Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2021

Einer der meistgenannten Vorteile des Heiratens ist mit Sicherheit, dass es Steuern sparen soll. In den meisten Fällen entspricht das auch der Realität: Das sogenannte Ehegattensplitting spart beiden Partnern Geld. Das Ehepaar wird hier als eine einzige juristische Person behandelt und muss nur eine Steuererklärung abgeben.

Eine Pflicht zum Ehegattensplitting existiert jedoch nicht. Tatsächlich kann es sich in manchen Fällen lohnen, das Ehegattensplitting auszuschlagen und stattdessen zur „getrennten Veranlagung” zu greifen. Auch als Ehepaar oder eingetragene Lebenspartnerschaft unterzeichnest du also freiwillig zwei Steuererklärungen. In welchen Fällen das von Vorteil sein kann, wollen wir in diesem Artikel erörtern.




Das Wichtigste in Kürze

  • Wer als Ehepaar nicht ausdrücklich die getrennte Veranlagung verlangt, der wird automatisch per Ehegattensplitting besteuert. Bei Bedarf musst du hier einen gesonderten Antrag stellen.
  • Das Ehegattensplitting lohnt sich vor allem dann, wenn die Einkünfte der Partner weit auseinander liegen.
  • Häufige Gründe für eine getrennte Veranlagung sind ungewöhnlich hohe Verluste oder Sondereinkünfte eines Ehepartners sowie die Kirchensteuer.

Getrennte Veranlagung: Was du wissen solltest

Zuerst einmal wollen wir einfach und schnell erklären, worum es sich bei der getrennten Veranlagung überhaupt handelt, und worauf du achten musst.

Was bedeutet getrennte Veranlagung?

Getrennte Veranlagung bedeutet, dass zwei Partner, die zu einem Ehegattensplitting berechtigt sind, doch getrennte Steuererklärungen einreichen. Zu einem Ehegattensplitting sind zwei Menschen berechtigt, wenn sie miteinander verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft stehen.(1)

Zusammenveranlagung ist gleichbedeutend mit Ehegattensplitting. (Bildquelle: Unsplash / Josh Appel)

Standardmäßig sind zu einem Ehegattensplitting berechtigte Menschen mit diesem gut bedient und haben selten Gründe, sich anders zu entscheiden. Gegebenenfalls musst du einen Antrag einreichen, um das Ehegattensplitting auszuschlagen und eine getrennte Veranlagung zu beanspruchen.

Beachte dabei, dass du für manche bestimmte Jahre eine getrennte Veranlagung beantragen und danach wieder zum Ehegattensplitting zurückkehren kannst.(2)

Was ist der Unterschied zwischen getrennter Veranlagung und Zusammenveranlagung?

Zusammenveranlagung ist gleichbedeutend mit Ehegattensplitting. Der Unterschied zwischen getrennter Veranlagung und Zusammenveranlagung ist, dass bei der Zusammenveranlagung das Paar als einzelne juristische Person betrachtet wird, und ihr nur eine Steuererklärung ausfüllen müsst. Bei der getrennten Veranlagung müsst ihr--genau wie vor der Heirat - einzelne Steuererklärungen ausfüllen.

Was sind die Vorteile der Zusammenveranlagung?

Die meisten Paare entscheiden sich für die Zusammenveranlagung. Das liegt daran, dass der Steuersatz für die Zusammenveranlagung aus dem Durchschnitt der Einkommen beider Partner errechnet wird. Ist der Unterschied zwischen den beiden Einkommen sehr groß, dann wird der weniger verdienende Partner dem anderen also helfen, aus seiner stark besteuerten Einkommensklasse heraus zu kommen.

Dieser Steuersatz wird aus dem Durchschnittseinkommen beider Partner errechnet.

Ein Extrembeispiel: Partner A verdient 56.000 Euro im Jahr, und muss damit den Spitzensteuersatz auf sein Einkommen zahlen.

Partner B ist jedoch nicht erwerbstätig und verdient 0 €. Falls wie der Einfachheit halber Werbungskosten und ähnliche Faktoren ignorieren, dann beläuft sich der Durchschnitt auf 56.000:2=28.000 €. Somit muss das Paar einen deutlich geringeren Steuersatz zahlen.(3)

Partner Zu versteuerndes Einkommen getrennte Veranlagung Zu versteuerndes Einkommen gemeinsame Veranlagung
Partner A 56.000 € 28.000 €
Partner B 0 € 28.000 €

Außerdem ist für die Zusammenveranlagung notwendig, falls beide Partner dauerhaft zusammen wohnen. Ein Zweitwohnsitz zu Arbeitszwecken oder ähnliches ist natürlich gestattet, aber falls sich beide Parteien überhaupt keinen Wohnsitz mehr teilen, ist die Zusammenveranlagung ausgeschlossen.

