Krankenversicherung Student-1
Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2021

Mit der Entscheidung für ein Studium stehen die Studierenden immer auch vor der Entscheidung, wie sie sich krankenversichern möchten. Oftmals ist die Wahl der richtigen Krankenkasse für Studierende nur eine simple Entscheidung. Bis zum 25. Lebensjahr ist man kostenlos bei den Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichert.

Einige Alternativen gibt es aber. Warst du vorher beispielsweise bereits privat versichert, steht dir die Wahl der kostenlosen Familienversicherung nicht mehr zur Verfügung. Nun kannst du entweder Mitglied einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se werden oder dich als bisher gesetzlich Versicherter auch für eine private Kran­ken­ver­si­che­rung entscheiden.




Das Wichtigste in Kürze

  • Zu Beginn des Studiums kannst Du Dich gesetzlich oder privat in der Krankenversicherung versichern. Während des Studiums lässt sich diese Entscheidung nicht mehr revidieren.
  • Die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung ist dabei oft die bessere Option. Hier bist du als Studierender bis zum 25. Geburtstag kostenlos über deine Eltern versichert.
  • Danach liegt der Beitrag zur gesetzlichen bzw. studentischen Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung bei rund 102 Euro im Monat für Kinderlose plus dem Zusatzbeitrag der jeweiligen Kran­ken­kas­se. Ab dem 30. Geburtstag wird es hingegen deutlich teurer.

Hintergründe: Was du über die Krankenversicherung als Student wissen solltest

Im Folgenden möchten wir dir nun genauere Informationen an die Hand geben, wie du dich als Student für die richtige Krankenversicherung entscheiden kannst. Bei den zahlreichen Möglichkeiten sollte auf jeden Fall auch die richtige für dich dabei sein.

Zu Beginn des Studiums: Welche Möglichkeiten gibt es?

Vorab kann schon einmal festgestellt werden: Jeder Student muss krankenversichert sein. Zu Beginn des Studiums wird man in der Regel der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) zugeordnet. Allerdings besteht zur selben Zeit für alle Studenten die Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen und sich in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) zu versichern.

Kümmere rechtzeitig vor deinem Studium um eine geeignete Versicherung. (Bildquelle: Andrea Piacquadio / Pexels)

Wenn du in die PKV wechseln oder in dieser bleiben möchtest, muss spätestens drei Monate nach der Immatrikulation ein Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei deiner bisherigen Krankenkasse gestellt werden. Diese Entscheidung wird dich aber dein ganzes Studium begleiten, sie kann nicht geändert werden. Im Folgenden beschreiben wir dir vier gängige Optionen genauer.

Fall 1: Du bist über Deine Eltern familienversichert

Wenn du aktuell über deine Eltern mit in der Familienversicherung einer gesetzlichen Krankenkasse versichert bist, kannst du das auch für dein Studium beibehalten. Für dich entfallen die eigenen Beiträge damit so lange, bis deine Eltern auch kein Kindergeld mehr für dich erhalten. In der Regel kannst du somit bis zu deinem 25. Lebensjahr familienversichert sein. (1)

Unter den verschiedenen Optionen zur Krankenversicherung während des Studiums ist diese Version die gängigste und für die meisten Studenten auch die günstigste. Du musst lediglich zur Immatrikulation eine Versicherungsbescheinigung deiner Krankenkasse mitbringen, welche telefonisch oder online angefragt werden kann.

Fall 2: Du bist selbst Mitglied in einer gesetzlichen Kasse

Möglicherweise bist du mit Beginn des Studiums bereits ein zahlendes Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse. Das kann daran liegen, dass du bereits voll gearbeitet hast oder älter als 25 Jahre bist. In diesem Fall ist die gesetzliche Versicherung in den meisten Fällen auch für deine Studienzeit die beste Wahl. Als Student hast du wie alle anderen Versicherten die freie Wahl bei den gesetzlichen Krankenkassen.

Anders ist das bei Studenten, die vor dem Studium pflichtversichert waren.

