Erbe versteuern
Zuletzt aktualisiert: 9. April 2021

Das Thema Erbe und Erbschaftssteuer ist in Deutschland ein relativ komplexes Thema geworden. Es gibt vielerlei Differenzierungen und Regeln, die gelten damit ein Erbe als solches gilt und entsprechend versteuert ist.

Du willst dich schon länger mit dem Thema Erbe und dessen Versteuerung aus einander setzten bist aber bislang noch nicht dazu gekommen oder konntest dir noch keinen genauen Überblick verschaffen? Kein Grund zur Sorge! In diesem Artikel erklären wir dir alles, was du zum Thema Erbe versteuern wissen solltest.




Das Wichtigste in Kürze

  • Man muss innerhalb von drei Monaten nach dem Erhalt des Erbes dies beim Finanzamt melden.
  • Oftmals fällt keine Erbschaftssteuer an, dies hängt allerdings vom jeweiligen Freibetrag ab.
  • Wenn das Erbe über dem Freibetrag liegt, muss es nach dem gültigen Steuersatz der Steuerklasse versteuert werden.

Hintergründe: Was du über die Versteuerung des Erbes wissen solltest

Im Folgenden werden wir deine eventuell noch offenen Fragen beantworten und dich mit dem Thema der Erbschaftssteuer etwas vertrauter machen.

Was ist unter dem Begriff Erbe zu verstehen?

Ein Erbe ist jemand, der im Falle eines Todes, also im Erbfall, das Vermögen des Erblassers erhält. Somit tritt er in alle Pflichten und Rechte des Erblassers ein. Eine Person wird zum Erbe wenn, in einem Testament eine Erbeinsetzung erfolgt oder im Laufe der gesetzlichen Erbfolge.

Das Erbe bezeichnet zudem auch das gesamte Vermögen, d.h. aktiv, als auch passiv. Dieses Vermögen geht im Todesfall an den Erben weiter. Das Vermögen umfasst Bargeld, Anteile, Immobilien, Aktien, Kapitalanlagen und weitere Verbindlichkeiten.

Wie versteuere ich Erbe?

Sobald das Finanzamt von dem Erbfall erfährt, wird zunächst geprüft, ob eine Erbschaftssteuer und in Folge dessen eine Erbschaftssteuererklärung anfällig ist. I.d.R. ist es nicht notwenig, da die Freibeträge der Erbschaft relativ hoch sind.

Wenn dein Erbe höher als der Freibetrag ist, musst du alles über diesem Wert versteuern(1). In der nachfolgenden Tabelle zeigen wir dir, zu welchem Prozentsatz du das Vermögen nun versteuern musst:

Erbhöhe abzgl. Freibetrag Steuersatz Klasse I Steuersatz Klasse II Steuersatz Klasse III
bis 75.000€ 7% 15% 30%
bis 300.000€ 11% 20% 30%
bis 600.000€ 15% 25% 30%
bis 6 Mio € 19% 30% 30%
bis 13 Mio € 23% 35% 50%
bis 26 Mio € 27% 40% 50%

Das Erbe wird vom Staat besteuert. Je nach Höhe des Freibetrags, also je nach Angehörigkeit, kann deine Steuermenge sich deutlich unterscheiden. Du solltest auf jeden Fall dich zunächst mit dem Finanzamt in Verbindung setzen und mit ihnen den weiteren Verlauf besprechen und durchführen.

Besteht eine Mitteilungspflicht bei der Versteuerung des Erbes?

Als Erbe bist du verpflichtet, dem Finanzamt über deine Erbschaft zu informieren.

Du solltest direkt dem Finanzamt bescheid geben damit keine bösen Folgen auftreten.

Dies muss spätestens innerhalb von drei Monaten geschehen(2). Wichtig ist zudem, dass unabhängig der Höhe des Erbes du diese Pflicht einhalten musst. Meistens musst du das Vermögen garnicht erst versteuern, sondern lediglich dem Amt dies mitteilen.

Diese Mitteilungspflicht des Erbes ist gesetzlich in §30 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) geregelt. Es gibt allerdings hier einige Ausnahmefälle. Wenn man davon ausgehen kann, dass das Finanzamt bereits von dem Erbfall weiß, sprich wenn jemand einen Erbschein erteilt oder wenn ein Testament eröffnet wird. In solchen Fällen wird dem Finanzamt die Information automatisch mitgeteilt.

Wie melde ich eine Erbschaft beim Finanzamt?

