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Zuletzt aktualisiert: 26. März 2021

Die Strompreise hierzulande steigen ständig. Vergangenen Jahres war für private Haushalte in Deutschland der Strompreis im weltweiten Vergleich am höchsten. Etwa 39 Dollar-Cent mussten Verbraucher pro Kilowattstunde bezahlen (1). Strom in Deutschland ist also generell teuer, im weltweiten Vergleich sogar sehr teuer.

Doch wieso werben viele Anbieter mit Boni und Billigstrom? Kann in Deutschland wirklich billiger Strom bezogen werden? Im Folgenden zeigen wir dir auf was wirklich hinter dem Versprechen vieler Billigstromanbieter steckt. Weiterhin geben wir dir einige Tipps und Tricks an die Hand, wie du wirklich einen günstigen Stromtarif findest.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stromanbieter besitzen einen relativ großen Spielraum, was die Preise angeht. Aufgrund des großen Wettbewerbs versuchen sich die Anbieter gegenseitig mit billigen Stromtarifen zu unterbieten.
  • Mit Billigtarifen können Anbieter im ersten Vertragsjahr meist nicht ihre Kosten decken. Bei Wegfallen der Bonuszahlungen und Rabatte im zweiten Jahr, können sich die Strompreise erheblich erhöhen,
  • Wirklich billigen Strom bekommst du, wenn du regelmäßig den Anbieter wechselst. Achte dabei beim Vergleich neben den Kosten und Boni vor allem auch auf die Länge der Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist, sowie die Preisgarantie.

Hintergründe: Wann ist Strom billig?

Bevor du dich für einen neuen Stromanbieter entscheidest, solltest du gut über Strompreise allgemein informiert sein. Daher werden wir dir im folgenden Abschnitt die wichtigsten Informationen hierzu erläutern.

Warum gibt es unterschiedliche Strompreise?

Strompreise für deutsche Haushalte setzen sich maßgeblich aus drei Bestandteilen zusammen:

  • Staatlich festgelegte Steuern, Abgaben und Umlagen
  • Gesetzlich regulierte Netzentgelte
  • Kosten für den Einkauf und Vertrieb des Stroms

Die Stromanbieter besitzen lediglich einen Einfluss auf den letzten Punkt, die Kosten für den Einkauf und Vertrieb. Dieser Bestandteil nimmt bei der Bildung Strompreises für einen durchschnittlichen Haushalt einen relativ hohen Anteil von etwa 24 % ein (2). Insgesamt haben die Stromanbieter daher einen relativ großen Spielraum, was die Höhe der Strompreise ergeben.

Unterschiedlich hohe Stromtarife innerhalb einer Stadt sind von der Liefervertragsart abhängig. Haushalte welche die Grundversorgung beziehen bezahlen bundesweit durchschnittlich die höchsten Tarifpreise. Grundversorgung beziehen Haushalte, die noch nie zu einem neuen Stromtarif gewechselt haben. Sogar innerhalb einer Stadt können Stromtarife extrem voneinander abweichen.

Bei der physikalischen Qualität des Stroms gibt es keine Unterschiede. Aus diesem Grund ist beim Wettbewerb vor allem der Preis entscheidend. Mit vermeintlich besonders günstigen Angeboten und Bonuszahlungen zielen Unternehmen darauf ab viele Kunden zu erreichen. Ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter kann auf jeden Fall Sinn machen.

Wann ist Strom billiger tags oder nachts?

Strom ist nachts billiger als tagsüber. Nachtstrom ist eine Möglichkeit niedrigere Strompreise zu bezahlen. Spezielle Nachtstromtarife machen dies möglich. Damit wollen Stromanbieter Haushalte dazu motivieren, Strom nachts zu verbrauchen. So können sie ihre Kraftwerke besser auslasten.

Strom ist nachts allerdings nur wirklich günstiger, wenn du für Tag- und Nachtstrom jeweils einen eigenen Tarif abschließt. Beide Tarife sollten möglichst preiswert sein. Von den günstigeren Kosten des Nachtstroms profitierst du erst, wenn du ein besonders großer Anteil des Stromverbrauchs nach 22 Uhr stattfindet. Dieser sollte sich auf mindestens 60 % deines Gesamtverbrauchs belaufen (3).

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Nachtschwärmer können von günstigen Nachtstromtarifen profitieren. (Bildquelle: unsplash / Sixties Photography)

Besonders können sich die Nachtstromtarife für die Besitzer einer speziellen Nachtstromspeicherheizung lohnen. Diese speichert den über die Nacht empfangenen Strom und kann diesen über den Tag verteilt abgeben. So können Haushalte relativ einfach Geld sparen.

