Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2021

Bei Einkäufen jeglicher Art wissen wir alle, dass wir die Umsatzsteuer zahlen. Die Berechnung erfolgt auch jedes Mal nach dem gleichen Schema. Doch wusstest du, dass die Besteuerung bei Gebrauchtgegenständen anders verläuft? Die Differenzbesteuerung behandelt den Verkauf von beispielsweise Gebrauchtgegenständen wie gebrauchten PKWs oder Antiquitäten.

Hier wird die Umsatzsteuer anders berechnet, da der Unternehmer nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Alle relevanten Fragen rund um das Thema Differenzbesteuerung beantworten wir dir im Folgenden und erläutern ebenfalls, was zu beachten ist, wenn du diese anwenden möchtest.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Differenzbesteuerung ist eine besondere Besteuerungsform nach § 25a UstG. Diese behandelt ausschließlich den Verkauf von beweglich körperlichen Gegenständen.
  • Der Steuersatz der Differenzbesteuerung beträgt immer 19 %. Die Differenzbesteuerung berechnet sich nach der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis.
  • Die Differenzbesteuerung enthält einige Voraussetzungen zur Anwendung. Wichtig ist, dass der Unternehmer ein Wiederverkäufer von Gebrauchtgegenständen ist. Zudem kann die Differenzbesteuerung nur angewendet werden, wenn der Unternehmer nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.

Hintergründe: Was du über Differenzbesteuerung wissen solltest

Im Folgenden beantworten wir dir die wichtigsten Fragen zum Thema Differenzbesteuerung und was du wissen solltest. Zudem geben wir dir ein Rechenbeispiel und veranschaulichen den Unterschied zur Regelbesteuerung.

Was ist eine Differenzbesteuerung?

Die Differenzbesteuerung nach § 25a UstG stellt eine Besonderheit im Umsatzsteuergesetz dar. Diese wird bei Verkauf von beweglich körperlichen Gegenständen angewendet.

Dabei handelt es sich beispielsweise um Gebrauchtgegenstände oder Kunstgegenstände. Der Umsatzsteuerbetrag lässt sich nach der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis messen.

Bei der Differenzbesteuerung geht es um den Verkauf von beweglichen, körperlichen Gegenständen. Dazu gehören beispielsweise Kunstgegenstände, Antiquitäten oder Schmuckwaren. (Bildquelle: Jessica Ruscello/ Unsplash)

Voraussetzungen für die Differenzbesteuerung sind, dass der Unternehmer ein Wiederverkäufer ist, der Gegenstand im Gemeinschaftsgebiet erworben wurde und für den Verkäufer an den Wiederverkäufer keine Umsatzsteuer entstanden ist oder selber die Differenzbesteuerung angewendet hat. (1, 2)

Wie funktioniert die Differenzbesteuerung?

Bei der Differenzbesteuerung darf der Unternehmer keinen Vorsteuerabzug geltend machen, sondern kann nur die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis der Umsatzsteuer unterlegen. Dabei ist der Steuersatz immer 19 %. Diese Berechnung gilt für alle beweglichen körperlichen Gegenstände.

Dies soll eine doppelte Belastung mit der Umsatzsteuer abwenden, da es sich regulär um Gebrauchtgegenstände handelt, die schon einmal mit der Umsatzsteuer (beim erstmaligen Kauf) belastet worden sind. (1, 3)

Wie berechnet man die Differenzbesteuerung?

Damit du dir besser vorstellen kannst, wie die Differenzbesteuerung funktioniert, erläutern wir dir die Berechnung anhand eines Beispiels:

Ein Gebrauchtwagenhändler kauft den PKW einer Privatperson A zu einem Preis von 5.000 € ab. Diesen PKW möchte der Händler weiterverkaufen. Nun kommt Privatperson B und möchte den PKW kaufen. Der Händler verkauft ihm den PKW für 7.500 € brutto. Die Rechnung lautet wie folgt:

7.500 € (Verkaufspreis) - 5.000 € (Einkaufspreis) = 2.500 € (Umsatz)

Die Differenz, also der Umsatz, wird anschließend mit 19% Umsatzsteuer belastet. Die Rechnung für den Umsatzsteuerbetrag lautet wie folgt:

2.500 € (brutto) - 2.100,84 € (netto) = 399,16 € (Umsatzsteuerbetrag)

Somit muss der Gebrauchtwagenhändler 399,16 € Umsatzsteuer zahlen. Der Nettoverkaufspreis liegt daher bei 7.100,84 € (7.500 € - 399,16 €).

Welche Gegenstände unterliegen der Differenzbesteuerung?

Bei der Differenzbesteuerung darfst du nur beweglich körperliche Gegenständen verkaufen. Bei beweglich körperlichen Gegenständen handelt es sich um Kunstgegenstände, Sammlungsstücke, Antiquitäten oder Gebrauchtgegenstände. Dabei gilt, dass der Unternehmer die Gegenstände zum Weiterverkauf erworben hat. (3, 4)

Edelsteine und Edelmetalle werden nicht besteuert.

