Gemeinschaftskonto
Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2021

Lebst du mit anderen Personen in einem Haushalt, egal ob diese deiner Familie angehören oder deine Freunde sind, teilst du dir die Haushaltskosten mit deinen Mitbewohnern. Dies kann manchmal etwas kompliziert sein, gerade wenn es darum geht, dass jeder das Gleiche zahlt. Um diesen Prozess zu erleichtern, kann ein Gemeinschaftskonto verwendet werden.

In diesem Artikel werden wir dir das Konzept des Gemeinschaftskontos vorstellen, dich über dessen Vor- und Nachteile aufklären und dir die verschiedenen Arten von Gemeinschaftskonten vorstellen. Dabei gehen wir auch auf die wichtigsten Themen rund um die Haftung und die Kosten des Gemeinschaftskontos ein.




Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Gemeinschaftskonto kann mit zwei oder mehr Personen eröffnet werden, mit denen du dir die Finanzentscheidungen und die Haftung über das Geld teilst.
  • Es gibt zwei Arten von Gemeinschaftskonten, das Und-Konto und das Oder-Konto. Diese Unterscheiden sich durch die Art und Weise wie Finanzentscheidungen getroffen werden können.
  • Bei einem Todesfall geht der Anteil des Gemeinschaftskontos an die Erben der Person. Dies kann je nach Art des Gemeinschaftskontos zu Schwierigkeiten bei den Finanzentscheidungen führen.

Hintergründe: Was ist ein Gemeinschaftskonto?

Im Folgenden beantworten wir dir einige der am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Gemeinschaftskonto. Diese Antworten sollten es dir ermöglichen eine informierte Entscheidung darüber zu treffen, ob du ein Gemeinschaftskonto gebrauchen kannst und dieses benutzen möchtest.

Was ist ein Gemeinschaftskonto?

Das Gemeinschaftskonto ist ein Konto, auf das mehrere Personen zugreifen können, da sie alle gemeinsam die Eigentümer des Kontos sind. Je nach Bank kann es dabei notwendig sein, dass du mit den anderen Personen in einem Haushalt wohnst, bei anderen Banken ist dies nicht unbedingt notwendig.
Ein Gemeinschaftskonto ist ein Konto, dass mehreren Personen zu gleichen Teilen gehört.

Ob du mit den anderen Personen verwandt bist, verheiratet oder nur zusammen lebst, ist dabei nicht wichtig.

Als Eigentümer des Kontos sind dabei alle eingetragen, die auf das Geld zugriff, haben sollen. Dabei gilt es zu beachten, dass ein Gemeinschaftskonto meist neu erstellt werden muss und nicht aus einem bereits bestehenden Konto erstellt werden kann.

Für wen eignet sich ein Gemeinschaftskonto?

Ein Gemeinschaftskonto eignet sich für Personen, die sich Haushaltskosten oder auch andere Kosten teilen. Denn mit einem Gemeinschaftskonto können die Kosten dann von diesem Konto abgehen.

Gemeinschaftskonto

Lebst du mit Freunden oder anderen Bekannten zusammen in einem Haushalt kann es schwer sein, die entstehenden Kosten gleichmäßig aufzuteilen.  (Bildquelle: Unsplash / Chewy)

Dabei kann jeder zu einem vorgegebene Datum dann seinen Anteil an den Kosten auf das Gemeinschaftskonto überweisen. So kann verhindert werden, dass eine Person die Kosten vorstrecken muss bis die anderen Personen ihm oder ihr dieses Geld überweisen.

Wie funktioniert ein Gemeinschaftskonto?

Ein Gemeinschaftskonto ist ein Konto mit mehrere Inhaber die alle gleichberechtigt auf das darauf liegende Geld zugreifen können. Wie solche Finanzentscheidungen getroffen werden können, hängt dabei von der Art des Kontos ab.

Allerdings können dabei alle Inhaber mit Entscheiden und gemeinsam das Geld verwalten. Davon einmal abgesehen ist ein Gemeinschaftskonto nicht so anders als ein Girokonto.

Welche Vorteile und Nachteile hat ein Gemeinschaftskonto?

In der folgenden Tabelle zeigen wir dir einige Vor- und Nachteile des Gemeinschaftskontos auf. Dies kann dir dabei helfen dich weiter über das Gemeinschaftskonto und dessen Nützlichkeit für dich zu informieren.

