Bonitätsprüfung
Zuletzt aktualisiert: 2. Juni 2021

Das Leben wird von Geld geregelt und bestimmt. Für so gut wie jede Aktivität fließen Gelder zwischen Personen. Bei einigen Transaktionen muss vorher eine Bonitätsprüfung stattfinden. Diese spiegelt die Zahlungsmoral des Zahlers wider und gibt dem Verkäufer oder Bereitsteller Sicherheit.

Aber was genau ist nun eigentlich eine Bonitätsprüfung? In unserem umfassenden Artikel werden wir dir alle Fragen rund um das Thema Bonitätsprüfung beantworten. Du erhältst ein umfassendes Hintergrundwissen sowie die Antworten auf die meist gestellten Fragen. Am Ende bist du ein Experte auf diesem Gebiet und wirst keinerlei Probleme mehr haben.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bonitätsprüfung wird von Wirtschaftsauskunfteien auf der Basis einer Vielzahl an Kriterien durchgeführt. Daraus ergibt sich ein Basisscore zwischen 0 und 100 %.
  • Abgefragt wird der Bonitätsscore meist von Unternehmen. Aber auch Privatpersonen können über eine Selbstauskunft sich über ihre eigene Bonität informieren.
  • Wenn man ein paar Tipps und Tricks beachtet, lässt sich langfristig eine gute Bonität einfach erreichen. Außerdem kann durch die Tipps viel Geld gespart werden.

Hintergründe: Was du über die Bonitätsprüfung wissen solltest

Bevor du eine Bonitätsprüfung beantragen lässt oder selbst beantragst, solltest du einige Punkte wissen. Aus diesem Grund werden wir dir in dem nun folgenden Abschnitt alle wichtigen Informationen erläutern. Weiterhin erhältst du einige Tipps und Tricks, die eine große Erleichterung für dich darstellen werden.

Was ist eine Bonitätsprüfung?

Die Bonität bewertet die Kreditwürdigkeit einer Person oder eines Unternehmens. Sie sagt etwas über die wirtschaftliche Fähigkeit und den Willen, aufgenommene Schulden zurückzuzahlen.

Ein Kreditgeber möchte wissen, ob jemand aufgrund seiner finanziellen Situation dazu in der Lage ist, die Rückzahlung eines Kredites in Raten zu stemmen. Der Kreditgeber geht bei der Kreditvergabe ein Risiko ein. Das Risiko soll durch die Bonitätsprüfung verringert werden. Außerdem erhalten Kunden, die ein geringes Risiko hinsichtlich der Kreditwürdigkeit aufweisen, günstigere Konditionen.

Wer führt eine Bonitätsprüfung durch?

Eine Bonitätsprüfung wird von Wirtschaftsauskunfteien durchgeführt. Diese prüfen die Kreditwürdigkeit des Verbrauchers. Die am weitesten verbreitete Auskunftei die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, auch SCHUFA genannt. Diese hat die größte Anzahl an Informationen über Personen. Daten von über 67 Millionen Menschen sind dort erfasst. (3)

Aufgrund des steigenden Trends an Anfragen von Banken(2), die sich im Rahmen von Kreditkonditionenermittlungen bei der SCHUFA erkundigen, erzielt die Wirtschaftsauskunftei einen enormen, steigenden Umsatz. (4)

Außerdem gibt es noch folgende große Auskunfteien:

  • infoscore
  • CRIF Bürgel
  • Creditreform Boniversum

Diese ermitteln die Bonität anhand von vielen Kriterien und spiegeln das Ergebnis anschließend in einem Score wider. Außerdem besitzen eine Vielzahl von Unternehmen mittlerweile eigene Methoden, um die Bonität zu prüfen. (8)

Ab wann ist man in der Datenbank der SCHUFA?

In der Datenbank der SCHUFA ist man meist schon, sobald man ein Girokonto bei einer Bank hat. Einen Vermerk bekommt man dadurch jedoch noch nicht.

Wie kann ich meine eigene Bonität prüfen?

Eine Selbstauskunft der Bonität kann kostenlos online auf den Webseiten der Auskunfteien eingeholt werden. Diese kostenlose Abfrage ist einmal pro Jahr möglich für jeden möglich. Dabei treten normalerweise keine Probleme auf.