Es reicht bereits ein formloses Schreiben an das Finanzamt, um die Erbschaft kund zu geben. Dieses Schreiben muss an das örtliche Finanzamt des Verstorbenen adressiert sein und innerhalb von drei Monaten des Erbfalls erfolgen.

Sobald die Mittteilung bzw. das Schreiben beim Finanzamt eingegangen ist, wird eine Prüfung durchgeführt. Wenn diese entscheidet, dass der Erbe Erbschaftssteuern zahlen muss, wird ein Formular für eine Erbschaftssteuererklärung demjenigen zukommen(3). Diese Erklärung stellt die Grundlage der Festsetzung der Steuer dar.

Erbe versteuern

Du kannst in der Regel in deiner Erbschaftsteuererklärung die Kosten für eine Bestattung etc. angeben und diese steuerlich absetzen. (Bildquelle: Markus Winkler/ Unsplash)

Wenn eine Meldung des Erbes nicht erfolgt, wird das Amt die Information beispielsweise durch die Bank oder Standesämter eh feststellen. Es kann bei Verschwiegenheit des Erbes somit zu strafrechtlichen Folgen kommen. Dieses verschweigen könnte mit Steuerverkürzung oder Steuerhinterziehung zusammenhängen, wodurch man schnell verdächtigt wird.

Wie sieht ein Meldungsschreiben zum Erbe aus?

Im Folgenden nennen wir alle Angaben, die du in deinem Mitteilungsschreiben an das Finanzamt nennen solltest:

  • Vollständiger Name und Beruf des Erblassers und des Erben
  • Todestag und Sterbeort des Erblassers bzw. Schenkungszeitpunkt
  • Gegenstand und Erbwert / Schenkungswert
  • Rechtsgrund des Erwerbs und die gesetzliche Erbfolge
  • Art des Verhältnisses zum Erblasser, sprich Verwandtschaftsgrad
  • Informationen über Art, Wert und Zeitpunkt bereits erfolgter Zuwendungen durch den Erblasser

Damit das Finanzamt alle Informationen prüfen kann, solltest du entsprechend auch genaue Auskunft über die Erbschaftslage geben. Es reicht hier ein formloses Schreiben mit den oben genannten Informationen. Wichtig ist, dass dieses innerhalb von drei Monaten nach dem Erbfall eingereicht wird.

Was passiert wenn ich mein Erbe nicht versteuere?

In der Regel ist ein Erbfall mit steuerlichen Pflichten verbunden. Wenn keine Erbschaftssteuererklärung trotz Einforderung vom Finanzamt abgeben wird, bzw. nicht bezahlt werden kann, kann es zu ernsthaften Folgen kommen. Das Finanzamt hat die Möglichkeit, gegen versäumte Steuerpflichten bzw. Zahlungen, einige Zwangsmittel anzuwenden.

In der Regel handelt es sich zu Beginn um ein Zwangsgeld, welches als Erinnerungsanstoß dienen soll. Auch wenn ein Zwangsgeld nichts bringt und der Zahlungspflichtige bzw. Steuerpflichtige sich weigert, diese zu zahlen, kann das Finanzamt auch ohne Einwand des Steuerpflichtigen einen Erbschaftssteuerbescheid oder Vollstreckungsbescheid erlassen.

Des Weiteren kann ein Verspätungszuschlag festgesetzt werden. Dieser darf allerdings nicht 10% der Erbschaftsteuer übersteigen und kann maximal 25.000€ betragen. Dieser Wert addiert sich dann entsprechend auf die bereits fällige Erbschaftsteuer hinzu.

Wenn selbst diese Maßnahmen nicht bringen und der Steuerpflichtige die Zahlung der Steuer immer noch verweigert, hat das Finanzamt die Möglichkeit ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung einzuleiten. Daraus kann eine Verurteilung gegen den Steuerpflichtigen resultieren.

Gibt es einen Freibetrag bei der Erbschaftssteuer?