Zudem wird die Differenzbesteuerung bei Edelsteinen und Edelmetallen nicht angewendet. Mit Edelsteinen werden rohe und bearbeitete Diamanten gemeint, mit Edelmetallen Gold, Silber und Platin.

Jedoch fallen unter diese Kategorie nicht Schmuckwaren, die aus Edelsteinen oder Edelmetallen hergestellt worden sind. (1, 2)

Auch der Weiterverkauf von Eintrittskarten wie z. B. Konzerttickets unterliegen nicht der Differenzbesteuerung, da diese nicht beweglich körperliche Gegenstände sind, sondern der Besuch einer Veranstaltung.

Rohe oder bearbeitete Diamanten unterliegen nicht der Differenzbesteuerung. Jedoch können bearbeitete Schmuckwaren aus Edelsteinen oder Edelmetallen bei der Differenzbesteuerung angewendet werden. (Bildquelle: Samar Ahmad / Unsplash)

Gegenstände, die vom Unternehmer ins Privatvermögen eingelegt wurden oder Gegenstände, die aus dem Privatvermögen in das Unternehmen eingeführt worden, unterliegen ebenfalls nicht der Differenzbesteuerung. (3)

Wer darf die Differenzbesteuerung anwenden?

Um die Differenzbesteuerung anwenden zu dürfen, wird vorausgesetzt, dass der Unternehmer ein Wiederverkäufer ist. Das heißt, dass der Unternehmer gewerblich mit beweglich körperlichen Gegenständen handelt oder diese im eigenen Namen versteigert. Dies sind üblicherweise Verkäufer von Gebrauchtgegenständen.
Der Unternehmer darf nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sein.

Ein Wiederverkäufer kann jedoch auch Neuware verkaufen. Dennoch ist dieser nur ein Wiederverkäufer, wenn er auch Gebrauchtwaren von Privatpersonen kauft und weiterverkauft. Weitere Voraussetzung ist, dass der Unternehmer eine Lieferung gemäß § 1 Abs.1 Nr.1 UstG ausführt.

Zudem wird vorausgesetzt, dass die Gebrauchtwaren im Inland oder Gemeinschaftsgebiet erlangt wurden.  Um von der Differenzbesteuerung Gebrauch zu machen, ist die wichtigste Bedingung die fehlende Berechtigung zum Vorsteuerabzug. Darunter fallen Firmen und Freiberufler, die gemäß § 19 UstG als Kleinunternehmen gelten. (3, 5)

Wie muss eine Rechnung mit Differenzbesteuerung aussehen?

Bei Anwendung der Differenzbesteuerung darf auf der Rechnung die Umsatzsteuer nicht gesondert ausgewiesen werden. Das heißt, es wird der komplette Betrag auf der Rechnung angegeben. Die Bemessungsgrundlage ist die Differenz zwischen Verkaufserlös und Einkaufspreis.

Sollte der Wiederverkäufer die Umsatzsteuer dennoch gesondert ausweisen, so muss diese gezahlt werden zusätzlich der Steuer, die sich aus dem Differenzbetrag ergibt.

Des Weiteren muss die Rechnung unter anderem die Angabe "Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung" oder "Kunstgegenstände/Sonderregelung" oder "Sammlungsstücke und Antiquitäten/Sonderregelung" enthalten gemäß § 14a Abs. 6 UstG.

Auf der Rechnung sind

  • Einkaufspreis
  • Verkaufspreis
  • Bemessungsgrundlage

für jeden Gegenstand getrennt anzugeben. Sollten mehrere Gegenstände für einen Gesamtpreis verkauft sein, dann kann auch der Gesamtpreis angegeben werden, solang dieser nicht 500 € übersteigt.

Wie bereits erwähnt, ist der Steuersatz immer 19%. Dies gilt auch bei Gegenständen wie z.B. Kunstgegenständen, die normalerweise dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. (4, 5)

Was ist der Unterschied zwischen Differenz- und Regelbesteuerung?

Was die Differenzbesteuerung im Vergleich zur Regelbesteuerung einen Unterschied macht, zeigen wir dir im Folgenden anhand einer Tabelle:

Kalkulation Differenzbesteuerung Regelbesteuerung
Marge (Differenz) 2.000€ 2.000€
19%-Umsatzsteuer 380€ -
Zwischenergebnis 2.380€ 2.000€
Einkaufspreis 8.000€ 8.000€
19%-Umsatzsteuer - 1.900€
Brutto-Verkaufspreis 10.380€ 11.900€

Wie du anhand der Tabelle erkennen kannst, wird bei der Differenzbesteuerung allein die Differenz besteuert und bei der Regelbesteuerung der gesamte Betrag. Daher kann ein Wiederverkäufer der Differenzbesteuerung sein Produkt deutlich günstiger verkaufen und dementsprechend seinen Gewinn steigern.

Kann auf Differenzbesteuerung verzichtet werden?