Bonitätsprüfung

Die Erfragung der eigenen Bonität ist ohne großen Aufwand möglich. Die Bearbeitungsdauer variiert mit den verschiedenen Abfragemöglichkeiten. (Bildquelle: rupixen.com/ Unsplash)

Weiterhin gibt es neben den großen Auskunfteien inzwischen Internetportale und Apps, mit denen die Bonität online überprüft werden kann. Dafür ist lediglich eine Registrierung und Identifikation durch ein Ausweisdokument nötig.

Wie lange dauert eine Bonitätsprüfung?

Bonitätsprüfungen dauern unterschiedlich lange.

Die jährliche Selbstauskunft sollte von jedem genutzt werden, um sich vor Fehleinträgen zu schützen. (7)

Wenn eine Bonitätsabfrage von einem Unternehmen elektronisch durchgeführt wird, dauert eine Abfrage nur wenige Sekunden und liefert sofort das Ergebnis.

Anders Verhält es sich bei einer Anfrage einer Privatperson. Bei einer solchen Selbstauskunft vergeht mehr Zeit.(6) Nimmt man die kostenlose Selbstauskunft in Anspruch, können bis zum Ergebnis teilweise 4 Wochen vergehen. Das Ergebnis der kostenpflichtigen Variante erhält man hingegen bereits nach wenigen Tagen.

Welche Daten werden bei der Bonitätsprüfung verwendet?

Die Bonität wird durch eine Vielzahl von Kriterien beeinflusst. (6) Diese lassen sich in drei Untergruppen zusammenfassen. Zur ersten Gruppierung gehören die personenspezifischen Daten. Dazu gehören unter anderem:

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Geschlecht
  • Wohnanschrift
  • Berufliche Tätigkeit
  • Aktueller Familienstand

In der zweiten Kategorie finden sich Aspekte über die wirtschaftlichen Verhältnisse einer Person. Dazu gehören beispielsweise:

  • Aktuell bestehende Kredite
  • Derzeit laufende Verträge
  • Unternehmensbeteiligungen
  • Eigentum an Sachwerten
  • Anzahl an Girokarten und Kreditkarten

Vervollständigt wird dies durch Informationen über bisheriges Zahlungsverhalten. Wie wurde bisher mit Forderungen aus einem Vertrag umgegangen? Lassen sich Zahlungsunregelmäßigkeiten erkennen? Gibt es Einträge im Schuldnerverzeichnis oder laufende Insolvenzverfahren?

Allerdings ist die genaue Berechnung des Scores der Wirtschaftsauskunfteien ein großes Geheimnis. (5) Eine genaue Formel zur Berechnung ist nicht bekannt.

Wie kann man langfristig eine gute Bonität erreichen?

Bei der Bonitätsauskunft gibt es natürlich nicht nur negative Aspekte, die den Score beeinflussen. Es gibt auch viele Kriterien, die die Kreditwürdigkeit positiv beeinflussen. In der folgenden Tabelle zeigen wir dir, welche Kriterien die Bonität auf welche Weise beeinflussen:

Positive Bonitätsmerkmale Negative Bonitätsmerkmale
Eröffnung von Konten Insolvenzverfahren
Kreditaufnahmen Vollstreckungs- und Mahnbescheide
Vollständige Kreditrückzahlungen Fällige Forderungen trotz Mahnung
Ratenkäufe Kontomissbrauch
Beantragen von Kreditkarten Jahresinkassoverfahren

Hier sind zusätzlich einige Tipps und Tricks, die du beachten solltest, wenn du langfristig eine möglichst gute Bonität haben möchtest:

  • Vermeide viele Wohnortwechsel: Das häufige Wechseln des Wohnorts kann die Bonität negativ beeinflussen.
  • Unnötige Konten schließen: Kaum genutzte Konten senken den Bonitätsscore.
  • Erhöhe den Dispo: Ein hoher Dispositionskredit wird von Wirtschaftsauskunfteien positiv bewertet. Allerdings solltest du ihn nicht überziehen!
  • Zahle deine Rechnungen pünktlich: Auch so kannst du deinen Bonitätsscore verbessern. Außerdem sparst du dir eine Menge an Mahnkosten.

