Fernwärmeanbieter
Zuletzt aktualisiert: 26. März 2021

Mit Fernwärme kann ein Gebäude mit Energie für das Warmwasser und die Heizung versorgt werden. Insbesondere in Neubaugebieten wird immer häufiger eine zentrale Fernwärme vorgesehen.

Überlegst auch du dein Haus mit Fernwärme zu heizen? Oder du nutzt bereits Fernwärme, du hast aber das Gefühl, dass du wesentlich mehr zahlst, als Freunde von dir mit einer ähnlichen Quadratzahl? Fernwärme ist nicht die günstige Heizart, oftmals fordert die Anbieter aber auch unfaire, hohe Preise, die du keinesfalls hinnehmen musst. Was du in dem Fall tun kannst, erklären wir dir im Folgenden.




Das Wichtigste in Kürze

  • Fernwärme ist nach Öl und Gas die Heizart, die am Häufigsten in Deutschland verwendet wird. Gerade in Neubauten wird diese zunehmend vorgesehen.
  • Es gibt pro Wohngebiet immer nur einen Anbieter für Fernwärme, sodass ein Monopol entsteht. Aufgrund dieses fehlenden Wettbewerbs entsteht eine zunehmende Preissteigerung.
  • Um zu prüfen, ob die Preise für die Fernwärme angemessen sind, kannst du deine Anschlussleistung überprüfen, einen Heiz-Check oder eine Fernwärmeleistungskorrektur durchführen lassen.

Definition: Was ist Fernwärme?

Unter Fernwärme versteht man die zentrale Versorgung von Wohn- und Gewerbegebäuden mit Warmwasser und Heizwärme über ein entfernt liegendes Kraftwerk. Dabei fließt bis zu 100 Grad heißes Wasser sowie heißer Dampf über Rohrleitungsnetze zum Vebraucherhaushalt. Zwar kann Fernwärme gut transportiert werden, jedoch wird der Transport ab einer gewissen Rohrleitungslänge ineffizienter, weshalb das Kraftwerk meist in einem Umkreis von 20 Kilometern angesiedelt sein sollte (1).

Hintergründe: Was du über Fernwärme wissen solltest

Wenn auch für dich das Heizen mit Fernwärme in Frage kommt, solltest du ein paar Dinge beachten. Im Folgenden gehen wir unter anderem genauer darauf an, wie Fernwärme funktioniert und wodurch es sich von anderen Heizmöglichkeiten unterscheidet.

Wie funktioniert die Fernheizung?

Fernwärme lässt sich grundsätzlich in jedem Heizkraftwerk, also Kraftwerken mit KWK, Blockheizkraftwerken, Fernheizwerken, Geothermiekraftwerken, Müllverbrennungsanalgen oder Solarthermischen Kraftwerken erzeugen.

Hier wird die Abwärme, die meist bei der Stromerzeugung anfällt, genutzt, um Wasser zu erhitzen. Dieses erhitzte Wasser wird schließlich über Rohnetze und Verteilerstationen zum Verbraucher geleitet. Mittels einer Übergabestation steht dem Gebäude schließlich Wärme für Heizung und Warmwasser zur Verfügung (2).

Wie viel kostet Fernwärme?

Fernwärme hat gegenüber seinen Alternativen einen ganz bedeutenden Nachteil, nämlich seinen Preis. Laut Heizspiegel mussten Mieter einer 70 Quadratmeter Wohnung im Jahr 2019 durchschnittlich 890 Euro für Fernwärmeheizung zahlen (4). Mieter mit zentraler mussten 4 Prozent weniger zahlen und Mieter mit zentraler Gasheizung sogar 24 Prozent weniger.

Der Preis setzt sich aus einem Grundpreis und einem Arbeitspreis zusammen, teilweise wird von einigen Anbietern auch ein Dienstleistungspreis  für Abrechnung und Messung des Verbrauchs berechnet.

