Zuletzt aktualisiert: 9. Juni 2021

Jedes Land berechnet zu einem bestimmten Zeitpunkt seinen Leistungswert. Das bedeutet, es werden alle Güter und Dienstleistungen verrechnet, die in diesem Land produziert wurden. Dies ist ein essenzieller Faktor, um die Wirtschaftslage eines Landes zu bestimmen. Denn eine gesunde Wirtschaftslage wirkt sich positiv auf das Land aus. Und auf jeden einzelnen Bürger dieses Landes.

Falls dich dieses Thema interessiert und du einen guten Ratgeber zu diesem Thema suchst, bist du hier richtig. In diesem Ratgeber erklären wir dir alles, was du über das Bruttoinlandsprodukt Deutschland wissen solltest. Am Anfang haben wir dir drei kurze Fakten. Und anschließend beantworten wir dir die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.




Das Wichtigste in Kürze

  • Das Bruttoinlandsprodukt Deutschland verrechnet alle in Deutschland produzierten Waren und Dienstleistungen miteinander. Um somit den Leistungswert des Landes zu ermitteln.
  • Ein steigendes Bruttoinlandsprodukt bringt positiven Seiten mit sich. Wie höhere Löhne und eine geringere Arbeitslosenquote. Auch im Aktienmarkt hat ein steigendes Bruttoinlandsprodukt positive Auswirkungen.
  • Am Bruttoinlandsprodukt können Wirtschaftsexperten erkennen, ob das Land in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation steckt. Sogar, ob es sich in einer Krise befindet.

Hintergründe: Was du über das Bruttoinlandsprodukt Deutschland wissen solltest

Dieser Ratgeber wird dir das Thema Bruttoinlandsprodukt näherbringen. Wir haben dir einige Fragen zusammengestellt und sie dir verständlich erklärt. Damit du der Experte im Thema Bruttoinlandsprodukt wirst.

Was ist das Bruttoinlandsprodukt Deutschland und wofür ist es wichtig?

Das Bruttoinlandsprodukt Deutschland wird kurz BIP genannt. Hierbei handelt es sich, um alle Waren und Dienstleistungen, die in Deutschland produziert werden. Dazu zählt jedes Produkt wie zum Beispiel nur eine Schraube, ein Brot oder die Sprechstunde bei einem Steuerberater. Es geht um die wirtschaftliche Leistung des Landes. Welche innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gemessen wird (1, 2).

Die Wertschöpfung, also alle Waren und Dienstleistungen werden zusammengerechnet. Hier wird aber unterschieden, ob die Ware als Vorleistung bereits mitgerechnet wurde. Zum Beispiel eine Schraube die anschließend in ein Laptop verbaut wurde.

Der berechnete Wert wird in der Regel mit dem aus dem Vorjahr verglichen. Bei einer Steigerung von 2 Prozent wird von einem guten Wirtschaftswachstum gesprochen. Das ist die sogenannte Inflation.(1, 2)

Anders gesagt wird anhand des BIP der Wohlstand einer Wirtschaft gemessen. Was auch Wohlstandindikator genannt wird. Jedoch wird beim BIP zwischen zwei unterschieden. Zum einen dem realen und zum anderen dem nominalen BIP.

Der Unterschied liegt darin, dass beim nominalem BIP die Inflation nicht mitberücksichtigt wird. Das bedeutet bei einer gleichbleibenden produzierten Menge an Ware aber steigendem Preis ein Wachstum bestätigt wird.

Der BIP entstand im Zweiten Weltkrieg und wird seitdem als Wohlstandmesser genutzt. Aber eigentlich drückt er nur die Leistungsfähigkeit einer Nation aus. Denn wie viele Menschen arm oder wohlhabend sind, sagt der Wert nicht aus.

Wie berechnet man das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland?

Es ist etwas schwieriger das Bruttoinlandsprodukt Deutschland zu berechnet. Und es gibt zwei Vorgehensweisen. Dafür benötigt man eine Entstehungsseite und eine Verwendungsseite. Die zwei Seiten können auch als Angebot- und Nachfrageseite betrachtet werden.

