Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2021

Die globale Vernetzung ermöglicht heutzutage auch Kleinanlegern ohne Schwierigkeiten in internationale Märkte zu investieren. Aufgrund eines prognostizierten Wirtschaftswachstums erscheint der chinesische Markt für viele als eine attraktive Chance.

Es bestehen viele Möglichkeiten in chinesische Unternehmen zu investieren: Einzelaktien, Unternehmensanleihen, klassische Indexfonds und ETFs. China ETFs bieten Laien und Neulingen, welche sich bisher nur oberflächlich mit dem chinesischen Wirtschaftsmarkt beschäftigt haben, eine einfache und kostengünstige Möglichkeit zu investieren.

Aufgrund der breiten Abbildung von zahlreichen chinesischen Unternehmen, minimieren sie vor allem das Risiko eines hohen Kursverlustes. Dieser Artikel thematisiert die Arten von China ETFs, sowie ihre Chancen und Risiken.




Das Wichtigste in Kürze

  • China ETFs bilden den chinesischen Wirtschaftsmarkt ab. Dabei ist zu beachten, dass man durch die China ETFs in Unternehmen investieren kann, die eigentlich nur den chinesischen Staatsbürgern zur Verfügung stehen.
  • China ETFs können bei herkömmlichen Banken sowie bei Onlinebrokern zu erworben werden.
  • China ETFs eignen sich vor allem für risikobewusste Anleger, welche am chinesischen Wirtschaftsmarkt teilhaben wollen.

Hintergründe: Was sind China ETFs und wie wird in sie investiert?

Im Folgenden werden die wichtigsten Fragen rund um das Thema China ETFs beantwortet. Hierfür bieten wir dir Hintergrundinformationen bezüglich der chinesischen Aktienklassen, bevor unter anderem die verschiedenen Erwerbsmöglichkeiten von China ETFs und ihre Chancen und Risiken thematisiert werden.

Was sind China ETFs?

Exchange Traded Funds, kurz ETFs, sind börsennotierte Indexfonds. Die ETFs bilden je einen Index ab, weshalb sie über die gleichen Werte verfügen wie dieser Index. Die klassischen ETFs sind passiv gemanagt und haben somit in der Regel wesentlich geringere Kosten als herkömmliche Indexfonds.

Ein „China ETF” bildet nur rein chinesische Indizes ab. So haben Anleger hierbei die Möglichkeit, sich rein auf den chinesischen Wirtschaftsmarkt zu konzentrieren.

Beispiele hierfür sind unter anderem der iShares MSCI China UCITS ETF von Black Rock, welcher sich breit auf den chinesischen Aktienmarkt verteilt und somit in etwa 85% aller chinesischen Unternehmen investiert ist. Eine Alternative hierzu ist der Xtrackers FTSE China 50 UCITS ETF 1C, welcher in die 50 umsatzstärksten Unternehmen China’s investiert.

Welche Aktienklassen gibt es in China?

Anders als im westlichen Aktienmarkt gibt es verschiedene Anlageklassen für die chinesischen, börsennotierten Unternehmen. Somit kann nicht jeder Anleger an jedem börsennotierten Unternehmen sein Geld durch Aktien anlegen.

Aktienklasse Beschreibung
Aktienklasse A (A-Shares) Aktien dieser Anlageklasse sind an der Börse von Shanghai oder Shenzhen notiert und können fast ausschließlich nur von chinesischen Staatsbürgern gehandelt werden. Großanleger haben jedoch die Möglichkeit einer speziellen Lizenzerwerbung.

Durch diese ist das Handeln von A-Shares unter strengen Auflagen erlaubt. Aktien der Aktienklasse A werden ausschließlich in der lokalen Währung Renminbi gehandelt.