Zusätzlich kommen Anschaffungskosten für die Übergabestation mit etwas 5.000 Euro hinzu. Insgesamt hängen die Preise allerdings vom örtlichen Versorger ab (3). So ist die Fernwärmeheizung in Gebieten mit vielen Verbrauchern und kurzen Rohrleitungen oft preiswerter als in Gebieten mit wenig Verbrauchern und langen Leitungen.

Wie viele Haushalte in Deutschland nutzen Fernwärme?

In Deutschland ist Fernwärme nach Gas und Öl die Heizart, die am meisten genutzt wird. Insgesamt wird sie von etwa 6 Millionen Haushalten genutzt, wovon die meisten in NRW, Berlin, Baden-Württemberg und Bayern ansässig sind (5). Vor Allem bei Immobilien aus neueren Baujahren wird Fernwärme immer beliebter. So werden 25 Prozent aller Neubauten mit Fernwärme geheizt.

In Deutschland wird der Fernwärme-Markt nicht reguliert und besteht derzeit aus lediglich ungefähr 100 Anbietern, wobei es sich meist um Stadtwerke handelt.

Anders als im Strom- und Gasmarkt fehlen hier Entflechtungsregeln, wodurch Monopole auf das jeweilige Wärmenetz entstehen. Daher gibt es jeweils nur einen einzigen Anbieter, den du für dein Haus wählen kannst. Du kannst dir also nicht zwischen mehreren Anbietern den günstigsten aussuchen, sondern musst den gegebenen Preis hinnehmen. Obwohl die Preise von Kartellbehörden geprüft werden, sind sie deutlich höher, als er in einem marktwirtschaftlichen Wettbewerb beträge.

Wie wirkt sich Fernwärme auf die Umwelt aus?

Fernwärme entsteht als Nebenprodukt eines Kraftwerks anderer Brennstoffe (6). Das nennt sich Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und gilt daher als relativ umweltfreundlich. Zudem lässt sich Fernwärme auch aus erneuerbaren Quellen gewinnen, zum Beispiel durch Solaranlagen oder Biomasse-Kraftwerken. 2019 betrug der Anteil dieser etwas 20 Prozent, jedoch steigt die Tendenz erneuerbarer Energien stetig (7). Der Nachhaltigkeitsaspekt lässt sich also nicht pauschalisieren und erfordert eine individuelle Betrachtung des jeweiligen Kraftwerkes.

Was sind Alternativen zu Fernwärme?

Oftmals wird Fernwärme in einem gesamten Neubaugebiet vorgesehen. In der Regel besteht dann ein Anschlusszwang an das jeweilige Fernwärmenetz. Jedoch hat jeder Hausbesitzer durch die EU-Richtlinie zur Nutzung Erneuerbarer Energien ein Recht auf Befreiung dieser Pflicht (8). Dann muss allerdings einen höheren Anteil an Erneuerbaren Energien genutzt werden, als es durch Fernwärme genutzt wird. In Gebieten, in denen der Anschlusszwang nicht besteht, kann frei zwischen folgenden Möglichkeiten gewählt werden.

Heizart Vorteile Nachteile
Gas hohe Effizienz, niedrige Kosten, kompakte Bauart verbraucht fossile Energieträger
Öl hohe Wirkung, ausgereifte Technik meist mit fossilen Energieträgern, viel Platz
Holz nachwachsender Rohstoff Lager, regelmäßiges Asche-Austragen
Solar 100% erneuerbare Energien, keine Betriebskosten viel Platz, Sonnenabhängig
Elekto geringe Investition, einfache Montage hohe Kosten bei Primärnutzung, meist fossile Energieträger
Wärmepumpe Erneuerbare Energien hohe Anschaffungskosten, aufwendige Planung

Auch wenn immer noch am meisten mit Gas und Öl geheizt wird, nehmen umweltfreundlichere Alternativen immer weiter zu und stellen eine gute Alternative zu den Marktführern dar.

