Erbrecht Ehegatte
Zuletzt aktualisiert: 7. Mai 2021

Die grundlegende Frage nach Versterben eines Ehepartners lautet, ob ein Testament oder Erbvertrag im Vorfeld geschlossen wurde. In diesem Fall würden sie Vorrang bei der Erbfolge mit sich ziehen.

Sich mit seinem eigenen Ableben zu beschäftigen, ist kein angenehmes Thema, daher liegt häufig keine eindeutige Niederschrift über die Verwaltung des Vermögens und der Habseligkeiten nach dem Ableben vor.

Trifft dies zu, kommen die gesetzlichen Regelungen nach §§ 1931, 1371 BGB zu tragen. In den Paragrafen sind die Erbfolgen und die Erbquoten festgelegt. Die Familienkonstellation können gerade in den heutigen Zeiten besondere Merkmale aufweisen. In unserer Übersicht gehen wir auf die wichtigsten Punkte ein.




Das Wichtigste in Kürze

  •  Liegt kein Erbvertrag oder Testament vor, erbt der Ehegatte nach gesetzlicher Erbfolge im ersten Schritt zunächst ein Viertel des Nachlasses.
  •  Bei einer Ehe ohne Ehevertrag liegt die Erbquote bei 50 %. Die andere Hälfte wird auf die Kinder des Partners aufgeteilt.
  • Bei kinderlosen Paaren gehen ein Drittel an den überlebenden Ehepartner. Sofern noch Eltern oder Geschwister vorhanden sind, wird der Rest an diese übertragen. Ex-Ehepartner gehen nach der Scheidung leer aus.

Überblick über die Bestimmungen des Erbrechts für Ehegatten

Das Erbrecht wirkt auf den ersten Blick sehr verwirrend und unübersichtlich. Das ist es auch, dennoch möchten wir einen groben Überblickt schaffen und das allgemeine Verständnis fördern.

Was sind die gesetzlichen Grundlagen des Erbrechts für Ehegatten?

Nach §§ 1931 Abs. 1 BGB erben der Ehepartner und die vorhandenen Kinder (ehelich und unehelich) ein Viertel des vorhandenen Gesamtvermögens. Das sind die sogenannten Verwandten der 1. Ordnung.

Falls keine Verwandten der 1. Ordnung vorhanden sind, fällt das Erbrecht weiter an die 2. Ordnung oder an die Großeltern. In diesem Fall beträgt die Erbschaftsquote 50 %. Nach § 1931 Abs. 1 Satz 2 BGB erhält der Ehegatte auch den Erbanteil, sofern die Großeltern mit den Abkömmlingen von Großeltern zusammentreffen.

Ordnung Erbberechtigte
Erben 1. Ordnung Abkömmlinge (leibliche Kinder, Adoptivkinder, Enkel, Urenkel) des Verstorbenen
Erben 2. Ordnung Eltern und Geschwister des Verstorbenen sowie deren Abkömmlinge (Neffen und Nichten)
Erben 3. Ordnung Großeltern des Verstorbenen und deren Abkömmlinge (Tanten und Onkels)

Der Ehepartner tritt nur dann als Alleinerbe die Rangfolge an, wenn keine Abkömmlinge, Erben der 2. Ordnung oder Großeltern vorhanden sind.

Beispiel: Die Verstorbene Frederike hinterlässt ihren Ehepartner Bernd und die zwei Töchter Lisa und Antonia. Die Eheleute hatten keinen Ehevertrag und lebten so in einer Zugewinngemeinschaft. Ein Testament ist nicht vorhanden, auch kein gemeinsames sogenanntes “Berliner Testament”. Demnach erbt Bernd die Hälfte, Lisa und Antonia je ein Viertel des Vermögens.

Wie ist die Güterstandsabhängigkeit im Ehegatten-Erbrecht geregelt?

Besteht eine besondere Regelung bezüglich der Güterregelung und -abhängigkeit, bekommen weitere Betrachtungspunkte ihre Aufmerksamkeit. Dabei kommen die Regelungen in Einsatz, die in möglichen Eheverträge vereinbart wurden.

Des Weiteren werden wir näher auf die Gesichtspunkte der Gütertrennung, der Gütergemeinschaft und der Zugewinngemeinschaft eingehen. Jede dieser Konstellationen sind gängige Vereinbarungen unter Eheleuten und bedürfen einer eigenen Betrachtung.

