Kirchensteuer
Zuletzt aktualisiert: 3. Juni 2021

In Deutschland gibt es circa 44 Millionen Menschen, welche Mitglieder einer Kirche sind. Dabei gibt es rund 24.000 katholische Kirchen und 21.000 evangelische Kirchen.(1) Die Hälfte der Angehörigen zahlen jedoch nur jährlich die Kirchensteuer ab und immer mehr Leute treten aus der Kirche aus, damit sie nicht mehr die zusätzlichen Steuer bezahlen müssen.

In unserem umfangreichen Ratgeber zum Thema Kirchensteuer werden wir dir die am häufigsten gestellten Fragen in Bezug auf die zusätzlichen Steuern, welche für die meisten Deutschen anfallen, beantworten. Wir wollen dir einen klaren Überblick über diese Art von Steuern verschaffen und dich ausreichend informieren. Dabei werden wir unter anderem auf die Höhe der Abgaben und auf die Voraussetzungen für die Kirchensteuerpflicht eingehen.




Das Wichtigste in Kürze

  • Kirchensteuer sind neben der Einkommenssteuer ein zusätzlicher Zuschlag, welche jeder Kirchensteuerpflichtiger monatlich abgeben muss. Sie sind wie die Solidaritätskosten eine Ergänzungsabgabe.
  • In der Bundesrepublik sind die zu zahlenden Kirchensteuer unterschiedlich hoch. Außer in Bayern und Baden-Württemberg wird ein Prozentanteil von neun Prozent von dem Einkommen abgezogen und an die individuellen Kirchen verteilt.
  • Steuerpflichtig sind nur diejenigen, welche eine Mitgliedschaft bei einer Religionsgemeinde haben und ihr monatlicher Mindestgehalt bei circa 810 € liegt. Mit den eingezogenen Kirchensteuern werden neben den Verwaltungskosten der Kirchen, auch die sozialen Aktivitäten, welche von Freiwilligen organisiert werden gedeckt.

Hintergründe: Was du über die Kirchensteuer wissen solltest

Bevor du die Entscheidung triffst aus der Kirche auszutreten, solltest du vorher über einige Punkte aufgeklärt werden. Demzufolge werden wir in dem angeführten Absatz alle wichtigen Informationen diesbezüglich anführen, welche zum Nachdenken anregen könnte.

Was ist die Kirchensteuer?

Seit der Weimarer Verfassung ist die Kirchensteuer eine gesetzlich festgelegte Abgabe in Deutschland. Den Kirchen wurde zu der damaligen Zeit, im Jahr 1949, versprochen, dass die bürgerlichen Steuerlisten so gestaltet werden, dass sie nach landesrechtlichen Bestimmungen Steuern erheben können.

Bis heute gilt dasselbe Prinzip und dieselbe Ansicht. Die Steuer können je nach Bundesland variieren und diesen Beitrag müssen nur die Leute zahlen, welche eine Mitgliedschaft bei einer Kirche haben.

Die Kirchensteuern dienen zur Unterstützung von den unzähligen Aufgaben, die innerhalb einer Kirche ablaufen, wie zum Beispiel die Verwaltungs- und Sachkosten. Außerdem werden die Steuereinnahmen für Personalkosten, als auch für Kirchenbauten oder Schulen und Bildungen genutzt. Kurz gesagt, sollen die Mitglieder einer Kirche einen Teil der finanziellen Lasten mittragen.(2)

Voraussetzungen für die Kirchensteuerpflicht

Um kirchensteuerpflichtig zu sein, müssen grundlegend zwei Voraussetzungen erfüllt werden, welche in den Kirchensteuergesetzen der jeweiligen Bundesländer geregelt werden.

Mitgliedschaft

Sobald eine Religionsgemeinschaft, als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt wird, hat sie das Recht Kirchensteuer zu verlangen. Es gehören insgesamt neun Gemeinschaften dazu. Diese sind:

  • altkatholische Kirchen
  • katholische Kirchen
  • evangelisches Landeskirchen
  • jüdische Kultusgemeinden
  • freireligiöse Gemeinden
  • französische Kirche zu Berlin
  • israelitische Religionsgemeinschaft
  • unitarische Religionsgemeinschaft Freier Protestanten in Rheinland-Pfalz
  • Mennonitengemeinde in Hamburg

All die Gemeinden und Kirchen beziehen Kirchensteuer, jedoch können sie nur von den Personen das beziehen, die bei einer Kirche angemeldet ist, beziehungsweise eine Mitgliedschaft bei einer selbst ausgesuchten Kirche hat.