Was ist billiger Strom oder Gasheizung?

Falls bereits ein Gasanschluss verbaut ist, ist das Heizen mit Gas in der Regel günstiger. Das Nachrüsten eines Gasanschlusses kann allerdings kostspielig sein. Hierbei können Online Kredite oder gegeben falls Wohnungsbauprämien  Abhilfe schaffen. Insbesondere bei mehreren Räumen ist auf mittel- bis langfristige Sicht eine Gasheizung günstiger.

Aufgrund der hohen Strompreise verwenden in Deutschland lediglich etwa 5 % aller privaten Haushalte eine Elektroheizung (4). Am Markt gibt es zahlreiche Gas- und Stromanbieter. Hier ist die Grundversorgung teurer als die meisten anderen Anbieter. Somit ist auch hier ein Vergleich unterschiedlicher Angebote sinnvoll und kann helfen ebenso für das Heizen einen billigen Tarif zu finden.

Was steckt hinter Billigtarifen?

In Deutschland wird die Stromversorgung von zahlreichen Anbietern übernommen. Die Auswahl der Angebote ist seit Ende der 90er Jahre kontinuierlich gestiegen (5). Manche Anbieter versprechen ihren Kunden sogenannten Discounter-Strom und werben mit Billigtarifen und Boni. Halten die Billigtarife was sie versprechen und wie gut sind sie wirklich?

Hier eine kurze Übersicht:

Vorteile
  • Boni bei Vertragsabschluss
  • Rabatte im 1. Jahr
Nachteile
  • Teurer werdende Tarife im 2. Jahr
  • Mögliche Service Einbußen

Bei den meisten Billigstromanbietern wird damit geworben vor allem im ersten Vertragsjahr besonders billig zu sein. Hohe Rabatte und Bonuszahlungen lassen die Tarife besonders attraktiv erscheinen. Mehr als 200 bis 400 Euro pro Vertragsabschluss sind nicht selten. Hier kann also viel Geld gespart und billig Strom bezogen werden. Richtig?

Ist das erste Vertragsjahr vorbei, fallen meist alle Zusatzleistungen weg. Dies bekommst du, als Kunde unmittelbar zu spüren. Nicht selten ist ein vermeintlich besonders billiger Stromtarif bereits im zweiten Vertragsjahr sogar teurer als die Grundversorgung. Der für deinen Wohnort vermeintlich billigste Stromtarif kann im zweiten Vertragsjahr einer der teuersten sein.

Ein Stromtarif sollte allerdings nicht nur billig sein. Wenn der Service des Anbieters nicht zufriedenstellend ist und Probleme entstehen, dann hast du vom billigen Strom recht wenig. Allerdings bieten auch nur die besten Anbieter sowohl günstige Tarife in Kombination mit gutem Service. Dies ergibt sich aus einer Studie vom Deutschen Institut für Service-Qualität, in der 37 verschiedene Stromanbieter getestet wurden (6).

Warum sind die Billigtarife im zweiten Jahr deutlich teurer?

Aufgrund des großen Wettbewerbs unter den Stromanbietern versuchen die Unternehmen sich mit günstigen Strompreisen zu unterbieten. Dies geht teilweise sogar so weit, dass Billiganbieter im ersten Vertragsjahr den Strom so günstig anbieten, dass die Tarife nicht ihre eigenen Kosten decken. Aufgrund massiver Rabatte und Boni nach Vertragsabschluss sind die Tarife für die Anbieter im erstem Jahr unwirtschaftlich.

Bei nicht kostendeckenden Tarifen für Neukunden, muss der Anbieter die Verluste auf anderem Weg ausgleichen. Dies macht er, indem er von den Bestandskunden weit höhere Preise verlangt. Daher fallen im zweiten Vertragsjahr meist Rabatte und Boni weg. Zusätzlich kann der Anbieter die Preise ab dem zweiten Jahr weiter erhöhen. Der vermeintlich günstige Billigtarif wird für den Verbraucher nun teuer.

Anbieter erhöhen vor allem dann die Preise, wenn bei den Billigstrom-Angeboten nach Vertragsabschluss keine Bonuszahlungen geleistet wurden. Sollten sich die Preise deines Tarifs dann erhöhen, kannst du von deinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

Hinweis: Sollten die Preise schon von Beginn an hoch gewesen sein, steht dir kein Sonderkündigungsrecht zu. Wenn im zweiten Vertragsjahr lediglich die Bonuszahlungen wegfallen, aber die Preise sich nicht verändern solltest du zuvor fristgerecht kündigen.

