Marktmechanismus
Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2020

Du wolltest schon immer verstehen wie der Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage zustande kommt? Wie Märkte mikroökonomisch funktionieren? Welche wesentlichen Wirtschaftssysteme es gab und gibt beziehungsweise wo diese anzutreffen sind?

In unseren Artikel über Marktmechanismus 2022 findest du alle relevanten Informationen leicht verständlich erläutert. Zudem haben wir dir auch Beispiele von Marktformen ausgearbeitet und erklärt.




Das Wichtigste in Kürze

  • Im wesentlichen gibt es drei Marktformen, den Polypol, den Oligopol und das Monopol. Sie sind meist unterschiedlich stark ausgeprägt und wirken sich somit unterschiedlich stark auf die Verfügbarkeit der Waren beziehungsweise der Dienstleistungen und somit auch unterschiedlich auf den Preis aus.
  • Im Marktmechanismus wird durch das Angebot und die Nachfrage der Preis bestimmt. Je nach Wirtschaftsform kann der Staat regulierend auf den Markt einwirken.
  • In der freien sowie in der ökosozialen Marktwirtschaft findet der Marktmechanismus seine Anwendung. In einer Planwirtschaft wird der Marktmechanismus von dem Staat gelenkt. Die Planwirtschaft wird heute nur noch in Kuba, Nordkorea und in manchen Teilen der Volksrepublik China angewendet. Die DDR zählte wie die restlichen Osteuropäischen kommunistischen Länderen zu einer sogenannten Zentralverwaltungswirtschaft.

Glossareintrag: Der Begriff Marktmechanismus im Detail erklärt

Damit du umfassend informiert bist, haben wir für dich in den folgenden Abschnitten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Marktmechanismus aufgegriffen. Du bekommst einen umfangreichen Überblick über die Funktions- und Wirkungsweise eines Marktes.

Um dir das Thema Marktmechanismus besser erklären zu können, müssen wir vorab den Begriff eines Marktes näher erläutern.

Was versteht man unter einen Markt?

Unter einem Markt versteht man das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage und in weiterer Folge des Preises. Wir haben dir die Einzelnen Begriffe kurz  beschrieben. (1)

  • Angebot: Unter einem Angebot versteht man die Menge eines Gutes oder Dienste, die ein Erzeuger oder Anbieter zu einen bestimmten Preis produzieren bereit ist und dies auch gewährleisten kann.
  • Nachfrage: Unter Nachfrage versteht man eine Menge an Gütern, die Konsumenten zu einem bestimmten Preis kaufen wollen.
  • Preis: Als Preis definiert man die gegenseitig, zwischen Verkäufer und Käufer, vereinbarte Summe an Geld und/ oder Ware , die im Zuge eines Geschäfts ausgetauscht wird.

Welche Marktformen gibt es?

Im wesentlichen gibt es drei Marktformen die sich gegenüberstehen. Über den unterschiedlichen Wettbewerb innerhalb der Marktformen sind die Marktmechanismen verschieden stark ausgeprägt.

  • Polypol: Ein polypoler Markt besteht aus vielen Anbietern, was zu einem hohen Wettbewerb innerhalb des Marktes führt und zu einer hohen Preisdynamik zugunsten der Käufer. (2)
  • Oligopol: In einem Oligopol gibt es wenige Anbieter, jedoch viele Käufer, dies führt zu einem stark verminderten Wettbewerb und führt deshalb zu einem erhöhten Preisniveau. (3)
  • Monopol: Bei einem Monopol gibt es lediglich nur einen Anbieter der Ware oder Dienstleistung, was es ihm erlaubt, seinen gewünschten Preis festzulegen. (4)

Was ist ein Marktmechanismus?

In der Volkswirtschaftslehre versteht man unter Marktmechanismus die wechselseitige Wirkungs- und Funktionsweise eines Marktes. Dieser wird durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage und die daraus sich ergebende Preisbildung geregelt.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Die Preisbildung ergibt sich dann aus der Einigung zwischen Lieferanten und Käufern unter Zugrundelegung der Menge des zu handelnden Gutes.

Folglich stellt sich ein sich selbst regelndes Marktgleichgewicht zwischen Anbietern und Käufern ein, wobei zeitversetzt auf eine Nachfragereduktion eine Angebotsreduktion erfolgt. Diese Angebotsreduktion wird durch einen niedrigeren Preis. Im Gegenzug erfolgt eine Angebotssteigerung infolge einer Nachfrageerhöhung, die eine Preissteigerung zufolge hat. (5)

Wie funktioniert der Marktmechanismus?

In einem Markt mit mehreren Teilnehmern (Polypol) bieten verschiedene Anbieter ihre Waren / Dienstleistungen an. Die Kunden / Käufer sind nun in der Lage, aus dem Pool der Lieferanten die für sich optimale Ware zu beziehen. Als Hauptargument bei gleichartigem Angebot ist dies in der Regel der Preis. Das zwingt die anderen Anbieter entweder ihren Preis zu senken oder den Lieferumfang zu erhöhen.

