Gesamtkosten
Veröffentlicht: 27. November 2020

Du studierst Wirtschaftswissenschaften und musst die Gesamtkosten im Rahmen einer Prüfung berechnen? Oder du bist vielleicht selbst Unternehmer und möchtest diese wichtige Kennzahl im Zuge der Kosten- und Leistungsrechnung analysieren oder musst eine Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren vorlegen? Dann bist du hier genau richtig.

Dieser Beitrag zum Thema Gesamtkosten 2021 soll dir alle wichtigen Fragen diesbezüglich beantworten. Wir geben dir eine Definition sowie eine Anleitung zur Berechnung der Gesamtkosten. Zudem zeigen wir dir, wofür du die Berechnung der Gesamtkosten im Anschluss nutzen kannst und welche weiteren betriebswirtschaftlichen Kennzahlen damit verbunden sind.




Das Wichtigste in Kürze

  • Als Gesamtkosten gelten alle Kosten oder Ausgaben, die in einem Unternehmen während eines bestimmten Zeitraums anfallen. Dabei unterscheidet man zwischen fixen und variablen Kosten, aus deren Summe sich die Gesamtkosten zusammensetzen.
  • Fixe Kosten fallen immer und unabhängig von der Produktionsmenge an. Variable Kosten dagegen sind abhängig von der Produktionsmenge oder dem Beschäftigungsgrad und verändern sich mit einer Zu- oder Abnahme.
  • Gesamtkosten gelten alleinstehend schon als wichtige Kennzahl in der Kosten- und Leistungsrechnung. Im Verhältnis zu anderen Werten gewinnt die Kennzahl zusätzlich an Aussagekraft. Deshalb wird sie im Rahmen verschiedener anderer Kennzahlen und Verfahren berechnet.

Glossareintrag: Der Begriff Gesamtkosten im Detail erklärt

In den folgenden Abschnitten haben wir dir alle wichtigen Fragen rund um das Thema Gesamtkosten zusammengefasst. Neben einer Definition erfährst du zum Beispiel auch wie du Gesamtkosten errechnest und welchen Nutzen dir eine Berechnung bringt.

Was sind Gesamtkosten?

Unter dem Begriff Gesamtkosten wird in der Kosten- und Leistungsrechnung die Summe aller Kosten oder Ausgaben verstanden, die in einem Unternehmen während eines bestimmten Zeitraums anfallen. (1, 2, 3)

Gesamtkosten-1

Die Berechnung der Gesamtkosten in einem Unternehmen erfolgt meist in Kombination mit weiteren Kennzahlen und dient in der Regel der Erfolgskontrolle und Kalkulation.
(Bildquelle: Scott Graham / unsplash)

Zu den Gesamtkosten eines Unternehmens zählen zum Beispiel Rohstoffe, Gehälter oder Mieten.

Aus was setzen sich Gesamtkosten zusammen?

Der Begriff wird in der Regel im Rahmen der sogenannten Kostenauflösung verwendet.

Dabei setzen sich die Gesamtkosten aus fixen und variablen Kosten zusammen.

Im Rahmen der Kostenträgerrechnung können Gesamtkosten aber auch in Einzelkosten und Gemeinkosten unterteilt werden, je nachdem, ob sie sich einem bestimmten Kostenträger zuordnen lassen oder nicht. (1, 2, 3)

Fixe Kosten / Fixkosten

Alle Kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen, werden als fixe Kosten bzw. Fixkosten bezeichnet. Sie sind, wie der Name schon sagt, fix und fallen dementsprechend dauerhaft an - auch dann, wenn nicht produziert wird.

Deshalb gilt: Je höher der Anteil der fixen Kosten innerhalb der Gesamtkosten, desto unflexibler ist das Unternehmen, wenn beispielsweise der Umsatz aufgrund einer schlechten Auftragslage zurückgeht.

Allerdings lassen sie sich im Gegensatz zu den variablen Kosten langfristig kalkulieren, da sie in regelmäßigen Abständen und in gleichbleibender Höhe anfallen.