Vorteile
  • Gemeinsame Kosten können einfacher getragen werden
  • Mehrere Personen können mit eigenen Karten auf das Konto zugreifen
  • Alle Kontoinhaber können mit den gleichen Rechten auf das Konto und das darauf befindliche Geld zugreifen
  • Gemeinschaftskonten können mit mehr als zwei Personen eröffnet werden
Nachteile
  • Bei Pfändungen von einzelnen Personen, kann sich dieses auf das gesamte Geld des Gemeinschaftskontos auswirken
  • Ein Gemeinschaftskonto kann nicht zu einem P-Konto geändert werden
  • Bei großen Überweisungen auf das Konto kann eine Schenkungssteuer entstehen(1, 2)
  • Für jede Entscheidung wird Gemeinsam gehaftet(3, 4)
  • Bei einem Todesfall können Probleme durch die Erben entstehen(5)
  • Streit untereinander über die Benutzung des Geldes kann manche Entscheidungen erschweren

Wer haftet beim Gemeinschaftskonto?

Alle als Kontoinhaber gekennzeichneten Personen haften Gemeinsam für jede Entscheidung, die auf einem Gemeinschaftskonto getroffen wurde. Bei einem Oder-Konto ist es dabei egal wer die Entscheidung getroffen hat, alle Inhaber haften dafür.(3, 4)

Gibt es ein kostenloses Gemeinschaftskonto?

Bei einem Gemeinschaftskonto verhält es sich mit den Kosten wie bei einem einzelnen Girokonto, je nach Bank kostet dieses mehr oder weniger. Auch bei der Auswahl der Bank kannst du darauf achten wie viel dieses Kostet.

Bei einigen Banken kann zum Beispiel eine Kontoführungsgebühr anfallen, bei anderen fällt diese aus und dafür kostet das Einrichten des Kontos möglicherweise etwas.

Oder-Konto und Und-Konto: Was ist besser?

Es gibt zwei verschiedene Arten von Gemeinschaftskonten, diese sind das Oder-Konto und das Und-Konto. Der Unterschied liegt dabei darauf wie die Finanzen des Kontos erledigt werden können.

So kann bei einem Oder-Konto jeder der als Inhaber eingetragen ist, die Finanzentscheidungen unabhängig von den anderen Inhabern treffen. Das heißt du kannst alleine entscheiden, was wann und wohin überwiesen werden sollte. Dies kann die Finanzentscheidungen beschleunigen und es so ermöglichen auch dann noch solche Entscheidungen zu treffen, wenn einmal einer der Inhaber unerreichbar ist.

Allerdings bedeutet dies auch, dass jeder ohne Rücksprache mit den anderen Entscheidungen treffen kann und so ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen vorhanden sein muss.(6)

Bei einem Und-Konto dagegen muss für jede Finanzentscheidung die Einwilligung aller Kontoinhaber eingeholt werden. Dies kann natürlich den Prozess verlangsamen und in manchen Situationen vielleicht sogar unmöglich machen.

Allerdings kannst du dieses Modell auch dann verwendet werden, wenn du den anderen Inhabern nicht vollständig mit dem Geld vertraut, denn dabei kannst du dir sicher sein, dass keine Entscheidung ohne dein Einverständnis getroffen werden kann.(7)

Welches dieser Konten das richtige für dich ist hängt also davon ab, mit wem du ein Konto eröffnen willst und zu welchem Zweck.

  • Als Alltags Konto zum Beispiel eignet sich ein Und-Konto womöglich weniger, da hier sehr viele kleinere Beträge auftreten können und eine Notwendigkeit des Einverständnisses von allen schon kleinere Einkäufe erschweren kann.
  • Als Konto für gemeinnützige Vereine würde es sich schon mehr anbieten, da dadurch die Veruntreuung von Geld durch einzelne verhindert werden kann.
  • Ein Oder-Konto dagegen kann als Alltags Konto geeigneter sein, da dann einzelne Entscheidungen über geringe Beträge schneller getroffen werden können.
  • Als Konto für gemeinnützige Vereine eignet es sich vielleicht weniger, da hier kein Schutz gegen Veruntreuung besteht.

Wichtig ist auch zu beachten, dass manche Banken nur Oder-Konten anbieten, da Und-Konto mehr Verwaltungsarbeit und Verwaltungskosten erzeugen können.

Was passiert, wenn ein Kontoinhaber stirbt?

