Darlehensvertrag
Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2020

Du bist am überlegen, einen Darlehensvertrag abzuschließen, um dir einen Kaufwunsch zu erfüllen, weißt aber nicht, worauf du achten musst? Vor allem für Unerfahrene kann der Finanzdschungel verwirrend sein.

In unserem Beitrag zum Darlehensvertrag 2020 erfährst du daher alle wichtigen Informationen zu diesem Thema, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie seine Vor- und Nachteile. Außerdem werden die wichtigsten und am häufigsten gestellten Fragen von uns beantwortet.




Das Wichtigste in Kürze

  • Darlehensverträge werden abgeschlossen, um größere Investitionen zu tätigen oder Kaufwünsche zu erfüllen. Meist werden sie zur Baufinanzierung genutzt.
  • Ein Darlehensvertrag ist ein rechtlich bindender Vertrag zwischen einem Darlehensnehmer und Darlehensgeber. Der Darlehensgeber ist verpflichtet, dem Darlehensnehmer einen festen Geldbetrag über einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung zu stellen.
  • Ein Darlehensvertrag läuft über einen bestimmten Zeitraum, meistens länger als 4 Jahre. Hier fallen zusätzlich monatliche Zinsen an. Wie bei allen Verträgen gibt es auch hier ein Widerrufsrecht.

Glossareintrag: Der Begriff Darlehensvertrag im Detail erklärt

In diesem Teil haben wir dir die wichtigsten Informationen zum Thema Darlehensvertrag zusammengestellt und häufig gestellte Fragen beantwortet. So kannst du dir einen guten und schnellen Überblick über das Thema verschaffen.

Was ist ein Darlehensvertrag?

Ein Darlehensvertrag ist ein rechtlich bindender Vertrag zwischen einem Darlehensnehmer und Darlehensgeber. Der Darlehensgeber (z.B. eine Bank) ist hierdurch verpflichtet, einem Darlehensnehmer einen festen Geldbetrag über einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung zu stellen.

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Ein Darlehensvertrag wird dann abgeschlossen, wenn eine größere Investition oder Anschaffung getätigt werden soll. Vor allem für den Hausbau und Hauskauf werden Darlehensverträge abgeschlossen.
(Bildquelle: pixabay.com / Free-Photos)

Der Darlehensnehmer ist durch das Unterschreiben jenes Vertrages dazu verpflichtet, den Betrag innerhalb eines festgelegten Zeitraums zurückzuzahlen. Zusätzlich fallen Zinsen an, die von dem Darlehensgeber bestimmt werden.

Ein Darlehensvertrag kann zwischen Privatpersonen oder zwischen einer Bank und einem Kunden Zustandekommen. Wenn keine Bank an dem Vertrag beteiligt ist, spricht man von einem privaten Darlehensvertrag.

Wie kommt ein Darlehensvertrag zustande?

Wie bei anderen Verträgen kommt auch ein Darlehensvertrag durch Angebot und Nachfrage zustande.

Das Angebot ist in diesem Fall ein Darlehensantrag des Kunden. Die Bank nimmt diesen an.

Hier einmal das Zustandekommen eines Darlehensvertrages im Detail:

  1. Darlehensanfrage durch Stellen eines Darlehensantrags vom Darlehensnehmer.
  2. Antrag wird vom Kreditinstitut oder Darlehensgeber geprüft. Mündliche Verhandlung und Beratung (Darlehenshöhe, Zinsen usw.) zwischen Darlehensgeber und Nehmer.
  3. Bonitätsprüfung (vom Kreditinstitut).
  4. Kreditzusage.
  5. Annahme der Darlehenszusage (vom Darlehensnehmer).

Was ist der Unterschied zwischen einem Darlehen und einem Kredit?

Darlehen und Kredit sind zwei alltägliche Begriffe. Hier erklären wir dir ihre Bedeutung und ihre Unterschiede.

Zunächst einmal solltest du wissen, dass der “Kredit” als Oberbegriff für jegliche Geldanleihe dient. Daher ist das “Darlehen” eine Unterkategorie des Kredites (2).

