kreditkartenbetrug
Zuletzt aktualisiert: 7. Juni 2021

Beim Bezahlen gibt es neben der gewöhnlichen Bargeldzahlung auch das Zahlen per Kreditkarte, welches im Normalfall einfacher und unkomplizierter funktioniert. Kreditkarten kommen in unserer heutigen Gesellschaft immer häufiger zum Einsatz. Umso gefährlicher sind Kreditkartenbetrüger, die enormen finanziellen Schaden anrichten können.

Doch wie kommen Betrüger an die Daten, was kannst du dagegen tun und was genau ist überhaupt ein Kreditkartenbetrug? In unserem umfangreichen Ratgeber zum Thema Kreditkartenbetrug erklären wir dir all diese Fragen und mehr zu den Hintergründen rund um das Thema. So weißt du am Ende, wie du im Ernstfall eines Betruges zu handeln hast.




Das Wichtigste in Kürze

  • Kreditkartenbetrug ist ein wirtschaftlicher Betrug, der darauf abzielt Händlern oder betroffenen Personen finanziellen, durch gefälschte oder gestohlene Kartendaten, Schaden zuzufügen
  • Du haftest maximal bis zu einer Höhe von 50 Euro, wenn deine Kartendaten missbraucht werden. Dabei darfst du aber nicht betrügerisch oder fahrlässig handeln
  • Halte dich am besten an die unten aufgeführten Tipps und Hilfsmittel, um dich bestmöglich zu schützen

Hintergründe: Was du über den Betrug per Kreditkarte wissen solltest

Bevor du bei einem Kreditkartenbetrug unüberlegt handelst, solltest du einige Punkte wissen. Deshalb werden wir dir in den folgenden Abschnitten alle wichtigen Informationen diesbezüglich erläutern, um dich bei diesem wichtigen Thema bestmöglich zu unterstützen.

Was ist ein Kreditkartenbetrug?

Kreditkartenbetrug ist ein Betrug in der Wirtschaft, der darauf abzielt Händlern oder betroffenen Personen finanziellen Schaden durch gefälschte oder gestohlene Kartendaten zuzufügen. Viele Leute benutzen eine Kreditkarte(1), was diese Art von Betrug gefährlich macht.

Im deutschen Strafrecht ist diese Art von Betrug in den §§ 152 a StGB, 152 b StGB, 266 b StGB geregelt und als Vergehen oder Verbrechen strafbar. Auch nur der Versuch des Kreditkartenbetruges kann bestraft werden.

Wie kommen Kriminelle an die Daten?

Ein, bei Kriminellen, beliebter Angriffspunkt sind Online- Interaktionen. Infizierte E- Mails(2) können beispielsweise Schadsoftware auf deinem PC installieren und so alle Eingaben protokollieren, die du tätigst, so auch die Karteninformationen, die du bei Online- Einkäufen eingibst. Auch falsche Internetseiten, die deine Karteninformationen anfragen sind beliebt.

Solltest du also verdacht haben, auf eine infizierte E- Mail hereingefallen zu sein, solltest du Einkäufe, auch über seriöse Portale wie Amazon, iTunes oder bei der Deutschen Bahn vermeiden. Auch unseriöse Websites, wie billige Hotelurlaubsseiten, sollten generell vermieden werden.

Du solltest dich besonders vor infizierten E- Mails oder unseriösen Plattformen in Acht nehmen.

Außerhalb des Internets besteht Gefahr bei Verlust der Kreditkarte. Werden diese von Kriminellen gefunden oder sogar gestohlen, können diese durch die Kartennummern auf der Karte selbst Online einkaufen.

Auch in Geschäften ist das bezahlen ohne Pin, nur mit den Karteninformationen auf der Karte möglich. So zum Beispiel, wenn man kontaktlos oder mit Unterschrift bezahlt.

Eine dritte Möglichkeit, die wir dir hier aufführen ist das Hacken von Banken und Online- Shops. Werden diese gehackt, kann oftmals auf die dort verwalteten Kartendaten zugegriffen werden.

Kann künstliche Intelligenz Kreditkarten ausbeuten?

