Eigenfinanzierung
Zuletzt aktualisiert: 16. November 2020

Wenn du dir schon einmal über eine größere Anschaffung, wie ein Auto oder ein Haus, Gedanken gemacht hast, bist du sicherlich schon einmal über den Begriff Eigenfinanzierung gestolpert. Und besonders für Unternehmen ist Eigenfinanzierung ein wichtiges Thema. Aber was bedeutet Eigenfinanzierung? Was sind die Vor- und Nachteile, die dieses Verfahren mit sich bringt? In diesem Beitrag wollen wir auf diese und andere Fragen näher eingehen.

Wir geben dir viele wichtigen Informationen und Erklärungen zur  Eigenfinanzierung im Jahr 2022 in diesem Beitrag. Dabei gehen wir unter anderem auch auf wichtige Merkmale dieses Finanzierungsvorgehens ein und erläutern die wichtigsten Unterschiede zur Fremdfinanzierung. Sobald du deine Lektüre beendet hast, ist Eigenfinanzierung für dich kein Buch mit sieben Siegeln mehr.




Das Wichtigste in Kürze

  • Eigenfinanzierung ist das Verfahren, bei dem einem Unternehmen zusätzliches Eigenkapital bereitgestellt wird. Ein mögliches Finanzierungsverfahren ist zum Beispiel das Einbehalten von Gewinnrücklagen. Auch die Emission von Aktien wird von Unternehmen genutzt, um ihr Eigenkapital zu erhöhen.
  • Man unterscheidet bei der Eigenfinanzierung zwischen zwei Arten, der Innenfinanzierung und Außenfinanzierung. Im Rahmen der Innenfinanzierung wird Kapital aus dem Unternehmen selbst zur Verfügung gestellt. Bei der Außenfinanzierung erhält das Unternehmen Kapital von außen.
  • Die Fremdfinanzierung stellt das Gegenteil zur Eigenfinanzierung dar. Bei der Fremdfinanzierung erhöht das Unternehmen das Fremdkapital und bei der Eigenfinanzierung erhöht es das Eigenkapital.

Glossareintrag: Der Begriff Eigenfinanzierung im Detail erklärt

Im Folgenden gehen wir auf wichtige Informationen rund um das Thema Eigenfinanzierung ein. So verschaffst du dir in Kürze einen Überblick und kennst dich schon bald mit Eigenfinanzierung aus.

Was ist eine Eigenfinanzierung?

Eigenfinanzierung bedeutet, dass einem Unternehmen zusätzliches Eigenkapital bereitstellt wird. Und wie findet man heraus, wie hoch das Eigenkapital ist? Wenn man das nominell fixierte Fremdkapital vom Gesamtvermögen substrahiert, erhält man das Eigenkapital (1).

Das Eigenkapital kann zum Beispiel durch Finanzierungsvorgänge wie das Einbehalten von Gewinnrücklagen oder Einlagen erhöht werden. Unternehmensinvestitionen beziehungsweise die Finanzierung eines Projektes werden also aus eigenen Mitteln und mit eigenem Kapital finanziert.

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Für die Eigenfinanzierung spielt das Eigenkapital eine wichtige Rolle. Zur Bestimmung des Eigenkapitals kann man eine Liste mit allen vorhandenen Vermögenswerten anlegen.
(Bildquelle: Tierra Mallorca / Unsplash)

Mithilfe der Eigenfinanzierung kann das Unternehmen wachsen ohne darauf angewiesen zu sein, Schulden zu machen. Es behält also die Kontrolle über seine Finanzen unabängig von äußeren Einflüssen.

Jedes Unternehmen verfügt über eine unterschiedlich hohes Eigenkapital beziehungsweise Grund-oder Stammkapital in Abhängigkeit von seiner Rechtsform. Oft ist es so, dass dieses Kapital für nötige größere Investitionen nicht ausreicht.

Deswegen haben Unternehmen ein Interesse daran, ihr Eigenkapital zu vergrößern. Dafür zieht das Unternehmen dann verschiedene Finanzierungsmaßnahmen hinzu, um zusätzliche Geldquellen zu erhalten.

