Zuletzt aktualisiert: 15. April 2021

Es wäre wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass Bitcoin im letzten Jahrzehnt die gesamte Finanzbranche auf den Kopf gestellt hat. Die Technologie hinter Bitcoin und auch hinter anderen Kryptowährungen – “Blockchain” – wird dabei allerdings oft außen vor gelassen, obwohl sie wahrscheinlich der wahre Star ist. Blockchain macht Kryptowährung-Transaktionen überhaupt erst möglich. Doch wie ist Blockchain eigentlich entstanden?

In diesem Beitrag erfährst du die ganze Geschichte von Blockchain. Zunächst werden wir dir näherbringen, worum es sich bei Blockchain genau handelt. Danach erklären wir dir die gesamte Evolution dieser Technologie: Von der Geburtsstunde über den Durchbruch bis hin zu den Zukunftsaussichten von Blockchain wirst du umfassend informiert.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blockchain-Technologie wurde von Stuart Haber und W. Scott Stornetta erfunden. 1991 programmierten sie die erste Software, die digitale Dokumente mit Zeitstempeln versah.
  • Bitcoin hat Blockchain maßgeblich geprägt: Mit dem Beginn von Bitcoin im Jahr 2009 gelang auch Blockchain der große Durchbruch in der Öffentlichkeit. Die Bitcoin-Blockchain ist auch heute noch die größte der Welt.
  • 2015 ging die zweite Blockchain “Ethereum” an den Start. Mit seinen “Smart Contracts”, mit denen man nicht mehr nur Token-Transaktionen in eine Blockchain speichern kann, läutete Ethereum die Ära der Blockchain 2.0 ein.

Hintergründe: Was ist Blockchain und wie hat alles angefangen?

Im Folgenden wird die Geschichte von Blockchain näher beleuchtet: Wer hat die Blockchain-Technologie eigentlich erfunden? Wie hat Blockchain seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden? Welche Rolle spielt Bitcoin in der Geschichte von Blockchain? Auf diese und weitere Fragen soll eingegangen werden.

Was ist Blockchain?

Ganz allgemein ist eine Blockchain ein digitales Hauptbuch, das Transaktionen aufzeichnet. Es handelt sich um die Technologie hinter Kryptowährungen. Blockchain ist dafür verantwortlich, dass die entsprechenden Transaktionen

  • sicher,
  • dezentral,
  • transparent und
  • unmittelbar

erfolgen. Aber nicht nur Kryptowährung-Transaktionen kann eine Blockchain aufnehmen: Sowohl Transaktionen von materiellen Gütern, wie etwa ein Haus, als auch von immateriellen Gütern, bspw. geistiges Eigentum, können in der Blockchain aufgezeichnet werden.(1, 2, 3)

Jede Transaktion wird genau ein einziges Mal in der Blockchain gespeichert und kann danach nie wieder bearbeitet werden. Alle Teilnehmer der Blockchain können dann die Transaktionen, die in der Blockchain zuverlässig gespeichert wurden, einsehen. Der Vorteil: Sie müssen sich nicht einmal gegenseitig vertrauen, da das Blockchain-System neutral und sicher ist.(1, 2, 3)

Blockchain funktioniert wie eine Kette: Die Eintragung einer Transaktion wird in Form eines Blocks chronologisch an das zeitlich vorherige Block gekettet. (Bildquelle: Hush Naidoo / Unsplash)

Eine neu hinzukommende Transaktion wird an das Ende der Blockchain als sogenannter “Block” angehängt – deshalb auch der Name “Blockchain”. Dieser Block enthält alle relevanten Daten zur Transaktion: Die beteiligten Personen, der Zeitpunkt, der Ort, die Menge usw. Jeder Block ist chronologisch verbunden mit dem vorherigen und nächsten Block, sodass die zeitliche Abfolge garantiert wird; einen Block zu bewegen, ist unmöglich.(2, 3)

Wer hat die Blockchain-Technologie erfunden?

Die beiden Wissenschaftler Stuart Haber und W. Scott Stornetta werden gemeinhin als die Urväter der Blockchain-Technologie gesehen. 1991 erfanden sie eine Software, die digitale Dokumente mit einem Zeitstempel versah.