Insgesamt nahmen die zwei großen Kirchen im Jahr 2018, also die evangelische und katholische Kirche, circa 12 Milliarden Euro ein. Davon bekamen die Katholiken 6,6 Milliarden und die Evangelen circa 5,7 Milliarden Euro. Das war bis zu dem Zeitpunkt die höchste Einnahme und sie hatten einen Anstieg von rund 2,7 Prozent vom Vorjahr.(3)

Auf der anderen Seite gibt es auch Glaubensgemeinschaften, welche zwar vom Staat anerkannt wurden, aber sie keine Kirchensteuer beziehen. Das sind beispielsweise die orthodoxen Kirchen, die Heilsarmee und die Zeugen-Jehovas.

Moscheen und buddhistische Glaubensgemeinschaften können von der Kirchensteuer nicht profitieren, obwohl die Mitgliedschaft hervorsteht. Der Grund ist, dass sie von der Bundesrepublik nicht als Körperschaften anerkannt sind.

Grundsätzlich entsteht deine Mitgliedschaft bei einer Kirche durch die Taufe. Deshalb sind die meisten getauften von der Geburt an Mitglied und somit auch Kirchensteuerpflichtig, solang sie noch in Deutschland wohnen oder nicht austreten.

Wohnsitz in Deutschland

Des Weiteren musst du einen Wohnsitz in Deutschland haben, um kirchensteuerpflichtig zu sein. Dabei spielt die Nationalität keine Rolle, da nur der Wohnort entscheidend ist.

Personen mit einem Wohnsitz in Deutschland können kirchensteuerpflichtig sein.

Das bedeutet, du kannst Mitglied einer Kirche in deinem Heimatdorf sein, aber entscheidest dich nun ins Ausland zu ziehen, bedeutet das nicht, dass deine Mitgliedschaft verfällt, aber du von den Kirchensteuern befreit wirst.

Wie hoch sind die Kirchensteuern?

Da die Kirchensteuer in den Landesgesetzen geregelt wird, sind sie je nach Bundesland unterschiedlich hoch. Sie werden von dem Lohn- und Einkommenssteuer abhängig gemacht. Du zahlst in 14 Bundesländern in Deutschland neun Prozent vom Einkommen.

In Bayern und in Baden-Württemberg liegt die Höhe des Zuschlags nur bei acht Prozent.(4) Dafür können die Kirchengemeinschaften von den Mitgliedern sogenanntes Kirchgeld verlangen, welches an die Ortskirchen von den Personen direkt überwiesen wird.

Kirchensteuer

Der Prozentsatz für die Kirchensteuer ist je nach Bundesland unterschiedlich hoch. Sie kann entweder acht oder neun Prozent betragen. (Bildquelle: Brandon Morgan / Unsplash)

Falls du deinen Wohnsitz in Hessen hast, aber in Baden-Württemberg täglich arbeiten gehst, gilt der Kirchensteuersatz von dem Bundesland, in welchem du als Angestellter arbeitest. Hier gilt das Betriebsstättenprinzip, da es dem Arbeitgeber einfacher fällt, für alle Arbeiter denselben Kirchensteuersatz abzieht, unabhängig von dem Wohnort.

Wie wird die Kirchensteuer berechnet?

Die Kirchensteuer orientiert sich wie bereits erwähnt an der tariflichen Einkommens- und Lohnsteuer, welcher vom Arbeitnehmer direkt abgezogen werden, ohne dass sie es je auf ihre Bank bekommen. Es ist vergleichbar mit der Rentenversicherung, die der Arbeitgeber für sie monatlich bezahlt.

Grundlegend wird die Kirchensteuer im Paragraf 51a Einkommensteuergesetz geregelt. Im Anschluss zeigen wir dir ein Beispiel, wie sich die Kirchensteuer zusammensetzt.

Bezeichnung Summe
Einkommen pro Jahr 30.000 €
Einkommenssteuer in € 5.091 €
Kirchensteuer (9% in Nordrhein-Westfalen) 458,19 €(5)

Bei Kirchenaustritte während eines Jahres werden ein Zwölftel der Kirchensteuer erhoben, die bei ganzjähriger Kirchensteuerpflicht zu zahlen wäre. Dieses Prinzip nennt sich die Zwölftelungsregelung und bedeutet, dass die Kirchensteuer sich auf die jeweiligen Monate begrenzt, in denen du noch bei der Kirche angemeldet bist.

