Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2021

In der Volkswirtschaft kann zu jedem Zeitpunkt eine Deflation oder eine Inflation gemessen werden. Während die Inflation täglich ein Thema auf vielen Nachrichtenkanälen ist, ist die Deflation weniger bekannt. Also was genau ist eine Deflation?

Diese Frage wollen wir Dir mithilfe dieses Textes beantworten. Zudem beschäftigen wir uns mit der Fragestellung, wie eine Deflation überhaupt ausgelöst wird und was man gegen eine Deflation unternehmen kann.




Das Wichtigste in Kürze

  • In einer Volkswirtschaft kann immer eine leichte Inflation oder Deflation gemessen werden. Daher besteht auch nicht zu jedem Zeitpunkt Grund zu einer Panik. Wenn eine Deflation allerdings ein zu großes Ausmaß annimmt, sollten Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
  • Bei einer Deflation sinken sowohl die Geld- als auch die Kreditmenge. Produkte und auch Investitionsgüter, wie zum Beispiel Immobilien verlieren über einen längeren Zeitraum kontinuierlich an Wert. Die Folge einer solchen Wertminderung wird als Deflation bezeichnet.
  • Ein hoher Leitzins, gesteigerte Sparmaßnahmen der Haushalte und oder vom Staat und auch Währungsaufwertungen können eine Deflation hervorrufen. Eine Deflation bringt eine Vielzahl von Insolvenzen mit sich, weshalb das Erkennen von frühen Signalen und das Einleiten von Maßnahmen zwei wichtige Faktoren zur Bekämpfung einer Deflation sind.

Hintergründe: Wie kommt eine Deflation zustande?

Eine Deflation (1) kommt genau dann Zustande, wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage. Auch ein erhöhter Leitzins, vorsichtige Sparmaßnahmen und Währungsaufwertungen können eine Deflation hervorrufen. Sie ist also die Folge davon, dass weniger Geld im Umlauf ist.

Einmal losgetreten ist es schwer aus einer Deflation auszubrechen. Dafür gibt es in der Praxis unterschiedliche Möglichkeiten, die wir Dir im Laufe des Textes noch erläutern werden. Doch nun erstmal zu den einzelnen Faktoren die eine Deflation überhaupt erstmal aufkommen lassen.

Wie beeinflusst ein hoher Leitzins eine Deflation?

Die EZB (2) ist in der Lage den Leitzins (3) zu regulieren. Sie kann ihn entweder hoch oder runterschrauben. Sollte der Leitzins zu hochgeschraubt werden, sind die Kredite für Privatkunden und Unternehmen zu teuer. Daher werden weniger Kredite in Anspruch genommen.

Ein Grund für das Hochschrauben des Leitzinses wäre eine vorausgegangene Inflation(4). Wenn sich also weniger Privatkunden und auch weniger Unternehmen Geld leihen, hat das automatisch zur Folge, dass dadurch weniger Geld im Umlauf ist. Dies ist ein Grund, weshalb eine Deflation entstehen kann.

Wie beeinflussen Sparmaßnahmen eine Deflation?

Hierbei können sowohl Privathaushalte und auch der Staat Verursacher einer Deflation sein. Es kann sein, dass der Staat seine Ausgaben reduziert, um beispielsweise Staatsschulen abzuzahlen.  Auch das beeinflusst die Menge an Geld, die im Umlauf ist. Sie wird weniger, was eine Deflation hervorrufen kann.

Auch ein Wirtschaftsabsprung kann Grund einer Deflation sein. Durch die entstehende Verunsicherung der Menschen, fangen sie an, dass Geld zu sparen. Das führt auch wieder dazu, dass weniger Geld im Umlauf ist.

Zudem führt das Sparen der Privathaushalte dazu, dass die Nachfrage für Waren, Dienstleistungen und auch Investitionsgüter fällt. Als Folge müssen die Anbieter die Preise senken. Ab einem gewissen Punkt überragen dann die Produktionskosten die Einnahmen des Unternehmens.

Daraus resultieren sinkende Produktionskosten und auch Entlassungen. Im schlimmsten Fall gehen die Unternehmen insolvent. Eine Deflation bringt daher oftmals auch viele Insolvenzen mit sich.

Warum führt eine Währungsaufwertung zu einer Deflation?

Auch die Aufwertung der eigenen Währung kann eine Deflation mit sich bringen. (5) Folge einer Wirtschaftskrise in einem Land kann es sein, dass viele Menschen ihr Geld im Ausland anlegen, um sicher zu gehen, dass ihr Geld nicht an Wert verliert. Als Folge dessen nimmt der Wert der Währung des Ziellandes enorm zu.

Somit werden Güter und auch Dienstleistungen in dem Land, in dem das Geld angelegt wird teurer. Wenn das Zielland allerdings von seinem Tourismus lebt, werden viele Urlauber als Folge des rasanten Anstieges des Wertes der Währung lieber in einem anderen Land Urlaub machen.

