Krankengeld
Zuletzt aktualisiert: 2. Juni 2021

Ein krankheitsbedingter Arbeitsausfall kann zu finanzieller Unsicherheit führen. Oft bestehen Unklarheiten über den genauen Zeitraum, in dem die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber das Gehalt auszahlt und was danach kommt.

In diesem Beitrag klären wir die wichtigsten Fragen zum Thema Krankengeld und stellen die wichtigsten Informationen und Regeln vor, die im Krankheitsfall beachtet werden müssen.




Das Wichtigste in Kürze

  • Das Krankengeld wird von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt, wenn die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer über einen Zeitraum von sechs Wochen hinaus krankheitsbedingt arbeitsunfähig bleibt und wegen der ursprünglichen Krankheit krankgeschrieben ist.
  • Gezahlt werden maximal 70 Prozent des Bruttoeinkommens und maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens.
  • Der Zeitraum, in dem das Krankengeld gezahlt wird, beträgt maximal 72 Wochen.

Hintergründe: Was du über das Krankengeld wissen solltest

In den folgenden Abschnitten beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um das Thema Krankengeld. Dazu haben wir alle wichtigen Informationen zusammengetragen, über die du im Falle eines Krankengeldanspruchs Bescheid wissen solltest.

Was ist Krankengeld?

Krankengeld kann als eine Entgeltersatzleistung der Krankenkasse definiert werden. Es wird dem Versicherten gezahlt, wenn dieser einen krankheitsbedingten Verdienstausfall hat und kein weiteres Gehalt vom Arbeitnehmer erhält. Das Krankengeld dient somit bei Arbeitsunfähigkeit als Ersatz für den Entgeltausfall. (1, 3)

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

Krankengeld wird im Krankheitsfall von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Anspruch auf Krankengeld haben alle gesetzlich Versicherte, die durch einen Krankheitsfall arbeitsunfähig sind und bereits eine sechswöchige Entgeltzahlung von ihrer Arbeitgeberin oder ihrem Arbeitgeber erhalten haben.
Alle gesetzlich Versicherten, die länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind.

Der Anspruch beginnt an dem Tag, an dem die Arbeitsunfähigkeit durch einen Arzt festgestellt wird. Dabei ist zu beachten, dass es keine Unterbrechung zwischen der ersten und der zweiten Krankschreibung geben darf. Eine rückwirkende Krankschreibung ist nicht möglich. (3) Darüber hinaus darf zwischen Arztbesuch und Einreichung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht mehr als eine Woche liegen.

Solltest du arbeitslos sein und Arbeitslosengeld 1 bekommen, steht dir auch nach den sechs Wochen Krankengeld zu. Die Kosten der sechs Wochen übernimmt in diesem Fall die Agentur für Arbeit. (4)

Was ist bei der Krankschreibung zu beachten?

Bei der Krankschreibung ist zu beachten, dass keine Unterbrechung zwischen der ersten und der zweiten Krankschreibung auftreten darf. Das bedeutet, dass die oder der Versicherte spätestens am folgenden Werktag nach dem vorher bescheinigten Ende der Arbeitsunfähigkeit wieder krankgeschrieben sein muss.

Samstage sind ausgenommen und werden nicht als Werktage betrachtet. Bis Anfang des Jahres 2016 mussten sich die Krankschreibungen noch überlappen. Dies wurde jedoch seither im Versorgungsstärkungsgesetz geändert, um den Verlust des Krankengeldanspruchs durch formale Fehler zu minimieren. (4)

Wie beantrage ich Krankengeld?

Um das Krankengeld zu beantragen, muss kein direkter Antrag durch die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer gestellt werden. Im Fall eines krankheitsbedingten Arbeitsausfalls nimmt die Krankenkasse selbst den Kontakt auf. Dabei wird das weitere Vorgehen besprochen.

Direkt im Anschluss an die sechswöchige Entgeltfortzahlung erhält die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber einen Vordruck für die Verdienstbescheinigung der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers. Diese wird an die Krankenkasse zurückgeschickt. Die Verdienstbescheinigung muss alle Informationen enthalten, die die Krankenkasse benötigt, um das Krankengeld berechnen zu können. (3, 4)

Ein Vertragsarzt bescheinigt anschließenden die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit und hält diese dann in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung fest, welche in dreifacher Ausführung an die Versicherte oder den Versicherten ausgehändigt wird.

Bei der ersten Ausführung handelt es sich um einen Durchschlag für die eigenen Unterlagen, die zweite ist für die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber und die dritte sollte möglichst in einem Einschreiben mit Rückschein an die Krankenkasse geschickt werden. (3)

Mitglieder der Künstlersozialklasse sollten die Krankenkasse selbst kontaktieren und das weitere Vorgehen besprechen. Die Versicherung bezieht den Einkommensnachweis in diesem Fall in der Regel von der Künstlersozialklasse. (8)

In Zukunft soll dieser Vorgang komplett elektronisch abgewickelt werden. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt soll demnach schon seit dem 1. Januar 2021 die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung digital an die Krankenkasse schicken können. Im nächsten Jahr sollen dann auch die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber das elektronische System nutzen können. (4)

Wann erhalte ich Krankengeld?