Worauf sollte man bei billigen Stromtarifen achten?

Der Wechsel zu einem besonders günstigen Stromtarif mit hohen Bonuszahlungen nach Vertragsabschluss, ermöglicht es dir deine Stromkosten zu reduzieren. Dies gilt aber meist nur für das erste Vertragsjahr – folgen im zweiten Vertragsjahr keine weiteren Boni, bezahlst du automatisch einen deutlich höheren Preis.

Vorsicht: Falls du die Frist verpasst, verlängert sich dein Vertrag automatisch.

Um billig Strom zu beziehen, gilt es diesen Fall zu vermeiden. Die Tarife sollten möglichst transparent sein. Achte unbedingt auf die Vertragslaufzeit, diese sollte höchstens ein Jahr betragen.

Anschließend solltest du den Vertrag vor Ablauf noch im ersten Jahr zu kündigen. Dabei gilt die vertraglich festgelegte Kündigungsfrist. Diese darf auch bei Billigtarifen nicht länger als drei Monate betragen (7).

Billiger Strom: Die besten Tipps & Tricks für wirklich günstigen Strom

Den Stromtarif wechseln kann sich durchaus lohnen. Immer mehr Haushaltskunden in Deutschland wechseln den Stromanbieter. Laut einer Umfrage waren die wichtigsten Gründe für einen Wechsel günstige Preise, aber auch eine Preisgarantie über einen bestimmten Zeitraum (8).

Vor allem bei Kunden der Grundversorger kann sich ein Anbieterwechsel lohnen. Diese bezahlen in der Regel mehr als bei Tarifen (9). Im Folgenden zeigen wir dir ganz genau was du beachten solltest, um auch dauerhaft billigen Strom beziehen zu können.

Erst Stromtarife vergleichen, dann wechseln

Vor dem Wechsel zu einem billigeren Tarif, solltest du unbedingt mehrere Anbieter und Tarife für deine Region miteinander vergleichen. Ein richtig durchgeführter objektiver Vergleich mehrerer Tarife ist die Grundvoraussetzung für billigen Strom.

Für unverbindliche Angebote steht dir im Internet eine große Auswahl an Vergleichsportalen zu Verfügung. Dies ist ganz einfach von zu Hause aus mit wenigen Klicks möglich. Zu den größten online Vergleichsportalen zählen Chech24 Strom, Verivox und Preisvergleich.de Strom. Um den billigsten Stromtarif zu finden, kann es auch sinnvoll sein mehrere Portale auszutesten.

So können Tarife richtig miteinander verglichen werden

1. Jahresabrechnung oder Stromvertrag bereitlegen

Am besten suchst du erstmal die Preise des letzten Jahresverbrauchs aus deinen Unterlagen. Diese solltest du in der letzten Stromabrechnung finden. Woher kommt der Strom bis jetzt und wie hoch ist der Bruttopreis? Wenn du weißt, wie hoch dein Verbrauch ist und wie viel du bezahlst, kannst du die Bruttopreise mit denen anderer Anbieter vergleichen.

2. Hierauf kommt es beim Vergleich wirklich an

Primär sind beim Vergleich der Tarife natürlich die Jahreskosten, die Bonuszahlungen und Rabatte entscheidend. Um die günstigen Angebote der Billigstromanbieter optimal zu nutzen und die Stromkosten so gering wie möglich zu halten, empfiehlt es sich öfters den Anbieter wechseln. Daher solltest du nicht nur die Kosten im Blick haben. Diese Aspekte können genauso relevant sein:

  • Preisgarantie
  • Vertragslaufzeit
  • Kündigungsfristen

Wer wirklich immer den billigsten Tarif möchte, sollte wahrscheinlich sogar jährlich seinen Stromanbieter wechseln, um immer wieder von neuen Rabatten und Bonuszahlungen für Neukunden profitieren zu können. Lange Vertragslaufzeiten, sowie Kündigungsfristen hindern jedoch beim Stromwechsel.

Die Preisgarantie schützt dich vor Angeboten, welche mit besonders billigen Preisen werben, aber nach einer bestimmten Zeit die Preise deutlich anziehen. Achte daher beim Vergleich ganz besonders auf das im Vertrag vorhandene Kleingedruckte. So vermeidest du das böse Erwachen.

