 Euro 2098 Euro 100 Euro 86 Euro

Davon zahlst du nun einen Teil von 186 Euro in einen bAV-Vertrag ein, aber nicht den maximal möglichen Betrag. Dein zu versteuernder Bruttolohn reduziert sich dadurch. Du sparst 86 Euro Steuern in diesem Moment und wendest netto 100 Euro für die Altersvorsorge auf. Bei der Rechnung nehmen wir an, dass sich die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu 100 % statt zu 80 % absetzen lassen. Das Nettoeinkommen wird in dieser Rechnung also unterschätzt.

Wie viel Rente kommt am Ende dabei heraus?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, mindestens 15 % zu bezuschussen. Bei einer Einzahlung von 186 Euro würden also inklusive des Zuschusses etwa 214 Euro in den bAV-Vertrag fliessen. In diesem Beispiel gehen wir von einem Rentenfaktor von 28 aus und davon, dass sich die Beiträge nicht verzinsen.

ohne Verzinsung 2 % Verzinsung
Monatsbrutto 3380 Euro Rentenbrutto 992 Euro 992 Euro
bAV Beitrag 186 Euro bAV Rente 216 Euro 295 Euro
gesparte Einkommenssteuer 49 Euro darauf Einkommenssteuer 35 Euro 48 Euro
gesparte Sozialabgaben 37 Euro darauf Sozialabgaben 15 Euro 30 Euro
- - Nettominderung gesetzliche Rente 41 Euro 41 Euro
bAV Nettobeitrag 100 Euro bAV Rente 124 Euro 176 Euro
- - Ausgleich 24 Jahre 17 Jahre

Zahlst du nun 30 Jahre lang 100 Euro in den bAV-Vertrag ein erhältst du 124 Euro garantierte monatliche Rente durch deine betriebliche Altersvorsorge. Wenn du mit 67 Jahren in Rente gehst, müsstest du durch den neuen Freibetrag der Sozialabgaben 91 Jahre alt werden, damit sich das Sparen gelohnt hat. Zuvor hatten sich die Ein- und Auszahlungen erst dann ausgeglichen, wenn der Arbeitnehmer mindestens 96 Jahre alt wird, also 29 Jahre lange die Rente bezieht.

Kannst du einen kosteneffizienten bAV-Vertrag aushandeln, bei welchem deine Beiträge mit 2 % über 30 Jahre hinweg verzinst werden, sieht die Lage noch besser für dich aus. In diesem Fall kannst du dich über eine garantierte monatliche Betriebsrente von 176 Euro freuen. Dazu kommt, dass du nun nur noch 17 Jahre Rente beziehen musst, damit sich der bAV-Vertrag für dich gelohnt hast. Gehst du mit 67 Jahren in Rente, erreichst du die Waage schon mit 84 Jahren.

Was hat der Arbeitgeber von einem bAV-Vertrag?

Auch für den Arbeitgeber ist ein bAV-Vertrag für seine Mitarbeiter gar nicht so schlecht. Pro Euro, welcher zur bAV bezuschusst wird, spart der Arbeitgeber knapp 20 % Sozialabgaben, die er ansonsten für dich aufbringen müsste. Du kannst mit dem Chef also durchaus über deinen bAV-Vertrag und die Höhe des Zuschusses verhandeln.

Basisfall nach Umwandlung Ersparnis des Arbeitnehmers Ersparnis des Arbeitgebers
Monatsbrutto 3380 Euro 3194 Euro - -
Anteil Kranken- und Pflegeversicherung 317 Euro 299 Euro 17 Euro 17 Euro
Anteil Renten- und Arbeitslosenversicherung 355 Euro 335 Euro 20 Euro 20 Euro
- - - 37 Euro 37 Euro

Wenn du monatlich 186 Euro deines Bruttogehalts umwandelst, spart der Arbeitgeber zum Beispiel 37 Euro. Er ist allerdings lediglich dazu verpflichtet, etwa 28 Euro (15 %) beizusteuern. Du kannst deinen Arbeitgeber darum bitten, die zusätzliche Ersparnis der Sozialabgaben ebenfalls in den bAV-Vertrag mit einfließen zu lassen. Das kann die Steuerbelastung später dann entlasten und du könntest die Ein- und Auszahlungen schneller ausgleichen.

Was sind Vor- und Nachteile einer betrieblichen Altersvorsorge?

Eine betriebliche Altersvorsorge kann durchaus Vorteile haben. So kannst du dich im Alter zusätzlich absichern und einen Teil deine Rente vom Arbeitgeber sogar noch bezuschussen lassen. Durch die Entgeltumwandlung sparst du außerdem Steuern und Sozialabgaben. Diese müssen aber später im Alter gezahlt werden.