Krankengeld wird ausgezahlt, wenn die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer wegen einer Krankheit ihre oder seine berufliche Tätigkeit nicht mehr ausführen kann und somit arbeitsunfähig ist. Erst dann handelt es sich um einen Versicherungsfall und die Krankenkasse zahlt Krankengeld.

Auch bei einem stationären Krankenhausaufenthalt, der auf Kosten der Krankenkasse stattfindet, besteht ein Anspruch auf Krankengeld. Das Krankengeld wird rückwirkend gezahlt. Dazu muss ein Antrag ausgefüllt werden. Die Leistung sollte dann nach wenigen Tagen auf dem Bankkonto eintreffen. (3)

Wenn du Künstlerin, Künstler, Publizistin oder Publizist und Mitglied in der Künstlersozialklasse bist, erhältst du dein Krankengeld ab dem 43. Tag deiner Arbeitsunfähigkeit. (8)

Wichtig ist noch, die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber darüber zu informieren, ob oder wann die Arbeitsunfähigkeit enden wird. Falls du arbeitslos bist und ALG 1 beziehst, solltest du in diesem Fall stattdessen die Agentur für Arbeit in Kenntnis setzen. (4)

Wie viel Krankengeld wird ausgezahlt?

Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zufolge beträgt das Krankengeld 70 Prozent des regelmäßigen Bruttogehalts und höchstens 90 Prozent des Nettogehalts. Dabei werden von dem geringeren Wert noch die Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Sozialversicherung abgezogen. (2, 4)

Krankengeld

Im Internet finden sich Krankengeldrechner von einigen Krankenkassen, mit denen ganz einfach die Höhe des Krankengeldes berechnet werden kann. (Bildquelle: Karolina Grabowska/ Pexels.)

Das gesetzliche Krankengeld wird bei einem Krankengeldanspruch von einem ganzen Kalendermonat für 30 Tage ausgezahlt. Sollte der Zeitraum Teilmonate umfassen, wird der Betrag für die entsprechenden Kalendertage gezahlt. (3)

Es gibt eine Begrenzung des Krankengeldes auf maximal 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt derzeit bei einer maximalen Auszahlung von 112,88 Euro brutto, also circa 3.386 Euro brutto monatlich.

Abzüglich der Arbeitnehmeranteile der Sozialversicherung beträgt das maximale Nettokrankengeld 2.979 Euro monatlich. Sollte der Betrag nicht ausreichen, kann zusätzlich eine private Krankentagegeldversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden (4).

Wie lange wird Krankengeld gezahlt?

Bei einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit zahlt der Arbeitgeber in der Regel weiterhin über einen Zeitraum von sechs Wochen das gesamte Arbeitsentgelt an den Arbeitnehmer. Im Anschluss setzt das Krankengeld ein, welches einschließlich der Entgeltfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren beschränkt ist. (2)

Es muss sich dabei um dieselbe Krankheit handeln, die ursprünglich für die Arbeitsunfähigkeit verantwortlich ist. Allerdings ist es möglich, diesen Zeitraum zu unterbrechen. Der Leistungsanspruch entfällt in Sondersituationen, wie zum Beispiel der Elternzeit oder bei der Beziehung von Arbeitslosengeld.  (3)

Der Dreijahreszeitraum kann sich bei wiederholtem Auftreten derselben Krankheit wiederholen. Dabei gelten die folgenden Richtlinien. Die oder der Versicherte muss weiterhin in der gesetzlichen Krankenkasse sein und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben oder arbeitssuchend sein.

Außerdem darf die oder der Versicherte nicht bereits wegen derselben Krankheit von einem Arzt über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten krankgeschrieben worden sein. (3)

Sollte nicht klar sein, wie lange die Arbeitsunfähigkeit anhält, schreibt die Ärztin oder der Arzt meist "bis auf Weiteres" in das dafür vorgesehene Feld. In diesem Fall darf die Krankenkasse das Krankengeld nicht einstellen oder verweigern, da nicht festgelegt ist, dass Versicherte regelmäßig, wiederholt nachweisen müssen, dass sie krank sind. (4)

Was kommt nach dem Krankengeld?

Nach Ablauf der Krankengeldzahlung ohne Aussicht auf Besserung beziehungsweise anhaltende Arbeitsunfähigkeit kann ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente bestehen. In diesem Fall liegt eine Erwerbsunfähigkeit vor. Allerdings wird vorher geprüft, ob eine medizinische Reha zur Genesung führen kann.

Sollte die Arbeitsfähigkeit nicht in einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten wiederhergestellt werden können, kann ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt werden. Wichtig ist, sich in diesem Fall rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit zu melden, da im Zeitraum der Überprüfung des Antrags auf Erwerbsminderungsrente ein Anspruch auf ALG1 besteht. (3)

Wer hilft bei Problemen mit der Krankenkasse?