Der Kirchensteuerbeitrag muss bis zum Monatsende oder zum Folgemonat des Austritts geleistet werden. Der Austritt wird erst dann verwirklicht, wenn du aus der Glaubensgemeinschaft austrätest und nicht nur aus der Körperschaft. Anschließend musst du spätestens ab dem nächsten Monat keine Kirchensteuer mehr leisten.

Welche Regelungen wirken sich auf die Kirchensteuer aus?

Wie bei jeder Steuerart gibt es auch bei der Kirchensteuer Regelungen und Prinzipien, die von jedem beachtet werden müssen und die Kirchensteuer beeinflussen.

Kinderfreibeträge

Eltern stehen Kinderfreibeträge zur Verfügung. Das ist ein Freibetrag im deutschen Recht, welches nicht besteuert werden muss. Der Betrag liegt in diesem Jahr bei circa 8.000 Euro und somit hat sich die Summe um rund 500 Euro erhöht zum Vorjahr.

Diese Geldsumme kann unter den Eltern aufgeteilt werden, damit beide von dem Freibetrag profitieren könne, jedoch müssen sie sich untereinander absprechen. Es kann gesagt werden, dass Kinderfreibeträge die Kirchensteuer reduziert.

Grundfreibeträge

Ebenfalls gibt es die Grundfreibeträge, die im Jahr 2021 bei einer Einzelveranlagung bei ungefähr 9.000 Euro waren. Das bedeutet, wenn du als Einzelner monatlich 812 Euro brutto verdienst, bist du von jeglichen Steuern begreift und das auch von den Kirchensteuern.

Falls du mit deinem Partner eine gemeinsame Veranlagung hast, gilt der doppelte Betrag. Wenn ihr gemeinsam rund 1.600 € verdient, müsst ihr keine Steuern bezahlen. Grundfreibeträge reduzieren nicht nur die Kirchensteuer, sondern die Leute sind gänzlich davon befreit.

Sachleistungen

Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit für Sachzuwendungen pauschale Lohnsteuer anzusetzen. Dazu gehören steuerpflichtige Sachleistungen oder Geschenke von dem Arbeitgeber. Dabei kann zwischen zwei Verfahren unterschieden werden.

Verfahrensart Beschreibung
vereinfachte Verfahren Der Arbeitgeber wendet für alle Arbeitnehmer auf die pauschale Lohnsteuer einen pauschalen Kirchensteuersatz an. Es wird unabhängig davon gemacht, ob ein Arbeiter Mitglied einer anerkannten Religionsgemeinschaft ist. In Baden-Württemberg wurde beispielsweise der Prozentanteil von 5,5 % auf 5,0 % gesenkt und in Hessen liegt er bei 7 Prozent.(6)
Nachweisverfahren Hierbei schließt der Arbeitnehmer die nicht kirchensteuerpflichtigen aus der Kirchensteuer-Pauschalisierung aus. Hierbei werden für die restlichen Arbeiter der reguläre Kirchensteuersatz des jeweiligen Bundeslandes angewendet. In Baden-Württemberg 8 Prozent und Hessen 9 %.

Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, ist der Prozentsatz bei dem einfachen Verfahren niedriger, als bei dem Nachweisverfahren. Bei jedem Sachverhalt, kann der Arbeitgeber selber entscheiden, nach welchem Verfahren er gehen möchte beziehungsweise welche Kirchensteuer-Pauschalisierung er anwenden möchte. Das bedeutet, dass bei der kommenden Lohnsteuer zwischen den Verfahren gewechselt werden kann.

Minijob- und Teilzeit-Angestellte könne über die Besteuerung bestimmten. Sie haben die Möglichkeit zwischen 2 und 20 Prozent. Dabei sind bei den 20 % die Solidaritätszuschläge und die Kirchensteuer, welche monatlich abgezogen werden nicht berücksichtigt. Im Gegenzug sind sie bei den zwei Prozent inkludiert, unabhängig davon, ob sie einer Gemeinde angehören oder nicht.