Diese Zeitstempel sollten garantieren, dass die Dokumente nicht rückwirkend verändern werden könnten und in exakt jener chronologischen Reihenfolge verbleiben, in der sie verzeichnet wurden. So entstand die erste “Blockkette”, die erste “Blockchain”.(1, 4, 5)

1992, ein Jahr später, integrierten Haber und Stornetta Merkle-Trees ins Programm. Diese erlaubten es nun, nicht nur eins, sondern gleich mehrere Dokumente in einem einzigen Block zu speichern.

1994 gründeten die beiden Erfinder die Firma “Surety” und veröffentlichten ihre Software unter dem Namen “AbsoluteProof”. Ihr Patent für die Blockchain-Technologie erlosch jedoch bereits im Jahr 2004 – vier Jahre vor den Anfängen von Bitcoin.(1, 5)

Was ist das Reusable Proof of Work (RPoW) und welche Rolle spielt es in der Geschichte von Blockchain?

Im Jahr 2004 erfand Informatiker und Kryptografie-Aktivist Hal Finney (Harold Thomas Finney II) das Reusable Proof of Work (RPoW). Es handelte sich um ein System, bei dem man zunächst ein Non-Fungible Token einlöste.

Im Gegenzug wurde ein RSA-signierter Token erstellt, der von Person zu Person übertragen werden konnte: Wenn man bestimmte Informatik-Arbeiten verrichtet hat, bekam man dafür von anderen Personen solche RSA-signierte Tokens.(1, 3, 6)

Das sogenannte “Double-Spending-Problem” wurde umgangen, indem die Daten zur Eigentümerschaft der Tokens auf einem vertrauenswürdigen Server gespeichert wurden.

Dieser Server war öffentlich, und so konnte jeder Nutzer die Eigentümerschaft der Tokens überprüfen. Dementsprechend kann RPoW als ein früher Prototyp der Blockchain-Technologie angesehen werden; neben DigiCash (1989), E-Gold (1996), B-Money (1998), Bit-Gold (1998) und Ripple Pay (2004) ebnete auch RPoW den Weg für das heutige Blockchain.(1, 3, 4)

Wie hat Bitcoin angefangen und wie hängt es mit Blockchain zusammen?

Im späten Jahr 2008 veröffentlichte eine Person oder eine Gruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto das Whitepaper “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System”, in dem Nakamoto der Welt eine dezentrale Währung vorstellt – dies war die Geburtsstunde von Bitcoin. Die Open-Source-Software von Bitcoin ging anschließend am 3. Januar 2009 an den Start.(1, 3, 4, 5, 6, 7)

Noch am selben Tag wurde der allererste Bitcoin-Block von Satoshi Nakamoto selbst gemint; der Ertrag lag bei 50 Bitcoins. Am 12. Januar 2009 – nur einige Tage später – erfolgte dann auch die allererste Bitcoin-Transaktion: Hal Finney, der Erfinder von RPoW, erhielt 10 Bitcoins von Satoshi Nakamoto.(1)

Das Projekt Bitcoin startete am 3. Januar 2009 unter Verwendung der Blockchain-Technologie. Als Bitcoin also abhob, war das der Moment, an dem Blockchain enorm an Bekanntheit gewann. (Bildquelle: André François McKenzie / Unsplash)

Genau wie das RPoW benutzt auch Bitcoin einen Hashcash Proof of Work-Algorithmus. Im Gegensatz zum RPoW wird hier das Double-Spending-Problem aber nicht durch eine hardwarebasierte Serverfunktion gelöst, sondern durch ein dezentrales Peer-to-Peer-Netzwerk, das die Transaktionen aufzeichnet und verifiziert.

Konkret werden Blöcke mithilfe des Proof of Work gemint und dabei Bitcoins erbeutet. Die Bitcoins werden dann von den dezentralen Knoten des Netzwerks verifiziert.(1)

Zu diesem Zeitpunkt ist der Ausdruck “Blockchain” noch immer nicht explizit gefallen (das geschah erst um 2013 herum), auch nicht im Whitepaper von Nakamoto.

Trotzdem hatte die Blockchain-Technologie definitiv mit Bitcoin seinen Durchbruch in der Öffentlichkeit: Das Bitcoin-Hauptbuch, das die Bitcoin-Transaktionen verbucht, wird mit einer Blockchain betrieben, und die Blockchain von Bitcoin ist auch heute noch die größte der Welt – Bitcoin hat Blockchain also maßgeblich geprägt.(3, 4, 5, 6, 7, 8)

Was ist Ethereum und welche Rolle spielt es in der Geschichte von Blockchain?