Aktienklasse B (B-Shares) Aktien der Aktienklasse B, oder auch B-Shares, sind ebenso wie A-Shares an der Börse in Shanghai oder Shenzhen notiert. Diese werden jedoch in internationalen Währungen gehandelt. Die Aktienklasse B ist somit also eher für ausländische Investoren geschaffen worden.
Aktienklasse H (H-Shares) Alle Aktien, die an der Börse in Hongkong notiert sind, fallen in die Aktienklasse H. Diese Aktien werden in der lokalen Währung, dem Hongkong-Dollar gehandelt. Auch diese Aktienklasse wurde eher für internationale Investoren geschaffen und wird von den meisten Anlegern daher bevorzugt.

Obwohl A-Shares eigentlich nur chinesischen Staatsbürger und Großanlegern zur Verfügung stehen, gibt es jedoch für Kleinanleger auch eine Möglichkeit in sie zu investieren - und zwar durch ETFs. Seit einigen Jahren dürfen internationale ETFs mit bis zu 20% in Aktien der Aktienklasse A investieren.

Hierbei kann der Lyxor FTSE China A50 UCTIS ETF, welcher die 50 größten chinesischen A-Shares nachbildet, als Beispiel aufgeführt werden. (1)

Woraus setzen sich die verschiedenen China ETFs zusammen?

Wie viele andere ETF’s auch, bilden China ETFs die größten, umsatzstärksten oder liquidesten Unternehmen ab. Sie zeichnen jedoch nur chinesische Indizes nach, welche wiederum Anteile aus 50 bis hin zu 1020 chinesische Unternehmen aus allen Aktienklassen beinhalten können. Diese beziehen sich in der Regel auf chinesische Blue-, P-, S- und Red-Chips.

China ETFs sind in Deutschland sowohl bei Onlinebrokern als auch bei Direktbanken erhältlich. (Bildquelle: Carlos Musza / Unsplash)

Im Gegensatz zu dem internationalen Markt werden ETFs in China selten nach Sektoren unterteilt. So sind beispielsweise rein ökologisch-nachhaltige ETFs für den chinesischen Wirtschaftsraum nicht existent.

Wo kann man China ETFs kaufen?

Viele Börsenmakler (Broker) bieten eine große Auswahl an ETFs an. Jedoch können nicht bei jedem Broker chinesische Indizes abbildende ETFs erworben werden. Während die neueren Onlinebroker (Neobroker) eine bessere Auswahl an China ETFs bieten, fällt das Angebot an China ETFs bei den herkömmlichen "Direktbanken" häufig weg.

So sind bei Neobrokern in der Regel nicht nur die Kosten geringer, oft hat man hier also auch eine bessere Auswahl. Im Folgenden sind die bekanntesten Anbieter von chinesischen ETFs aufgelistet:

  • Trade Republic
  • Sparkassen Broker
  • ING Diba
  • CAPTrader
  • Postbank
  • Onvista
  • Targobank
  • JustTrade
  • DKB
  • Comdirect
  • Scalable Capital
  • Consorsbank
  • Smartbroker
  • LYNX-Broker

Wie aus der Liste zu entnehmen ist, sind China ETFs in Deutschland nicht nur Neobrokern, sondern auch bei herkömmliche Direktbanken erwerbbar.

Wie kann man China ETFs besparen?

China ETFs können über Einmalanlagen oder einen Sparplan bespart werden. Abhängig sind die Möglichkeiten von dem Angebot des jeweiligen Brokers. So sind Einmalanlagen in der Regel größere Investitionen, welche danach weiterhin über Sparpläne bespart werden können.

Sparpläne hingegen können je nach Angebot in verschiedenen Zeitintervallen bespart werden. Viele Broker bieten hier die Option einer zweimal monatlichen, monatlichen, quartalsweisen oder jährlichen Sparrate an.

Monatliche Sparpläne mit kürzeren Zeitintervallen haben den Vorteil, dass man hierdurch mit dem Cost Average Effekt investiert. Dies hat zur Folge, dass am Ende der Sparphase ein größerer Anteil an dem ETF für einen geringeren Preis gekauft wurde.

Welcher China ETF performt am besten?

Zwar ist der zukünftige Verlauf von Aktien schwer prognostizierbar, jedoch können die Verläufe der Vergangenheit analysiert werden, um so Aufschluss über die jeweilige Performance zu erhalten.