Unterschiede Darlehen Kredit
Laufzeit Lang (über 4 Jahre) Kurz (unter 4 Jahre)
Darlehenssumme Hoch (im 6-stelligen Bereich) Mittel bis Niedrig (4 bis 5-stelliger Bereich)
Nutzen Große Investitionen wie Hausbau Kleinere Anschaffungen wie ein Auto
Zinsen Eher gering Höher als beim Darlehen
Sicherheit Hypothek o.ä. Keine Sicherheit nötig

Vor allem in ihrer Laufzeit und in der Darlehenssumme unterscheiden sich Darlehen und Kredit sehr. Darlehen werden für größere Investitionen beantragt, Kredite hingegen für kleinere Anschaffungen wie ein Auto oder einen Familienurlaub.

Wie lange dauert es, bis ein Darlehen ausgezahlt wird?

Wie schnell dir das Darlehen ausgezahlt wird, hängt von der vorgesehenen Zahlweise ab. Entscheidend ist vor allem, wann die Sicherheit rechtswirksam wird. Dies ist normalerweise mit dem Eintrag der Grundschuld im Grundbuch erledigt. Die Eintragung kann zwischen vier und sechs Wochen dauern.

Wenn du dein Darlehen über ein Notaranderkonto oder eine Anschlussfinanzierung abwickelst, kann sich die Dauer auf gut 14 Tage reduzieren.

Wofür kann man Darlehensverträge abschließen?

Darlehen haben eine recht lange Laufzeit von über 4 Jahren. Die Darlehenssumme ist relativ hoch, oftmals im 6-stelligen Bereich. Daher verlangt die Bank auch gerne eine Sicherheit, wie eine Hypothek.

Im Prinzip kannst du einen Darlehensvertrag abschließen für was du willst. Aufgrund der genannten Fakten ist es aber logischer, sich einen Darlehensvertrag für größere Investitionen abzuschließen wie zum Hauskauf oder Hausbau.

Was muss ein Darlehensvertrag enthalten?

Gewisse Mindestbestandteile sollten in jedem Darlehensvertrag zu finden sein. Bei geschäftlichen Beträgen sind diese Bestandteile durch § 488, Absatz 1 des bürgerlichen Gesetzbuches festgelegt.

Im Darlehensvertrag sollte folgendes enthalten sein:

  • Darlehensvertrag
  • Vertragsparteien (Darlehensgeber & Darlehensnehmer)
  • Zinsen und Zinsbindung
  • Gebühren
  • Vertragslaufzeit
  • Auszahlungsmodalitäten (Bar, Überweisung etc.)
  • Art der Rückzahlung
  • Sicherheiten (Bürgschaft, Hypothek etc.)
  • Kündigungsbedingungen
  • Widerrufspflichten
  • Unterschrift

Welche Darlehenssumme kann ich mir leisten?

Es ist wichtig, dass du deine finanzielle Situation richtig einschätzt. Du solltest schauen, wieviel Geld du monatlich für die gesamte Laufzeit des Darlehensvertrags an Raten ausgeben kannst.

Wenn eine Bank dir ein Darlehen verweigert hat dies einen Grund. Hinterfrage den Grund der Ablehnung in jedem Fall.

Am besten Vergleichst du die Preise von so vielen Kreditinstituten wie möglich. Achte vor allem auf den effektiven Jahreszins und nicht die kleinen Monatsraten.

Um das für dich beste Angebot zu finden, musst du verschiedene Konditionen vergleichen. Lass dich nicht hetzen und nimm dir Zeit verschiedene Vertragsentwürfe durchzugehen um erst dann eine Entscheidung zu treffen (3).

Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sollte ich bei einem Darlehensvertrag beachten?

Im Bürgerlichen Gesetzbuch sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, die bei einem Darlehensvertrag gelten, aufgeführt.

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Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt die wirtschaftliche Beziehung zwischen juristischen Personen und Privatpersonen.
(Bildquelle: 123rf.com/ Fouque)

Laut Paragraph § 488 des bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gibt es 3 vertragstypische Pflichten, die bei einem Darlehensvertrag gelten:

(1) “Durch den Darlehensvertrag wird der Darlehensgeber verpflichtet, dem Darlehensnehmer einen Geldbetrag in der vereinbarten Höhe zur Verfügung zu stellen. Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, einen geschuldeten Zins zu zahlen und bei Fälligkeit das zur Verfügung gestellte Darlehen zurückzuzahlen.”(1)

(2) “Die vereinbarten Zinsen sind, soweit nicht ein anderes bestimmt ist, nach dem Ablauf je eines Jahres und, wenn das Darlehen vor dem Ablauf eines Jahres zurückzuzahlen ist, bei der Rückzahlung zu entrichten.”(1)