Das führt dazu, dass wieder weniger Geld im Umlauf ist. So kann also auch eine Währungsaufwertung Grund für eine steigende Deflation sein.

Was ist die Folge einer Deflation?

Die Folge einer Deflation ist, dass weniger Geld im Umlauf ist. Folglich fällt der Preis von Waren, Dienstleistungen und auch Investitionsgütern. Das sollte doch eigentlich gut für Privathaushalte sein, da diese sich nun von ihrem Geld mehr leisten können.

Ganz so einfach ist es allerdings doch nicht. Denn wenn eine Deflation eine bestimmt hohe Rate erreicht, erweist es sich als äußerst schwierig aus der daraus resultierenden Deflationsspirale (6) zu entkommen. Was genau eine Deflationsspirale ist, erläutern wir Dir einmal im folgenden Abschnitt.

Wann spricht man von einer Deflationsspirale?

Wie bereits erwähnt kann es ab einem bestimmten Zeitpunkt sein, dass die Produktionskosten aufgrund der Preissenkungen die Einnahmen übersteigen. (7)

Als Folge dieses Prozesses müssen die Unternehmen Kosten einsparen. Zunächst wird der Lohn gekürzt und Entlassungen werden durchgeführt. Im schlimmsten Fall kann sich das Unternehmen nicht mehr retten und muss schließen.

Auch ein Kredit ist keine Option. Denn in Zeiten einer Deflation nimmt der Zins auf Kredite enorm zu. Das heißt, die Unternehmen wären gar nicht in der Lage die aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen.

Als folge der schließenden Unternehmen und dem Anstieg der Arbeitslosenrate sinkt die Geldmenge im Umlauf also noch mehr. Also müssen die anderen - noch nicht betroffenen - Unternehmen nachziehen und der Kreislauf wiederholt sich.

Bei einer Deflationsspirale kommen alle Ereignisse zusammen, was dazu führt, dass es kaum noch einen Ausweg gibt.

Zudem werden die Menschen, die über eine Menge Geld verfügen keines davon ausgeben. Denn warum sollten sie eine Investition tätigen, wenn der Preis der gleichen Investition im nächsten Monat wahrscheinlich noch mehr sinkt. Sie spekulieren also darauf, dass die Preise weiter fallen und horten ihr Geld als Folge dessen.

So wiederholt sich der Teufelskreis ein ums andere Mal. Eine Deflation geht also mit einer Menge an insolventen Unternehmen, einer hohen Arbeitslosenrate und einer sozialen Krise einher.

Wie wirkt man einer Deflation entgegen?

Die zuvor angesprochene EZB ist imstande einer Deflation entgegenzuwirken. (8) Hierfür kann sie den Leitzins nach unten anpassen. So würden hilfebedürftige Unternehmen gewillter sein, einen Kredit aufzunehmen, der ihnen aus ihren Problemen helfen kann.

Auch der Staat an sich kann eine Deflation bekämpfen. Hierzu tritt er selbst als Konsument auf und erhöht seine Ausgaben. So kommt mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf, was einer Deflation entgegenwirken kann. Beide Alternativen können helfen eine Deflation zu stoppen und aktiv gegen sie vorzugehen.

Wer profitiert von einer Deflation?

Auch wenn eine Deflation im Großen und Ganzen ein ziemlich schädigendes Unterfangen für fast jedermann zu sein scheint, gibt es ein paar Fälle, in denen Menschen von einem solchen Ereignis profitieren können. Hierunter fallen beispielsweise Gläubiger.

Eine Deflation ist gerade für Gläubiger ein gutes Ereignis. Ihr Kapital steigt nun. Die Schulden des Schuldners werden auf der anderen Seite immer größer. (Bildquelle: Kevin Schneider / Pixabay)

Die Gläubiger leihen den Schuldnern Geld und verzinsen die Menge. Als Folge der Deflation ist ihr Kapital nun mehr wert. Die Schuldner hingegen gelten als klare Verlierer einer Deflation. Der Wert ihrer Schuld wird aufgewertet.

Was ist der Unterschied zwischen einer Deflation und einer Inflation?

Der Begriff "Inflation" steht für einen dauerhaften Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Also wird das Geld der Konsumenten weniger wert, womit ihre Kaufkraft sinkt. Für eine Inflation gibt es unterschiedliche Gründe.

Zum einen kann es sein, dass die Geldmenge im Verhältnis zu der Gütermenge zu schnell wächst. Das hat zu Folge, dass die Produkte teurer werden, denn die Nachfrage übersteigt das Angebot. Daher reagieren die Anbieter und bieten ihre Waren und Dienstleistungen nun teurer an.

Auch steigende Produktionskosten können Grund für eine Inflation sein. Die Produktionskosten können aufgrund der Rohstoffe oder auch aufgrund von Löhnen steigen. Wenn dies der Fall ist, wird der Anbieter die Preise für Waren und Dienstleistungen nach oben anpassen, um seine Gewinnspanne aufrecht zu halten.