Die Erben sollten im Kopf behalten, dass das vererbte Vermögen versteuert werden muss. Die Erbschaftssteuer ist ein sehr komplexes Thema. In Deutschland gibt es dazu viele Unterscheidungen und Regeln.

Wie hoch ist der Erbanteil des Ehegatten bei Gütertrennung?

Wurde in einem Ehevertrag die Gütertrennung vereinbart, so trifft kein pauschaler Zugewinnausgleich zu. Hier kommt die allgemeine gesetzliche Erbfolge in Kraft. Ein Viertel geht an den Ehegatten und Verwandte der 1. Ordnung, sprich an die Kinder und Enkelkindern.

Die Hälfte geht nach § 1931 Abs 1. BGB an die 2. Ordnung, also an die Eltern des Verstorbenen und dessen Geschwistern. Sind keine Verwandte der 2. Ordnung vorzuweisen, so ist der Ehepartner als Alleinerbe anzusehen.

Sonderfall: Sind ein bis zwei Kinder vorhanden, so erbt der Ehepartner und die Kinder jeder zu gleichen Teilen (§ 1931 Abs. 4 BGB). Bei drei oder mehreren Kindern erbt der Ehegatte ein Viertel des Nachlasses. Durch diese Regelung fällt der Erbanteil des überlebenden Partners nicht geringer aus, als eines der erbenden Kinder.

Wie hoch ist der Erbanteil des Ehegatten bei einer Gütergemeinschaft?

In einer Gütergemeinschaft besitzt ein Ehepaar ein gemeinsames Vermögen. Dieses wird entweder gemeinschaftlich oder von einem Ehepartner verwaltet. Dies wurde im Vorfeld in einer Vereinbarung (Ehevertrag) beschlossen.

Neben dem Gesamtgut können die Eheleute auch einzelne Vermögensgegenstände besitzen. Solche Wertgegenstände werden in der Juristerei als Vorbehaltsgut oder Sondergut bezeichnet.

Erbrecht Ehegatte

Bei der Aufteilung des Vermögens gilt bei nicht vorhanden eines Testamentes die gesetzliche Regelung. (Bildquelle: Olia Danilevich / unsplash)

Dem erbberechtigten Ehegatten steht bei der Gütergemeinschaft in erster Linie auf jeden Fall die Hälfte des Erbanteils zu. Falls Erben der 2. Ordnung vorhanden sind, gehen die übrigen 50 % anteilsmäßig an diese über. Sind keine weiteren Erbberechtigten vorhanden, übergeht auch dieser Anteil an den Ehegatten.

Das neu erworbene Vermögen ist in vielen Fällen eine nicht erwartete Bereicherung daher sollte man sich überlegen, ob man das Geld anlegen oder investieren möchte.

Was erbt der Ehegatte in einer Zugewinngemeinschaft?

Die Zugewinngemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass bei Auflösung des Vermögensbestandes ein Ausgleich erfolgt. Leistet ein Ehegatte während der Ehezeit einen höheren Zugewinn als der andere Ehepartner, wird die Hälfte der Differenz an den zweiten ausgezahlt.

Im Falle des Versterbens eines der Eheleute würde der Zugewinn des anderen genau berechnet werden. Das Gesetz regelt den Sachverhalt in dem Punkt über eine pauschale Abgeltung etwaiger Zugewinnausgleichsansprüche der Ehepartner untereinander bei Tod eines der Eheleute.

Die Paragrafen §§ 1931 Abs. 3 BGB in Verbindung mit § 1371 Abs. 1 BGB legen fest, dass statt einer Berechnung des Zugewinns eine pauschale (“erbrechtliche” Lösung) um ein weiteres Viertel erhört wird. Das trifft auch dann zu, wenn kein Vermögenszugewinn in der Zeit der Ehe stattgefunden hat.

Wann ist eine Erbausschlagung für den Ehegatten sinnvoll?

In manchen Fällen kann es günstiger sein, das Erbe auszuschlagen. Dies triff dann zu, wenn der tatsächliche Zugewinn sehr hoch ist. Damit ist gemeint, dass der überlebende Ehegatte wenig zu den Aufbau des Vermögens beigetragen hat. In diesem Fall übersteigt der Ausgleich des Zugewinns regelmäßig den pauschalisierten Zugewinns nach Gesetz.

Die Ausschlagungsfrist beträgt sechs Wochen.

Die Ausschlagungsfrist beträgt nur sechs Wochen (§§ 1944 Abs. 1 BGB) ab den Tag des Versterbens. Jedoch reicht dieser Zeitraum meistens nicht aus, eine realistische Schätzung der beiden Anfangs- und Endvermögen zu ermitteln.