Es kommt vor, dass Krankenkassen die Zahlung des Krankengeldes trotz eines Anspruches ablehnt. Beispielsweise, wenn der Verdacht besteht, dass die Versicherte oder der Versicherte eigentlich schon wieder gesund ist und keinen Anspruch auf das Krankengeld haben dürfte.

Neben der Aussagen des Medizinischen Dienstes sollen auch Ärzte befragt weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um mögliche Zweifel zu beheben. Die Zahlung des Krankengeldes darf jedoch nicht ohne hinreichende Überprüfung eingestellt werden. (3)

Krankengeld

Bei Problemen mit der Krankenkasse und der Auszahlung des Krankengeldes kannst du dich unabhängig beraten lassen. (Bildquelle: Mikhail Nilov/ Pexels)

Du kannst dich zum Beispiel an die Unabhängige Patientenberatung (UPD), an die Verbraucherzentralen oder Sozialverbände wie zum Beispiel der VdK wenden. Sollte dein Krankengeldanspruch abgelehnt werden, kannst du innerhalb eines Monats schriftlich begründeten Widerspruch einlegen. Ansonsten kannst du vor dem Sozialgericht klagen. (4, 5, 6, 7)

Darf ich verreisen, obwohl ich Krankengeld erhalte?

Der Urlaub darf sich nicht negativ auf die Genesung auswirken. Abhängig von der Krankheit kann ein Urlaub von Vorteil für die Genesung sein, sodass ein Urlaub während des Krankengeldbezugs durchaus möglich ist. Wichtig ist jedoch die Erreichbarkeit für die Krankenkasse und die Einhaltung von ärztlichen Terminen.

Bei einer Reise innerhalb Deutschlands ist nur die Erreichbarkeit notwendig. Sollte es sich um eine Auslandsreise handeln, muss eine Genehmigung der Krankenkasse eingeholt werden. Dabei hilft eine schriftliche Bestätigung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes, dass die Reise keine negativen Auswirkungen auf die Genesung hat. Außerdem sollte beschrieben werden, wo der Urlaub stattfindet und was dort unternommen wird. (3)

Fazit

Du hast Anspruch auf Krankengeld, wenn du gesetzlich versichert und länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bist. Das Krankengeld wird von der Krankenkasse gezahlt und individuell nach deinem Einkommen berechnet. Die Höhe des Krankengeldes entspricht dabei 70 Prozent deines Bruttoverdienstes, jedoch nicht mehr als 90 Prozent deines Nettoverdienstes und wird höchstens über einen Gesamtzeitraum von 72 Wochen gezahlt.

Das Krankengeld ist dazu da, dir die Zeit und finanzielle Unterstützung zu gewährleisten, um wieder gesund und arbeitsfähig zu werden. Es soll die Zeit überbrücken, in der du krankheitsbedingt arbeitsunfähig bist. Darüber hinaus gibt es weitere private Versicherungen, die du zusätzlich abschließen kannst, falls das Krankengeld nicht ausreichen sollte.

Titelbild: dmvasilenko77 / 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Wirtschaftslexikon.gabler.de: Definition: Was ist "Krankengeld"? (2021).
Quelle

2. Bundesgesundheitsministerium.de: Online-Ratgeber Krankenversicherung (2021).
Quelle

3. Arbeitsrechte.de: Krankengeld. Dauer und Höhe der Zahlung von der Krankenkasse (2021)
Quelle

4. Rieder, Julia; Schön, Britta Beate (2020). Krankengeld. So viel Geld gibt es, wenn Du lange krank bist.
Quelle

5. Patientenberatung.de: Unabhängige Patientenberatung (2021)
Quelle

6. Verbraucherzentrale.de: Beratung bei den Verbraucherzentralen (2021)
Quelle

7. Sozialverband VdK: Beratungsstellen-Suche (2021)
Quelle

8. MacPherson, Sandra (2019). Krankengeld beantragen - das müssen Sie beachten.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wirtschaftslexikon
Wirtschaftslexikon.gabler.de: Definition: Was ist "Krankengeld"? (2021).
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Informationsseite des Bundesministeriums für Gesundheit
Bundesgesundheitsministerium.de: Online-Ratgeber Krankenversicherung (2021).
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Wissenschaftlicher Artikel
Arbeitsrechte.de: Krankengeld. Dauer und Höhe der Zahlung von der Krankenkasse (2021)
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Ratgeber
Rieder, Julia; Schön, Britta Beate (2020). Krankengeld. So viel Geld gibt es, wenn Du lange krank bist.
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Informationsseite
Patientenberatung.de: Unabhängige Patientenberatung (2021)
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Informationsseite
Verbraucherzentrale.de: Beratung bei den Verbraucherzentralen (2021)
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Informationsseite
Sozialverband VdK: Beratungsstellen-Suche (2021)
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Artikel
MacPherson, Sandra (2019). Krankengeld beantragen - das müssen Sie beachten.
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