Was kann ich machen, wenn der Anbieter die Preise erhöht?

Auch wenn die Preise von Fernwärme im Vergleich zu ihren Alternativen immer noch hoch sind, heben die Anbieter ihre Preise teilweise noch höher. Aufgrund des Monopols haben sie im jeweiligen Gebiet keine Wettbewerber und können sich dadurch eine stetige Preissteigerung erlauben.

Durch die Monopolstellung erhöhen viele Anbieter die Preise.

Im Falle einer Erhöhung, muss der Anbieter dir diese allerdings unmittelbar mitteilen. Dadurch, dass es keine alternativen Anbieter für dein Wohngebiet gibt, musst du die Preiserhöhung hinnehmen.

Alternativ kannst du aus dem Vertrag aussteigen und eine andere der oben genannten Heizarten wählen. Wohnst du allerdings in einem Gebiet, in dem Fernwärme vorgesehen ist, muss die Alternative allerdings einen höheren Anteil an Erneuerbaren Energien nutzen.

Fernwärme Anbieter: Die besten Tipps & Tricks um diesen zu beurteilen

Falls du entweder überlegst, mit Fernwärme zu heizen oder diese Möglichkeit bereits nutzt, dir allerdings nicht sicher bist, ob das bestehende Angebot fair ist, kannst du das bestehende Angebot beurteilen.

Fernwärmeanbieter

Kauft man ein Haus, sind eine Vielzahl an Verträgen abzuschließen, unter anderem ein Heizkostenvertrag. (Terrah Holly/ Unsplash)

Aufgrund der fehlenden Wettbewerber kannst du nicht einfach Vergleichspreise heranziehen, sondern musst das Angebot des Anbieters deiner Wohngegend genauer betrachten.

Wodurch kann ich das Angebot beurteilen?

Um zu beurteilen, ob die Fernwärme des Anbieters von deiner Wohngegend fair ist, musst du einige Daten heranziehen. Wie du das beurteilen kannst und daraufhin eine Entscheidung für oder gegen das Angebot treffen kannst, zeigen wir dir im Folgenden.

Überprüfung deiner Anschlussleistung

Bezüglich des Grundpreises kannst die Anschlussleistung deine Hauses überprüfen. Es kann nämlich durchaus sein, dass diese viel höher ist, als es zur Versorgung deines Hauses sein müsste. Um dies zu beurteilen, musst du die verbrauchte Wärmemenge in Kilowattstunden durch die Anschlussleistung in Kilowatt teilen. Dadurch erhältst du die Nutzungsdauer, die im Optimalfall 1.800 Stunden beträgt. Erhältst du einen kleineren Wert, so ist die Anschlussleistung zu hoch gewählt und du könntest an Kosten sparen.

Heiz-Check

Alternativ kannst du einen Heiz-Check bei einer Verbraucherzentrale durchführen lassen. Dieser beinhaltet unter anderem die Prüfung deines Fernwärmevertrags und kostet 40 Euro. Ergibt dieser, dass deine aktuellen Kosten zu hoch sind, kannst du deinen Anbieter kontaktieren und diesen auffordern, die Preis zu senken. Allerdings ist dieser nicht dazu verpflichtet dem nachzugehen.

Fernwärmeleistungskorrektur

Eine weitere Alternative ist eine Fernwärmeleistungskostenkorrektur durch eine kostenlose Vorab-Prüfung. Diese verrät dir jedes Jahr, ob du zu viel für die Fernheizung bezahlt hast und erstellt dir ein Gutachten sowie einen Antrag auf Leistungskorrektur.

Die Kosten hierfür belaufen sich auf 280 Euro. Diesen Antrag kannst du deinem Anbieter zusenden, woraufhin oftmals die Kosten der Anschlussleistung gesenkt werden. Durchschnittlich sinken die Kosten für ein Einfamilienhaus hierbei um 200 bis 400 Euro im Jahr.