Im Folgenden wird dargelegt, wie welche ETFs im Jahr 2020 die beste Performance hatten und wie die Entwicklung in den Jahren zuvor verlief. Wie der Tabelle zu entnehmen ist, hatten die China ETFs in den letzten zwei Jahren eine sehr gute Performance.

Name des ETFs 2020 2019 2018
Xtrackers CSI 300 Swap UCITS ETF 1C 32,87% 44,61% 21,41%.
HSBC MSCI China A Inclusion UCITS ETF 30,91% 38,36% -
iShares MSCI China A UCITS ETF 30,61% 38,03% -22,62%

Der negative Trend im Jahr 2018 spiegelt sich, über die verglichenen ETFs hinaus, in allen China ETFs wieder. Dies hat zum einen den Anzug der amerikanischen Wirtschaftspolitik “America First” unter der Trump-Administration zu Grunde, weshalb nicht nur chinesische Unternehmen zunächst mit hohen Strafzöllen belegt wurden, sondern der Export in die USA sich verringerte.

Des Weiteren kann der negative Trend durch die geplante Reduktion der Staatsverschuldung von der chinesischen Politik erklärt werden, wodurch große Infrastrukturprojekte zurückgefahren wurden (2).

Welche Chancen haben China ETFs?

Die Chance von China ETFs lässt sich anhand der aktuellen chinesischen Wirtschaftslage gut erklären. Viele Analysten sprechen dem chinesischen Wirtschafts- und Aktienmarkt ein großes Wachstumspotenzial zu.

Das liegt einerseits an dem stark wachsenden BIP’s, welches in der Zeit von 2016 bis 2026 ein prognostiziertes Wachstum von über 214,9% hat. Darüber hinaus beschleunigt China den globalen Wettbewerb mit vielen Innovationen.

Diese beziehen sich nicht nur auf den herkömmlichen Technologie-Sektor, sondern auch auf Branchen wie Maschinenbau und erneuerbaren Energien, sowie die Automobilindustrie. Die Prognose eines stark wachsenden BIP’s kommt daher, dass China weltweit die zweitgrößte Exportnation ist und die Politik einen Wirtschaftswachstum in vielen Bereichen erwartet (3, 4, 5).

China ETFs versprechen eine effektive Teilhabe am Kursgewinn, dank ihrer breiten Aufstellung an verschiedensten chinesischen Einzelaktien. Hierdurch wird das Risiko gestreut und gemindert, welches ein großer Vorteil ist. So eignen sich ETFs gut um an dem chinesischen Aktienmarkt teilhaben zu haben.

Welche Risiken verbergen China ETFs?

Keine Investition ist ohne Risiko - dies gilt auch für den chinesischen Aktienmarkt, wo das Risiko durch manche Faktoren sogar erhöht ist.

Risiken entstehen unter anderem dadurch, dass die chinesische Politik einen prägnanten Einfluss auf die Unternehmen hat, da unter anderem viele Politiker auch in den Vorständen der großen chinesischen Unternehmen sitzen.

Wenn die Politik nicht direkt in den Unternehmen vertreten ist, gibt es dennoch die Möglichkeit durch starke Regulationen die “freien” Unternehmen einzuschränken, welches ein Risiko eines Kursverlustes birgt.

Darüber hinaus existiert an den europäischen und us-amerikanischen Börsen das Recht chinesische Aktien zu "delisten". Das bedeutet, dass bei Annahme einer zu engen Verknüpfung von Wirtschaft und Politik oder von sittenwidrigen Handlungen der Unternehmen diese von der jeweiligen Börse "ausgeschlossen" werden.

So sind diese dann nicht mehr handelbar. Dies kann zu einem enormen Kurseinbruch führen, wie im Beispiel von Xiaomi.

Als das Unternehmen unter der Trump-Regierung der USA als “Communist Chinese Military Company” eingestuft wurde und somit für einen Monat nicht mehr handelbar war, erlitt es einen Kurseinbruch von über 13%. Dieses zeichnet sich auch in den ETFs ab, welche zu einem größeren Teil in Xiaomi investiert waren.

