Geld im Ausland anlegen
Zuletzt aktualisiert: 15. September 2020

In Hinblick auf die aktuell niedrigen Zinsen bei deutschen Banken steigt die Attraktivität des Geldanlegens im Ausland. Die Festgeldanlagen bei ausländischen Banken vergeben häufig höhere Zinsen, weil es oft für die Banken der schnellste Weg ist an neues Kapital zu gelangen.

Dieser Beitrag enthält alle wichtigen Informationen rund um das Thema Geld im Ausland anlegen 2020. Von den rechtlichen Rahmenbedingungen über die Verzinsung der Kapitalanlagen bis zur Besteuerung werden alle offenen Fragen beantwortet. Zudem erfährst du wie sicher solche Anlagen für Sparer sind und welche Währung gewählt werden sollte.




Das Wichtigste in Kürze

  • Geldanlagen im Ausland können nur direkt bei Banken mit Standort in den jeweiligen ausländischen Staaten erworben werden. Mithilfe von Zinsportalen können Anleger trotzdem ihr Geld bei ausländischen Banken anlegen.
  • Die Schwierigkeit der ausländischen Banken an frisches Kapital zu gelangen, spiegelt sich oft in hohen Renditen wider. Bei besonders hohen Zinsangeboten besteht allerdings ein großes Risiko für den Anleger.
  • Bei der Entscheidung für eine Geldanlage im Ausland spielen neben der Verzinsung und Besteuerung auch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Landes eine wichtige Rolle, in dem die Bank ansässig ist.

Glossareintrag: Geldanlage im Ausland im Detail erklärt

Um dich umfassend über Geldanlagen im Ausland zu informieren, haben wir dir in den folgenden Abschnitten die wichtigsten Fakten zusammengefasst und erklärt. Zudem haben wir dir alle Fragen zu den Themen Verzinsung und Steuern aufbereitet.

Anleger, die ein Konto im Ausland eröffnen wollen, müssen in der Regel auch einen Wohnsitz in dem jeweiligen Land der Bank haben. Um diese Hürde zu Umgehen werden oftmals Zinsportale genutzt, die allerdings keine Banklizenz besitzen. Diese Plattformen übernehmen die Rolle des Vermittlers für Angebote von Banken aus ganz Europa, indem sie das notwendige technische Online-Banking zur Verfügung stellen.

Wie funktioniert Geld anlegen im Ausland?

Nachdem die Anmeldung auf der online Plattform durchgeführt wurde, besteht die Möglichkeit bei einer Partnerbank des Zinsportals ein Verrechnungskonto zu eröffnen. Erforderlich dabei ist der Nachweis der eigenen Identität mittels dem Post-Ident-Verfahren, anschließend ist der Sparer befugt seine Einlage auf das Konto zu überweisen.

Manche Portale verfolgen auch andere Konzepte, indem sie  treuhänderisch agieren und die Geldbeträge selbst zur jeweiligen ausländischen Bank transferieren.

Die Führung des Kontos erfolgt allerdings üblicherweise nicht über die Zinsplattform, sondern über die Anlagenbank im Ausland. Nach dem Ende der Laufzeit überweist diese ausländische Partnerbank das Geld inklusive Zinsen auf das Verrechnungskonto zurück.

Wie wird angelegtes Geld im Ausland verzinst?

Um schnell und günstig an neues Kapital zu gelangen, bieten Banken aus dem EU-Ausland aktuell höhere Zinssätze auf die Einlagen an. Somit lässt sich an der Höhe der Zinsen das jeweilige Risiko der Anlage schlussfolgern.

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Laut der FMH-Finanzberatung sind bei Banken im Ausland für eine Festgeldandlage mit einer Laufzeit von 3 Jahren bis zu 1,3 Prozent möglich.

Angebote von Anbieter mit deutscher Einlagensicherung bieten bei gleicher Summe Zinsen in maximaler Höhe von 0,9 Prozent an. (1)

Die Höhe der Rendite ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden, dementsprechend gilt, je höher die Zinsangebote, desto größer das Ausfallrisiko für den Geldanleger. Die Höhe der Kapitalverzinsung wird stark durch wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Dazu zählen neben dem Spar- und Anlageverhalten der Bewohner des jeweiligen Staates auch der Wettbewerb und die Kostenstrukturen der Banken. (2, 3)

Welche rechtliche Rahmenbedingungen sollten beim Anlegen im Ausland beachten werden?