Die Merkmale fallen dabei unterschiedlich ins Gewicht und beeinflussen den Score auf unterschiedliche Weisen. Dennoch bieten sie eine gute Richtlinie.

Welcher Basisscore der Bonität ist gut?

Der Basisscore der SCHUFA liegt immer zwischen 0 % und 100 %. Je höher dieser Wert ist, desto besser. Ein hoher Wert steht für ein geringes Risiko. Ab 95 % spricht man von einem guten Basisscore der Bonität. Die folgende Tabelle zeigt die Interpretation der verschiedenen Scores:

Basisscore Interpretation
Über 97,5 % Sehr geringes Risiko
95 % bis 97,5 % Geringes Risiko
90 % bis 95 % Erhöhtes, zufriedenstellendes Risiko
80 % bis 90 % Deutlich erhöhtes Risiko
50 % bis 80 % Sehr hohes Risiko
Unter 50 % Äußerst kritisches Risiko

Bereits ab 90 % wird von einem hohen Risiko gesprochen. Allerdings wird dieser Basisscore anschließend noch mit einem Branchenscore in Verbindung gesetzt.

Wie kann ich einen negativen Schufa-Eintrag löschen lassen?

Über 9 % aller Personen in der SCHUFA-Datenbank haben ein Negativmerkmal vermerkt. (1) Allerdings kann es vorkommen, dass diese Einträge fehlerhaft sind. Eine weitere Möglichkeit liegt darin, dass es teilweise dazu kommt, dass alte Einträge noch nicht gelöscht worden sind. Aus diesem Grund solltest du die jährliche Selbstauskunft in Anspruch nehmen.

Fällt dir ein Fehler auf, kannst du diesen berichtigen lassen. Dafür wendest du dich schriftlich an die jeweilige Auskunftei. Weise den Sachverhalt anhand von Dokumenten ausreichend nach. Je nach Sachverhalt kann dies eine Weile dauern.

Wer darf außer mir einen SCHUFA Bonitätscheck in Auftrag geben?

Ein SCHUFA Bonitätscheck kann von Kreditgebern, Vermietern und Makler veranlasst werden.(9) Allerdings benötigen diese dafür deine schriftliche Zustimmung. Ausnahmefälle liegen dann vor, wenn dein Vertragspartner in einem großen Maße materielle Vorleistung erbringt.

An dieser Stelle hat er ein berechtigtes Interesse an einer Bonitätsprüfung. Bei einer Abfrage muss er dich jedoch darauf hinweisen.

Bonitätsprüfung

Die Bonität wird häufig von Vermietern gefordert. Sofern es geht, biete lieber eine Selbstauskunft an. (Bildquelle: Tierra Mallorca / Unsplash)

Allerdings ist es sinnvoll, wenn man hier – beispielsweise für den Vermieter – eine Selbstauskunft einholt. Im Gegensatz zur Abfrage eines Dritten wirkt sich die Selbstauskunft nicht negativ auf den Bonitätsscore aus.

Wann benötige ich einen Nachweis über einen Bonitätscheck?

Eine Bonitätsabfrage kann dir in vielen Situationen begegnen. Besonders häufig triffst du bei folgenden Vorgängen auf sie:

Bei all diesen Bonitätsprüfungen solltest du wieder beachten, dass du möglichst eine Selbstauskunft einholst. Das kann dir auch einen Vorteil gegenüber Mitkonkurrenten einer Immobilie verschaffen.

Wie kann man die Bonität von Unternehmen prüfen?

Auch die Bonität von Unternehmen kann online bei der SCHUFA abgefragt werden. Die SCHUFA sammelt Daten von über 1,5 Millionen Betrieben, die im Handelsregister eingetragen sind.

Die Bonitätsprüfung bringt auch der Privatperson Sicherheit.

Beispielsweise bei großen Bauaufträgen oder bei der Annahme eines Jobangebots möchte man sich sicher sein, dass das Unternehmen noch langfristig fortbestehen wird. Allerdings gibt es hier keine kostenfreie Abfragemöglichkeit.