Ein Beispiel für Eigenfinanzierung ist es, wenn ein Unternehmen mit persönlichen Ersparnissen gegründet wird. Eigenfinanzierung kann aber auch bedeuten, dass eine Aktiengesellschaft Aktien im Rahmen einer Erstausgabe ausgibt(2). Weiterhin könnte eine GmbH oder eine OHG einen neuen Gesellschafter aufnehmen, der Kapital mitbringt.

Was sind die wesentlichen Merkmale der Eigenfinanzierung?

Was macht die Eigenfinanzierung eigentlich aus? Welche Merkmale sind entscheidend. Nun zuerst zeichnet sich die Eigenfinanzierung dadurch aus, dass die Eigenkapitalgeber auch Mitspracherechte bei Unternehmensentscheidungen erhalten.

Ein wichtiges Merkmal der Eigenfinanzierung ist, dass die Anteilseigner in Abhängigkeit der Unternehmensrechtform entweder mit ihrem gesamten Vermögen oder beschränkt haften.

Weiterhin werden die Unternehmenseigentümer an Gewinnen des Unternehmens beteiligt. Umgekehrt bekommen sie allerdings auch die Verluste des Unternehmens finanziell zu spüren.

Aktionäre profitieren natürlich immer dann von einer guten Rendite, wenn Gewinne erwirtschaftet werden. Die Aktien verlieren an Wert, wenn Verluste gemacht werden.

Außerdem bleibt bei der Eigenfinanzierung das Geld im Unternehmen selbst und dies auch auf lange Sicht. Auch wenn die Aktionäre natürlich mit dem Ziel eine positive Rendite zu erwirtschaften, in das Unternehmen investieren, besteht keine Rückzahlungspflicht des Kapitals an die Anteilseigner beziehungsweise Eigentümer.

Die Eigenfinanzierung ist auf unterschiedlichen Unternehmensformen, wie die Aktiengesellschaften oder offene Handelsgesellschaften anwendbar. Der Unterschied liegt darin, dass bei Aktiengesellschaften Aktien ausgegeben werden können, um so das Eigenkapital zu erhöhen. Bei der Offenen Handelsgesellschaft geht dies nicht und das Eigenkapital kann bei ihnen nur durch mehr Beteiligungen erhöht werden.

Welche Arten der Eigenfinanzierung gibt es?

Man unterscheidet bei der Eigenfinanzierung danach, woher das Geld stammt. Deshalb kann man zwischen zwei Arten der Eigenfinanzierung unterscheiden: die Innenfinanzierung und die Außenfinanzierung.

Bei der Innenfinanzierung wird das benötigte Kapital vom Unternehmen selbst zur Verfügung gestellt.

Das Unternehmen behält dabei vergangene Gewinne ein. Dies nennt man auch Selbstfinanzierung. Mithilfe des zusätzlichen Eigenkapitals kann das Unternehmen dann zum Beispiel expandieren und investieren. Bei der Innenfinanzierung fließt Geld aus dem Umsatz des Betriebs selbst dem Unternehmen zu.

Die sogenannte Cashflow-Kennzahl zeigt der Unternehmerin an, wie groß das Potenzial für eine Innenfinanzierung ist. Diese Kennzahl vergleicht die Aus- und Einzahlungen, welche in einem gewissen Zeitraum geleistet wurden.

Nur wenn die Einzahlungen höher als die Auszahlungen sind, kann das Unternehmen die Innenfinanzierung nutzen, um sein Eigenkapital zu vergrößern.

Bei der Außenfinanzierung erhält das Unternehmen neues Kapital von außen durch externe Kapitalgeber. Sie stellt gleichzeitig von beiden Arten die häufigere Variante der Eigenfinanzierung dar.

Im Gegenzug für das zur Verfügung gestellte Kapital erhalten die Kapitalgeber eine Beteiligung am Unternehmen. Die simpelste Möglichkeit, um eine Außenfinanzierung umzusetzen ist es die Einlagen zu erhöhen.