Anhand dieses Beispiels wird erkennbar, dass China ETFs ein recht hohes Risiko beherbergen, als ETFs, welche nicht rein auf den chinesischen Wirtschaftsmarkt orientiert sind, da einzelne Aktien schnell als handelsunzulässig gelten.

Der andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China ist außerdem ein weiterer Risikofaktor, da chinesische Unternehmen mit Strafzöllen belegt werden, was sich auf den Gewinn und somit den Wert des Unternehmens widerspiegelt.

Auch hierdurch kann ein Kursfall einer Aktie entstehen, welches sich im jeweiligen ETF widerspiegelt. Durch fehlende ausreichende Pressefreiheit im Land fehlen darüber hinaus für viele Unternehmen ausreichend Informationen, welche für eine gute Recherche zum Teil notwendig sind  (6, 7, 8).

Für wen eignen sich China ETFs besonders?

China ETFs eignen sich besonders für diejenigen, welche auf einem risikoärmeren Weg in den chinesischen Markt investieren wollen.

Obwohl ETFs dank ihrer Streuung eine gewisse Sicherheit vor totalem Kapitalverlust bieten, sind China ETFs aufgrund der chinesischen Politik besonders für Personen, welche über eine hohe Risikobereitschaft oder Erfahrung verfügen, zu empfehlen.

Fazit

Viele Analysten sagen dem chinesischen Wirtschaftsmarkt immer noch ein großes Potenzial voraus, wobei andere schon vor dem "Platzen der Blase" warnen. Darüber hinaus beherbergt das Investieren in den chinesischen Markt weitere, bedenkenswerte Risiken.

"Wer hoch fliegen will, kann auch tief fallen"- wenn man sich nun für eine Investition in China ETFs entscheidet, sollten alle Rahmenbedingungen bedacht werden. Ein ausführlicher Vergleich der zur Verfügung stehenden ETFs ist hierbei absolut notwendig.

Bildquelle: Markus Spiske / Unsplash

Einzelnachweise (8)

1. justETF. Investieren in China mit ETFs.
Quelle

2. Statista. (2021). Haushaltssaldo von China in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2026.
Quelle

3. Statista. (2021). Bruttoinlandsprodukt (BIP) in China bis 2026.
Quelle

4. Statista. (2020). Anteile der Wirtschaftssektoren am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in China bis 2019.
Quelle

5. Bertelsmann Stiftung.(2016). China 2030. Szenarien und Strategien für Deutschland.
Quelle

6. ten Brink, Tobias. (2013). Wirtschaftsregulierung in China. Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Steuerungskapazitäten in einem nicht-liberalen Kapitalismus. dms - der moderne staat. 6. 65-84.
Quelle

7. Zhou, Yanru. (2017). A Comparative Study of China and the US Delisting System. American Journal of Industrial and Business Management. 07. 855-863. 10.4236/ajibm.2017.77060.
Quelle

8. Jovicic, S. (2019). EconStor: Chinas Wirtschaft: Steigende Risiken. Analyse und Simulationsrechnungen.
Quelle

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Statista. (2021). Haushaltssaldo von China in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2026.
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Bertelsmann Stiftung.(2016). China 2030. Szenarien und Strategien für Deutschland.
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Wissenschaftlicher Artikel
ten Brink, Tobias. (2013). Wirtschaftsregulierung in China. Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Steuerungskapazitäten in einem nicht-liberalen Kapitalismus. dms - der moderne staat. 6. 65-84.
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Wissenschaftliche Studie
Zhou, Yanru. (2017). A Comparative Study of China and the US Delisting System. American Journal of Industrial and Business Management. 07. 855-863. 10.4236/ajibm.2017.77060.
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Wissenschaftlicher Artikel
Jovicic, S. (2019). EconStor: Chinas Wirtschaft: Steigende Risiken. Analyse und Simulationsrechnungen.
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