Ehrenamtspauschale
Zuletzt aktualisiert: 16. April 2021

Das gesellschaftliche Engagement kann nicht nur unglaublich abwechslungsreich sein, sondern zudem auch noch sehr erfüllend. Das Bundesministerium ermittelt Anfang 2021, dass sich rund 31 Millionen Bürger ehrenamtlich engagieren.

Sie agieren häufig in Sportvereinen, Seniorenheimen, bei der Feuerwehr und in vielen weiteren Bereichen. So kommt es, dass ehrenamtliche Tätigkeiten, Generationen wieder zusammenbringen. Das Motiv ist in erster Linie nicht das Geld, sondern die Erfüllung und Sinnhaftigkeit, welche man dadurch erfährt.

Um noch mehr Menschen einen Anreiz zu geben, sich ehrenamtlich zu betätigen, wurde die Ehrenamtspauschale im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Dabei ist es ihnen erlaubt, jährlich einen Pauschalbetrag für ihre Freiwilligenarbeit zu erhalten, ohne Sozialversicherungen oder Steuern zahlen zu müssen. Ab 2021 erfolgte eine Erhöhung des Freibetrages, sodass insgesamt 840 Euro als Ehrenamtspauschale anerkannt werden.




Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 31 Millionen Bürger engagieren sich ehrenamtlich in Sportvereinen, Senioren- oder Altenheimen und vielen Einrichtungen mehr.
  • Die Ehrenamstpauschale ermöglicht es den Freiwilligen, bis zu 840 € jährlich steuerfrei zu verdienen. Dabei müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein.
  • Ehrenamtliche Vergütungen haben keinerlei Einfluss auf Sozialleistungen wie Arbeitslosengelder, Bafög oder die Rentenzahlung.

Hintergründe: Was du über die Ehrenamtspauschale wissen solltest

Im folgenden möchten wir dich über einige wirklich wichtige Aspekte der Ehrenamtspauschale aufklären. Dazu beantworten wir häufig gestellte Fragen sehr detailliert und hoffen, dir somit einen guten Überblick über das Thema verschaffen zu können.

Was ist eine Ehrenamtspauschale?

Die Ehrenamtspauschale, auch Ehrenamtsfreibetrag, kommt freiwilligen Helfern zugute, die ihre Freizeit in Sportvereine, die freiwillige Feuerwehr oder sonstige gemeinnützige Tätigkeiten, investieren. Diese Arbeit ist per Definition unbezahlt, obwohl sie im eigentlichen Sinne unbezahlbar ist. Um mehr Menschen für ehrenamtliche Arbeiten zu motivieren, gibt es die Ehrenamtspauschale.

Ehrenamtspauschale

Viele Menschen übernehmen ehrenamtliche Tätigkeiten in Sportvereinen. (Bildquelle: NeONBRAND/ Unsplash).

Diese ermöglicht, dass Freiwillige maximal 840 Euro pro Jahr als Zulage für ihre Freiwilligenarbeit erhalten können, ohne Sozialversicherung oder Steuern zahlen zu müssen.

Wie viel im Einzelnen an die Helfer gezahlt wird, ist natürlich jedem Verein selbst überlassen. Beträge, die über den genannten Freibetrag hinaus gehen, müssen versteuert werden. Wichtig ist auch, dass bei mehreren ehrenamtlichen Tätigkeiten, der Freibetrag nur einmalig geltend gemacht werden kann (1).

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Ehrenamts-pauschale hängt von 5 Voraussetzungen ab.

Die Inanspruchnahme des Ehrenamtsfreibetrags erfordert jedoch einige Voraussetzungen, welche in Paragraf 3 Absatz 26a des Einkommensteuergesetztes (EStG) definiert sind. Auf diese Voraussetzungen möchten wir im Folgenden genauer eingehen (2, 3).

Die freiwillige Arbeit wird in einer öffentlich-rechtlichen, gemeinnützigen, zweckmäßigen oder kirchlichen Einrichtung verübt

Dazu zählt die ehrenamtliche Arbeit in Schulen, Sportvereinen oder Alten- und Pflegeheimen. Ja sogar das Engagement in Tierschutzorganisationen oder Tierheimen gilt als gemeinnützig. Hierbei geht es schlussendlich um die Förderung gemeinnütziger oder kirchlicher Zwecke.

