briefkastenfirma
Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2021

Steuerskandale werden oft mit Briefkastenfirmen in Verbindung gebracht. Aber dennoch ist dieser Begriff vielen fremd und sie denken direkt an einen Briefkasten.

Das ist auch richtig. Denn der Standort des Briefkastens ist gleichzeitig die Adresse des Unternehmens. Das hat nur einen Haken: Wenn du unter dieser Adresse jemanden antreffen möchtest, wird deine Suche vergeblich sein.

Lerne in diesem Artikel, was hinter dem Begriff "Briefkastenfirma" steckt. Wir beantworten dir alle wichtigen Fragen und geben dir wichtige Informationen, wie zum Beispiel wie eine Briefkastenfirma zustande kommt und wie sie funktioniert. Du wirst zudem erfahren, wie legal so eine Firma ist.




Das Wichtigste in Kürze

  • An dem auf dem Papier angegebenen Geschäftssitz steht nur ein Briefkasten. Das Unternehmen an sich befindet sich an einem anderen Standort.
  • Briefkastenfirmen sind legal, solange sie gegenüber der Öffentlichkeit transparent sind.
  • Vor allem in sogenannten Steueroasen lassen sich in der Regel Briefkastenfirmen finden.

Hintergründe: Was steckt hinter dem Begriff Briefkastenfirma?

Eine Briefkastenfirma ist vielen ein unbekannter Begriff und man fragt sich direkt, was ein Briefkasten mit einer Firma zu tun hat oder wie ein Briefkasten gleichzeitig eine Firma sein kann.

Was ist eine Briefkastenfirma?

Wenn ein Unternehmen nur auf dem Papier steht, handelt es sich in der Regel um eine Briefkastenfirma. Das bedeutet, dass an dem Geschäftssitz, der auf dem Papier angegeben wird, ein Briefkasten steht, aber das ist auch alles. Denn das Unternehmensgebäude befindet sich nicht an diesem Ort. Die Unternehmensverwaltung hat ihren Standort ganz woanders.

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Unter dem Begriff "Briefkastenfirma" verbirgt sich genau das, woran man zuerst denkt: Ein Briefkasten. Der eigentliche Firmensitz befindet sich jedoch an einem ganz anderen Ort. (Bildquelle: Element5 Digital / Pexels)

Sehr häufig ist es der Fall, dass sich diese Briefkastenfirmen nicht in Deutschland, sondern in anderen Ländern, wie zum Beispiel in den Niederlanden (1) oder in Luxemburg (2), befinden. Aber vor allem an Orten, die nicht in Europa liegen, lassen sich diese Briefkastenfirmen finden. Zu diesen gehören (3):

  • Bahamas
  • British Virgin Islands
  • Cayman Islands
  • Panama

Du siehst also, dass Briefkastenfirmen schon gut verbreitet sind und sie sich manchmal an Orten befinden, an denen man sie gar nicht erwartet hätte.

Wozu dient eine Briefkastenfirma?

Die Angabe einer „ladungsfähigen Anschrift“, also der Postadresse, ist in der Regel ein Muss für Unternehmen (4). Das hat einen ganz simplen Grund: Die Geschäftsführung muss jeder auch schriftlich erreichen können.
Die Gründung von Briefkastenfirmen ist in der Regel legal.

Aus der rechtlichen Sicht wird das bei einer Briefkastenfirma erfüllt und somit ist eine solche Firma aus rechtlicher Sicht theoretisch auch legal.

Wenn man dies aus der praktischen Sicht betrachtet, wird es eher kritisch. Oft ist das Ziel eines Briefkastenfirma-Gründers, dass der tatsächliche Firmenstandort verheimlicht wird und somit niemand den richtigen Standort ausfindig machen kann.

Die Verschleierung von Geldflüssen und das Umgehen von bestimmten Haftungsansprüchen sind ebenfalls oft der Hauptzweck, wieso eine Briefkastenfirma gegründet wird. Damit verbunden sind dann jedoch oft kriminelle Steuerhinterziehungen (5).

Wie wird eine Briefkastenfirma gegründet?

Eine Briefkastenfirma erfolgt genauso wie jede andere Unternehmensgründung und die Gründung dieser ist auch offiziell erlaubt sowie legal. Solange der Gründungszweck bei den jeweiligen Behörden transparent kommuniziert wird, kann die Steuerlast gemindert werden. Zu der transparenten Darstellung gehören drei wesentliche Pflichtkriterien (6):

  • Korrektheit: Die Versteuerung der Gelder erfolgt auf einer korrekten Art und Weise.
  • Legalität: Das Geld, welches in die Firma fließt, wurde nicht durch kriminelle Machenschaften verdient.
  • Ziel: Die Geldzuflüsse werden nicht für kriminelle Machenschaften eingesetzt.