Unter einem Freibetrag wird ein Geldwert gemeint, der nicht versteuert wird. Erst bei einer Überschreitung dieser Grenze bzw. dieses Wertes, wird dieser überschreitende Wert steuerpflichtig(4). Dieser Betrag ist allerdings von dem Verwandtengrad abhängig. Im Folgenden haben wir dir die Unterscheidung der Freibeträge aufgelistet:

Grad der Verwandschaft Freibetrag
Ehe- und gemeldete Lebenspartner 500.000€
Kinder, Stief-, Adoptivkinder 400.000€
Enkelkinder 200.000€
Eltern und Großeltern 100.000€
Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder 20.000€
nicht verwandt 20.000€

Wie du bereits sehen kannst, werden hier Verwandte und eheliche Lebenspartner in eine höhere Steuerklasse kategorisiert. Entferntere Verwandte sind der zweiten Steuerklasse angehörig. Sonstige Empfänger entsprechen der Steuerklasse III. Liegt das Erbe über dem Freibetrag, muss das Erbe entsprechend der Klasse versteuert werden.

Wie ermittelt das Finanzamt die Erbschaftssteuer?

Das Finanzamt ermittelt anhand der gegebenen Informationen und Gegenstände zum Vermögen die Erbschaftssteuer. Hier wird des weiteren der Freibetrag mit in Betracht gezogen. Hier gibt es, wie bereits oben erwähnt, feste Prozentsätze, die eingehalten werden müssen.

Erbe versteuern

Es gibt für verschiedene Personengruppen verschiedene Freibeträge. Am besten sprichst du dich mit deinem Steuerberater ab und klärst deinen Angehörigenstatus und somit deinen Freibetrag.(Bildquelle: Alexander Mils/ Unsplash)

Bei Geldvermögen oder Wertpapieren ist die Erbe i.d.R. eher unproblematisch, da hier somit eindeutige Gegenstände vorliegen. Bei Immobilien hingegen müsste z.B. erst ein Wert geschätzt werden, was sich oft als nicht so leicht erweist da viele eine unterschiedliche Auffassung haben. Letztendlich ist die Höhe der Erbschaftssteuer von der Nähe des Freibetrags und der Steuersätze und -klassen abhängig.

Wann entfällt die Erbschaftssteuer?

Sollte im sehr seltenen Fall, das Finanzamt es versäumen, innerhalb von drei Jahren die Steuer einzufordern, kann eine Verjährung entstehen. Somit wäre der Anspruch für die Einreichung der Erbschaftssteuer nichtig(5).

Dies ist allerdings nur ein sehr selten auftretender Fall, also verlass dich nicht drauf.

Des Weiteren gibt es eine Frist der Verjährung, welche vier Jahre beträgt. Sobald dieser Zeitrahmen ebenfalls abgelaufen ist, verfällt die Steuer endgültig.

Des Weiteren kann es zum Entfall der Erbschaftssteuer kommen, wenn die vererbte Immobilie auch nach zehn Jahren nicht verkauft oder vermietet wird, sondern selbst bewohnt wird. Dies ist allerdings nur ein Regelfall, der für Ehepartner gilt.

Dies passiert allerdings sehr sehr selten. Du solltest dich also nicht darauf verlassen, da das Finanzamt i.d.R. alles schnell mitkriegt. Am besten ist es zeitig sich bei dem Amt zu melden und alles im Vorfeld zu klären bevor irgendwelche Folgen entstehen können.

Fazit

In Deutschland gibt es im Bezug zur Erbschaftssteuer vielerlei Regelungen, mit denen du dich auseinander setzen solltest. Grundsätzlich gibt es für verschiedene Verwandschaftsstufen unterschiedliche Freibeträge. Liegt der Erbwert über diesem Freibetrag, muss der Verbleib versteuert werden.

Hierzu gibt es ebenfalls unterschiedliche Steuerklassen und verschiedene Prozentsätze, bei denen die Erbwerte versteuert werden sollen. Wenn nach Einforderung einer Erbsteuerschaftserklärung keine Bezahlung erfolgt, kann dies für denjenigen schwere Folgen haben.

Bildquelle: Kelly Sikkema/ Unsplash

Einzelnachweise (5)

1. erbrechtsinfo.com: Erbschaftssteuer in Deutschland - Infos, Höhe und Fristen
Quelle

2. Finanztip.de: Anzeigepflicht bei der Schenkung: Was der Fiskus über Erbschaften und Schenkungen wissen muss
Quelle

3. Hanseaticbank.de: Erbschaftsteuer: Was zahlt man für Omas Erspartes – und den ganzen Rest?
Quelle

4. sparkasse.de: Wie läuft das mit der Erbschaft? - Erbschaftssteuer, Steuerklassen, Freibeträge – was fällt an Steuern an?
Quelle

5. Steuerklasse.de: Die Verjährung der Erbschaftssteuer
Quelle

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