(3) “Ist für die Rückzahlung des Darlehens eine Zeit nicht bestimmt, so hängt die Fälligkeit davon ab, dass der Darlehensgeber oder der Darlehensnehmer kündigt. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Sind Zinsen nicht geschuldet, so ist der Darlehensnehmer auch ohne Kündigung zur Rückzahlung berechtigt.”(1)

In der Regel verlangt der Darlehensgeber (Bank) eine zusätzliche Sicherheit. Dies kann eine Bürgschaft, Hypothek oder Grundschuld sein.

Grundsätzlich ist der Inhalt des Darlehensvertrags zwischen den Vertragsparteien frei verhandelbar.

Kann ich Änderungen an meinem Darlehensvertrag vornehmen?

In manchen Fällen musst du sogar Änderungen vornehmen. Wenn du deinen Arbeitsplatz, Namen oder deinen Wohnort änderst, musst du dies der Bank mitteilen. In vielen Fällen ist das Anpassen der persönlichen Daten kostenlos.

Wenn du vergisst, der Bank deinen Umzug oder die Namensänderung mitzuteilen, musst du meistens zusätzliche Gebühren zahlen.

Wenn du feststellst, dass du eine höhere Darlehenssumme benötigst ist die Erhöhung bei den meisten Banken kein Problem. Wenn durch die Erhöhung auch eine Verlängerung des Vertrages vonnöten ist, wird für das Darlehen meist höhere Zinsen verlangt.

Auch geringere Einnahmen sollten der Bank mitgeteilt werden.

Wenn du aufgrund eines neuen Arbeitsplatzes oder Jobwechsels mehr Geld zur Verfügung hast, musst du dies der Bank melden. Durch höhere Einnahmen kannst du dann deine Kreditlaufzeit verkürzen und die gesamten Darlehenskosten verringern.

Weitere Änderungen, die du vornehmen kannst (4).

  • Tilgungsrate erhöhen / reduzieren
  • Laufzeit verlängern / verkürzen
  • Kreditsicherheit hinzufügen
  • Restschuldversicherung abschließen
  • Persönliche Einnahmen erhöhen / reduzieren
  • Persönliche Ausgaben erhöhen / reduzieren
  • Darlehenssumme erhöhen

Kann ich meinen Darlehensvertrag kündigen / widerrufen?

Bei einem Widerruf musst du als Kunde der Bank die komplette Darlehenssumme zusammen mit den bisher noch nicht geleisteten Darlehenszinsen zurückzahlen.

Der Wertersatz muss innerhalb von 30 Tagen, nachdem der Widerruf eingereicht wurde, erfolgen.

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Wusstest du, dass dir als Verbraucher grundsätzlich ein 14 tägiges Widerrufsrecht bei Kreditverträgen mit Unternehmen zusteht?

Dies gilt aber nur für private Kredite und nicht für Darlehen, die gewerblich aufgenommen wurden (5).

Gründe für einen Widerruf können sein:

  1. Umzug
  2. Krankheit
  3. Arbeitslosigkeit

Es gibt allerdings auch Darlehensverträge, die vom Widerrufsrecht befreit sind, zum Beispiel (6):

  • Wenn der Nettodarlehensbetrag unter 200 € liegt
  • Kurzfristige Verträge
  • Kredite gegen Pfand
  • Staatliche Förderdarlehen mit besseren Bedingungen als üblich auf dem Markt

Die gesetzliche Widerrufsfrist beträgt 14 Tage.

Ab wann ist ein Darlehensvertrag gültig?

Sobald du den Vertrag der Bank unterschrieben hast, ist der Vertrag rechtsgültig.

Bei einem privaten Darlehensvertrag mit Freunden oder Bekannten ist ein Vertrag in Schriftform nicht nötig. Hier genügt auch eine mündliche Vereinbarung.
Es ist aber für alle Beteiligten besser, wenn es einen ausformulierten Vertrag gibt, um etwaige Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Wann ist ein Darlehensvertrag ungültig?

Auch wenn ein Darlehensvertrag von allen Parteien unterschrieben worden ist, kann er ungültig sein.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn er nach Paragraph 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) “sittenwidrig” ist. Dies ist der Fall, wenn zum Beispiel eine Notlage des Kunden ausgenutzt wurde um dann durch “Wucher” zu mehr Geld zu kommen.