Diese müssen nach einem Urteil des Bundessozialgerichts während des Studiums in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung bleiben. Solltest das für dich gelten, so hast du an dieser Stelle nicht mehr das Recht, in die private Kran­ken­ver­si­che­rung zu wechseln. (2)

Fall 3: Du bist aufgrund Deiner Eltern privat versichert

Solltest du bereits zu Beginn des Studiums in der PKV sein, weil beispielsweise deine Eltern privat versichert sind, so kannst Du das auch im Studium beibehalten. Hierfür musst du Dich zu Beginn deines Studiums von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen.

Krankenversicherung Student

Vor allem Kinder von Eltern im Beamtenverhältnis bleiben häufig weiterhin privat versichert. Das liegt daran, dass die Beiträge durch die Beihilfe sehr niedrig sind. (Bildquelle: Unsplash/ Element5 Digital)

Wie bereits mehrfach erwähnt, bist du aber auch hier für die gesamte Dauer deines Studiums an diese Entscheidung gebunden. Folgende Gründe könnten nun dagegen sprechen:

  • Mit dem Erreichen des 25. Lebensjahres fällst Du aus dem preiswerten Beihilfetarif, da deine Eltern nun kein Kindergeld mehr bekommen. Der reguläre Beitrag für privat versicherte Studenten ist aber deutlich höher.
  • Solltest du nach deinem Studium nicht sofort einen Job finden, wirst du wahrscheinlich Ar­beits­lo­sen­geld II (Hartz IV) beziehen. Hier erhältst du zwar einen Zuschuss zur privaten Kran­ken­ver­si­che­rung, die restlichen Kosten müssen aber vom Versicherten selbst getragen werden. Die Alternative ist hier in den Basistarif zu wechseln, wobei dessen Leistungen annähernd der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung entsprechen.
  • Wenn du dir nach deinem Studium ein eigenes Business aufbauen möchtest, musst Du ebenfalls für die Dauer Deiner Selbstständigkeit privat versichert bleiben. Das kann insbesondere zu Problemen führen, wenn du anfangs nur sehr wenig verdienst.

Fall 4: Du bist selbst bereits privat versichert

Wenn du schon vor Beginn deines Studiums gut verdienst hast bzw. selbstständig warst, bist du möglicherweise bereits privat versichert. An dieser Stelle ist der Wechsel in eine gesetzliche Krankenversicherung nicht immer möglich.

Wenn du 30 Jahre oder jünger bist, so bist du während des Studiums versicherungspflichtig und kannst dich somit auch für eine gesetzliche Krankenkasse entscheiden. Solltest du deinen 31. Geburtstag bereits hinter dir haben, musst du weiterhin privat versichert bleiben. Allgemein machen Studenten rund 2,9 % der Versicherten in der PKV aus. (3)

Wie viel kostet die studentische Kran­ken­ver­si­che­rung?

Möchtest oder musst du dich für die Zeit deines Studiums selbst in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung versichern, so zahlst Du einen günstigeren Beitrag. Dieser richtet sich an der Entwicklung des Bafögs aus.

Seit dem Jahreswechsel 2020/2021 liegt der Beitrag zur studentischen KV bei rund 77 Euro.

Hier kommt allerdings immer noch der Zusatzbeitrag hinzu, welcher bei jeder Kran­ken­kas­se individuell ausfällt. Im Durchschnitt liegt er 2021 bei 0,9-1,5 Prozent. Der Beitrag erhöht sich so auf rund 84 Euro.

Neben der Krankenversicherung sind auch Beiträge für die gesetzliche Pfle­ge­ver­si­che­rung zu entrichten. Hier müssen Studenten über 23 im Jahr 2021 monatlich durchschnittlich 25 Euro zahlen. Bist du unter 23 Jahre alt, fallen rund 23 Euro an. (4) Eine Beispielrechnung soll diese Kosten noch einmal veranschaulichen:

Beitragssatz inkl. Zusatzbeitrag Bemessungs- grundlage in Euro Krankenkassen-Beitrag in Euro Pflegekassen-Beitrag in Euro Gesamtbeitrag in Euro
11,3 % 752,00 85,00 23,00 108,00

In diesem Beispiel wurde von einem Studenten unter 23 Jahre ausgegangen, der bei einer Krankenkasse mit einem Zusatzbeitrag von ca. 1,1 % versichert ist. Somit kommt man auf einen Gesamtbetrag für Kranken- und Pflegeversicherung von 108,00 € im Monat.