Die Entstehungsseite ist der Produktionsansatz. Hier werden alle Produkte und Dienstleistungen zusammen berechnet. Anschließend werden die Vorleistungen abgezogen. Diese Summe nennt sich dann Bruttowertschöpfung. Da hinzu kommen noch die Steuern abzüglich der Subventionen, was anschließend das BIP ergibt. (1, 3)

Angebot Nachfrage Verteilung
+ Produktionswert + private Konsumausgaben + Arbeitnehmerentgelt
- Vorleistungen + Konsumausgaben vom Staat + Vermögens- und Unternehmenseinkommen
+ Gütersteuern + Bruttoinvestitionen + Import- und Produktionsabgaben
+ Exporte + Abschreibungen
- Importe - Primäreinkommen
= BIP = BIP = BIP

Von der Nachfrageseite aus berechnet werden alle privaten Konsumausgaben zusammengezählt. Dazu rechnet man die Konsumausgaben des Staates und die Bruttoinvestitionen. Exporte addiert und Importe subtrahiert ergeben das BIP.(1, 3)

Ein dritter Ansatz abgesehen von der Entstehung und der Verwendung ist die Verteilung. Hier werden Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen, Produktions- und Importabgaben und Abschreibungen addiert. Anschließend werden Primäreinkommen aus der übrigen Welt abgezogen. (3)

Das Bruttoinlandsprodukt wird manchmal auch als pro Kopf Wert gemessen. Um das BIP pro Kopf zu berechnen, wird einfach das zuvor berechnete gesamt BIP durch die Einwohnerzahl eines Landes dividiert.

Wie hat sich das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland entwickelt?

In Deutschland kannst du ein ordentliches Wachstum des BIP erkennen. Im Jahr 2009 ist der BIP zuletzt zurückgegangen. Der Grund dafür war die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die sich auch in Deutschland bemerkbar gemacht hat.

Jedoch wurde im Jahr 2010 ein anstieg um 4,2 Prozent zum Vorjahr gemessen. In den folgenden Jahren kann man Schwankungen erkennen. Die sich aber alle im positiven Bereich halten.(4)

Subtrahiert man die Abschreibungen vom BIP erhält man das Nettoinlandsprodukt.

Das Jahr 2020 schreibt zahlen im Minusbereich. In Höhe von - 4.9 Prozent. Aufgrund der Corona-Krise wurde die Wirtschaft runtergefahren. Der sogenannte Lockdown schraubte die Wirtschaftsleistung in Deutschland zurück.

In Zahlen ausgedrückt schrieb Deutschland im Jahr 2019 einen BIP von 3.440,05 Milliarden Euro. Und im Jahr 2020 betrug das BIP in Deutschland 3.332,23 Milliarden Euro. Was ein pro Kopf BIP je Einwohner von 40.072 € macht.(5)

Auch die Inflationsrate war in den letzten Jahren relativ hoch. In Deutschland betrug die höchste Inflationsrate 2,6 Prozent im Jahr 2008. Im Folgejahr sank die die Rate auf 0,3 Prozent. In Deutschland kann man ein auf und ab der Inflationsrate beobachten.

Im Jahr 2019 lag die Rate bei 1,5 Prozent. Im Jahr 2020 hingegen, bei 0,5 Prozent. Dieser Inflationswert wurde von der Corona-Krise beeinflusst. Die Prognose für die Inflation im Jahr 2021 liegt bei 2,4 Prozent. Und im Jahr 2022 bei 1,7 Prozent.(6)

Eine hohe Inflation bedeutet, dass der Geldwert steigt. Bemerkbar macht sich dieser Prozess durch steigende Preise. Für dasselbe Geld bekommst du weniger Ware als zuvor. Auch dein Erspartes verliert an Wert.