Meistens sind die Angebote vom Arbeitgeber günstiger als vergleichbare private Altersvorsorgen. Außerdem kannst du einen verzinsten bAV-Vertrag aushandeln, durch welchen du zusätzlich profitieren kannst. Du solltest aber beachten, dass die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung vermindert werden und diese dann später kleiner ausfällt.

Betriebliche Altersvorsorge

Kümmere dich früh um deine Altersvorsorge. So kannst du die besten Konditionen bekommen um im Alter davon profitieren. (Bildquelle: Micheile Henderson/ Unsplash)

Dazu kommt, dass die bAV-Verträge sehr sicher sind. Im Normalfall wird im Vertrag eine Rente garantiert und die Beiträge werden daher nur in risikofreie Anlageformen gesteckt. Das bedeutet zwar eine geringere Rendite aber auch mehr Sicherheit.

Seit 2018 gibt es auch tarifliche Regelungen, bei welchen die Höhe der Beiträge zwar geregelt sind, aber kein bestimmter Betrag der Rentenauszahlung garantiert wird. Das führt dazu, dass die Beiträge in risikofreudigere Anlageformen investiert werden, bei welchen die Renditen dementsprechend höher ausfallen.

Ein weiterer Nachteil kann beim Wechsel des Jobs auftreten. Die Rentenbeiträge sind dir zwar sicher, der neue Arbeitgeber ist aber nicht verpflichtet, den Vertrag zu übernehmen. An dieser Stelle solltest du mit Verlusten rechnen.

Was passiert in unterschiedlichen Fällen mit der bAV?

Bist du nun so weit, dass du eine betriebliche Altersvorsorge hast, ist deine Rente zusätzlich unterstützt und gesichert. Aber was passiert, falls es mal nicht so läuft wie geplant? Im Folgenden erklären wir dir, was in den unterschiedlichen Fällen mit deiner Altersvorsorge passiert.

  1. Krankheit: Im Fall einer Erkrankung wird dein Lohn inklusive sämtlicher Beiträge fortgezahlt. Ab einer Länge der Erkrankung von 6 Wochen, übernimmt die zuständige Krankenkasse die Kosten dafür.
  2. Elternzeit: Während der Elternzeit werden keine Beträge zur bAV geleistet. Sowohl vom Arbeitnehmer, als auch vom Arbeitgeber nicht. Der Arbeitgeber kann den Zeitraum als beitragsfrei markieren, oder die Beiträge später nachzahlen. Es kann während der Elternzeit auch privat in die bAV eingezahlt werden.
  3. Kündigung: Wenn du deinen Arbeitgeber wechselst oder gekündigt wirst, kannst du dir deine angesparten Rentenansprüche entweder im Rahmen einer Abfindung auszahlen lassen oder du überträgst deine Ansprüche in einen neuen bAV-Vertrag beim neuen Arbeitgeber.
  4. Insolvenz des Arbeitgebers: Im Falle einer Insolvenz deines Arbeitgebers brauchst du dir keine Sorgen um deine Rentenansprüche zu machen. Diese sind durch den Pensionssicherungsverein (PSV) gesichert und werden auch dann später ausgezahlt, wenn der Arbeitgeber insolvent gegangen ist(6, 7). Der PSV finanziert sich durch Beiträge aller Unternehmen, welche Zusicherungen an die Belegschaft gemacht haben.
  5. Erwerbsminderung: Bei Erwerbsminderung werden die Rentenbezüge einer betrieblichen Altersvorsorge auch rückwirkend gezahlt.

Eine betriebliche Altersvorsorge ist recht stabil und sicher. Solltest du eine haben, brauchst du dir nur im Falle von häufigen Arbeitgeberwechsels Gedanken darüber machen, was mit deinem bAV-Vertrag geschieht. An dieser Stelle kannst du Verluste machen, während die anderen Fälle gut abgesichert sind.

Wie kann eine betriebliche Altersvorsorge durchgeführt werden?

Du kannst die betriebliche Altersvorsorge auf fünf unterschiedliche Weisen durchführen. Welche Art der Durchführung die beste ist, sprengt an dieser Stelle den Rahmen. Eine Auflistung der Wege findest du aber dennoch hier.