Um unerwünschte Ereignissen bestmöglich zu vermeiden, gilt es zudem die politische Lage und wirtschaftliche Stabilität des Landes zu berücksichtigen. Wirtschaftlich starke Länder können durch nationale Einlagensicherungsfonds mehr Sicherheit bieten, sollte es zu einer Bankinsolvenz kommen.
EU-Mitgliedstaaten müssen nicht für insolvente Banken im EU-Ausland haften.

Befindet sich der Standort der Bank in einem Staat der Europäischen Union gelten die EU-weiten Richtlinien zur Einlagensicherung bis 100.000 €.

Allerdings existiert bisher noch keine gemeinsame Haftung oder gemeinschaftlicher Sicherungsfonds der EU-Mitgliedsstaaten. Das bedeutet, im Falle einer Insolvenz der Bank, springt nur die nationale Einlagensicherung für den Sparer in Kraft. (4)

Um das Risiko einer Bankpleite zu minimieren, ist es durchaus ratsam sich über die Bonität des Landes, in dem die Bank ihren Sitz hat, zu informieren. Agenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch geben Ratings über die Sicherheit des Finanzmarktes der Länder aus. Werden Länder mit dem Rating AAA, AA+, AA, AA- oder Aaa, Aa1, Aa2 und Aa3 beurteilt, verfügen sie über eine gute Bonität.

Folgende Länder gelten als sicher: (5)

Land Fitch Moody’s Standard and Poor‘s
Dänemark AAA Aaa AAA
Luxemburg AAA Aaa AAA
Niederlande AAA Aaa AAA
Schweden AAA Aaa AAA
Finnland AA+ Aa1 AA+
Österreich AA+ Aa1 AA+
Frankreich AA Aa1 AA
Belgien AA- Aa3 AA

Welche Besteuerung fällt bei Geldanlagen im Ausland an?

Obwohl sich Geldanleger im Ausland über höhere Rendite freuen können, fallen in den meisten Fällen in beiden Ländern Steuern an. Sogenannte bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den Ländern können diese anfallenden Kosten jedoch deutlich reduzieren. (6)

Doppelbesteuerungs- abkommen ermöglichen eine deutliche Minimierung der Quellensteuer für Sparer.

Für Kapitalerträge fallen in Deutschland zumeist eine Abgeltungsteuer in der Höhe von 25 Prozent an. Hinzukommend fällt unter Umständen, in jedem Land, indem dieser Kapitalertrag erwirtschaftet wurde, eine Quellensteuer an.

Diese Ertragssteuer muss an das Finanzamt des Quelllandes abgeführt werden. Durch bilaterale Verträge zwischen Ländern sollen Sparern davor geschützt werden den kompletten Steuersatz zweimal zahlen zu müssen. (7)

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Um eine mehrfache Besteuerung der Zinserträgen und Dividenden zu reduzieren oder sogar gänzlich zu vermeiden hat Deutschland mit 27 Ländern der Europäischen Union bilaterale Verträge geschlossen.
(Bildquelle: Christian Dubovan / Unsplash)

Eine doppelte Besteuerung kann für deutsche Anleger durch die Vorweisung einer Ansässigkeitsbescheinigung reduziert oder vermieden werden. Beantragt kann diese Bescheinigung beim zuständigen Finanzamt werden. Den ausländischen Banken wird somit bestätigt, dass sich der ständige Wohnsitz des Anlegers in der Bundesrepublik Deutschland befindet. (8)

Welche Vor- und Nachteile gibt es beim Geldanlegen im Ausland?

Hohe Rendite für sein angelegtes Geld zu bekommen, klingt sehr verlockend. Allerdings gibt es auch immer wieder Schattenseiten zu betrachten. Welche Vor- und Nachteile eine Geldanlage im Ausland mit sich bringt, sind in den folgenden Absätzen aufgelistet.

Vorteile
  • Hohe Zinsen
  • Doppelsteuerungsabkommen
Nachteile
  • Risiko der EInlagensicherung
  • Währungsrisiko

Was spricht dafür Geld im Ausland anzulegen?

  • Hohe Zinsen: Der wohl attraktivste Grund für Anleger sich für eine ausländische Bank zu entscheiden ist, dass Banken im Ausland in der Regel höhere Zinsen anbieten. Höhere Zinsen bedeuten für den Sparer zusätzliches Geld am Ende der Laufzeit.
  • Doppelsteuerungsabkommen: Bilaterale Verträge zwischen Ländern können nach der Betrachtung aller Faktoren einen Vorteil für die Geldanlage im Ausland mit sich bringen. Durch diese völkerrechtlichen Vereinbarungen bleiben den Anlegern eine doppelte Besteuerung erspart und können trotzdem von den hohen Zinsen im Ausland profitieren.