Was kann sich während des Studiums verändern?

Wie du nun weißt, bist du während deiner ganzen Studiendauer an die Entscheidung für die gesetzliche bzw. die private Krankenversicherung gebunden. Welche Änderungen sich aber trotzdem ergeben können, haben wir dir nachfolgend aufgelistet. Einige Punkte wurden auch schon in den vorherigen Abschnitten angesprochen.

  • Wenn Du neben deinem Studium noch einen Job annimmst, bist du nur bis zu einer gewissen Einkommensgrenze von Sozialabgaben befreit. Als Werkstudent sind das maximal 538,33 Euro und als Minijobber höchstens 450 Euro pro Monat. Werden diese Grenzen regelmäßig überschritten, bist Du nicht mehr beitragsfrei familienversichert und musst den Studentenbeitrag zahlen. Deine Krankenkasse kann dich in so einem Fall aber sicherlich individuell beraten.
  • Mit dem Erreichen deines 25. Lebensjahres musst du dich selbst zum geltenden Studentenbeitrag versichern, da die Familienversicherung hier nicht mehr greift.
  • Warst du bisher über deine Eltern beihilfeberechtigt? - Die Beihilfe entfällt ebenfalls mit dem 25. Lebensjahr, also sobald deine Eltern kein Kindergeld mehr bekommen. Hier steht der Wechsel in einen teureren Tarif der privaten Versicherung an.
  • Auch während eines Promotionsstudiums kannst Du nicht mehr von der studentischen Kran­ken­ver­si­che­rung profitieren. Das hat das Bundessozialgericht klargestellt. Doktoranden müssen sich freiwillig gesetzlich versichern. (5)

Was ändert sich mit dem Erreichen des 30. Lebensjahres?

Sobald Du während des Studiums 30 Jahre alt wirst, fallen für dich höhere Kosten für die Krankenversicherung an. Den vergünstigten Studentenbeitrag zahlst Du nur bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Danach musst du dich regulär freiwillig versichern.

Die Kosten belaufen sich dann für Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ungefähr auf 205 Euro im Monat, wenn Du noch keine Kinder hast. (6) Möglicherweise ist auch eine beitragsfreie Familienversicherung über Deinen Ehe- oder Lebenspartner möglich. Eine Prüfung macht hier sicherlich Sinn.

Wie kannst du dich versichern, wenn du bereits ein Kind hast?

Wenn du ein Kind hast und noch studierst, ist dieses in der Regel familienversichert. Wenn du selbst noch bei deinen Eltern familienversichert bist, zählt diese Versicherung auch für dein Kind. Kosten fallen hierfür keine an. Falls du in der studentischen Krankenversicherung versichert bist, fungiert diese als Familienversicherung. (7)

Kannst du nach dem Studium einfach wechseln?

Die Kran­ken­ver­si­che­rung, welche du während deines Studiums gewählt hast, wirkt sich grundlegend auch auf die Zeit danach aus. Nicht immer ist ein Wechsel zwischen den verschiedenen Systemen möglich.

Das gilt für Angestellte und Beamte

Wenn du nach dem Studium in ein Angestelltenverhältnis wechselst, gibt es hier meist keine Probleme. Warst Du zuvor gesetzlich versichert, kannst Du das auch weiterhin bleiben. Wenn du privat versichert warst, kannst du dich zwischen gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­si­che­rung entscheiden.

Oftmals ist die GKV aber erst einmal die bessere Wahl. Solltest du nach deinem Studium in das Beamtenverhältnis wechseln, macht es in der Regel nur Sinn dich privat zu versichern, um von der Beihilfe zu profitieren.

Das gilt für Selbstständige

Du hast dich selbstständig gemacht und warst bisher gesetzlich versichert? Dann raten wir dir in der Anlaufphase erst einmal bei der gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben und Dich freiwillig zu versichern.