Gemessen werden die Preise an einem Basis Preisindex. Denn eine Preiserhöhung aufgrund von schlechten Ernten zählt nicht zur Inflation.(7) Aber eine steigende Inflation führt auch zu steigenden Löhnen. Was selbstverständlich zu einer erhöhten Güternachfrage führt.

Was bedeutet ein hoher Wert für das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland?

Ein hoher BIP hat mehrere Vorteile. Zum einen steht der hohe Wert für Wohlstand im Land. Die Wirtschaft wächst. Was bedeutet, es gibt ein größeres Angebot an Güter und Dienstleistungen im Land. Zudem bedeutet es auch, dass das Einkommen gestiegen ist und die Menschen mehr für ihre Arbeit verdienen als zuvor. (8)

Steigt das BIP macht sich dies auch auf dem Aktienmarkt erkennbar. Da es den Unternehmen gut geht steigen die Aktienpreise. Die Erträge werden höher und die Dividenden fallen größer aus.

Der Geldwert ist nie konstant. Mal bekommst du mehr Waren für dein Geld und im Folgejahr schon wieder weniger. Der Wohlstand wird an Gütern pro Geldeinheit gemessen. (Bildquelle: Pixabay / Steve Buissinne)

Dass das BIP den Wohlstand des Landes anzeigt, haben wir jetzt gelernt. Aber auch negative Ereignisse können das BIP zum Steigen bringen. Zum Beispiel kostet ein Polizei- oder Notarzteinsatz auch Geld. Diese zählen zu einer ausgeführten Dienstleistung, also zu den Ausgaben und beeinflussen das BIP positiv. (6)

Zudem weist ein niedriges Bruttoinlandsprodukt negative Folgen auf. Die Löhne steigen nicht mehr. Woraufhin die Bevölkerung anfängt zu sparen, um sich ein Vermögen aufzubauen und auf größere Ausgaben verzichtet. Dabei geht die Nachfrage zurück. Und somit steigt auch die Arbeitslosenquote.

Wie unterscheidet sich das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland nach Bundesländern?

Das BIP kann auch nach Bundesländern unterschiedenen werden. Dabei sind die Bundesländer NRW, Bayern und Baden-Württemberg auf den Top 3 im Jahr 2020.

  • Nordrhein-Westfalen: 697.125 Mio.
  • Bayern: 610.217 Mio.
  • Baden-Württemberg: 500.790 Mio.

Das BIP sagt hier aus, dass diese Bundesländer, die mit dem meisten Wohlstand sind. Jedoch sollte beachtet werden, das NRW das Bundesland mit den meisten Unternehmen ist. Daraus schließt sich, warum NRW das höchste BIP hat. Betrachtest du das pro Kopf BIP nach Bundesland wirst du den Unterschied merken.

Im Jahr 2019 schneidet Nordrhein-Westfalen beim BIP je Einwohner nach Bundesland unterdurchschnittlich ab. An der Spitze sind hier Hamburg mit 66.879 €. Bremen mit 49.215 € und Bayern mit 48.323 €. Baden-Württemberg, welches nach Bundesland auf Platz 3 war, ist bei der Einteilung je Einwohner auf Platz 4. (4)

Beim BIP wird noch zwischen BNE, das ist das Bruttonationaleinkommen. Und BSP, dem Bruttosozialprodukt unterschieden. Das BSP wird als Einkommensgröße gesehen. Es ist mittlerweile unter BNE bekannt.

Vom BIP werden Erwerbs- und Vermögenseinkommen abgezogen, welche ins Ausland fließen. Und andersrum werden die Einkommen dazu gerechnet welche aus dem Ausland in das Inland fließen. Dann erhältst du das BNE beziehungsweise das BSP.

Was wird am Bruttoinlandsprodukt kritisiert und warum?

So gut angesehen ist das BIP in der Gesellschaft gar nicht mehr. Da es nicht möglich ist eine genaue Aussage über den Wohlstand und auch die Lebensqualität des Landes zu äußern.