Künstliche Intelligenz wird im Bereich des Kreditkartenbetrugs immer wichtiger. Jedoch wird künstliche Intelligenz eher dazu eingesetzt den Kreditkartenbetrug zu bekämpfen(3), statt dazu benutzt zu werden diese auszubeuten. Im Finanzsektor wird künstliche Intelligenz dazu häufig angewandt, um Betrüger rechtzeitig zu enttarnen.

Wie leicht lassen sich NFC-Chips ausspionieren?

Mithilfe von NFC- Chips können Daten kontaktlos ausgetauscht werden. Im Kreditkartenbereich wird das verwendet, um Karten kontaktlos zahlen zu lassen.

So hat beispielsweise der Bayerischer Rundfunk(4) den Selbsttest gemacht und herausgefunden, dass man mit versteckten Kartenleseantennen leicht an die Daten kommt. Offen bleibt, ob man in der Praxis nah genug an die Karte herankommt.

Auf der sicheren Seite bist du aber dennoch, wenn du dir entweder Kreditkartenhüllen besorgst, die das kontaktlose Auslesen verhindern oder ein extra Portemonnaie anschaffst, was extra gegen eine solche Auslegung geschützt ist.

Was kannst du nach einem Kreditkartenbetrug tun?

Grob und schnell zusammengefasst solltest du nach einem Kreditkartenbetrug folgende Dinge, am besten in der hier aufgeführten Reihenfolge tun, um den Schaden einzudämmen und kein Geld zu verlieren:

  • Karte sperren lassen
  • Anzeige machen
  • fehlendes Geld zurückbuchen lassen

Als Erstes solltest du deine Karte sperren lassen, damit Kriminelle diese nicht weiter missbrauchen können. Um das zu tun, musst du einfach den Sperrnotruf unter der Nummer 116 116 anrufen. Dieser leitet dich dann automatisch an die zuständige Stelle weiter, damit du dort deine Karten sperren lassen kannst. Die Sparkasse kannst du so beispielsweise erreichen.

Falls deine Bank nicht an dem Service des Sperrnotrufs teilnimmt, kannst du auch bei deiner Bank direkt anrufen. Sperren aller Varianten der Deutsche Bank Card und SparCard kannst du beispielsweise unter der Nummer (069) 910-10000 tun. Sperren aller Varianten der Deutsche Bank MasterCard, VISA tust du unter der Nummer (069) 910-10035.

Du kannst ebenfalls Anzeige bei der Polizei erstatten(5) und dir dein Geld zurückbuchen lassen, falls jemand mit deiner Karte missbräuchlich bezahlt hat. Formulare dazu findest du auf der Website deines Anbieters. Zeit für eine Rückbuchung sind meistens 8 Wochen.

Kann es passieren, dass die Bank kein Geld zahlen möchte?

Doch was passiert, wenn du dein Geld zurückbuchen lassen möchtest, die Bank sich aber weigert zu zahlen? Die zuständige Bank wird deinen Fall prüfen. Allgemein gilt, dass die Bank in der Beweispflicht ist.

Das heißt, dass sie dir nachweisen muss, dass die Zahlungen geplant und von dir autorisiert wurden. Kann sie dies nicht, muss die Bank dir das Geld umgehend zurückzahlen.

Welche Kosten entstehen im Betrugsfall?

Das Sperren deiner Karte sowie das Ausstellen einer neuen Karte kostet dich nichts. Hier solltest du also auf Nummer sicher gehen und bei Verlust sofort deine Karte sperren lassen, auch wenn diese möglicherweise nicht missbraucht wurde oder wird.

Die maximale Haftung, also der Betrag, für den du beim Betrugsfall aufkommen musst, beträgt laut § 675v BGB 50 Euro. Dieser gilt aber nur, wenn du den Verlust noch nicht gemeldet hast. Melde den Verlust also am besten so schnell wie möglich.

prepaid Kreditkarte

Im Umgang mit deiner Kreditkarte solltest du stets aufpassen. Kriminelle versuchen oftmals mit infizierten E- Mails an deine Daten zu kommen. Auch solltest du einen Verlust sofort melden und nicht jede Interaktion blind abschließen. (Bildquelle: Ahmad Ardity / Pixabay)

Abweichung von dieser 50 Euro- Grenze bestehen, wenn du entweder betrügerisch gehandelt hast, also beispielsweise den Verlust vorgetäuscht haben solltest oder grob fahrlässig gehandelt hast. Ein Beispiel dafür wäre, wenn du deinen Pin auf deine Karte schreiben solltest.