Welche Folgen hat die getrennte Veranlagung?

Der wichtigste Unterschied zum Ehegattensplitting ist, dass - wie eben erwähnt - die Einkommensteuer für beide Partner wieder einzeln nach dem Grundtarif berechnet wird. Aufgrund der Progression des deutschen Einkommensteuersystems ist das jedoch ein Nachteil, und kein Vorteil.

Wie aus dem obigen Beispiel klar wird, wird das Einkommen einer einzelnen juristischen Person stärker besteuert als das gleiche Einkommen, das auf mehrere Personen verteilt ist. Die potenziellen Vorteile der getrennten Veranlagung erwachsen aus den diversen Freibeträgen, besonderen Besteuerung für Sondereinkünfte oder ähnlichen Rechten, die der Fiskus jeder Person zugesteht.

Legt man die Steuererklärung im Rahmen des Ehegattensplitting zusammen, lassen sich solche Rechte nur einmal ausschöpfen oder werden unvorteilhaft mit anderen Einnahmen verrechnet. Was solche Fälle seien können, erklären wir im zum Artikelende im Detail.(4)

Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es bei getrennten Veranlagungen?

Die getrennte Veranlagung ist, wie andere steuerliche Angelegenheiten auch, gesetzlich in der Abgabenordnung (AO) und dem Einkommenssteuergesetz geregelt.

Besonders relevant sind hier der Paragraph §26a Einkommensteuergesetz, in dem das Prozedere und die allgemeinen Regeln zur getrennten Veranlagung festgelegt sind. Dazu gehört beispielsweise, dass die getrennte Veranlagung immer für ein Steuerjahr entschieden wird.(5)

Der wichtigste Unterschied zum Ehegattensplitting ist, dass die Einkommensteuer für beide Partner einzeln nach dem Grundtarif berechnet wird. (Bildquelle: John McArthur/ Unsplash)

Ebenfalls interessant ist Paragraph §175 der Abgabenordnung, laut dem die getrennte Veranlagung ein rückwirkendes Ereignis ist. (6)

Gibt es bei getrennten Veranlagungen einen Unterschied zwischen Ehe und eingetragenen Partnerschaften?

Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaften sind vor dem Gesetz gleichberechtigt, hier gibt es also legal keinen Unterschied. Hier lohnt es sich aber zu wissen, dass diese Gleichstellung in Deutschland ab dem Jahre 2001 sukzessiv eingeführt wurde. Der Zugang zum Ehegattensplitting wurde eingetragenen Lebenspartnerschaft aber erst 2013 zugesprochen, wobei sie hier rückwirkend noch steuerliche Vorteile bis hin zu 2001 geltend machen können.

Im Übrigen ist die gleichgeschlechtliche Ehe seit Juli 2017 in Deutschland zulässig geworden. Für junge Paare dürfte die eingetragene Lebenspartnerschaft also an Relevanz abnehmen.

Falls euch dieses Gesetz betrifft, lohnt es sich, zu recherchieren, ob euch hier nicht noch eine Steuerrückzahlung zusteht. (7)

Wann wird üblicherweise die Veranlagung getrennt?

Der wohl häufigste Grund für die getrennte Veranlagung ist nicht ein potenzieller finanzieller Vorteil, sondern eine anstehende Trennung des Paares. Wer schon das neue Leben allein plant, der hat häufig wenig Lust, mit dem Ex-Partner zusammen eine Steuererklärung zu verfassen. Von solchen Gründen abgesehen lohnt es sich aber auch meistens für in der Trennung begriffene Paare, so lange wie möglich zum Ehegattensplitting zu greifen.

Wann lohnt sich die getrennte Veranlagung?

Wie eingangs erwähnt gibt es jedoch eine Reihe von Situationen, in denen sich tatsächlich die getrennte Veranlagung lohnt. Im Folgenden listen wir eine Reihe von Faktoren aus, die dazu führen können, dass die getrennte Veranlagung das Ehegattensplitting in Sachen Steuervorteil aussticht.

Bedenkt aber, dass eine große Einkommensdifferenz diese Faktoren oft ausgleichen wird, sodass doch das Ehegattensplitting die bessere Wahl bleibt. Desto kleiner die Einkommensdifferenz, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass einer der beschriebenen Faktoren ausschlaggebend wird.

  • Nebenjobs
  • Lohnersatzleistung
  • Außergewöhnliche Belastung oder Verlust
  • Abfindung
  • Kirchensteuer

Im Folgenden findest du nähere Informationen zu den einzelnen Faktoren.

Nebenjobs

Falls sowohl du als auch dein Partner in einem Nebenjob tätig sind, lohnt sich eventuell die getrennte Veranlagung. Die Erwerbnisse aus Neben- und Minijobs müssen bis 410€ nicht versteuert werden. Bei der getrennten Veranlagung könnt ihr diese Grenze zweimal ausschöpfen, beim Ehegattensplitting nur einmal.