2013 äußerte Vitalik Buterin, ein Programmierer und Mitbegründer des Bitcoin Magazines, seinen Frust gegenüber der begrenzten Programmiermöglichkeiten von Bitcoin. Seine Kommentare fanden nur wenig Zustimmung in der Bitcoin-Community, und so entwickelte er im Alleingang “Ethereum”, die zweite öffentliche Blockchain. Dabei arbeitete er auch an “Ether”, einer weiteren Kryptowährung.(1, 3, 4, 5, 7)

Ethereum läutete die zweite Generation der Blockchains ein.

Um 2014 herum fing man an, Blockchain von einer anderen Perspektive zu sehen, realisierte, dass man sie für mehr als nur Kryptowährungen nutzen kann – allmählich begann Blockchain, sich von Bitcoin zu lösen.

Alsbald startete auch Ethereum im Jahr 2015, und mit seiner innovativen Erweiterung, dem “Smart Contract”, begann schließlich die Ära der Blockchain 2.0.(1, 3, 4, 5, 6, 7)

Der Smart Contract ist eine von Ethereum geprägte Funktionalität, die es erlaubt, nicht nur Tokens, also Kryptowährungen, in der Blockchain zu speichern, sondern auch andere Vermögensgegenstände, wie bspw. Anleihen oder Verträge. Der Smart Contract stoß auf Resonanz: Ethereum ist heute die zweitgrößte Blockchain nach der Bitcoin-Blockchain und hat eine Marktkapitalisierung von etwa 207 Milliarden Dollar.(1, 4, 6, 7, 9)

Wie sieht die Zukunft von Blockchain aus?

Heute beträgt die weltweite Krypto-Marktkapitalisierung beträchtliche 1,83 Billionen Dollar. Und damit sind auch die Blockchains der Kryptowährungen von unglaublicher Größe: Die Bitcoin-Blockchain etwa – die größte Blockchain der Welt – ist aktuell ganze 328 Gigabyte groß. Somit kann wohl ziemlich sicher behauptet werden, dass Blockchain zumindest fürs Erste eine sehr gute Zukunft hat.(8, 9)

Zudem gibt es inzwischen nicht mehr nur eine Art von Blockchain. Es haben sich im Laufe der Zeit mehrere Formen herausgebildet, um den aufkommenden Bedürfnissen gerecht zu werden:

Blockchain Beschreibung
Öffentliche Blockchain Einer öffentlichen Blockchain kann jeder beitreten. Bitcoin ist das prominenteste Beispiel einer öffentlichen Blockchain. Solch eine Blockchain benötigt eine hohe Rechenleistung, bietet nur wenig Privatsphäre bei Transaktionen und weist eine vergleichsweise schwache Sicherheit auf.(2)
Private Blockchain Genau wie eine öffentliche Blockchain ist eine private Blockchain ein dezentrales Peer-to-Peer-Netzwerk. Bei einer privaten Blockchain entscheidet jedoch eine Organisation, wer an der Blockchain teilnehmen darf. Dies kann das Vertrauen unter den Teilnehmern erhöhen. Eine private Blockchain kann sogar auf dem Firmengelände gehostet werden.(2)
Permissioned Blockchain Sowohl öffentliche als auch private Blockchains können Permissioned Blockchains sein. Eine Permissioned Blockchain schränkt ein, wer an der Blockchain und an ihren Transaktionen teilnehmen darf. Man muss eine Einladung erhalten, um teilnehmen zu können.(2)
Consortium Blockchain Bei einer Consortium Blockchain darf nicht nur eine, sondern dürfen mehrere Organisationen entscheiden, wer an der Blockchain teilnehmen, Transaktionen speichern und die Daten einsehen darf.(2)

Es können Entwicklungen beobachtet werden, bei denen sich die Art der Erstellung von Blöcken in Blockchains wandelt: Allmählich geht der Proof of Work-Algorithmus über in den sogenannten “Proof of Stake”-Algorithmus. Damit würden die “Miner” wegfallen und die Sicherheit der Blockchains würde steigen.(6, 7)

Des Weiteren wird sich in naher Zukunft die Art, wie die Transaktionen geprüft werden, weiterentwickeln. Die Transformation, durch die dies erfolgen soll, trägt den Namen “Blockchain Scaling”. Momentan muss jeder Computer in einer Blockchain jede einzige getätigte Transaktion verarbeiten, was den Prozess stark verlangsamt.