Die Tätigkeit ist nicht Haupt-, sondern Nebenberuflich

Die Zeit, welche in die freiwillige Arbeit investiert wird, ist weniger als ein Drittel der Zeit, welche der Hauptberuf beansprucht. Erfahrungsgemäß können es durchschnittlich ungefähr 14 Stunden sein, welche in das Ehrenamt investiert werden. Wichtig ist, dass man jedoch keinen Vollzeitjob haben muss, um sich ehrenamtlich zu betätigen.

Der Freibetrag gilt pro Person pro Jahr

Wie bereits erwähnt kann der Freibetrag von 840 Euro nur einmal jährlich pro Person geltend gemacht werden. Unbedeutend, ob du eventuell in verschiedenen Einrichtungen ehrenamtlich tätig bist. Alles über diesen Betrag hinaus muss versteuert werden.

Es gibt einen klar definierten Freibetrag. (Bildquelle: pexels / Karolina Gabowska)

Es wird kein Übungsleiterfreibetrag für dieselbe Tätigkeit bezogen

Für ein und dieselbe Tätigkeit dürfen nicht zwei Freibeträge zugleich bezogen werden. Wenn du bereits von der Übungsleiterpauschale profitierst, kannst du die Ehrenamtspauschale nicht ebenfalls in Anspruch nehmen.

Die Arbeit dient keinem wirtschaftlichen Zweck

Alle Tätigkeiten die auch nur im entferntesten Sinne einem monetären oder wirtschaftlichen Zweck dienen, werden nicht mit der Ehrenamtspauschale begünstigt. Die Arbeit sollte ausschließlich dem gemeinnützigen Zweck dienen.

Beispiele für begünstigte und nicht begünstigte Tätigkeiten

Um dir einen ordentlichen Überblick über begünstigte und nicht begünstigte Tätigkeiten zu verschaffen, haben wir dir im Folgenden eine Tabelle erstellt.

begünstigt nicht begünstigt
Jugendleiter Imbissverkäufer im Verein
Hausmeister im Verein Sportartikelverkäufer im Verein
Platzwart im Verein Organisation von Veranstaltungen die ein Eintrittsgeld erfordern
Vorsitzender Bemühung um Sponsoren
Trainer/ Übungsleitern/ Betreuer Verfassen von Anzeigen in der Vereinszeitung

Natürlich beinhaltet die Tabelle nicht alle Arbeiten, welche unter das Ehrenamt fallen. Hier findest du allerdings die beliebtesten und gängigsten Tätigkeiten. Dennoch müssen die oben genannten Bedingungen jederzeit und vollständig erfüllt werden.

Wo in der Steuererklärung sind die Einkünfte einzutragen?

Das Geld für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement ist ein Einkommen, daher muss es in der Steuererklärung eben darunter angegeben werden. Allerdings wird die Ehrenamtspauschale keiner speziellen Einkunftsart untergeordnet. Bei der Angabe muss allerdings unterschieden werden, ob man der Berufsgruppe Arbeitnehmer oder Selbstständiger angehört (4).

Arbeitnehmer können ihre ehrenamtlichen Verdienste von bis zu 840 € (Stand 2021) in Zeile 26 des Anhangs N eintragen. Überschreiten die Einnahmen jedoch den genannten Freibetrag, ist die Differenz als normaler Arbeitslohn in Zeile 20 des selben Anhangs, zu vermerken. Der Mehrbetrag ist dann nicht mehr steuerfrei.

Als Selbstständiger sind die Einnahmen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten, ebenfalls in einer Höhe von bis zu 840 €, in den Zeilen 46/47 der Anlage S, anzugeben. Geht die Summe der Einnahmen durch freiwillige Arbeit über den genannten Betrag hinaus, ist es ein steuerpflichtiger Gewinn. Dieser ist ebenfalls in der Anlage S in den Zeilen 11 oder 4 zu vermerken.

Ehrenamtspauschale

Einnahmen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten müssen in der Steuererklärung, differenziert nach Art des Beschäftigungsverhältnisses, eingetragen werden. (Bildquelle: Markus Winkler/ Unsplash)

Die Besonderheit bei Selbstständigen ist, dass sie bei einem zusätzlichen steuerpflichtigem Gewinn, eine Einnahme Überschussrechnung (EÜR) an das Finanzamt übergeben müssen. Die Dokumente sind elektronisch einzureichen, falls der zusätzliche Gewinn größer als 410 € ist.

Wie wirkt sich die Ehrenamts- oder Übungsleiterpauschale auf diverse Sozialleistungen aus?