Dies geschieht beispielsweise durch die Ausgabe von Aktien. So werden durch neue Einlagen Gesellschafter mit neuem Eigenkapital am Unternehmen beteiligt.  Alternativ können die vorhandenen Gesellschafter zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen. Allerdings reichen deren finanzielle Möglichkeiten häufig nicht für größere Finanzierungen aus.

Gerade für neue Unternehmsgründer ist es manchmal schwierig einen Kredit zu erhalten. Um dieses Problem zu umgehen, ist es eine beliebte Methode, neue Gesellschafter am Unternehmen zu beteiligen. Die Gesellschafter erhalten dann als Kompensation Firmenanteile.

Welche Vor- und Nachteile bietet eine Eigenfinanzierung?

Die Eigenfinanzierung bietet mehrere Vorteile. Zum einen bietet eine möglichst hohe Eigenkapitalquote den großen Vorteil, dass das Unternehmen unabhängiger gegenüber externen Kreditgebern, wie zum Beispiel Banken, wird. Wenn finanzielle Mittel benötigt werden, muss es nicht unbedingt einen Kredit aufnehmen oder mit Banken kooperieren.

Durch das höhere Eigenkapital, welches durch die Eigenfinanzierung erreicht wird, erhält das Unternehmen auch in der Regel eine bessere Kreditwürdigkeit und insgesamt ein besseres Unternehmensrating. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass Eigenkapital als Haftungskapital gilt.

Darüber hinaus ist es eine Finanzierungsart, die frei von Zins- und Tilgungsbelastungen ist. Daraus ergibt sich auch, dass es keine Belastung der Liquidität gibt.

Die finanziellen Mittel sind im Gegensatz zur Aufnahme von Fremdkapital unbefristet verfügbar und die Gefahr, dass das Unternehmen aufgrund von Zahlungsunfähigkeit oder zu hoher Schulden insolvent geht, ist relativ gering.

Gerade für Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihr Unternehmen erst vor Kurzem gegründet haben, ist es oft schwierig Kreditgeber zu finden. Deshalb ist geraden bei jungen Unternehmen, die Eigenfinanzierung ein beliebtes Mittel um Finanzierungen ermöglichen zu können.

Natürlich gibt es aber auch Nachteile, die mit der Eigenfinanzierung einhergehen. Der tatsächliche Gewinn des Unternehmen kann zum Beispiel nicht um die Gewinne, welche ausgeschüttet werden, gemindert werden. So kann die Steuerlast nicht verringert werden.

Weiterhin können die Kosten für die Erhöhung des Eigenkapitals recht hoch sein, weil die Anteilseigner auch mit einer hohen Rendite rechnen aufgrund des Verlustrisikos ihrer Aktien.

Was sind die Unterschiede zwischen der Eigenfinanzierung und der Fremdfinanzierung?

Das Gegenteil der Eigenfinanzierung stellt die sogenannte Fremdfinanzierung dar. Dabei handelt es sich um die Beschaffung finanzieller Mittel durch eine Kreditaufnahme. Aus diesem Grund wird die Fremdfinanzierung manchmal auch als Kreditfinanzierung bezeichnet(4).

Das aufgenommene Fremdkapital muss selbstverständlich entsprechend der vereinbarten Konditionen zurückgezahlt werden. Die benötigten Finanzmittel werden gegen Zinszahlung in der Regel durch die Banken zur Verfügung gestellt.

In diesem Punkt unterscheidet sich die Fremdfinanzierung deutlich von der Eigenfinanzierung, da die Unternehmer dann Gläubiger haben.

Eigenkapitalgeber haben im Gegensatz zu Fremdkapitalgebern ein Interesse am Unternehmenserhalt.

Im Gegensatz zu den Fremdkapitalgebern, welche in den meisten Fällen lediglich Anspruch auf eine Kapitalverzinsung sowie das Interesse am Erhalt und der Rückführung des Fremdkapitals haben, besitzen Eigenkapitalgeber andere Interessen. Eigenkapitalgeber sind am Unternehmenserhalt interessiert.

Anders als bei der Eigenfinanzierung gibt es bei der Fremdfinanzierung keine Aktionäre, welche wegen ihrer Unternehmensanteile ein Mitspracherecht besitzen und damit auch Anspruch auf eine Gewinnausschüttung haben.