Wie seriös sind Kredite ohne Bonitätsprüfung?

In Deutschland ist es nicht möglich, Kredite ohne Bonitätsprüfung zu erhalten. Derartige Angebote werden ausschließlich von ausländischen Banken angeboten. Allerdings muss man auch hier Zahlungsfähigkeit nachweisen. Meist wird ein Mindesteinkommen als Bedingung gesetzt oder eine Festanstellung.

Ebenso negativ anzumerken ist, dass Kreditangebote ohne Bonitätsprüfung meist deutlich schlechtere Konditionen aufweisen.

Fazit

Eine Bonitätsprüfung spiegelt die Zahlungsmentalität und die wirtschaftliche Situation einer Person wider. Sie kann ganz leicht per Selbstauskunft einmal jährlich kostenlos eingeholt werden. Dieses Angebot sollte unbedingt genutzt werden, um Fehleinträge zu erkennen und zu verhindern.

Achte auf die Kriterien, die zur Bewertung herangezogen werden und beachte unsere Tipps und Tricks, um einen möglichst guten Basisscore zu erreichen.

Außerdem kannst auch du dir Bonitätsabfragen über Unternehmen einholen, um bei deinen Investitionen möglichst große Sicherheit zu erhalten.

Titelbild: Auremar / 123rf

Einzelnachweise (9)

1. statista.com: Anteil der Personen in Deutschland mit (mindestens) einem SCHUFA-Negativmerkmal im Jahr 2018 nach Altersgruppen
Quelle

2. statista.com: Anfragen von Banken nach einer SCHUFA-Auskunft im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung in Deutschland von 2011 bis 2019
Quelle

3. statista.com: Der Datenschatz der Bonitätsprüfer
Quelle

4. statista.com: Umsatz der SCHUFA Holding AG* in den Jahren 2010 bis 2019
Quelle

5. handelsblatt.com: Schufa-Chefin will das Misstrauen gegen Deutschlands größte Auskunftei bekämpfen
Quelle

6. handelsblatt.com: So stellen Sie online einen Antrag auf Selbstauskunft
Quelle

7. finanzblatt.net: SCHUFA – Bonitätsfalle Unwissenheit
Quelle

8. finanzblatt.net: Bonitätsprüfung – wie läuft sie eigentlich ab?
Quelle

9. finanzblatt.net: Hausverwalter – Bonität eines potentiellen Käufers darf überprüft werden
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Anteil der Personen in Deutschland mit (mindestens) einem SCHUFA-Negativmerkmal im Jahr 2018 nach Altersgruppen
statista.com: Anteil der Personen in Deutschland mit (mindestens) einem SCHUFA-Negativmerkmal im Jahr 2018 nach Altersgruppen
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Anfragen von Banken nach einer SCHUFA-Auskunft im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung in Deutschland von 2011 bis 2019
statista.com: Anfragen von Banken nach einer SCHUFA-Auskunft im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung in Deutschland von 2011 bis 2019
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Der Datenschatz der Bonitätsprüfer
statista.com: Der Datenschatz der Bonitätsprüfer
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Umsatz der SCHUFA Holding AG* in den Jahren 2010 bis 2019
statista.com: Umsatz der SCHUFA Holding AG* in den Jahren 2010 bis 2019
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Schufa-Chefin will das Misstrauen gegen Deutschlands größte Auskunftei bekämpfen
handelsblatt.com: Schufa-Chefin will das Misstrauen gegen Deutschlands größte Auskunftei bekämpfen
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So stellen Sie online einen Antrag auf Selbstauskunft
handelsblatt.com: So stellen Sie online einen Antrag auf Selbstauskunft
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SCHUFA – Bonitätsfalle Unwissenheit
finanzblatt.net: SCHUFA – Bonitätsfalle Unwissenheit
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Bonitätsprüfung – wie läuft sie eigentlich ab?
finanzblatt.net: Bonitätsprüfung – wie läuft sie eigentlich ab?
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Hausverwalter – Bonität eines potentiellen Käufers darf überprüft werden
finanzblatt.net: Hausverwalter – Bonität eines potentiellen Käufers darf überprüft werden
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