Als fixe Kosten gelten zum Beispiel Versicherungsbeiträge, Abschreibungen, Mieten, Zinsen oder Gehälter. (1, 3)

Variable Kosten

Variable Kosten dagegen sind derjenige Teil der Gesamtkosten, der sich unter gewissen Umständen verändern kann. Sie sind nämlich proportional abhängig von der Produktionsmenge bzw. dem Beschäftigungsgrad.

Zu den variablen Kosten zählen dementsprechend Roh-, Betriebs- und Hilfsstoffe, die während der Produktion benötigt werden (= Materialkosten).

Denn je mehr produziert wird, desto mehr Materialien werden benötigt. (1, 3)

Wir verdeutlichen dir das Ganze noch einmal in einem Beispiel:

Ein Automobilhersteller produziert Autos. Unabhängig davon, ob oder wie viele Autos produziert werden, fallen fixe Kosten wie Miete für die Produktionshalle, Abschreibungen für Maschinen oder Mitarbeitergehälter an. Aber je mehr Autos produziert werden, desto höher sind die variablen Kosten. Denn es wird für eine Produktionsmenge von 1.000 Autos mehr Material benötigt als für 100 Autos.

Abschließend lässt sich also sagen, dass Gesamtkosten aufgrund der darin enthaltenen variablen Kosten auch immer abhängig von der produzierten Menge sind.

Wie berechne ich Gesamtkosten?

Da sich die Gesamtkosten aus variablen und fixen Kosten zusammensetzen, lautet die Formel zur Berechnung folgendermaßen:

Gesamtkosten = variable Kosten + fixe Kosten
Kg = Kf + Kv

Oder in der Kostenträgerrechnung:

Gesamtkosten = Einzelkosten + Gemeinkosten
Kg = Ke + kg

Bleiben wir beim Beispiel des Automobilherstellers, setzen sich die Gesamtkosten eines Autos aus fixen und variablen Kosten zusammen. Werden der Produktion eines Autos fixe Kosten von 10.000 Euro zugeschrieben und belaufen sich die variablen Kosten auf 12.000 Euro, so ergeben sich Gesamtkosten in Höhe von 22.000 Euro.

Wofür benötige ich eine Berechnung der Gesamtkosten?

Die Gesamtkosten an und für sich stellen bereits eine wichtige Kennzahl dar.

Im Verhältnis zu anderen Werten gewinnt die Kennzahl zusätzlich an Aussagekraft.

Die Kennzahl der Gesamtkosten wird jedoch meist herangezogen, um weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen zu errechnen.

Diese sind von großer Bedeutung für ein Unternehmen, da sie beispielsweise der Erfolgskontrolle und besseren Kalkulation dienen. Auch wird eine Auflistung der Gesamtkosten für die jährliche Gewinn- und Verlustrechnung benötigt.

Kostendeckungsgrad

Werden die Gesamtkosten zum Beispiel den erzielten Umsatzerlösen gegenübergestellt, erhält man den Kostendeckungsgrad:

Kostendeckungsgrad = Umsatzerlöse / Gesamtkosten * 100

Mithilfe dieser Berechnung des Kostendeckungsgrads soll geprüft werden, ob die Gesamtkosten durch die Marktpreise für die Dienstleistung oder das Produkt gedeckt werden. Damit zählt die Kennzahl zu den wichtigsten Kennzahlen, die mithilfe der Kosten- und Leistungsrechnung ermittelt werden. (3)

Ein Kostendeckungsgrad von 100 % bedeutet demnach, dass alle Kosten vollständig durch die Umsatzerlöse gedeckt werden. Liegt er unter 100 % führt das langfristig zu Verlusten, Kostendeckungsgrade von über 100 % bedeuten Gewinne. Dementsprechend ist das übergeordnete Ziel eines gewinnorientierten Unternehmens stets, dass der Kostendeckungsgrad über 100 % liegt.