Zuerst einmal ist klar zu stellen, dass die Ehrenamtspauschale und die Übungsleiterpauschale sehr wohl gleichzeitig in Anspruch genommen werden können. Nur eben nicht für ein und dieselbe Tätigkeit. Wenn also zwei unterschiedliche Ämter übernommen werden, dürfen jährlich 3840 € als Freibetrag anerkannt werden.

Doch wie sieht es mit anderen Sozialleistungen aus? Vorweg können wir sagen, dass Einkommen durch ehrenamtliche Tätigkeiten bei Auszahlungen von Sozialleistungen meistens unberücksichtigt bleibt (5).

  • Arbeitslosengeld I (ALG I): Laut Paragraf 155 SGB III handelt es sich bei Einkommen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten um sogenanntes müheloses Einkommen und wird NICHT mit dem Arbeitslosengeld verrechnet. Um weiterhin als arbeitslos zu gelten, dürfen wöchentlich nicht mehr als 15 Stunden gearbeitet werden.
  • Arbeitslosengeld II (ALG II): Wenn der Arbeitslose keine weiteren Einkünfte hat und sich die Leistungen für die ehrenamtlichen Tätigkeiten monatlich auszahlen lässt, so haben diese ebenfalls keinen Einfluss auf die Sozialleistungen.
  • Bafög: Auch bei Studienfördernden Mitteln wie Bafög muss man sich keine Sorgen machen. Diese Leistung werden nicht durch die Einnahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten beeinflusst.
  • Rente: Die Einkünfte aus ehrenamtlichen Tätigkeiten und die Inanspruchnahme der Ehrenamtspauschale haben keinen Einfluss auf die Rente. Die Zahlungen für ein Ehrenamt werden also nicht auf die Rente angerechnet.

Wie wir zeigen konnten, können sich eigentlich alle Menschen ehrenamtlich engagieren, ohne einen privaten Nachteil daraus zu ziehen. Unbedeutend in welcher finanziellen oder beruflichen Lage man sich befindet. Sozialleistungen werden durch ehrenamtliche Tätigkeiten nicht gemindert. So kommt es, dass insbesondere Rentner im Alter von über 70 Jahren ehrenamtlich tätig werden (6).

Wie hat sich die Höhe der Ehrenamtspauschale im Laufe der Zeit entwickelt?

Die Ehrenamtspauschale existiert seit dem ersten Januar des Jahres 2007. Sie schafft einen größeren Anreiz, um sich für gemeinnützige, zweckmäßige oder kirchliche Arbeit einzusetzen (7, 8).

Jahreszahl Jährliche Ehrenamtspauschale
2007-2012 500€
2013-2020 720€
Ab 2021 840€

Die Entwicklung der Ehrenamtspauschale im Laufe der Zeit zeigt, dass sie langsam aber sicher angestiegen ist, beziehungsweise immer noch ansteigt. Die stetigen Erhöhungen sind insofern ganz interessant, da sie zeigen, dass die Regierung sich weiterhin für ehrenamtliche Arbeiten einsetzten und sie im weiteren Sinne belohnen möchte.

Weitere Tipps zum Steuersparen?

Kombination von Ehrenamtspauschale und Minijob: Wer geringfügig beschäftigt ist, darf monatlich bis zu 450 € verdienen. Zusätzlich kann man trotzdem noch von der Ehrenamtspauschale profitieren. Mit einer Kombination kann der Beschäftigte beispielsweise bis zu 520 € im Monat steuerfrei verdienen (70 € x12 Monate = 840 € jährlich).

Aufwands- und Rückspende: Viele Menschen, die ehrenamtlich aktiv sind, möchten letztendlich auch kein Geld der jeweiligen Organisation annehmen. Nicht selten kommt es deswegen zu Rückspenden des Geldes an den Verein oder sonstige Einrichtungen.

Dazu ist allerdings eine Verzichtserklärung zu erstellen, damit die Spende als Sonderausgabe abgesetzt werden kann. Von der jeweiligen Organisation erhältst du dann eine Spendenbescheinigung, welche unbedingt beim Finanzamt einzureichen ist.

Aufwendungsersatz: Abgesehen davon, ob du Geld für deine ehrenamtlichen Tätigkeiten bekommst oder annehmen möchtest, hast du jederzeit Anspruch auf Aufwandsentschädigungen. Dieser Anspruch ist rechtskräftig, wenn es um Kosten für Materialien oder Reisen geht. Wichtig ist aber, jede dieser Ausgaben belegen zu können.