Es kann ein Widerspruch seitens des Arbeitnehmers eingelegt werde, worin bewiesen wird, dass sie keiner öffentlich anerkannten Religionsgemeinschaft angehört und erst dann kann sie von den pauschalen bzw. allgemeinen Kirchensteuern befreit werden.

Kirchengrundsteuer

Die Kirchensteuer wird grundsätzlich von dem Einkommen abhängig gemacht. Allerdings gibt es in den Bistümern Limburg und Speyer Kirchensteuer auf ein Grundbesitz, welches nach der Grundsteuer berechnet wird. Dabei handelt es sich um kirchensteuerpflichtigen Immobilieneigentümer und beträgt meist zehn Prozent des Grund-Messbetrags.

Abfindungen

Wird dein Arbeitsvertrag abgelöst und bekommst als Gegenzug eine Abfindung, musst du grundlegend auch auf diesen Betrag Kirchensteuer zahlen. Sie sind Kirchensteuer fällig und die Summe ist derselbe wie bei dem Einkommen. Du kannst jedoch bei deiner Landeskirche oder beim Kirchensteueramt ein Nachlass beantragen.

Es wird nie einen ganzen Nachlass geben, sondern maximal einen Teilerlass. Das positive ist, dass die Kirche dann auf den Teil der Kirchensteuer verzichtet. Das kann jede Religionsgemeinschaft für sich selber entscheiden, ob sie es annehmen möchten oder nicht.

Wer zieht die Kirchensteuer ein?

Entweder zieht das Finanzamt oder die Religionsgemeinschaft direkt die Kirchensteuer ein. Die erste Variante ist eine deutsche Spezialität und wird in keinem anderen Land so durchgeführt, sondern meist ziehen die Kirchen selber die Kirchensteuer von ihren Mitgliedern.

Kirchensteuer

Meistens wird die Kirchensteuer von dem Arbeitgeber direkt zum Finanzamt weitergeleitet. (Bildquelle: Matt / Unsplash)

Es wird von dem monatlichen Gehalt der bestimmte Steuersatz abgezogen, ohne dass der Arbeitnehmer das Geld vorher in die Hand bekommt. Durch die entstehenden Verwaltungskosten in den jeweiligen Finanzämtern kann nur noch drei bis fünf Prozent an die steuerpflichtige Kirche übergeben werden.

Manche Kirchen und Gemeinschaften, wie zum Beispiel die französische Kirche in Berlin und einige Gemeinschaften in Hamburg, beziehen die Steuern direkt von ihren Angehörigen. Es gibt keine Vermittler, welche ein Teil der Steuern selbst behalten. Aus diesem Grund können sie vom ganzen Beitrag profitieren.

Seit dem Jahr 2015 führt die Bank automatisch die Kirchensteuer ab, da sie einen automatisierten Datenabruf der Religionszugehörigkeit durchführen können. So musst du als steuerpflichtiger dich nicht mehr eigenständig um deine Kirchensteuer kümmern, sondern die Bank behält es automatisch.

Falls du einen Widerspruch einlegst und nicht damit einverstanden bist, dass die Bank deine Daten automatisch abrufen kann. Dafür musst du ein Formular bei ihnen ausfüllen.(7)

Wer kann eine Kappung der Kirchensteuer beantragen?

Eine Kappung ist eine Begrenzung der Kirchensteuer auf einen maximalen Prozentsatz. Das hängt von dem zu versteuernden Einkommen ab und ist meist nur für Leute, welche monatlich einen hohen Gehalt erhalten, beispielsweise im fünf- bis sechsstelligen Bereich, von Wichtigkeit.

Es hängt also vom zu versteuernde Einkommen ab, wie hoch deine Abgabe für die Kirchensteuer ist. Desto mehr du verdienst, desto mehr musst du abgeben. Für viele Leute hört sich das unfair an und aus diesem Grund kannst du in fast jedem Bundesland, außer in Bayern, eine Kappung beantragen.

Falls du ein hohes Einkommen hast, kannst du eine Kappung beantragen.