Krankenversicherung Student

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung kann später durchaus in Erwägung gezogen werden, wenn dein Geschäft gut angelaufen ist und auch gut läuft. (Bildquelle: Unsplash / Scott Graham)

Wenn Du als Student bereits privat versichert warst, musst Du das als Selbstständiger auch bleiben und den vollen Beitrag zahlen. Der Wechsel in günstige Tarife mit schlechten Leistungen ist hier nicht zu empfehlen. Mit der Zeit werden diese oft unverhältnismäßig teuer und sind schwer aufzustocken, wenn sich Dein Gesundheitszustand verschlechtert.

Das gilt während der Arbeitslosigkeit

Nicht zu selten passiert es leider, dass du direkt nach dem Studium noch keinen Job findest. In diesem Fall hast du meist auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, da du noch nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast. Alternativ kannst du aber Ar­beits­lo­sen­geld II (Hartz IV) beantragen. Damit zahlt dir das Amt neben der Grundsicherung auch den Beitrag zur gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung. (8)

Fazit

Zum Ende dieses Artikels solltest du nun gründlich gerüstet sein, um die beste Entscheidung für eine Krankenversicherung zu treffen. Zusammenfassend ist hier festzuhalten: Hast du die Möglichkeit über deine Eltern gesetzlich versichert zu sein, solltest du dies in jedem Fall tun. Finanziell kannst du schließlich nicht besser haushalten, als dieses kostenlose Angebot anzunehmen.

Bist du unter 30 Jahre alt kann eine private Krankenversicherung sinnvoll sein, muss sie aber nicht. Hier kommt es darauf an, ob du bestimmte medizinische Leistungen in Anspruch nehmen willst. Sobald du allerdings älter als 30 Jahre bist, ist eine private Krankenversicherung die beste Lösung für dich. Hier zahlst du deutlich weniger und kannst gleichzeitig bessere Leistungspakete in Anspruch nehmen.

Titelbild: Rochelle Nicols / Unsplash

Einzelnachweise (8)

1. Haufe: Wann besteht ein Anspruch auf Familienversicherung? - Haufe Online Redaktion (01/2021)
Quelle

2. Bundessozialgericht: BSG, Urteil vom 27. 4. 2016 – B 12 KR 24/14 R (2016)
Quelle

3. Statista: Versichertenstruktur in der privaten Krankenversicherung (PKV) in Deutschland nach sozialer Stellung im Jahr 2017 (04/2019)
Quelle

4. Krankenkassen.de: Beispielrechnung: Krankenkassen-Beitrag für Studenten (2021)
Quelle

5. Bundessozialgericht, Urteil vom 07.06.2018, B 12 KR 15/16 R - Kranken- und Pflegeversicherung - Promotionsstudent (2018)
Quelle

6. Student-kv: Freiwillige Krankenversicherung für Studenten, Karsten Leidloff, Jürgen Kunze (2021)
Quelle

7. Studenten-PKV: Studieren mit Kind, Ralf E. Hanselmann (2021)
Quelle

8. Arbeitsagentur: Jobcenter, Wichtiges zur Krankenversicherung, Bundesagentur für Arbeit (2021)
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wann besteht ein Anspruch auf Familienversicherung?
Haufe: Wann besteht ein Anspruch auf Familienversicherung? - Haufe Online Redaktion (01/2021)
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Rechtsurteil
Bundessozialgericht: BSG, Urteil vom 27. 4. 2016 – B 12 KR 24/14 R (2016)
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Statistik
Statista: Versichertenstruktur in der privaten Krankenversicherung (PKV) in Deutschland nach sozialer Stellung im Jahr 2017 (04/2019)
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Krankenkassen-Beitrag für Studenten
Krankenkassen.de: Beispielrechnung: Krankenkassen-Beitrag für Studenten (2021)
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Rechtsurteil
Bundessozialgericht, Urteil vom 07.06.2018, B 12 KR 15/16 R - Kranken- und Pflegeversicherung - Promotionsstudent (2018)
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Internetbeitrag
Student-kv: Freiwillige Krankenversicherung für Studenten, Karsten Leidloff, Jürgen Kunze (2021)
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Internetbeitrag
Studenten-PKV: Studieren mit Kind, Ralf E. Hanselmann (2021)
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Kosten für Gesundheit und Versicherung
Arbeitsagentur: Jobcenter, Wichtiges zur Krankenversicherung, Bundesagentur für Arbeit (2021)
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