Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2021

Dank unseres Sozialstaates hast du im Falle eines Arbeitsplatzverlustes, unter den richtigen Voraussetzungen, Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dieses kann sich je nach Situation in Höhe und Dauer unterscheiden. Doch wie lange kannst du im besten Fall mit der Zahlung von Arbeitslosenhilfen rechnen?

Unser Ratgeber beschäftigt sich mit genau dieser Frage und soll dir damit einen Überblick zum Thema Arbeitslosengeld verschaffen. Damit du bestmöglich für die Gefahr einer Erwerbslosigkeit vorbereitet bist, haben wir zudem die wichtigsten Aspekte und Grundlagen, neben der Dauer von Arbeitslosengeld, erarbeitet.




Das Wichtigste in Kürze

  • Das Arbeitslosengeld steht jedem zu, der in die Arbeitslosenversicherung einzahlt. Damit gehört es zu den Sozialversicherungsleistungen.
  • Allerdings hängt der Anspruch, die Höhe und v. a. die Dauer davon ab, wie lange du in die Versicherung einzahlst.
  • Mit Arbeitslosengeld ist i. d. R. die Versicherungsleistung des ALG 1 gemeint. Das ALG 2 hingegen wir auch als Hartz 4 bezeichnet und stellt eine Grundsicherung dar.

Hintergründe: Anspruch und Dauer des Arbeitslosengeldes

Falls du dich in näherer Zukunft arbeitslos melden musst, solltest du ein paar Dinge wissen, damit beim Antrag und Bezug nichts schiefläuft. Daher haben wir dir die wichtigsten Informationen zum Arbeitslosengeld zusammengestellt und sind auf typische Fragen zum Thema eingegangen.

Wann habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Wie bereits erwähnt ist das Arbeitslosengeld eine Versicherungsleistung und steht damit nicht automatisch jedem deutschen Staatsbürger zu. Du musst zunächst für einen Mindest-Zeitraum in die Versicherungskasse eingezahlt haben, um das ALG zu erhalten.
Die Arbeitslosenquote liegt in Deutschland aktuell bei 6 % (2).

Allerdings wird der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung, wie andere Sozialversicherungsbeiträge, i. d. R. als Teil von versicherungspflichtigen Beschäftigungen direkt vom Lohn abgezogen (1).

Für einen Anspruch musst die mindestens 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Allerdings zählen dafür nur die letzten 30 Monate vor dem Antrag. Zudem musst du dich bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos melden. Besonders wichtig ist auch, dass du in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit nach einer versicherungspflichtige Stelle suchen musst.

Wie lange wird Arbeitslosengeld gezahlt?

Je nachdem wie alt du bist und wie lange du versichert bist, kannst du verschieden lange Arbeitslosengeld beziehen. Die allgemeine höchste Anspruchsdauer beträgt 12 Monate. Das gilt allerdings nur bis zum 50sten Lebensjahr. Danach hast du sogar bis zu 24 Monate Anspruch auf ALG 1.

  • Arbeitslosengeld 1: Eine Versicherungsleistung
  • Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4): Eine Grundsicherung

Es gilt, dass du doppelt so viele Monate versichert gewesen sein musst, wie du Arbeitslosengeld beziehen kannst. Das bedeutet, um die vollen 12 Monate zu erhalten, musst du in den 5 Jahren zuvor, 24 Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Eine weitere Möglichkeit wäre 6 Monate ALG, für die du dann 12 Monate Beschäftigung nachweisen müsstest.

Sowohl die Regel-Anspruchsdauer, als auch die maximale Anspruchsdauer können durch Regelungen, wie der Sperrzeit gekürzt werden. Besonders wenn du zwar einen guten Grund hast um deinen Job aufzugeben, aber du nicht erwarten kannst gekündigt zu werden, wird die Sperrzeit wichtig.

Denn die eigenständige Kündigung kann ein Auslöser für diese sein. Allerdings muss sie das nicht. Du solltest also nicht abgeschreckt sein deine Kündigung einzureichen, wenn du dafür angemessene Gründe hast.

Was bedeutet Arbeitslosengeld II?

Arbeitslosengeld II, oder umgangssprachlich auch Hartz 4 genannt, ist im Gegensatz zum ALG I eine Grundsicherung und steht damit prinzipiell jedem Bürger zu. Natürlich gibt es dennoch gewisse Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Das Mindestalter beträgt nämlich 15 Jahre, während du die Leistung maximal bis zur Rentengrenze beziehen kannst.

Das wichtigste ist allerdings, dass das Arbeitslosengeld II nur Hilfebedürftigen zusteht. Denn wenn du erwerbsfähig bist, kannst du lediglich auf das Arbeitslosengeld der Sozialversicherung zugreifen, falls du die beschriebenen Voraussetzungen erfüllst.

Hilfebedürftig bist du, wenn du ein Einkommen unter dem Existenzminimum hast und nicht genug eigene Mittel um deinen Lebensunterhalt zu decken (3). Diese Definition bezieht sich auf dich oder deine Bedarfsgemeinschaft, z. B. deine Familie.

Wie viel Arbeitslosengeld bekomme ich?