Gemäß §25a Abs.8 UstG kann der Wiederverkäufer bei jeder Lieferung auf die Differenzbesteuerung verzichten, wenn die Summe der Verkaufspreise nicht 500 € übersteigt. Somit ist auch eine Option zur Regelbesteuerung offen.

Jetzt stellt sich die Frage, wann es denn sinnvoll wäre, auf die Differenzbesteuerung zu verzichten. Wie bereits erwähnt, entsteht bei der Regelbesteuerung ein höherer Brutto-Verkaufspreis. Somit ist die Differenzbesteuerung eigentlich vorteilhafter.

Jedoch kann die Regelbesteuerung mehr von Vorteil sein, wenn ein Geschäft zwischen zwei Unternehmern stattfindet, da dem Kunden aufgrund des Vorsteuerabzugs wieder ein Teil vom Kaufpreis erstattet werden kann. Somit würde der Verzicht auf die Differenzbesteuerung beispielsweise im Firmenkundengeschäft sinnvoll sein. (6, 7)

Warum wurde die Differenzbesteuerung eingeführt?

Bei der Differenzbesteuerung geht es hauptsächlich um den Handel mit Gebrauchtwaren. Der sogenannte "Wiederverkäufer" kauft die Gebrauchtgegenstände meistens von Privatpersonen, beispielsweise einen gebrauchten PKW einer Privatperson.

Privatpersonen sind jedoch nicht zur Erhebung der Umsatzsteuer berechtigt und somit ist der Wiederverkäufer auch nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Der Wiederverkäufer stellt beim Wiederverkauf jedoch die Umsatzsteuer in Rechnung.

Damit eine angemessene Umsatzbesteuerung stattfinden kann, wurde der § 25a UstG ins Leben gerufen. Dieser Paragraph bewirkt, dass nun die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis besteuert werden kann. (8)

Fazit

Sind die Voraussetzungen zur Differenzbesteuerung erfüllt, kann diese dir einige Vorteile bieten. Du bist zwar nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt, aber du kannst durch Besteuerung der Differenz von Einkaufs- und Verkaufspreis einen höheren Gewinn durch einen niedrigeren Brutto-Verkaufspreis erzielen.

Bei der Differenzbesteuerung geht es um beweglich körperliche Gegenstände, die gebraucht sind. Achte jedoch darauf, dass Edelmetalle und Edelsteine nicht dazu gehören. Beachte ebenfalls, auf deiner Rechnung die Umsatzsteuer nicht getrennt auszuweisen.

Manchmal lohnt es sich auch, auf die Differenzbesteuerung zu verzichten. Dies kannst du beispielsweise machen, wenn du ein Geschäft mit Firmenkunden machst, die zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Ansonsten gilt jedoch immer die fehlende Berechtigung zum Vorsteuerabzug bei der Differenzbesteuerung!

Titelbild: Nikola Duza / Unsplash

Einzelnachweise (8)

1. Dr. Norbert Dautzenberg, Stichwort: Differenzbesteuerung, in: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon, 15.02.2018 14:57
Quelle

2. smartsteuer.de: Stichwort: Differenzbesteuerung, 23.12.2020, Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart
Quelle

3. datenbank.nwb.de: Karl-Hermann Eckert, Differenzbesteuerung, vom 24.03.21 9:36
Quelle

4. datenbank.nwb.de: UStG § 25a i.d.F. 10.03.2021
Quelle

5. Industrie- und Handelskammer Hannover: Merkblatt USt Differenzbesteuerung, März 2019
Quelle

6. Gestaltungshinweis GstB: Dipl.-Finw. Rüdiger Weimann, Gestaltende Steuerberatung, 07/2014
Quelle

7. gesetze-im-internet.de: Umsatzsteuergesetz (UStG) § 25a Differenzbesteuerung
Quelle

8. Differenzbesteuerung im Gebrauchtwarenhandel: Steuerkanzlei Dr.Siegel, Juli 2016
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wirtschaftslexikon
Dr. Norbert Dautzenberg, Stichwort: Differenzbesteuerung, in: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon, 15.02.2018 14:57
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Steuerlexikon
smartsteuer.de: Stichwort: Differenzbesteuerung, 23.12.2020, Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart
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Kontierungslexikon
datenbank.nwb.de: Karl-Hermann Eckert, Differenzbesteuerung, vom 24.03.21 9:36
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Umsatzsteuergesetz
datenbank.nwb.de: UStG § 25a i.d.F. 10.03.2021
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IHK Differenzbesteuerung
Industrie- und Handelskammer Hannover: Merkblatt USt Differenzbesteuerung, März 2019
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Verzicht auf Differenzbesteuerung
Gestaltungshinweis GstB: Dipl.-Finw. Rüdiger Weimann, Gestaltende Steuerberatung, 07/2014
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Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
gesetze-im-internet.de: Umsatzsteuergesetz (UStG) § 25a Differenzbesteuerung
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Infobrief
Differenzbesteuerung im Gebrauchtwarenhandel: Steuerkanzlei Dr.Siegel, Juli 2016
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