Zudem muss der verbliebene Ehegatte im Falle gerichtlicher Streitigkeiten zwei Verfahren über die Höhe der Ansprüche führen. In der Praxis kommt dieses Verfahren daher nur sehr selten vor.

Was bedeutet im Erbrecht der “Dreißigsten”?

Die Regelung des “Dreißigsten” verpflichtet die Erben, dem überlebenden Ehepartner, der zum Zeitpunkt des Todes mit dem Verstorbenen in einem Haushalt gelebt hat, zu gestatten, die gemeinsame Wohnung oder das eheliche Haus bis dreißig Tage nach dem Erbfall nutzen zu dürfen.

Bestand eine Unterhaltszahlung dem Erblasser gegenüber dem Ehegatten, so ist diese von den Erben bis dreißig Tage nach dem Todestag zu zahlen (§ 1969 BGB). Auch Familienmitglieder und nicht eheliche Lebenspartner profitieren von dem Recht des Dreißigsten.

Was ist der Voraus?

Voraus bezieht sich auf die Erbsache, die der Ehepartner erhält, bevor der restliche Nachlass aufgeteilt wird. Dazu gehören Dinge, die zum ehelichen Haushalt gehören. Der Umfang der Gegenstände, hängt davon ab, wer nach §§ 1932 BGB noch als Erbe Ansprüche erheben kann.

Bei kinderlosen Eheleuten übergeht der Hausrat an den verbliebenen Partner.

Sind Kinder oder Enkelkinder vorhanden, so bekommt der Ehepartner nur Gegenstände, die zur Führung eines angemessenen Haushaltes benötigt werden. Darunter Fallen Möbel, Wäsche aber auch das Familienauto. Davon ausgeschlossen sind jedoch Luxusgegenstände. Diese fallen in den Nachlass.

Bei kinderlosen Eheleuten übergeht der Hausrat an den verbliebenen Partner. Die Geschwister oder Eltern des Verstorbenen haben dann keine Ansprüche auf die Haushaltsgegenstände, wie Teppiche und Gemälde.

Der Voraus kommt nur zutragen, sofern kein Testament geschlossen wurde, also nur beim gesetzlichen Erbrecht. Im Falle eines Testamentes muss der Vererber festlegen, welche Gegenstände aus seinem Haushalten, nach ableben, an wen übergeben werden sollen.

Wie ist das Eherecht nach der Scheidung geregelt?

Der geschiedene Ehepartner (durch ein rechtswirksames Urteil) erhält nach der gesetzlichen Regelung keinerlei Ansprüche auf das Vermögen. Dies trifft auch zu, wenn der verstorbene Ehegatte zum Zeitpunkt des Todes bereits die Scheidung beantragt oder zugestimmt hat. Dazu muss ein entsprechender Schriftsatz (Scheidungsantrag) übergeben worden sein.

Nach der Scheidung gehen Ex-Ehepartner leer aus.

Wurde die Zustimmung zur Scheidung nach § 630 Abs. 2 S.1 bis zum Abschluss der mündlichen Verhandlung widerrufen, so gilt wieder das Ehegatten-Erbrecht.

Hat der verstorbene Ehegatte zum Zeitpunkt seines Ablebens einen Antrag auf anderweitige Aufhebung der Ehe gestellt, gelten die Regelungen des Scheidungsantrages.

Fazit

Wer sein Vermögen in guten Händen wissen will, sollte vor seinem Ableben ein detailliertes Testament aufsetzen. Es wird geraten dieses bei einem Notar zu hinterlegen und das den Erbberechtigten zu kommunizieren. Die Erbgemeinschaft kann dann im Nachgang über das Auflösen der Erbgemeinschaft beraten.

Das Thema Erbregelung ist bei einem nicht vorhanden Testament oder Erbvertrag sehr kompliziert und für Laien schwer zu durchblicken. In diesem Fall kommt die gesetzliche Regelung des Erbrechts zum Tragen, was nicht immer zur Zufriedenheit aller Beteiligten führt.

Mit unserem Überblick hoffen wir dir ein wenig Verständnis für die Erbfolgen und -quoten gebracht zu haben. Wir raten aber in jedem Fall sich ausführlich von einem Fachanwalt beraten und vertreten zu lassen.

Bildquelle: pexels.com/ Matthias Zomer

Warum kannst du mir vertrauen?

Testberichte