Anhand deines Gehalts ergibt sich auch dein Arbeitslosengeld. Relevant für die Berechnung ist hier allerdings nur das vorangegangene Jahr. Benötigt wird dein Brutto-Arbeitsentgelt pro Tag, welches sich wie folgt,  berechnen lässt. Du nimmst dein gesamtes Brutto-Arbeitsentgelt (Gehalt) der letzten 12 Monate und teilst es durch 365.

  1. Brutto-Arbeitsentgelt pro Tag = Brutto-Arbeitsentgelt : 365
  2. Netto-Entgelt pro Tag = Brutto-Entgelt pro Tag - Steuern/Versicherung/...
  3. ALG 1 = Netto-Entgelt x 0,6

Als Nächstes wird dein Netto-Entgelt pro Tag gebraucht. Das entspricht einfach deinem Brutto-Arbeitsentgelt pro Tag mit Abzügen. Es werden also Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und der Sozialversicherungsbeitrag subtrahiert. An dem nun erhaltenen Wert orientiert sich dein Arbeitslosengeld. Nämlich 60 % des Netto-Entgelts pro Tag und 67 %, wenn du ein oder mehrere Kinder hast.

Welche Besonderheiten gibt es ab dem 50sten Lebensjahr?

Die maximale Dauer der Auszahlung von Arbeitslosengeld ist normalerweise 12 Monate. Dieser Zeitraum ändert sich allerdings mit Vollendung des 50sten Lebensjahres. Ab 50 hast du nämlich die Möglichkeit länger ALG 1 zu beziehen. Und zwar bis zu 15 Monaten. Die maximale Auszahlungsdauer steigt sogar stufenweise noch weiter bis zum 58sten Lebensjahr (4).

Zu beachten ist, dass du für jedes weitere Jahr Arbeitslosengeld eine längere Anwartschaftszeit nachzuweisen ist. Dabei gilt wie sonst auch das Verhältnis 1:2. Heißt mit 50 Jahren musst du für die Höchstdauer von 15 Monaten, 30 Monate Anstellung nachweisen. Ab 55 Jahren ist die Höchstdauer 18 Monate und die dementsprechende Anwartschaftszeit 36 Monate. Ab 58 gibt es bis zu 24 Monaten Geld, wenn 48 Monate nachgewiesen werden.

Alter maximale Dauer des Arbeitslosengeldes Dauer der versicherungspflichtigen Beschäftigung vor der Arbeitslosigkeit
unter 50 12 Monate 24 Monate
ab 50 15 Monate 30 Monate
ab 55 18 Monate 36 Monate
ab 58 24 Monate 48 Monate

Was ist die Sperrzeit?

Eine Sperrzeit kann beim Arbeitslosengeld verhängt werden, da es sich um eine Versicherungsleistung handelt. Das bedeutet, dass du zeitweise deinen Anspruch verlierst, wenn du entweder den Versicherungsfall willentlich herbeiführst oder dich nicht um eine neue Arbeitsstelle kümmerst (5).

Ein Beispiel für einen solchen Fall wäre, wenn du selbst deinen Arbeitsplatz aufgibst, ohne gekündigt zu werden. Damit hättest du mit Absicht einen Versicherungsfall ausgelöst. Die Konsequenz ist dann, dass du bis zu 12 Wochen kein Arbeitslosengeld erhalten kannst. Zudem führt das Verhängen einer Sperrzeit zur Verkürzung der maximalen Anspruchsdauer um ein Viertel.

Arbeitslosengeld und Rente: Was solltest du beachten?

Nicht nur der Jobverlust kann ein Grund sein Arbeitslosengeld zu beziehen. Für manche kann es sinnvoll sein die Zeit bis ins Rentenalter mit der Sozialhilfe zu überbrücken.

Welche Vorteile hat das Arbeitslosengeld für die Rente?

Wer 63 Jahre oder älter ist, hat die Möglichkeit zwischen Rente und Arbeitslosengeld zu entscheiden. Intuitiv würdest du wahrscheinlich denken, dass es keinen Sinn ergibt im Rentenalter das Arbeitslosengeld zu beziehen. So besteht für Rentner z. B. keine Meldepflichten, was Freiheiten in Bezug auf Urlaube mit sich bringt.

A dem 50sten Lebensjahr gibt es länger ALG. Doch geht es auf das Rentenalter zu, gibt es noch mehr Besonderheiten beim Arbeitslosengeld. (Bildquelle: Unsplash / Matthew Bennett)

Wer allerdings überlegt vorzeitig vom Arbeitslosengeld zur Rente zu wechseln, sollte aufpassen. Zum einen erhälst du i. d. R. mehr Geld von der Arbeitslosenversicherung, als der Rente. Für das ALG spricht zudem, dass die Bezugsdauer für die Rente als Versicherungszeit zählt. Das verbessert die spätere Rente. Genauso kann aber auch der vorzeitige Eintritt in die Rente zu Abschlägen von bis zu 7,2 % führen (6).

Was haben langjährig Versicherte zu erwarten?