Mit Blockchain Scaling soll ermittelt werden, wie viele Computer tatsächlich nötig sind, um eine Transaktion weiterhin sicher, aber schneller zu verarbeiten.(6, 7)

Blockchain wird zukünftig immer mehr in unseren Alltag eingebunden.

Die Blockchain hat eine große Zukunft vor sich: Indem sie weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, wird sie immer allgegenwärtiger. Ehe man es sich versieht, werden Blockchains verwendet für Regierungsdokumente, Testamente, selbstfahrende Autos, Lieferketten, Dating-Apps, und, und, und. Die Erfindung der Blockchain könnte – ohne zu übertreiben – so folgenschwer sein wie die Erfindung des Internets.(3, 5, 6)

Fazit

Die Erfinder der Blockchain-Technologie sind Stuart Haber und W. Scott Stornetta. 1991 programmierten sie die erste Software, die digitale Dokumente mit Zeitstempeln versah. 2004 entwickelte Hal Finney das Reusable Proof of Work (RPoW), welches als früher Prototyp von Blockchain galt. Mit dem Start von Bitcoin im Jahr 2009 gelang Blockchain dann endlich der Durchbruch in der Öffentlichkeit.

Um 2014 herum begriff man, dass man mit Blockchain nicht nur Kryptowährung-Transaktionen verbuchen kann, dass die Technologie zu mehr imstande ist. So begann im Jahr 2015, mit dem Beginn von Ethereum und seinen Smart Contracts, die zweite Generation von Blockchain.

Inzwischen gibt es mehrere Formen von Blockchains, und indem sich die Blockchain-Technologie auch zukünftig weiterentwickelt, wird sie zweifellos immer allgegenwärtiger und weitreichender.

Bildquelle: 123rf / noxnorthy

Einzelnachweise (9)

1. academy.binance.com: History of Blockchain. 11.2020.
Quelle

2. ibm.com: What is blockchain technology?
Quelle

3. wired.com: The WIRED Guide to the Blockchain. Klint Finley, Gregory Barber, 09.07.2019.
Quelle

4. icaew.com: History of blockchain.
Quelle

5. Skwarek, Volker. (2019). Eine kurze Geschichte der Blockchain: Ursprünge, Begriffe und aktuelle Entwicklungen. Informatik Spektrum. 42. 10.1007/s00287-019-01175-0.
Quelle

6. hbr.org: A Brief History of Blockchain. Vinay Gupta, 28.02.2017.
Quelle

7. forbes.com: A Very Brief History Of Blockchain Technology Everyone Should Read. Bernard Marr, 16.02.2018.
Quelle

8. statista.com: Size of the Bitcoin blockchain from January 2009 to March 27, 2021. Raynor de Best, 29.03.2021.
Quelle

9. coinmarketcap.com: Today's Cryptocurrency Prices by Market Cap.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

History of Blockchain
academy.binance.com: History of Blockchain. 11.2020.
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What is Blockchain Technology?
ibm.com: What is blockchain technology?
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The WIRED Guide to the Blockchain
wired.com: The WIRED Guide to the Blockchain. Klint Finley, Gregory Barber, 09.07.2019.
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History of blockchain
icaew.com: History of blockchain.
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Zeitschriftenaufsatz
Skwarek, Volker. (2019). Eine kurze Geschichte der Blockchain: Ursprünge, Begriffe und aktuelle Entwicklungen. Informatik Spektrum. 42. 10.1007/s00287-019-01175-0.
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A Brief History of Blockchain
hbr.org: A Brief History of Blockchain. Vinay Gupta, 28.02.2017.
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A Very Brief History Of Blockchain Technology Everyone Should Read
forbes.com: A Very Brief History Of Blockchain Technology Everyone Should Read. Bernard Marr, 16.02.2018.
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Echtzeitstatistik
statista.com: Size of the Bitcoin blockchain from January 2009 to March 27, 2021. Raynor de Best, 29.03.2021.
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Echtzeitstatistik
coinmarketcap.com: Today's Cryptocurrency Prices by Market Cap.
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