Lohnersatzleistung

Lohnersatzleistungen werden generell nicht versteuert, da sie dem Progressionsvorbehalt unterliegen. Sie zählen also nominell nicht zum Einkommen dazu. Beim Ehegattensplitting fällt diese Regelung jedoch unter den Tisch. Erhält also einer von euch Kurzarbeitergeld, Kindergeld oder Arbeitslosengeld, kann sich die getrennte Veranlagung lohnen.(8)

Außergewöhnliche Belastung oder Verlust

Falls du in einem Steuerjahr Verlust gemacht hast oder einen Schicksalsschlag erlitten und viel Geld verloren hast, kannst du diesen Verlust ins nächste Steuerjahr mitnehmen. Das geht jedoch häufig nicht, wenn dieser Verlust mit den Einkünften deines Partners verrechnet wird, wie es beim Ehegattensplitting der Fall ist.

Abfindung

Falls einer von euch eine große Abfindung erhalten hat und seine anderen Einkünfte gering sind, kann er sie nach der Fünftelregelung vorteilhaft besteuern lassen. Beim Ehegattensplitting geht das aufgrund der Höhe des gemeinsamen Einkommens häufig nicht.

Kirchensteuer

Zahlt einer von euch beiden die Kirchensteuer und der andere nicht, tritt eine besondere Regelung in Kraft und die Kirche verlangt das sogenannte Kirchgeld. Das heißt, dass sich die Höhe der Kirchensteuer nicht am Einkommen des religiösen Partners berechnet, sondern das gemeinsame Einkommen besteuert wird. Um das zu vermeiden ist die getrennte Veranlagung notwendig.(9)

Fazit

Ob sich die getrennte Veranlagung lohnt, ist also von Fall zu Fall und von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Wer ein großes Einkommensgefälle in der Beziehung hat, der wird sich aber selten darüber Sorgen machen müssen, ob er hier viel Geld sparen könnte. Paare mit ähnlichem Einkommen hingegen könnten Geld sparen, wenn sie ab und zu durchrechnen, ob die getrennte Veranlagung nicht doch eine gute Idee wäre.

Zu diesem Zweck gibt es diverse Webseiten im Internet, mit denen sich schnell ermitteln lässt, mit welcher Variante man besser bedient ist. Wir empfehlen den offiziellen Lohn- und Einkommensteuerrechner des Bundesministeriums für Finanzen (BMF). Dieser wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht und bringt genaue Ergebnisse, die bei einer informierten Entscheidung helfen.(10)

Bildquelle: Amol Tyagi / Unsplash

Einzelnachweise (10)

1. Steuernetz.de.
Quelle

2. Lohnsteuer-kompakt.de.
Quelle

3. gevestor.de, David Gerginov.
Quelle

4. Steuer-schutzbrief.de, 30. Dezember 2010 (aktualisiert am 13. März 2019).
Quelle

5. Bundesamt der Justiz und für Verbraucherschutz
Quelle

6. smartsteuer.de, 23. Dezember 2020.
Quelle

7. Lebenspartnershchaft.de, Volker Beeden.
Quelle

8. taxfix.de, 27. April 2021.
Quelle

9. Lohnsteuer-kompakt, Felix Bodeewes, 31. Januar 2013.
Quelle

10. Bundesministerium der Finanzen.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Veranlagungsarten zur Einkommensteuer
Steuernetz.de.
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Lohnsteuer kompakt FAQs
Lohnsteuer-kompakt.de.
Gehe zur Quelle
Steuerprogression: Durch Ehegattensplitting Steuern sparen
gevestor.de, David Gerginov.
Gehe zur Quelle
1.3.: Ehepaare: Wann ist die getrennte Veranlagung sinnvoll?
Steuer-schutzbrief.de, 30. Dezember 2010 (aktualisiert am 13. März 2019).
Gehe zur Quelle
Einkommensteuergesetz (EStG) § 26a Einzelveranlagung von Ehegatten
Bundesamt der Justiz und für Verbraucherschutz
Gehe zur Quelle
Getrennte Veranlagung
smartsteuer.de, 23. Dezember 2020.
Gehe zur Quelle
Ehegattensplitting / Zusammenveranlagung für eingetragene Lebenspartnerschaften
Lebenspartnershchaft.de, Volker Beeden.
Gehe zur Quelle
Lohnersatzleistungen bzw. Einkommensersatzleistungen in der Steuererklärung
taxfix.de, 27. April 2021.
Gehe zur Quelle
Getrennte Veranlagung: Wann lohnt sie sich?
Lohnsteuer-kompakt, Felix Bodeewes, 31. Januar 2013.
Gehe zur Quelle
Berechnung der Lohnsteuer
Bundesministerium der Finanzen.
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