Bei Unternehmensgründungen stellen finanzielle Hindernisse oft ein Gründungshemmnis dar und Unternehmensgründer ziehen bei der Finanzierung häufig die Eigenfinanzierung der Fremdfinanzierung vor (3).

Die könnte auch daran liegen, weil es besonders für kleine und mittelständische Unternehmen oft mit Schwierigkeiten verbunden ist, eine Fremdfinanzierung in Form von Krediten oder Fördermitteln zu erhalten(5). In der Praxis verwenden Unternehmen oft sowohl die Eigen- als auch die Fremdfinanzierung.

Fazit

Die Eigenfinanzierung ist ein sehr wichtiges Mittel, um Investitionen zu tätigen und gleichzeitig ein hohes Maß an Kontrolle zu wahren, weil es keine Abhängigkeit von potentiellen Gläubigern gibt. Wenn ein Unternehmen sich für die Eigenfinanzierung entscheidet, muss es jedoch auch einige Nachteile in Kauf nehmen. Dazu gehört zum Beispiel die Tatsache, dass die Steuerlast nicht verringert werden kann, weil der ausgeschüttete Gewinn nicht vom tatsächlichen Gewinn abgezogen werden kann.

Insgesamt ist die Eigenfinanzierung eine gutes Verfahren, um das Eigenkapital des Unternehmens zu erhöhen. Die Abgrenzung zur Fremdfinanzierung erfolgt hauptsächlich durch die Herkunft der finanziellen Mittel, aber in der Regel werden viele Finanzierungen mithilfe einer Mischung aus Eigen- und Fremdfinanzierung getätigt. Genau wie die Fremdfinanzierung ist als Verfahren der Eigenfinanzierung mit Vor- und Nachteilen verbunden, die jeder kennen sollte, der sich mit dem Gedanken befasst ein Unternehmen aufzubauen.

Bildquelle: pitinan/ 123rf.com

Einzelnachweise (5)

1. von Arnim, Bernd (1974) : Die Eigenfinanzierung: Definition und Darstellung, Wirtschaftsdienst, ISSN 0043-6275, Verlag Weltarchiv, Hamburg, Vol. 54, Iss. 3, pp. 152-156
Quelle

2. Staroßom, Heiko (2012): Eigenfinanzierung über die Börse. Corporate Finance Teil 2 pp 353-388
Quelle

3. Myers, Stewart et al. (1984.): Corporate financing and investment decisions when firms have information that investors do not have, North-Holland, Journal of Financial Economics 13,187-224
Quelle

4. Bross, Bernhard (1974): Die Fremdfinanzierung: Definition und Darstellung, Wirtschaftsdienst, ISSN 0043-6275, Verlag Weltarchiv, Hamburg, Vol. 54, Iss. 3, pp. 157-160
Quelle

5. Funding Circle (2019): Fremdfinanzierung im Mittelstand. Unausgeschöpftes Potenzial im digitalen Kreditgeschäft.
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Wissenschaftlicher Artikel
von Arnim, Bernd (1974) : Die Eigenfinanzierung: Definition und Darstellung, Wirtschaftsdienst, ISSN 0043-6275, Verlag Weltarchiv, Hamburg, Vol. 54, Iss. 3, pp. 152-156
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Wissenschaftliches Fachbuch
Staroßom, Heiko (2012): Eigenfinanzierung über die Börse. Corporate Finance Teil 2 pp 353-388
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Wissenschaftliche Studie
Myers, Stewart et al. (1984.): Corporate financing and investment decisions when firms have information that investors do not have, North-Holland, Journal of Financial Economics 13,187-224
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Wissenschaftlicher Artikel
Bross, Bernhard (1974): Die Fremdfinanzierung: Definition und Darstellung, Wirtschaftsdienst, ISSN 0043-6275, Verlag Weltarchiv, Hamburg, Vol. 54, Iss. 3, pp. 157-160
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Wissenschaftliche Studie
Funding Circle (2019): Fremdfinanzierung im Mittelstand. Unausgeschöpftes Potenzial im digitalen Kreditgeschäft.
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