Wie kündige ich meinen Fernwärmevertrag?

Sollte in deinem Wohngebiet kein Anschlusszwang bestehen, hast du problemlos die Möglichkeit deinen Fernwärmevertrag kündigen. Jedoch hast du dann nicht die Möglichkeit zu einem anderen Fernwärmeanbieter zu wechseln, sondern musst eine andere Heizart wählen. In dem Fall gehört die Installation einer eigenen Heizanlage dazu.

Fernwärmeanbieter

Sollte dein Anbieter horrende Preis fordern, solltest du die Möglichkeit, den Vetrag zu kündigen, erwägen. (Scott Graham/ Unsplash)

Die Laufzeiten des Vertrages betragen maximal 10 Jahre und verlängert sich anschließend um maximal 5 Jahre. Prüfe das auf jeden Fall in deinem Vertrag nach, da vereinzelt kürzere Fristen definiert sind. Falls du in einem Haus zur Miete wohnst und selbst Vertragspartner des Fernwärmeversorgers sein. Im Falle des Auszugs kannst du den Vertrag mit einer Frist von 2 Monaten kündigen.

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Fazit

Fernwärme ist gerade in Neubaugebieten eine immer beliebtere Art zu heizen. Aufgrund dessen, dass pro Wohngebiet immer nur ein Anbieter besteht, kommt es immer häufiger zu hohen und unfairen Preisen. Betroffene sind häufig junge Personen, die ihre erste Immobilie finanzieren und diesbezüglich noch unerfahren sind. Wir empfehlen dir, deinen Vertrag und deine Verbrauchsdaten genau zu kontrollieren und den Anbieter bei einem zu hohen Preis unbedingt zu kontaktieren.

Sollte der Anbieter den Preis nach deinem Hinweis immer noch nicht senken, solltest du darüber nachzudenken, eine alternative Heizart zu wählen. Ist Fernwärme ein deinem Wohngebiet vorgesehen, muss diese Alternative allerdings mehr erneuerbare Energien nutzen.

Bildquelle: Nikkytok / 123rf

Einzelnachweise (8)

1. heizsparer.de: Fernwärme Grundlagen
Quelle

2. praxistipp.focus.de: Fernwärme oder Gas: Was ist billiger und besser? Lukas Farwer, 01.04.2020
Quelle

3. verbraucherzentrale.de: Fernwärme: So heizen Sie weder Kosten noch Klima ein, 17.01.2020
Quelle

4. heizspiegel.de: Heizkosten pro Quadratmeter im Vergleich
Quelle

5. statista.de: Verbrauch von Fernwärme in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2018
Quelle

6. wemag.com: Fernwärme im Faktenchek: Vorteile und Nachteile, 14.10.2018
Quelle

7. umweltbundesamt.de: Energieverbrauch für fossile und erneuerbare Wärme
Quelle

8. agfw.de: Anschluss- und Benutzungszwang
Quelle

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Fernwärme Grundlagen
heizsparer.de: Fernwärme Grundlagen
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Fernwärme oder Gas: Was ist billiger und besser?
praxistipp.focus.de: Fernwärme oder Gas: Was ist billiger und besser? Lukas Farwer, 01.04.2020
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verbraucherzentrale.de: Fernwärme: So heizen Sie weder Kosten noch Klima ein, 17.01.2020
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Heizkosten pro Quadratmeter im Vergleich
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Verbrauch von Fernwärme in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2018
statista.de: Verbrauch von Fernwärme in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2018
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Fernwärme im Faktenchek: Vorteile und Nachteile
wemag.com: Fernwärme im Faktenchek: Vorteile und Nachteile, 14.10.2018
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Energieverbrauch für fossile und erneuerbare Wärme
umweltbundesamt.de: Energieverbrauch für fossile und erneuerbare Wärme
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Anschluss- und Benutzungszwang
agfw.de: Anschluss- und Benutzungszwang
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