Wucher: Wenn der vereinbarte Zinssatz den aktuellen Marktpreis um 100 % übersteigt.

Weiterhin kann der Vertrag ungültig sein, wenn:

  • eine Erläuterung zum Widerrufsrecht fehlt
  • der Darlehensgeber (z.B. Bank) betrügerische Absichten verfolgt
  • Ergänzungen nachträglich hinzugefügt wurden

Auch bei einem ungültigen Vertrag entfällt die Rückzahlung nicht.

Gibt es zinslose Darlehensverträge?

Zinslose Darlehensverträge gibt es zumeist unter Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern. Aber auch Arbeitgeber und Geschäftspartner können zinsloser Darlehensverträge vergeben.

Bei einem zinslosen Darlehen verzichten der Darlehensgeber auf eine Entlohnung oder Gegenleistung.

Verwandtschaftsgrad Steuerfreibetrag in €
Nicht Verwandt 20.000
Enkel 200.000
Ehegatten und Lebenspartner 500.000

Bei einem zinslosen Darlehen sollten beide Parteien an die Schenkungssteuer denken. Um die Schenkungssteuer zu vermeiden, sollte man daher auf die geltenden Freibeträge achten. Diese werden durch den Verwandtschaftsgrad bestimmt.

Welche Vor- und Nachteile gibt es bei einem Darlehensvertrag?

Es gibt verschiedene Vor- und Nachteile, wenn es um Darlehensverträge geht.

Zunächst einmal bedeutet ein Darlehen schnelles Geld. Dadurch können Investitionen getätigt und Kaufwünsche erfüllt werden. Außerdem verbessert ein Darlehen kurzfristig die Eigenkapitalsituation.

Vorteile
  • Investition oder Erfüllung eines Kaufwunsches
  • Verbesserung der Eigenkapitalsituation
  • Schnelle Auszahlung
Nachteile
  • Überschuldung
  • Zusätzliche monatliche Ausgaben
  • Bindung an den Finanzpartner

Nichtsdestotrotz kannst du dich überschulden, wenn du deine finanzielle Lage falsch einschätzt. Zusätzliche monatliche Ausgaben müssen von dir getätigt werden. Außerdem bist du durch ein Darlehen an deinen Finanzpartner gebunden.

Fazit

Bei einem Darlehensvertrag verpflichtet sich der Darlehensgeber dem Darlehensnehmer einen bestimmten Betrag an Geld zur Verfügung zu stellen. Ein Darlehensvertrag bietet dem Darlehensnehmer daher eine gute und schnelle Möglichkeit, Kaufwünsche und Investitionen zu tätigen.

Zwar bieten Darlehnsverträge auch Risiken wie Überschuldung, nichtsdestotrotz sind sie durch Rahmenbedingungen rechtlich abgesichert. Daher braucht man als Verbraucher keine Angst haben, einen Darlehensvertrag einzugehen.

Bildquelle: Pleshkun / 123rf.com

Einzelnachweise (6)

1. § 488 BGB, Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag.
Quelle

2. Wikipedia (2020). Kredit
Quelle

3. Kredite und Darlehen: Auch beim Geldleihen lässt sich sparen (2019).
Quelle

4. Nachträglich Änderungen am Kreditvertrag vornehmen (2004).
Quelle

5. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 13 Verbraucher
Quelle

6. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 491 Verbraucherdarlehensvertrag.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Thorsten berät Menschen, wie man Geld am besten privat anlegt. Um auf dem neusten Stand zu bleiben, beschäftigt er sich in seiner Freizeit intensiv mit verschiedenster Fachliteratur. Auch über verschiedene Finanzierungsmodelle weiß er Bescheid. Um sein Wissen mit noch mehr Menschen zu teilen, hat er sich dazu entschieden, über diese Thematiken zu schreiben.
Bürgerliches Gesetzbuch
§ 488 BGB, Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag.
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Wikipedia
Wikipedia (2020). Kredit
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Verbraucherzentrale
Kredite und Darlehen: Auch beim Geldleihen lässt sich sparen (2019).
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Vergleichsportal, Konto & Kredit
Nachträglich Änderungen am Kreditvertrag vornehmen (2004).
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Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 13 Verbraucher
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Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 491 Verbraucherdarlehensvertrag.
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