Wer haftet, wenn der Kreditkartenbetrüger minderjährig ist?

Erwachsenen Kriminellen, die Kreditkartenbetrug verübt haben, müssen sich auf eine Geld- oder Freiheitsstrafe einstellen. Bei minderjährigen Tätern, also Personen die 17 Jahre oder jünger sind, sieht das etwas anders aus.

Je nach Schwere des Vergehens sieht §5 des Jugendgerichtsgesetzes Erziehungsmaßnahmen, Jugendstrafen oder Zuchtmittel oder eine Unterbringung in psychiatrischen Krankenhäusern oder Erziehungsanstalten vor.

Im Fall von Kreditkartenbetrug muss sich der Täter wahrscheinlich auf Erziehungsmaßregeln, in Form von beispielsweise Sozialstunden, einstellen sowie den finanziellen schaden zurückzahlen.

Spielt es eine Rolle, ob ein Betrug im Ausland oder Heimatland stattfindet?

Die Sperrnotrufnummer 116 116 ist weltweit erreichbar. Einzig die Ländervorwahl(6) ändert sich hier. Zusätzlich können im Ausland zusätzliche gebühren anfallen. So sehen die Nummern in folgenden Ländern beispielsweise aus:

Land Sperrnotrufnummer
Deutschland +49 116 116
Österreich +43 116 116
Schweiz +41 116 116
Italien +39 116 116
Frankreich +33 116 116
Niederlande +31 116 116
Spanien +34 116 116

Im EU- Ausland wird zudem bei Kreditkarteninteraktionen auf den Magnetstreifen gesetzt, währen in der EU ein EMV- Chip Fälschungen besser enttarnt. Kriminelle könnten im EU- Ausland also theoretisch leichter Kreditkarten ausspionieren. Gefälschte Geldautomaten oder Bezahlterminals können den Magnetstreifen also einfacher und besser auslesen und kopieren. Das nennt man Skimming.

Welche Rolle spielen Visa- und Mastercard?

VisaCard oder auch Mastercard statten ihre Kreditkarten mit besonderen Sicherheitsmerkmalen aus und könne so den Betrug vorbeugen. Das Real Time Scoring von Visa Europe ermöglicht beispielsweise einen "Risiko- Score" für jede Transaktion zu erstellen.

Die Bank kann darauf bezogen die Transaktion verweigern. „Verified by Visa“ oder „Mastercard Secure Code“ von Visacard und Mastercard(7) verlangen auch eine doppelte Abfrage, um die Sicherheit zu erhöhen.

Wann verjährt ein Kreditkartenbetrug?

Kreditkartenbetrug kann wie viele andere Verbrechen verjähren. Die doppelte Dauer der Verjährungsfrist eines gewerbsmäßigen oder ein bandenmäßigen Betrugs nach § 263 Abs. 1 oder 3 StGB führt somit zur absoluten Verjährung. Beträgt die Verjährungsfrist also 5 Jahre, ist der Fall nach 10 Jahren absolut verjährt.

Wie kannst du dich am besten vor dem Betrug schützen?

Um dich gut gegen Kreditkartenbetrüger zu schützen, empfiehlt es sich sehr vorsichtig im Umgang zu sein. So solltest du deine Daten nur vertrauenswürdigen Websites und Shops anvertrauen. Unseriösere Seiten könnten zum einen selbst deine Daten stehlen wollen oder zumindest anfällig für Hackerangriffe sein.

Im schlimmsten Fall wird dir bei einem Kreditkartenbetrug vorgeworfen grob fahrlässig gehandelt zu haben, beispielsweise, wenn du die Geheimzahl zusammen mit deiner Karte aufbewahrst. Das solltest du also niemals tun, da du sonst unter Umständen für den ganzen entstandenen Schaden aufkommen musst.

kreditkartenbetrug

Auch wenn nur kleinere Beträge auf deinem Konto fehlen: Du solltest hier genau hinschauen, gerade, wenn du deine Kreditkarte verloren hast oder verdächtige Mails findest. (Bildquelle: Steve Buissinne / Pixabay).