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Der Energiemarkt ist dynamisch. Der momentan augenscheinlich günstigste Tarif kann während der Mindestlaufzeit zu einem der teuersten werden. (Bildquelle: unsplash / JP Valery)

Für wechselwillige Stromverbraucher empfehlen sich Tarife mit sehr kurzen Laufzeiten. Alternativ eignet sich auch eine günstige Kombination aus Vertragslaufzeit und Preisgarantie.

3. Überprüfung des neuen Stromanbieters

Wenn du einen passenden Billigtarif gefunden hast, informiere dich am besten genauer über den Anbieter. Lese dir im Internet am besten Kundenbewertungen des Anbieters durch. Wie schneidet das Unternehmen in Stromanbieter-Rankings ab?

Indem du etwas über das Unternehmen recherchierst, kannst du auch über mögliche versteckte Seiten der Tarife erfahren. Es kann beispielsweise auch vorkommen, dass an die Bonuszahlungen vom Anbieter bestimmte Voraussetzungen geknüpft sind. In manchen Fällen gibt es beispielsweise eine bestimmte Weiterempfehlungsquote.

Fazit

Billigtarife die mit besonders günstigem Strom werben sollten mit Vorsicht behandelt werden. Bei einem Wechsel kann man zwar von Bonuszahlungen oder Rabatten profitieren, jedoch meist nur im ersten Jahr. Die Stromrechnung im zweiten Vertragsjahr kann bei vielen Billiganbietern jedoch schon viel teurer ausfallen. Nur auf diese Weise können die Billiganbieter profitabel sein.

In dem Fall, dass du bei deinem neuen billigen Stromtarif nicht fristgerecht kündigst, verlängert sich der Vertrag automatisch. Dann kann es beim Wegfallen von Rabatten und Boni schnell teuer werden. Unterm Strich kannst du mit dem Wechsel zu einem billigen Stromtarif deinen Strompreis senken. Dauerhaft günstig fährst du allerdings nur, wenn du den Anbieter auch regelmäßig wechselst.

Titelbild:  47848313/ 123rf

Einzelnachweise (9)

1. Statista.de: Strompreise privater Haushalte in ausgewählten Ländern weltweit im Jahr 2020. A. Breitkopf, 22.12.2020
Quelle

2. bdew.de: BDEW-Strompreisanalyse Januar 2021. 28.01.2021
Quelle

3. energie.web.de: Was ist Nachtstrom?
Quelle

4. thermondo.de: Die große Studie zu Heizungstechnik und Heizverhalten in Deutschland. 2016
Quelle

5. bundeskartellamt.de: Energiewirtschaft
Quelle

6. disq.de: Studie Stromanbieter. 21.03.2019
Quelle

7. iww.de: Gesetz für faire Verbraucherverträge: Das kommt auf Ihre Unternehmensmandanten zu. 31.03.2020
Quelle

8. statista.de: Umfrage in Deutschland zur Bereitschaft, den Stromanbieter zu wechseln, bis 2020. 08.03.2021
Quelle

9. enet.eu: Grundversorgung regional: Strom wird teurer – allerdings nur moderat. 27. November 2019
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Strompreise privater Haushalte in ausgewählten Ländern weltweit im Jahr 2020
Statista.de: Strompreise privater Haushalte in ausgewählten Ländern weltweit im Jahr 2020. A. Breitkopf, 22.12.2020
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BDEW-Strompreisanalyse Januar 2021
bdew.de: BDEW-Strompreisanalyse Januar 2021. 28.01.2021
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Was ist Nachtstrom?
energie.web.de: Was ist Nachtstrom?
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Die große Studie zu Heizungstechnik und Heizverhalten in Deutschland
thermondo.de: Die große Studie zu Heizungstechnik und Heizverhalten in Deutschland. 2016
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Energiewirtschaft
bundeskartellamt.de: Energiewirtschaft
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Studie Stromanbieter
disq.de: Studie Stromanbieter. 21.03.2019
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Gesetz für faire Verbraucherverträge: Das kommt auf Ihre Unternehmensmandanten zu
iww.de: Gesetz für faire Verbraucherverträge: Das kommt auf Ihre Unternehmensmandanten zu. 31.03.2020
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Umfrage in Deutschland zur Bereitschaft, den Stromanbieter zu wechseln
statista.de: Umfrage in Deutschland zur Bereitschaft, den Stromanbieter zu wechseln, bis 2020. 08.03.2021
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Grundversorgung regional: Strom wird teurer – allerdings nur moderat
enet.eu: Grundversorgung regional: Strom wird teurer – allerdings nur moderat. 27. November 2019
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