Welche Gründe sprechen gegen eine Geldanlage im Ausland?

  • Risiko der Einlagensicherung: Innerhalb der Europäischen Union gibt es zwar Richtlinien zur Einlagensicherung, bei dem der Gesamtwert bis zu 100.000 € geschützt ist. Allerdings existieren noch keine gemeinschaftlichen Einlagenfonds, die die Rückzahlung im Falle einer Bankinsolvenz mit Sicherheit gewährleisten. In Ländern außerhalb der EU ist besondere Aufmerksamkeit geboten, denn manche Länder verfügen über keine gesetzliche Einlagensicherung.
  • Währungsrisiko: Wird nicht in der eigenen Landeswährung oder in den Euro investiert, kann es zu Wechselkursrisiken kommen und dadurch die Rendite schmälern.

In welcher Währung sollte Geld angelegt werden?

Um Währungs- und Wechselkursrisiken weitgehend zu vermeiden bietet es sich für Geldanleger im Ausland an das Verrechnungskonto in der Währung Euro zu führen, unabhängig davon, ob es die Landeswährung des Standortes der Bank ist.

Andere Währungen besitzen, anders als der Euro Währungschancen und -risiken, die häufig spekulativ agieren. Steigt die Währung im Verhältnis zum Euro, erzielt der Sparer am Laufzeitende durch die Änderung der Währung, neben den Zinsen sogar einen Gewinn. Andererseits muss der Sparer beim Verlust der Anlagenwährung einen Währungsverlust in Kauf nehmen.

Fazit

Bei der Entscheidung spielt vor allem das persönliche Vertrauen in das Finanzsystems des Landes, in dem das Geld angelegt werden soll eine entscheidende Rolle. Die Geldanlage im Ausland ist häufig mit einem hohen Risiko verbunden, deshalb ist es unabdinglich sich vor der Investition zu informieren.

Die Sicherheit hängt meist von der Stabilität des jeweiligen Landes und deren nationalen Regelungen der Einlagensicherung ab. Ist man als Anleger bereit, ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen, ist die Geldanlage im Ausland als gute Möglichkeit des Sparens.

Bildquelle: Sittidech/ 123rf.com

Einzelnachweise (8)

1. FMH-Finanzberatung (2020): Festgeldvergleich
Quelle

2. Wirtschaftswoche, Mark Fehr (2017): Festgeld-Ranking, die besten Zinsangebote im Ausland
Quelle

3. Finanzberatung Frankfurt (2018): Festgeld im Ausland, Festgeld im Inland – oder lieber ETF-Fonds?
Quelle

4. Amtsblatt der Europäischen Union (2014): Richtlinie 2014/49/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über Einlagensicherungssysteme
Quelle

5. Börsenzeitung (2020): Länder-Ranking Bonität
Quelle

6. Bundesministerium der Finanzen (2020): Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men und an­de­re Ab­kom­men im Steu­er­be­reich
Quelle

7. Bundeszentralamt für Steuern (2020): Anrechenbare ausländische Quellensteuer
Quelle

8. Service Berlin (2020): Doppelbesteuerungsabkommen Ansässigkeitsbescheinigung
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Thorsten berät Menschen, wie man Geld am besten privat anlegt. Um auf dem neusten Stand zu bleiben, beschäftigt er sich in seiner Freizeit intensiv mit verschiedenster Fachliteratur. Auch über verschiedene Finanzierungsmodelle weiß er Bescheid. Um sein Wissen mit noch mehr Menschen zu teilen, hat er sich dazu entschieden, über diese Thematiken zu schreiben.
Festgeldvergleich FMH
FMH-Finanzberatung (2020): Festgeldvergleich
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Zinsangebote im Ausland
Wirtschaftswoche, Mark Fehr (2017): Festgeld-Ranking, die besten Zinsangebote im Ausland
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Festgeldzinsen im Ausland
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EU-Richtlinien
Amtsblatt der Europäischen Union (2014): Richtlinie 2014/49/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über Einlagensicherungssysteme
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Länder-Ranking Bonität
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Doppelbesteuerungsabkommen
Bundesministerium der Finanzen (2020): Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men und an­de­re Ab­kom­men im Steu­er­be­reich
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Quellensteuer
Bundeszentralamt für Steuern (2020): Anrechenbare ausländische Quellensteuer
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Ansässigkeitsbescheinigung
Service Berlin (2020): Doppelbesteuerungsabkommen Ansässigkeitsbescheinigung
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