Der Punkt, ab dem die Gesamtkosten und die Umsatzerlöse gleich hoch sind und sich gegenseitig aufheben, wird auch Break-Even-Point genannt. Ab diesem wird also kostendeckend produziert. (1)

Stückkosten

Als Gegenstück zu den Gesamtkosten lassen sich zudem die Stückkosten bzw. Durchschnittskosten berechnen. Dabei handelt es sich, wie der Name schon sagt, um die Kosten je Einheit / Stück. Hierzu werden die Gesamtkosten ins Verhältnis zur im selben Zeitraum produzierten Menge gesetzt.

Stückkosten = Gesamtkosten / produzierte Menge (3, 4)

Sie dienen in der Kosten- und Leistungsrechnung zur Festlegung der Preisuntergrenzen. Denn um gewinnbringend zu produzieren, müssen auch die Stückkosten gedeckt sein.

Gesamtkostenverfahren

Unternehmen sind gemäß § 275 HGB dazu verpflichtet, eine Gewinn- und Verlustrechnung zum Abschluss eines Geschäftsjahres vorzulegen. Dazu kann das Unternehmen entweder das Gesamtkostenverfahren (GKV) gemäß § 275 Abs. 2 HGB oder das Umsatzkostenverfahren (UKV) gemäß § 275 Abs. 3 HGB nutzen.  (5)

Eine GuV nach dem Gesamtkostenverfahren sieht vereinfacht und im Hinblick auf die Auflistung der Gesamtkosten und Umsatzerlöse schließlich wie folgt aus:

Veränderung Beschreibung
1. Umsatzerlöse
+/- 2. Bestandsveränderung
+ 3. Andere aktivierte Eigenleistungen
+ 4. Sonstige betriebliche Erträge
- 5. Materialaufwendungen
- 6. Personalaufwendungen
- 7. Abschreibungen
- 8. Sonstige betriebliche Aufwendungen
= Betriebsergebnis

Beim Gesamtkostenverfahren (GKV) werden die Gesamtkosten nach Kostenarten gegliedert. Diesen Kosten wird dann der Gesamtumsatz gegenübergestellt, sodass eine Gewinn- und Verlustrechnung resultiert.

Fazit

Meist wird unter dem Begriff Gesamtkosten die Summe aller Kosten eines Unternehmens im Zuge der Kosten- und Leistungsrechnung verstanden. Du kannst das gleiche Prinzip aber auch auf private Angelegenheiten übertragen. Möchtest du zum Beispiel deine Lebenshaltungskosten im Blick behalten, kannst du auch hier Fixkosten und variable Kosten zusammentragen.

Zu deinen Fixkosten zählen in diesem Fall beispielsweise die Miete, Nebenkosten oder Kosten für Telefon, Internet und Streaming. Dazu addierst du schließlich die variablen Kosten, die unterschiedlich anfallen und optional sind. Beispielsweise Kosten für Urlaube, Ausflüge oder Kleidung.

Bildquelle: auremar/ 123rf.com

Einzelnachweise (5)

1. Reichard P. (2013). Kostenverläufe.
Quelle

2. Prof. Dr. Dr. h.c. Weber J., Prof. Dr. Steven M. (2018). Gesamtkosten. Gabler Wirtschaftslexikon. Springer Gabler.
Quelle

3. BWL-Lexikon.de. Gesamtkosten
Quelle

4. Prof. Dr. Dr. h.c. Weber J. (2018). Stückkosten. Gabler Wirtschaftslexikon. Springer Gabler.
Quelle

5. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Handelsgesetzbuch. § 275 Gliederung
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Übersicht über betriebswirtschaftliche Kenngrößen
Reichard P. (2013). Kostenverläufe.
Gehe zur Quelle
Lexikonartikel
Prof. Dr. Dr. h.c. Weber J., Prof. Dr. Steven M. (2018). Gesamtkosten. Gabler Wirtschaftslexikon. Springer Gabler.
Gehe zur Quelle
Lexikonartikel
BWL-Lexikon.de. Gesamtkosten
Gehe zur Quelle
Lexikonartikel
Prof. Dr. Dr. h.c. Weber J. (2018). Stückkosten. Gabler Wirtschaftslexikon. Springer Gabler.
Gehe zur Quelle
§ 275 des Handelsgesetzbuch
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Handelsgesetzbuch. § 275 Gliederung
Gehe zur Quelle
Testberichte