  • Direktzusage
  • Unterstützungskasse
  • Pensionsfonds
  • Direktversicherung
  • Pensionskasse

Je nachdem welche Variante der bAV das Unternehmen anbietet, ist der eine Durchführungsweg wahrscheinlicher als der andere. Die Direktzusagen haben zugunsten alternativer Versorgungswege über die letzten Jahre abgenommen. Eine Übersicht über den Verlauf(8) (Angaben der Anwartschaft in Millionen) zeigen wir dir in der folgenden Tabelle.

2011 2013 2015
Direktzusagen/Unterstützungskassen 4,6 4,75 4,71
Direktversicherung 4,77 4,92 5,12
Pensionskassen 4,63 4,79 4,77
Pensionsfonds 0,38 0,4 0,44
Versorgung öffentlicher Dienst 5,23 5,28 5,37
gesamt 19,5 20,15 20,4

Arbeitgeber, welche die Altersvorsorge ihrer Belegschaft selber in die Hand nehmen, werden weniger. Dafür gibt es alternative Versorgungswege, welche je andere Vor- und Nachteile mitbringen.

Muss die betriebliche Altersvorsorge in der Steuererklärung angegeben werden?

Deine betriebliche Altersvorsorge wird in der Sparphase von deinem Bruttolohn abgezogen. Das heißt, dass du die bAV in dieser Phase noch nicht versteuern musst und auch nicht in der Steuererklärung angeben musst.

Befindest du dich aber nun in der Auszahlungsperiode, so musst du deine betriebliche Altersvorsorge komplett versteuern. Daher musst du deine Betriebsrente im Alter unbedingt in der Steuererklärung angeben.

Fazit

Eine betriebliche Altersvorsorge kann dich im Alter zusätzlich absichern. Generell gilt: Altersvorsorge ist wichtig und du solltest dir früh genug Gedanken zu deiner Versorgung im Alter machen, damit du möglichst viele deiner Möglichkeiten ausschöpfen kannst.

Eine betriebliche Altersvorsorge ist aber nicht immer profitabel für dich. Informiere dich und finde heraus, ob sich eine bAV für dich lohnt. Es gibt unterschiedliche Wege, wie du diese durchführen kannst. Es gibt aber auch Alternativen. Beschäftige dich mit dem Thema frühzeitig und finde den für dich passenden Weg.

Bildquelle: Stylephotographs / 123rf.com

Einzelnachweise (9)

1. Beitragsbemessungsgrenze Stand 01.01.2021, Deutsche Rentenversicherung
Quelle

2. Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (Betriebsrentengesetz - BetrAVG)
Quelle

3. Entwurf eines Gesetzes zur Einführung eines Freibetrages in der gesetzlichen Krankenversicherung zur Förderung der betrieblichen Altersvorsorge (GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz – GKV-BRG)
Quelle

4. Grundlagen der betrieblichen Altersversorgung als zweite Säule der Alterssicherung in Deutschland, Deutscher Bundestag
Quelle

5. XII. Förderbetrag zur betrieblichen Altersversorgung
Quelle

6. Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (Betriebsrentengesetz - BetrAVG) § 1 Zusage des Arbeitgebers auf betriebliche Altersversorgung
Quelle

7. Insolvenzordnung (InsO) § 47 Aussonderung
Quelle

8. Arbeitgeber- und Trägerbefragung zur Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (BAV 2015)
Quelle

9. Fünf Wege zur betrieblichen Altersversorgung
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Deutsche Rentenversicherung, Stand 01.01.2021
Beitragsbemessungsgrenze Stand 01.01.2021, Deutsche Rentenversicherung
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§ 1a, BetrAVG
Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (Betriebsrentengesetz - BetrAVG)
Gehe zur Quelle
GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz – GKV-BRG
Entwurf eines Gesetzes zur Einführung eines Freibetrages in der gesetzlichen Krankenversicherung zur Förderung der betrieblichen Altersvorsorge (GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz – GKV-BRG)
Gehe zur Quelle
§ 1b BetrAVG
Grundlagen der betrieblichen Altersversorgung als zweite Säule der Alterssicherung in Deutschland, Deutscher Bundestag
Gehe zur Quelle
§ 38 Abs. 3
XII. Förderbetrag zur betrieblichen Altersversorgung
Gehe zur Quelle
§ 1 Abs. 1 BetrAVG
Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (Betriebsrentengesetz - BetrAVG) § 1 Zusage des Arbeitgebers auf betriebliche Altersversorgung
Gehe zur Quelle
§ 47, InsO
Insolvenzordnung (InsO) § 47 Aussonderung
Gehe zur Quelle
Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2015
Arbeitgeber- und Trägerbefragung zur Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (BAV 2015)
Gehe zur Quelle
Durchführungswege der bAV
Fünf Wege zur betrieblichen Altersversorgung
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Testberichte