In der Wirtschaft und Politik ist das Bruttoinlandsprodukt die wichtigste Messgröße.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass bei der Berechnung des Bruttoinlandsproduktes nur bezahle Arbeiten beachtet werden. Solltest du also deine Wohnung selbst renovierst oder einem Freund etwas reparierst, zählt diese Arbeit nicht ins BIP. Genauso wenig zählen die Umsätze des Schwarzmarktes oder Drogenhandels mit in diesen Wert.

Vor allem im aktuellen digitalen Zeitalter ist es schwierig jede bezahlte Leistung zu messen. Es werden weniger Zeitungen verkauft aber die Menschen haben die Möglichkeit online kostenfrei auf Nachrichten zuzugreifen.

Kritiker sagen, dass das System veraltet ist. Es ist in der Industrie, wenn es um Massenproduktion geht, nützlich. Neue Jobs, sowie auch Nachhaltigkeit werden hier nicht mitberücksichtigt. (9)

Fazit

Das Bruttoinlandsprodukt zählt mit zu den wichtigsten Faktoren in der Wirtschaft. Es ist international bekannt und wird zur Ermittlung der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Landes genutzt.

Aus dem Ergebnis kann erkannt werden, ob es einem Land gut geht, es in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt oder sich in einer Krise befindet. So wie an der aktuellen Corona Situation. In dem Jahr 2020 ist das BIP drastisch gesunken. Mittlerweile wird das BIP hart kritisiert. Da der Wohlstand und die Leistung nicht genau auf gesellschaftliche Gruppen eingeteilt werden können.

Das bedeutet, es kann nicht genau erkennt werden wie viele Menschen in Armut oder Wohlstand leben. Den Unterschied bemerkt man am BIP nach Bundesland und je Einwohner. Je genauer man das BIP runterrechnet, desto aufschlussreicher ist es.

Bildquelle: Ingo Joshep / Pexels

Einzelnachweise (9)

1. Destatis.de: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Quelle

2. Wirtschaftslexikon.gabler.de: Bruttoinlandsprodukt (BIP), Michael Horvath, 19.02.2018.
Quelle

3. Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, 2013, Fachserie 18 Reihe 1.4.
Quelle

4. De.statista.com: Bruttoinlandsprodukt und Wirtschaftswachstum, 2020.
Quelle

5. De.statista.com: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland, J. Rudnicka, 2020.
Quelle

6. De.statista.com:Gemeinschaftsdiagnose: Inflationsrate in Deutschland von 2008 bis 2020 und einer Prognose bis 2022, 2021.
Quelle

7. Bpb.de: Inflation, Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016.
Quelle

8. Endlich-wachstum.de: Die zwei Seiten der Medaille.
Quelle

9. Dievolkswirtschaft.ch: BIP verliert im digitalen Zeitalter an Aussagekraft, Thomas Straubhaar, 2018.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Destatis.de: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - Bruttoinlandsprodukt (BIP)
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Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Wirtschaftslexikon.gabler.de: Bruttoinlandsprodukt (BIP), Michael Horvath, 19.02.2018.
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Wissenschaftliche Studie
Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, 2013, Fachserie 18 Reihe 1.4.
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Bruttoinlandsprodukt und Wirtschaftswachstum
De.statista.com: Bruttoinlandsprodukt und Wirtschaftswachstum, 2020.
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Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland
De.statista.com: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland, J. Rudnicka, 2020.
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Gemeinschaftsdiagnose: Inflationsrate in Deutschland von 2008 bis 2020 und einer Prognose bis 2022
De.statista.com:Gemeinschaftsdiagnose: Inflationsrate in Deutschland von 2008 bis 2020 und einer Prognose bis 2022, 2021.
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Inflation
Bpb.de: Inflation, Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016.
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Die zwei Seiten der Medaille
Endlich-wachstum.de: Die zwei Seiten der Medaille.
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BIP verliert im digitalen Zeitalter an Aussagekraft
Dievolkswirtschaft.ch: BIP verliert im digitalen Zeitalter an Aussagekraft, Thomas Straubhaar, 2018.
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