Eine abschlagsfreie Frührente als Alternative zum Arbeitslosengeld gibt es für sog. besonders langjährig Versicherte. Um als solcher zu gelten musst du 45 Jahre versichert gewesen sein. Interessant ist, dass bis auf die letzten zwei Jahre vor der Rente, auch hier wieder die Zeiten des ALG Bezugs dazu zählen.

Warum sollte man beim Arbeitslosengeld im hohen Alter aufpassen?

Obwohl das Arbeitslosengeld vor der Rente einige Vorteile mit sich bringt, solltest du trotzdem vorsichtig sein. Wie bereits erwähnt gilt in den letzten zwei Jahren nur bedingt die ALG Bezugszeit als Versicherungszeit. Zudem versucht der Staat ältere Arbeitslose nicht zu bevorzugen. Das bedeutet für dich, dass, auch wenn du das ALG als Brücke in die Rente nutzt, der Staat dich behandelt wie jeden anderen Arbeitslosen.

Praktisch hat das zur Folge, du verpflichtet bist aktiv nach einer Beschäftigung zu suchen. Außerdem musst du Stellen, die sich dir während der Arbeitslosigkeit vor der Rente ergeben, annehmen. Dabei hast du nicht die Freiheit Anstellungen, die deutlich schlechter sind als deine Letzte, abzulehnen.

Ist ein Hinzuverdienst möglich?

Es ist möglich während der Arbeitslosigkeit mittels geringfügigen Beschäftigungen etwas dazuzuverdienen. Allerdings gibt s es dabei einiges zu beachten. Es kann oft sinnvoll sein die freie Zeit in der Arbeitslosigkeit zu nutzen. Nicht nur ein zusätzliches Einkommen ist dabei interessant, sondern auch eine tägliche Beschäftigung.

Erlaubt ist eine Tätigkeit von bis zu 15 Stunden pro Woche zum Hinzuverdienst in der Arbeitslosigkeit. Eine solche Tätigkeit muss immer vom Amt bewilligt sein. Es gilt also immer auf die wöchentlichen Arbeitsstunden zu achten, sonst werden dir die Leistungen des ALG gekürzt.

Fazit

Die Arbeitslosigkeit kann jeden betreffen und wir in Deutschland vom Arbeitslosengeld, über eine Dauer von bis zu 24 Monaten, aufgefangen. Es gibt neben dem eigentlichen Arbeitslosengeld (ALG 1), noch Hartz 4 oder Arbeitslosengeld 2. Diese Grundsicherung steht an sich jedem Bürger zu. I. d. R spricht man bei Arbeitslosengeld aber eben vom ALG 1, was eine Versicherungsleistung im Rahmen der Sozialversicherungen ist.

Besonders interessant wird das Arbeitslosengeld für ältere Menschen, die auf die Rente zugehen, da es die letzten Jahre davor sinnvoll überbrücken kann. Du solltest nur beachten alle behördlichen Anforderungen zu erfüllen, um Rentenabschläge zu vermeiden. Ebenso gilt es bei einer eigenen Kündigung auf die Möglichkeit einer Sperrzeit aufzupassen. Besonders bedenklich ist dabei, dass die Bezugsdauer des ALG um ein Viertel gekürzt werden kann.

Bildquelle: Pexels / Anna Shvets

Einzelnachweise (6)

1. Bundesagentur für Arbeit. Arbeitslosengeld: Anspruch, Höhe, Dauer. Abgerufen 30.04.21
Quelle

2. Arbeitslosenquote in Deutschland von April 2020 bis April 2021. Statista. Abgerufen 30.04.21
Quelle

3. Bundesagentur für Arbeit. Arbeitslosengeld II: Voraussetzungen, Einkommen und Vermögen. Abgerufen 30.04.21
Quelle

4. Arbeitslosengeld 1: Das sollten Arbeitnehmer über 50 wissen. Seniorenbedarf.info. Abgerufen 30.04.21
Quelle

5. Die Sperrzeit beim Arbeitslosengeld nach § 159 SGB III. arbeitsrechte.de. Abgerufen 30.04.21
Quelle

6. Rente mit 63: So viel Geld kostest es, wenn Sie früher in den Ruhestand gehen wollen. Rotenburger Rundschau. Abgerufen 30.04.21
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Internetbeitrag
Bundesagentur für Arbeit. Arbeitslosengeld: Anspruch, Höhe, Dauer. Abgerufen 30.04.21
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Statistik
Arbeitslosenquote in Deutschland von April 2020 bis April 2021. Statista. Abgerufen 30.04.21
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Internetbeitrag
Bundesagentur für Arbeit. Arbeitslosengeld II: Voraussetzungen, Einkommen und Vermögen. Abgerufen 30.04.21
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Internetbeitrag
Arbeitslosengeld 1: Das sollten Arbeitnehmer über 50 wissen. Seniorenbedarf.info. Abgerufen 30.04.21
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Internetbeitrag
Die Sperrzeit beim Arbeitslosengeld nach § 159 SGB III. arbeitsrechte.de. Abgerufen 30.04.21
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Internetbeitrag
Rente mit 63: So viel Geld kostest es, wenn Sie früher in den Ruhestand gehen wollen. Rotenburger Rundschau. Abgerufen 30.04.21
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