Solange diese drei Kriterien erfüllt sind – und zwar dauerhaft – steht der Gründung einer Briefkastenfirma nichts im Wege. Sollte jedoch eine dieser drei Kriterien nicht erfüllt werden, wird die Firma aufgelöst.

Welche Kosten fallen bei der Gründung einer Briefkastenfirma an?

Die gewählte Rechtsform ist entscheidend für die Gründungskosten. Wenn eine UG oder eine GmbH gegründet wird, sind die Kosten fast identisch. Was du aber auf jeden Fall bedenken solltest, sind die Mietkosten des Briefkastens und die Kosten für die Weiterleitung der Post zu dem tatsächlichen Standort, auch wenn diese Kosten eher gering sind (7).

Die Kosten für den Briefkasten und die Zustellung der Post zu dir machen nur einen geringen Teil der Gesamtkosten aus.

Wenn vor Ort ein „Verwalter“ eingesetzt werden soll, fallen natürlich auch für diesen Kosten, wie Honorare, an. Sonst fallen in der Regel auch die typischen laufenden Kosten, zum Beispiel die Kosten für die Erstellung der Bilanz, wie auch bei anderen Firmen für eine Briefkastenfirma an.

Wie funktioniert eine Briefkastenfirma?

Im Grunde geht es bei einer Briefkastenfirma nicht darum, ein aktives Geschäft zu betreiben, sondern viel mehr darum, bei der Firmengründung geltende Steuerbestimmungen zu umgehen. Aus diesem Grund werden die Briefkastenfirmen auch oft mit einer „Steueroase“ in Verbindung gebracht.

Das liegt daran, dass Briefkastenfirmen in den bereits erwähnten Ländern gegründet werden, also in solchen, wo die Steuersätze sehr niedrig sind.

Damit du ein besseres Verständnis erlangst, wie eine Briefkastenfirma überhaupt funktioniert, zeigen wir dir hier die einzelnen Schritte (8):

  • Eine Firma oder eine Privatperson, die das erforderliche Vermögen besitzt, wendet sich zunächst an eine Bank.
  • Es wird ein Vermittler von der Bank beauftragt.
  • In einer der Steueroasen wird eine fiktive Firma von dem Vermittler gegründet.
  • Jedoch wird bei der Briefkastenfirma an keiner Stelle der Name der Vermögenden erscheinen.
  • Nun haben die Vermögenden Zugriff auf ihr Geld, und zwar ohne, dass Steuerbehörden das mitbekommen.

Der letzte Punkt mag illegal klingen, aber rein rechtlich ist das legal. Im Folgenden erklären wir dir jedoch, wie legal eine Briefkastenfirma ist und welche Grauzonen diese hat.

Wie legal ist eine Briefkastenfirma?

Wie schon erwähnt, ist die Gründung einer Briefkastenfirma erlaubt. Was du aber beachten solltest, damit deine Briefkastenfirma nicht illegal wird, siehst du in der folgenden Tabelle (9):

Art Illegal Legal
Bedingung Nicht derselbe Wohnsitz Derselbe Wohnsitz
Merkmale Transparenz (die drei Kriterien) gegenüber den jeweiligen Finanzämtern Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Verschleierung von Geldern

Es wird also deutlich, dass du als Unternehmer denselben Wohnsitz haben musst, wie die der Briefkastenfirma. So kannst du auf legalem Wege von den Steuervorteilen profitieren, die an dem jeweiligen Ort herrschen.

Wenn das nicht der Fall sein sollte und du dein Vermögen nach Recht, in welchem sich die Firma aufhält, versteuerst, wird diese illegal. Denn somit würdest du eine Straftat begehen, nämlich die der Steuerhinterziehung (10).

Welche legalen Gründe sprechen für eine Briefkastenfirma?

Es gibt klare Vorteile, die eine Briefkastenfirma mit sich zieht, auch wenn sie eher einen negativen Ruf hat und von negativen Schlagzeilen geprägt ist. Im Folgenden erklären wir dir die drei typischen legalen Gründe, eine Briefkastenfirma zu gründen.

Die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen

Möchte zum Beispiel ein populärer Investor eine Firma kaufen, kann die Bekanntgabe dieses Kaufes dazu führen, dass es einen starken Anstieg des Aktienkurses dieser Firma gibt.

Wenn der Investor aber nicht möchte, dass die Öffentlichkeit davon erfährt, dann kann für den Firmenkauf eine Briefkastenfirma gegründet werden. Somit wird der Investor vor Mitbewerbern geschützt.

