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Zuletzt aktualisiert: 31. März 2021

Einige von uns kennen sich nicht so gut mit dem Gesetz aus oder sind sich meist unsicher, was nun erlaubt ist und was nicht. Das gilt vor allem bei Kündigungen in der Probezeit.

Wir haben für dich die wichtigsten Fragen rausgesucht rund um Kündigungen in der Probezeit und diese beantwortet. Du bist dir nicht sicher wie lange die Probezeit geht und welche Kündigungsfristen gelten oder ob eine fristlose Kündigung in der Probezeit erlaubt ist? Diese und andere wichtigen Fragen haben wir für dich beantwortet, um dir mehr Sicherheit zu geben.




Das Wichtigste in Kürze

  • Du besitzt zwar im Normalfall keinen Kündigungsschutz während der Probezeit, jedoch gibt es Gesetze, an denen du dich orientieren kannst.
  • Die Gesetze, die es rund um die Kündigung in der Probezeit gibt, gelten in der Regel für beide Parteien. Auch du musst dich also an diese Gesetze halten.
  • Eine Kündigung muss stets schriftlich erfolgen, ansonsten ist diese unwirksam. Bei einer fristlosen Kündigung steht es dir auch zu, den Kündigungsgrund schriftlich zu erhalten.

Kündigung in der Probezeit: Was du wissen solltest

Jeder, der schon einmal in einem Arbeitsverhältnis tätig war oder ist hatte auch eine gewisse Probezeit in seinem Arbeitsvertrag. Doch was genau hat es mit der Probezeit auf sich und wie sieht es mit der Kündigung während der Probezeit aus.

Wir haben für dich die wichtigsten Fragen rund um die Kündigung in der Probezeit rausgesucht und für dich beantwortet. Danach wirst du wissen, wie lange die Probezeit dauert und was zu beachten ist, rund um die Kündigung in der Probezeit.

Wie lange geht die Probezeit und welche Kündigungsfristen gelten?

Wenn du dir nicht sicher bist, wie lange deine Probezeit geht, schaue in deinem Arbeitsvertrag nach. In jedem Fall darf die Probezeit laut Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 622 Absatz Drei nicht länger als sechs Monate dauern(1).

Falls in deinem Arbeitsvertrag eine längere Probezeit angegeben ist, rede unbedingt mit deinem Arbeitgeber. Diese ist nämlich gesetzlich festgelegt und wäre bei einer Überschreitung der sechs Monate nicht rechtsmäßig.

Kommen wir nun zur Kündigungsfrist, während der Probezeit. Die reguläre Kündigungsfrist während der Probezeit beträgt laut BGB § 622 Absatz Drei zwei Wochen(1). Das Arbeitsverhältnis kann sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Arbeitnehmer gekündigt werden.

Ist eine fristlose Kündigung in der Probezeit möglich?

Um diese Frage zu beantworten: Ja eine fristlose Kündigung in der Probezeit ist möglich, jedoch nur aus triftigem Grund. Diese Kündigung kann laut §626 Absatz Eins im BGB von Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer erfolgen.

Unter besonderen Umständen, die beiden Parteien nicht zugemutet werden können, ist solch eine fristlose Kündigung möglich. Allerdings kann die Kündigung, in der Kenntnis über den Kündigungsgrund erlangt wurden ist, nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen.

"Die Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Kündigungsberechtigte von den für die Kündigung maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt. Der Kündigende muss dem anderen Teil auf Verlangen den Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitteilen." § 626 Absatz 2 Bürgerliches Gesetzbuch (2)

Wie du siehst ist eine auch eine fristlose Kündigung in der Probezeit möglich. Jedoch nur unter den genannten Voraussetzungen und du musst eine schriftliche Mitteilung des Kündigungsgrund bekommen. Im Härtefall solltest du noch einmal mit deinem Anwalt reden und dich von diesem beraten lassen.

Wann ist eine Kündigung in der Probezeit unwirksam?