Solltest du abgebuchte Beträge auf deinem Konto finden, die du nicht autorisiert hast, ist zu handeln. Sei hier immer achtsam. Es kann immer sein, dass Kriminelle unbemerkt an deine Daten gekommen sind.

Wie kann das Bezahlen mit Kreditkarte künftig noch sicherer werden?

Zukunftsgerichtete Verbesserungen bei der Datenabfrage sind in Planung. So soll es zukünftig dazu kommen, dass sensible Karteninformationen mit Biometriedaten, wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung, abgefragt werden. Das ist nahezu fälschungssicher und erspart das Merken langer und komplizierter Passwörter.

Eine zweifache Abfrage ist seit kurzer Zeit bereits Pflicht(8). So muss neben der Passworteingabe auch eine zweite Eingabe erfolgen, beispielsweise über den sogenannten Tan, den man auf dem Handy angezeigt bekommt. Das nennt man auch 3D- Secure Verfahren.

Fazit

Mit deiner Kreditkarte und speziell deinen Kreditkartendaten solltest du niemals leichtfertig umgehen. Gestohlene Kreditkarteninformationen können hohen Schaden anrichten und im schlimmsten Fall bleibt ein teil des finanziellen Schadens an dir hängen.

Du solltest also gerade im Internet aufpassen, wo du deine Kreditkartendaten hinterlegst und eingibst. Auch vor Betrüger- E- Mails solltest du dich in Acht nehmen.

Sollten dir deine Daten doch einmal geklaut werden oder solltest du deine Karte verlieren, lasse diese sofort sperren. Das kostet nichts, sollte also auch nur bei dem Verdacht auf Diebstahl gesperrt werden. Ganz nach dem Motto: Lieber die Karte einmal umsonst sperren, als einem Kreditkartenbetrug zu erliegen.

Titelbild: Steve Buissinne / Pixabay

Einzelnachweise (8)

1. Wieviel Menschen haben eine Kreditkarte? Veröffentlicht von Statista Research Department, 02.05.2017. Abgerufen am 26.04.2021.
Quelle

2. Prof. (FH) Mag. Dr. Helmut Siller, MSc: Stichwort: Phishing. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 26.04.2021
Quelle

3. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) über künstliche Intelligenz. Abgerufen am 26.04.2021.
Quelle

4. Der Bayrische Rundfunk über die Sicherheit von NFC- Chips, 14.12.2016. Abgerufen am 26.04.2021.
Quelle

5. Beratung und Anlaufstelle zu Online Strafanzeigen. Abgerufen am 26.04.2021.
Quelle

6. Zusammenfassung der EU- Ländervorwahlen von laendervorwahl.org. Abgerufen am 26.04.2021.
Quelle

7. Mastercard über die Sicherheit und Funktionen der Mastercard im Umgang. Abgerufen am 26.04.2021.
Quelle

8. Die Verbraucherzentrale über die verpflichtende tan- Eingabe, Stand vom 11.02.2021. Abgerufen am 26.04.2021.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wissenschaftliche Statistik
Wieviel Menschen haben eine Kreditkarte? Veröffentlicht von Statista Research Department, 02.05.2017. Abgerufen am 26.04.2021.
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Wissenschaftlicher Artikel
Prof. (FH) Mag. Dr. Helmut Siller, MSc: Stichwort: Phishing. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 26.04.2021
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Wissenschaftliche Artikel
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) über künstliche Intelligenz. Abgerufen am 26.04.2021.
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Der Bayrische Rundfunk über die Sicherheit von NFC- Chips, 14.12.2016. Abgerufen am 26.04.2021.
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Beratung und Anlaufstelle zu Online Strafanzeigen. Abgerufen am 26.04.2021.
Gehe zur Quelle
Zusammenfassung der EU- Ländervorwahlen von laendervorwahl.org. Abgerufen am 26.04.2021.
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Mastercard über die Sicherheit und Funktionen der Mastercard im Umgang. Abgerufen am 26.04.2021.
Gehe zur Quelle
Die Verbraucherzentrale über die verpflichtende tan- Eingabe, Stand vom 11.02.2021. Abgerufen am 26.04.2021.
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