Als Folge beider Ereignisse ist das Geld der Verbraucher nun weniger wert. Der Konsument verfügt also schlichtweg über weniger Kaufkraft, obwohl er doch eigentlich über die gleiche Menge an Geld verfügt. Das heißt auch die Ersparnisse sinken und der Konsument verliert das Vertrauen in die Preisstabilität.

Ereignis Folge
Deflation Geld gewinnt an Wert, doch das gesteigerter Sparverhalten sorgt dafür, dass die Arbeitslosenrate steigt und viele Unternehmen insolvent gehen
Inflation Geld verliert an Wert, nun übersteigt die Nachfrage die Produktion und die Preise der Güter steigen an

Eine Deflation ist der genaue Gegensatz einer Inflation. Das Geld der Konsumenten gewinnt an Wert und die Kaufkraft steigt an. Doch wir haben schon gelernt, das klingt vielleicht wunderbar - ist allerdings äußerst tückisch.

Denn Verbraucher werden von nun an darauf spekulieren, dass das Geld noch mehr an Wert gewinnt und die Preise der Güter und Dienstleistungen weiter sinkt. Also horten die Konsumenten ihr Geld. Das Unternehmen passt seine Produktion der gefallenen Nachfrage an und produziert als Folge weniger.

Zudem wird das Unternehmen ebenfalls darauf setzen, dass die vorgenommene Investition mit der Zeit an Wert verliert und somit billiger wird. Also spart nun auch das Unternehmen.

Aufgrund der geringen Nachfrage und dem geringen Einkommen der Unternehmen muss es die Produktionskosten senken. Also werden Arbeitnehmer entlassen und so weitere Kosten eingespart.

Das Problem hierbei ist, dass sich dieser Teufelskreis immer und immer wiederholen kann, was für die Wirtschaft des Landes ungemein gefährlich werden kann. Eine Inflation und eine Deflation sind also in jedem Fall ab einer bestimmten Rate für alle Betroffenen schlecht.

Warum ist eine Deflation gefährlicher als eine Inflation?

Wir haben bereits gelernt. Die Volkswirtschaft befindet sich in der Regel immer in einer Deflation oder einer Inflation. Wenn eine bestimmte Rate nicht erreicht wird, stellt dies auch kein Problem dar. Sollte diese Rate allerdings überschritten werden, hat das zum Teil gravierende Folgen für die Wirtschaft des betroffenen Landes.

Doch was ist schlimmer? Eine Deflation oder eine Inflation? Die Antwort ist simpel: Eine Deflation ist das schlimmere Ereignis. Denn als Folge einer Deflation verlieren Unternehmen an Kaufkraft.

Zudem fangen sie an ihr Geld zu sparen und Investitionen hinauszuzögern, denn sie spekulieren auf einen weiteren Preisabfall. Die Anzahl der Unternehmen, die nun keine Güter mehr konsumieren fügt der Wirtschaft des betroffenen Landes enormen Schaden zu.

Fazit

Die Begriffe Deflation und Inflation begegnen uns täglich. Nicht selten lesen wir von solchen Ereignissen und es scheint, als wären die resultierenden Probleme alltäglich.

Wir haben bereits gelernt, bis zu einer bestimmten Rate sind sowohl Deflation als auch Inflation völlig harmlos. Es besteht also zunächst kein Grund zur Sorge, wenn wir in den Nachrichten von einem solchen Ereignis lesen.

Grund zur Sorge besteht erst dann, wenn die normale Rate von zwischen null und zwei Prozent überschritten wird. Ist dies der Fall, gilt es, dass die EZB und der Staat entsprechende Maßnahmen ergreifen, um die Deflation oder Inflation zu stoppen.

Bildquelle: Björn Antonissen / Pexels

Einzelnachweise (8)

1. bpb.de: Deflation
Quelle

2. bundesfinanzministerium.de: Die Europäische Zentralbank
Quelle

3. bundesfinanzministerium.de: Leitzinsen
Quelle

4. ecb.europa.eu: Was ist Inflation
Quelle

5. ig.com: Währungsaufwertung Definition
Quelle

6. gevestor.de: Deflationsspirale: Die Angst vor fallenden Preisen
Quelle

7. auxmoney.com: Deflation
Quelle

8. verivox.de: Deflation: Definition, Gefahren
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Deflation
bpb.de: Deflation
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Die Europäische Zentralbank
bundesfinanzministerium.de: Die Europäische Zentralbank
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Leitzinsen
bundesfinanzministerium.de: Leitzinsen
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Was ist Inflation
ecb.europa.eu: Was ist Inflation
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Währungsaufwertung Definition
ig.com: Währungsaufwertung Definition
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Deflationsspirale: Die Angst vor fallenden Preisen
gevestor.de: Deflationsspirale: Die Angst vor fallenden Preisen
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Deflation
auxmoney.com: Deflation
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Deflation: Definition, Gefahren
verivox.de: Deflation: Definition, Gefahren
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