Die einzige Voraussetzung, um dies beantragen zu können ist, dass die sogenannte Kappungsschwelle nicht überschreitet werden darf. Diese werden in den einzelnen Landeskirchensteuergesetzen geregelt ist, sowie die Höhe der Prozentsätze. In Baden-Württemberg liegt der Prozentsatz bei einer Kappung bei 2,75 % und in Hessen für katholische Kirchen bei 3,5 %.(8)

Die Beantragung für einen günstigeren Kirchensteuersatz erfolgt in den einigen Bundesländern und Kirchen durch ein einfaches Schreiben bzw. einem Antrag. Du solltest immer eine Verdienstbescheinigung dabei haben. In den anderen Religionsgemeinden hingegen musst du gar nichts unternehmen. Das Finanzamt berücksichtigt anhand deiner Steuererklärung, den niedrigeren Prozentsatz.

Was ist der Halbteilungsgrundsatz?

Der Halbteilungsgrundsatz dient für verheiratete Arbeitnehmer, welche unterschiedliche Konfessionen angehören. Das bedeutet, dass ein Ehepartner entweder evangelisch oder katholisch ist und der Partner der anderen Religion angehört.

Damit es gerecht gegenüber beiden Religionsgemeinschaften wird, werden die einbehaltene Kirchensteuer eingezogen und durch die Hälfte geteilt, damit beide Gemeinden gleichgültig von den Steuern profitieren können.(9)

In Bayern, Bremen und Niedersachsen haben sie nicht das Halbteilungsprinzip nicht eingeführt. Die Kirchensteuer wird der Religionsgemeinschaft weitergeleitet, welche der Ehegatte auch tatsächlich angehört.

Falls dein Ehepartner gar keiner Religion angehört und kein Kirchenmitglied ist, musst nur du als Kirchensteuerpflichtiger deine Steuern absetzten. Diese Zusammensetzung ist auch unter den "glaubensverschiedenen Ehen" bekannt.

Was sind Kirchengelder und wie hoch sind sie?

Bei Kirchengelder handelt es sich dabei nicht um freiwillige Abgaben, sondern um eine obligatorische Leistung, welche an die jeweilige Religionsgemeinschaft abgegeben werden muss.

Dabei müssen sich die Kirchenmitglieder eigenständig in unterschiedliche Einkommensklassen einstufen und dementsprechend einen Betrag an die Kirchen überweisen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie von den Kirchensteuern befreit sind. Kirchengelder werden zusätzlich neben der Kirchensteuer gezahlt. Es gibt zwei unterschiedliche Varianten von Kirchgelder.

Allgemeines Kirchengeld

Das allgemeine Kirchgeld dient als Ersatz für entgangene Kirchensteuer an die jeweiligen Kirchen der volljährigen Mitglieder. Wenn jemand bei einer Kirche angemeldet ist, aber einen zu geringen Einkommen hat, darf jährlich das allgemeine Kirchgeld abgezogen werden. Der jährliche Beitrag liegt circa zwischen fünf und 100 Euro.

Besonderes Kirchengeld

Die Voraussetzung für das besondere Kirchgeld ist, wenn ein Ehegatte konfessionslos ist und der Partner Mitglied einer Kirche ist. Es betrifft also nur Ehen, die trotz unterschiedlicher Glaubensrichtungen sich für eine Zusammenlagerung entschieden haben. Das besondere Kirchgeld wird in jedem Bundesland erhoben, wobei nicht alle Kirchen davon profitieren.

Der Beitrag wird von dem gemeinsamen zu versteuernden Einkommen, abgezogen der Freibeträge für die Kinder, abhängig gemacht. Beispielsweise muss bei einem Verdienst von ca. 30.000 € pro Jahr 96,00 € besonderes Kirchgeld bezahlt werden. Somit ist das der niedrigste Beitrag und kann bis zu 3.600 Euro hochgehen.(10)

Können Kirchensteuern zurückgeholt werden?

Es besteht die Möglichkeit, dass du deine Kirchensteuer teilweise zurückholen kannst. Diese werden im Einkommensteuergesetz geregelt. Du musst dafür eine Einkommensteuererklärung ausfüllen und die Summer der gezahlten Kirchensteuer inklusive der Kirchgelder in die Anlagen Sonderausgaben angeben.

Der Artikel 32d im Einkommensteuergesetz besagt, dass Kirchensteuer als Zuschlag auf die Abgeltungssteuer bei Kapitalerträgen nicht abzugsfähig ist. Jedoch kannst du bei Verlusten des Arbeitsplatzes circa 50 Prozent der Kirchensteuer zurückerlangen.

Selbst Spenden für Religionsgemeinschaften können in der Steuererklärung als Sonderausgaben angeben beziehungsweise abgesetzt werden.