Im Normalfall ist eine Kündigung in der Probezeit immer wirksam. Das liegt daran, dass du in der Probezeit keinen Kündigungsschutz hast. Nur bedeutet das nicht, dass du dich nicht trotzdem gegen eine Kündigung wehren kannst.

Es gibt nämlich mehrere Kündigungsgründe, die rechtswidrig sind und gegen die du vorgehen kannst. Diese Gründe können folgende sein(3):

  • Kündigungen in der Unzeit (z.B. wenn ein Angehöriger an diesem Tag stirbt)
  • Kündigung wegen sexueller Orientierung
  • Kündigung wegen gewerkschaftlicher oder politischer Tätigkeit

Im Großen und Ganzen kann man sagen, eine Kündigung darf nie willkürlich sowie aus sachfremden Motiven oder eine unzulässige Maßreglung sein. Falls du in der Probezeit in der Kenntnis über den Kündigungsgrund erlangt wurden ist, von deinem Arbeitgeber gekündigt wurden bist und einer der oben genannten Punkte deiner Meinung nach der Grund ist, sprich auch hier am besten nochmal mit deinem Anwalt.

Hat man Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn man in der Probezeit gekündigt wird?

Das Gesetz sagt, wenn du während der Probezeit von deinem Arbeitgeber gekündigt wurden bist, kannst du ab dem ersten Tag der Arbeitsuchend-Meldung Arbeitslosengeld Eins erhalten. Grundsätzlich gilt ein Anspruch auf Arbeitslosengeld nur, wenn man zuvor auch innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens ein Jahr in einem Arbeitsverhältnis tätig war(4).

Unter gewissen Voraussetzungen steht dir auch Arbeitslosengeld nach einer Kündigung während der Probezeit zu. (Bildquelle: Markus Spiske / unsplash)

Falls du selber für die Kündigung verantwortlich bist oder gar selbst gekündigt hast, dann ist dein Arbeitslosengeld für zwölf Wochen gesperrt. Du hast erst nach dieser Sperre einen Anspruch auf das Arbeitslosengeld(4). Wenn deine Kündigung unwirksam ist und du quasi zu Unrecht gekündigt wurden bist, kannst du gegen eine Kündigung in der Probezeit vorgehen oder auch eine Sperre des Arbeitslosengeld vermeiden.

Was tun, wenn man in der Ausbildung während der Probezeit gekündigt wird?

Um hier eine Antwort schon mal vorweg zu nehmen, auch in der Ausbildung kannst du während der Probezeit eine Kündigung laut Berufsbildungsgesetz § 22 Absatz Eins erhalten(5). Andersherum kannst du selbstverständlich auch eine Kündigung beim Arbeitgeber einreichen.

Wichtig ist, dass dein Berufsausbildungsverhältnis bereits mit der Probezeit beginnt und diese mindestens einen Monat und maximal vier Monate betragen darf(6).

Ein richtiger Kündigungsschutz kommt erst nach der Probezeit zustande.

Bis auf den Unterschied zur Probezeit in der Ausbildung, hast du keinen besonderen Kündigungsschutz in der Ausbildung. Wenn du also unwirksam vom Arbeitgeber eine Kündigung erhalten hast, schau dir Frage Drei noch einmal an. Dort kannst du dich danach richten, was du tun kannst, wenn du in der Ausbildung während der Probezeit gekündigt wirst.

Bei einer normalen Kündigung durch den Arbeitgeber bist du aber wie bereits erwähnt nicht geschützt. Sei dir darüber stets bewusst.

Hat man Urlaubsanspruch bei Kündigung während der Probezeit?

Viele kennen es oder haben es schon einmal gehört von Kollegen, Bekannten oder Freunden "Während der Probezeit darf man keinen Urlaub nehmen". Doch wir können dich beruhigen, denn diese Aussage stimmt nämlich so nicht. Es gibt nämlich nach dem Bundesurlaubsgesetz Regelungen, die etwas anderes sagen.

"Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub." § 1 Bundesurlaubsgesetz(7)

Wie der oben beschriebene Paragraph zeigt, hat also grundsätzlich schon einmal jeder Arbeitnehmer Urlaubsanspruch. Das gilt auch für die festgelegte Probezeit. Jedoch hast du erst nach einem sechsmonatigen Bestehen des Arbeitsverhältnisses den vollen Anspruch auf deinen Urlaub(8).

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Grundsätzlich gilt: Auch während der Probezeit besteht ein Urlaubsanspruch. (Bildquelle: Bill Oxford / unsplash)

Auch der Mindesturlaub ist gesetzlich festgelegt und beträgt jährlich mindestens 24 Werktage(9). Da du jedoch nicht den vollen Anspruch auf deinen Urlaub hast während der Probezeit, kann das Ganze folgendermaßen aussehen:

Beispiel: Du beginnst eine neue Arbeitsstelle zum 01.01.2020. Dir steht bei dem Arbeitgeber ein Urlaubsanspruch von 30 Tagen zu. Jetzt wird dir aber während der sechsmonatigen Probezeit Anfang Mai mit Wirkung zum 30.05.2020 gekündigt. Du hast aber in diesem Jahr noch keinen Urlaub genommen. Da du in fünf Monaten 12,5  Urlaubstage erwirtschaftet hast, kannst du diesen Urlaub während deiner verbleibenden Arbeitszeit vom Arbeitgeber verlangen.

Es kann auch mal passieren, dass du dir unter gewissen Umständen den Urlaub nicht nehmen kannst. Dann ist dein Arbeitgeber allerdings dazu verpflichtet dir diesen Urlaub auszuzahlen.

Wie schreibt man eine Kündigung in der Probezeit als Arbeitnehmer?

Auch zum Thema, wie du deine Kündigung in der Probezeit schreibst, gibt es gewisse Regeln. Am wichtigsten ist zunächst, dass die Kündigung unbedingt schriftlich abgegeben wird beim Arbeitgeber. Eine elektronische Zusendung der Kündigung ist unwirksam(10).

Eine wirksame Kündigung muss immer schriftlich erfolgen!

Du hast auch die Möglichkeit fristlos zu kündigen, wie wir bereits bei der Frage "Ist eine fristlose Kündigung in der Probezeit möglich?" gelernt haben. Auch hier ist eine schriftliche Kündigung zwingend erforderlich.

Sowohl du als auch dein Arbeitgeber haben das Recht den Kündigungsgrund schriftlich mitgeteilt zu bekommen. Lass dir den Kündigungsgrund deshalb auch immer schriftlich geben.

Fazit

Viele machen sich Sorgen, sie könnten während der Probezeit gekündigt werden und nichts dagegen tun. Das trifft leider in einigen Fällen zu. Doch wie wir in vielen Punkten gelernt haben, gibt es auch für Kündigungen in der Probezeit Reglungen und Gesetze die beide Seiten befolgen müssen.

Wenn du dir in deinem Fall unsicher bist, ob du nun Zurecht oder zu Unrecht gekündigt wurden bist, dann sprich dich in jedem Fall mit deinem Anwalt ab. Dieser kann dich noch einmal beraten und ihr könnt gegebenenfalls weitere Schritte einleiten.

Bildquelle: Scott Graham / unsplash

Einzelnachweise (10)

1. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 622 Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen
Quelle

2. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 626 Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund
Quelle

3. KÜNDIGUNG UND KÜNDIGUNGSSCHUTZ IN DER PROBEZEIT Christina Gehrig, Rechtsanwältin für Arbeitsrecht, 06.02.2014
Quelle

4. Kündigung innerhalb der Probezeit: Worauf Sie achten müssen Am 25.11.2019 erstellt von Hans-Christoph Hellmann
Quelle

5. Berufsbildungsgesetz (BBiG) § 22 Kündigung
Quelle

6. Berufsbildungsgesetz (BBiG) § 20 Probezeit
Quelle

7. Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz) § 1 Urlaubsanspruch
Quelle

8. Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz) § 4 Wartezeit
Quelle

9. Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz) § 3 Dauer des Urlaubs
Quelle

10. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 623 Schriftform der Kündigung
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
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