Arbeitnehmer-Pauschbetrag: Wenn du keinen anderen Arbeitsvertrag hast, wie es häufig bei Studenten der Fall ist, kannst du vom Arbeitnehmer- Pauschbetrag extrem profitieren. Dazu musst du einen Arbeitsvertrag mit der jeweiligen gemeinnützigen Einrichtung aufsetzten. Wenn dieser vorliegt, kann der Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1000 € zusätzlich in Anspruch genommen werden.

Werbungskosten: Laut Paragraf 3 Nr. 26a Absatz 3 des Einkommenssteuergesetzes, dürfen die Ausgaben, die in direktem Zusammenhang mit der Freiwilligenarbeit stehen, nur als einkommensbezogene Ausgaben abgezogen werden, sofern sie die Höhe des steuerfreien Einkommens übersteigen.

Freigrenze bei sonstigen Einkünften: Eine weitere Möglichkeit ist, die Einnahmen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten als sonstige Einkünfte zu verbuchen. So kann die Freigrenze um 256 € erhöht werden.

Fazit

Von der Ehrenamtspauschale könne Menschen profitieren, die freiwillig in gemeinnützigen, zweckmäßigen oder kirchlichen Einrichtungen tätig sind. Die Freiwilligen können jährlich bis zu 840 € verdienen, ohne davon Steuern oder die Sozialversicherung zahlen zu müssen.

Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kann die ehrenamtliche Vergütung in der Steuererklärung angegeben werden. Dabei ist es wichtig zwischen Selbstständiger oder Arbeitnehmer zu unterscheiden. Außerdem hat die Ehrenamtspauschale keinerlei Auswirkungen auf Sozialleistungen.

Wir hoffen dir ein wenig Klarheit verschafft zu haben. Wenn du weitere Fragen hast oder dich genauer informieren möchtest, schau doch mal auf der Seite des deutschen Ehrenamtes vorbei.

Bildquelle: Białasiewicz/ 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Deutsches Ehrenamt. Ehrenamtspauschale. Abgerufen am 26.03.2021.
Quelle

2. IWW Institut. Gesetzesänderung. Die neue Ehrenamtspauschale. Abgerufen am 27.03.2021.
Quelle

3. Deutsches Ehrenamt. DIE EHRENAMTSPAUSCHALE: DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK. Abgerufen am 27.03.2021.
Quelle

4. myStipendium. Ehrenamtspauschale: Wie viel und wo ansetzen?. Abgerufen am 27.03.2021.
Quelle

5. Akademie. Auswirkung auf Sozialleistungen (ALG I und II, BAföG, Kinder-, Wohn- oder Elterngeld). Abgerufen am 27.03.2021.
Quelle

6. Statista. Umfrage in Deutschland zum Alter von Ehrenamtlichen 2020. Veröffentlicht von V. Pawlik, 27.01.2021. Abgerufen am 27.03.2021.
Quelle

7. IWW Institut. Gesetzesänderung. Die neue Ehrenamtspauschale. Abgerufen am 27.03.2021.
Quelle

8. Bundesfinanzministerium. Hö­he­re Pau­scha­len für eh­ren­amt­li­che Tä­tig­kei­ten. Abgerufen am 27.03.2021.
Quelle

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Internetbeitrag
Deutsches Ehrenamt. Ehrenamtspauschale. Abgerufen am 26.03.2021.
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IWW Institut. Gesetzesänderung. Die neue Ehrenamtspauschale. Abgerufen am 27.03.2021.
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Internetbeitrag
Deutsches Ehrenamt. DIE EHRENAMTSPAUSCHALE: DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK. Abgerufen am 27.03.2021.
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myStipendium. Ehrenamtspauschale: Wie viel und wo ansetzen?. Abgerufen am 27.03.2021.
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Akademie. Auswirkung auf Sozialleistungen (ALG I und II, BAföG, Kinder-, Wohn- oder Elterngeld). Abgerufen am 27.03.2021.
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Statistik
Statista. Umfrage in Deutschland zum Alter von Ehrenamtlichen 2020. Veröffentlicht von V. Pawlik, 27.01.2021. Abgerufen am 27.03.2021.
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Internetbeitrag
IWW Institut. Gesetzesänderung. Die neue Ehrenamtspauschale. Abgerufen am 27.03.2021.
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Internetbeitrag
Bundesfinanzministerium. Hö­he­re Pau­scha­len für eh­ren­amt­li­che Tä­tig­kei­ten. Abgerufen am 27.03.2021.
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