Wenn einer der Kontoinhaber stirbt, geht dessen Anteil des Geldes an seine Erben.(5) Wenn diese Anteile nicht extra schriftlich festgelegt werden, wird dabei alles sich auf dem Konto befindende Geld in gleichen Teilen aufgeteilt.(8)

Gemeinschaftskonto

Stirbt einer der Inhaber des Gemeinschaftskontos wird dessen Anteil an seine Erben weitergegeben. (Bildquelle: Unsplash / Melinda Gimpel)

Es lässt sich allerdings auch schriftlich festlegen wie viel des Geldes jeweils welchem Inhaber gehört. Wichtig bei einem Und-Konto ist zu beachten, dass die Entscheidungsrechte auch vererbt werden und so keine Entscheidungen ohne die Erben der verstorbenen Person getroffen werden können.

Wie löse ich ein Gemeinschaftskonto auf?

Um ein Gemeinschaftskonto aufzulösen werden die Einwilligungen aller Kontoinhaber benötigt. Sind diese vorhanden, kann ein Antrag bei der Bank gestellt werden und das Konto wird aufgelöst. Dabei gilt, solange nicht anders festgelegt, dass jeder den gleichen Anteil des Geldes bekommt, egal wer wie viel eingezahlt hat.(8)

Welche Alternative gibt es für ein Gemeinschaftskonto?

Falls du von der Idee eines Gemeinschaftskontos nicht überzeugt bist, gibt es auch die Möglichkeit einzelnen Personen Entscheidung Berechtigungen für dein eigenes Konto zu geben.

Dadurch können diese dann Überweisungen Tätigen ohne dich vorher Fragen zu müssen, wichtig dabei ist, dass du alleine für alle getätigten Überweisungen haftest egal wer diese angeordnet hat, da du der alleinige Inhaber bist.

Fazit

Ein Gemeinschaftskonto kann also hilfreich sein, wenn du in einem Haushalt mit anderen Personen lebst und du dir die Kosten des Haushaltes teilst. Aber auch für gemeinnützige Vereine kann solch ein Konto hilfreich sein. Dabei gilt es abzuwägen, ob ein Und-Konto oder eine Oder-Konto passender wäre.

Für alle Geld Entscheidungen haften dabei immer alle Inhaber des Kontos. Auflösen kannst du das Konto dabei auch nur mit dem Einverständnis aller Inhaber. Dies kann gerade bei einem Todesfall schwierig werden, da hier automatisch die Erben alle rechte der Person auf das Gemeinschaftskonto erhalten.

Titelbild: Cathy Yeulet / 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Dejure.org, Rechtsprechung BFH, 23.11.2011 - II R 33/10 Abgerufen am 17.04.2021
Quelle

2. Dejure.org, ErbStG § 7 Abgerufen am 17.04.2021
Quelle

3. Dejure.org, BGB § 748 Abgerufen am 17.04.2021
Quelle

4. Dejure.org, BGB § § 426 Abgerufen am 17.04.2021
Quelle

5. Dejure.org, BGB § 746 Abgerufen am 17.04.2021
Quelle

6. Prof. Dr. Otto Weidmann: Stichwort: Oderkonto. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 17.04.2021
Quelle

7. Prof. Dr. Jens Saffenreuther: Stichwort: Undkonto. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 17.04.2021
Quelle

8. Dejure.org, BGB § 430 Abgerufen am 17.04.2021
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Warum kannst du mir vertrauen?

Rechtsprechung
Dejure.org, Rechtsprechung BFH, 23.11.2011 - II R 33/10 Abgerufen am 17.04.2021
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Gesetzestext
Dejure.org, ErbStG § 7 Abgerufen am 17.04.2021
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Gesetzestext
Dejure.org, BGB § 748 Abgerufen am 17.04.2021
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Gesetzestext
Dejure.org, BGB § § 426 Abgerufen am 17.04.2021
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Gesetzestext
Dejure.org, BGB § 746 Abgerufen am 17.04.2021
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Wirtschaftslexikon
Prof. Dr. Otto Weidmann: Stichwort: Oderkonto. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 17.04.2021
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Wirtschaftslexikon
Prof. Dr. Jens Saffenreuther: Stichwort: Undkonto. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 17.04.2021
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Gesetzestext
Dejure.org, BGB § 430 Abgerufen am 17.04.2021
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