Die Optimierung der Steuern

Nicht selten werden mit der Gründung einer Briefkastenfirma Lücken im Steuerrecht auf legale Weise zu einem Vorteil genutzt. Man kann diesen Steuervorteil natürlich moralisch sehen wie man möchte, dennoch ist es nicht illegal, im Endeffekt im Ausland mehr Geld zu verdienen. Wichtig ist nur, dass die Firma transparent bleibt und der Wohnsitz derselbe ist.

Die Nachlassplanung

Vor allem viele Privatpersonen fürchten sich oft vor sogenannten Erbschleichern, also vor Personen, die das Ziel der unrechtmäßigen Bemächtigung einer Erbschaft verfolgen (11). Deswegen landet auch oft ein Teil des Vermögens der Betroffenen bei einer Briefkastenfirma.

Der Nachteil ist nun natürlich, dass sie selber im ersten Moment keinen Zugriff auf diesen Betrag haben, aber der große Vorteil ist auch, dass sie dabei das Erbrecht nicht berücksichtigen müssen. Sie müssen nur bedenken, dass sie das Geld ordnungsgemäß im Inland versteuern.

Was haben die Panama Papers mit einer Briefkastenfirma zu tun?

Die Panama Papers sind vertrauliche Unterlagen, die im Jahr 2016 auf einmal öffentlich gemacht wurden, und zwar mit Folgen. Denn dadurch wurden viele Steuersünden von berühmten Personen enthüllt. Sie haben nämlich ihre Steuergelder an den Behörden durch Briefkastenfirmen vorbeigeschleust.

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2016 wurden viele vertrauliche Unterlagen von Prominenten veröffentlicht. Diese wurden als "Panama Papers" tituliert. (Bildquelle: Gerd Altmann / Pixabay)

Es wurden 11,5 Millionen Dokumente fündig gemacht, wie zum Beispiel Bankauszüge und Gründungsurkunden (12). All diese Unterlagen wurden von 1977 bis einschließlich 2015 gesammelt. Der Kanzlei „Mossack Fonseca“ in Panama wurden diese Dokumente zugeordnet und es lag nun auf der Hand: Sie war vornehmlich mit Briefkasten-Errichtungen beschäftigt.

Diese Machenschaften wurden von einem internationalen Netzwerk aus Journalisten aufgedeckt. Unter ihnen waren auch deutsche Journalisten, unter anderem aus dem WDR und der Süddeutschen Zeitung.

Fazit

Eine Gründung einer Briefkastenfirma ist also erlaubt und legal. Sie kann viele verschiedene Zwecke erfüllen, aber es muss eine Transparenz an die Öffentlichkeit, also an die entsprechenden Behörden und Finanzämter, gegeben sein. Denn sobald Machenschaften im Spiel sind, wird die Briefkastenfirma illegal.

Nun weißt du also, was eine Briefkastenfirma überhaupt ist, wie sie funktioniert und welche Zwecke sie verfolgt. Du hast auch gelernt, welche legalen Vorteile sie mit sich bringt, aber auch wo die Grauzone beginnt.

Bildquelle: 107911859 / 123rf

Einzelnachweise (12)

1. Oxfam.de: Oxfam: Niederlande sind in der EU Steuerfluchthelfer Nummer eins, 24. Mai 2016
Quelle

2. Sueddeutsche.de: Das Paradies Luxemburg baut um, Brinkmann, Kirchner, Much und Wiegand, 17. Mai 2019
Quelle

3. Anwalt-strafrecht-steuerstreit-berlin.de: Steuerhinterziehung bei sog. „Briefkastenfirmen“, Dr. Lehmann, 5. August 2020
Quelle

4. Hk24.de: Pflichtangaben auf Geschäftsbriefen
Quelle

5. Ecovis.com: Briefkastenfirmen als besonders schwerer Fall der Steuerhinterziehung, 16. Oktober 2017
Quelle

6. Selbststaendig.de: Sind Briefkastenfirmen legal? Mark Leissen
Quelle

7. Hdb-gesellschaften.de: Briefkastenfirma gründen | Definition, Ablauf und Kosten
Quelle

8. Focus.de: So funktioniert das geheime Geschäft mit den Briefkastenfirmen, 05.04.2016,
Quelle

9. Steuerklassen.com: Was ist eine Briefkastenfirma?
Quelle

10. Anwalt.org: Steuerhinterziehung und Strafe, 2. Februar 2021
Quelle

11. Anwalt.org: Vorsicht, Erbschleicher! Ist Erbschleicherei unter Strafe gestellt? 13. Februar 2021
Quelle

12. Sueddeutsche.de: Das sind die Panama Papers, Obermayer, Frederik, Wormer und Jaschensky
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Oxfam: Niederlande sind in der EU Steuerfluchthelfer Nummer eins
Oxfam.de: Oxfam: Niederlande sind in der EU Steuerfluchthelfer Nummer eins, 24. Mai 2016
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Was ist eine Briefkastenfirma?
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