Wie erfolgt der Kirchenaustritt?

Im Durchschnitt treten jährlich circa 300.000 Menschen aus der Kirche aus. Meistens sind es entweder Jugendliche, welche in die Religion hineingeboren wurden, aber eigentlich nicht gläubig sind oder es sind Mittelalte, welche aus steuerlichen Gründen austreten wollen.(11)

Der Austritt ist relativ unkompliziert aufgebaut. Du musst nur mit einem gültigen Reisepass oder Ausweis zu einem Standesamt, manchmal auch in das Amts- oder Kreisgericht, und dort ein Formular ausfüllen. Meist fallen noch Gebühren zwischen 25 und 100 Euro an. Nach der Unterzeichnung bist du schon der Kirche ausgetreten und musst je nach Bundesland nur noch für den Folgemonat oder ein Monat darauf bezahlen.

Fazit

Wie du aus dem Artikel herausnehmen kannst, stecken hinter den Kirchensteuer viele Regelungen und Prinzipien, welche erfüllt werden müssen. Je nach Bundesland können die Prozentsätze und die Kirchengelder unterschiedlich hoch sein. Die Höhe der Abgabe ist von deinem monatlichen Verdienst abhängig. Mithilfe der Kappungen hast du die Möglichkeit ein Limit anzusetzen.

Falls du überlegst aus der Kirche auszutreten, solltest du dir vorher Gedanken machen, aus welchem Grund du austreten möchtest. Wenn es sich nur um steuerliche Gründe handelt, solltest du darüber Bescheid wissen, was mit den eingezogenen Steuer alles gedeckt wird.

Bildquelle: ochu2008 / 123rf

Einzelnachweise (11)

1. statista.com, 2004, Anzahl der Moscheen und Kirchen in Deutschland (abgerufen am 22.04.2021)
Quelle

2. Jens Petersen (2010): Kirchensteuer kompakt - Strukturierte Darstellung mit Berechnungsbeispielen, Gabler Verlag, S.19-20
Quelle

3. ZDF - Einnahmen aus Kirchensteuer auf Rekordhoch (abgerufen am 22.04.2021)
Quelle

4. Steuernetz.de - Kirchensteuer (abgerufen am 22.04.2021)
Quelle

5. Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. - Kirchensteuer: Was muss ich wissen, was kann ich absetzen? (abgerufen am 23.04.2021)
Quelle

6. lohn-info - Berechnung der Kirchensteuer beim Lohnsteuerabzugsverfahren (abgerufen am 23.04.2021)
Quelle

7. Lebensversicherung 1871 - Kirchensteuer wird ab 2015 automatisch abgezogen (abgerufen am 23.04.2021)
Quelle

8. Dr. N. Dautzenberg, Gabler Wirtschaftslexikon
Quelle

9. W.Schönfeld & J. Plenker (2019): Lexikon für das Lohnbüro, Rehm Verlag, S. 585
Quelle

10. Stiftung Warentest (2019): Finanztest Jahrbuch 2019: 90 Tests und Reports, S. 162
Quelle

11. Handelsblatt - Gott auf der Gehaltsabrechnung (abgerufen am 23.04.2021)
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

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statista.com, 2004, Anzahl der Moscheen und Kirchen in Deutschland (abgerufen am 22.04.2021)
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Wissenschaftliches Buch
Jens Petersen (2010): Kirchensteuer kompakt - Strukturierte Darstellung mit Berechnungsbeispielen, Gabler Verlag, S.19-20
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ZDF - Einnahmen aus Kirchensteuer auf Rekordhoch (abgerufen am 22.04.2021)
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Steuernetz.de - Kirchensteuer (abgerufen am 22.04.2021)
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Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. - Kirchensteuer: Was muss ich wissen, was kann ich absetzen? (abgerufen am 23.04.2021)
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lohn-info - Berechnung der Kirchensteuer beim Lohnsteuerabzugsverfahren (abgerufen am 23.04.2021)
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Lebensversicherung 1871 - Kirchensteuer wird ab 2015 automatisch abgezogen (abgerufen am 23.04.2021)
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Dr. N. Dautzenberg, Gabler Wirtschaftslexikon
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W.Schönfeld & J. Plenker (2019): Lexikon für das Lohnbüro, Rehm Verlag, S. 585
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