Marktmechanismus-1

Angebot und Nachfrage wirken sich in einer freien sowie sozialen Marktwirtschaft auf den Preis von Produkten und Dienstleistungen aus.
(Bild von Capri23auto auf Pixabay)

Zum Beispiel in einer Stadt gibt es 20.000 Einwohner und 5 Supermärkte. Sollte einer der Supermärkte bei der Ware X deutlich teurer sein als die vier Mitbewerber, so wird ein Großteil der Einwohner zu den vier günstigeren Supermärkten einkaufen gehen und der Umsatz des einen Produkts wird bei dem einem Supermarkt stark zurückgehen.

Anders verhält es sich, wenn ein Mitbewerber deutlich günstiger ist wie die vier anderen Supermärkte. Dann wird zwar der Absatz der Ware X nachhaltig steigen, allerdings die Umsätze nicht im gleichen Maßstab, weil der Preis pro Ware X niedriger als bei den anderen vier Mitbewerbern ist. (6)

Was versteht man unter einer Preis - Absatz Funktion / Kurve?

Durch die Preis - Absatz Funktion / Kurve wird der Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage graphisch, und somit mathematisch, dargestellt. Das führt dazu, dass man Veränderungen jeweils des Angebots und der Nachfrage beziehungsweise Einflüsse durch die Marktform darstellen und simulieren kann.
Durch die Verschiebung hin zu Angebot oder Nachfrage lässt sich zeigen, wie mögliche Änderungen diesbezüglich auf den Warenabsatz durchschlagen können.

In der Realwirtschaft sind jedoch nicht alle Faktoren bekannt und somit lässt sich die Preis - Absatz Funktion nur bedingt einsetzen.

Welche Wirtschaftsformen gibt es?

Die Wirtschaft dient als Oberbegriff für sämtliche Aktivitäten und Institutionen die mit der Verteilung, der Erzeugung von Gütern oder von Erbringung von Dienstleistungen zu tun haben. Zu den Mitwirkenden gehören Unternehmen, Verbraucher sowie öffentliche Institutionen.

Sie dient dabei Bedürfnisse der Menschen mittels Arbeitsteilung zu befriedigen. Güter oder Dienstleistungen die nicht leicht selbst zu produzieren oder zu erbringen sind, werden bei Anbietern zu gekauft.

Freie Marktwirtschaft (Kapitalismus)

In einer freien Marktwirtschaft gibt es nur ein regulierende Größe und das ist der Markt selbst. Alleine der Markt bestimmt durch Angebot und Nachfrage, welche Dienstleistungen und Waren zu welchem Preis und welcher Menge auf dem freien Markt verfügbar ist.

Das bedeutet, dass Konkurrenz das wirtschaftliche Allheilmittel ist, da ausschließlich sie regulierend auf den Markt wirkt. Unternehmen, die der Konkurrenz nicht standhalten können, verschwinden vom Markt.

Dadurch kann es zu Marktkonzentrationen kommen, da mächtige Konzerne kleine, innovative Firmen einfach aufkaufen können. Das führt zum Einen zu einer Stagnation in der Entwicklung und zum Anderen zu monopolartigen Zuständen.

Oftmals schließen sich Mitbewerber in sogenannten Kartellen zusammen, um einerseits mehr Marktmacht zu erhalten und andererseits höhere Preise zu erhalten.

Aus diesem Grund gibt es in allen großen, freien Wirtschaftsräumen, bis auf wenige jenigen wichtige Nischen, ein Verbot von Monopolen und Firmen werden zerschlagen, wenn sie zu groß werden (Wettbewerbshüter). Die klassische freie Marktwirtschaft gibt es nicht mehr in der Realwirtschaft, der US-amerikanische Wirtschaftsraum und die NAFTA kommen dem noch am nächsten. (7)

Vorteile
  • vielfältiges Angebot
  • freier Wettbewerb
  • maximaler Gewinn
  • freie Entfaltung
Nachteile
  • Konjunkturschwankungen
  • fehlende soziale Absicherung und deren Folgen
  • Monopolbildung

Öko - Soziale Marktwirtschaft

In einer Öko - Sozialen Marktwirtschaft gelten ähnliche Marktprinzipien wie in der freien Marktwirtschaft, allerdings greift der Staat grundsätzlich lenkend ein. Der Staat reguliert über Gesetze und Richtlinien das Verhalten der Wirtschaft vornehmlich in den Bereichen Soziales und Ökologie. Damit soll gewährleistet werden, dass die Kräfte des freien Marktes zu Gunsten aller Menschen im Wirtschaftsraum ins Gleichgewicht gebracht werden. Die umfasst Gesetze für Sozialleistungen, Versicherungen und Pensionen auf der Sozialen Seite und Umweltschutzmaßnahmen für einen nachhaltigen Erhalt der Umwelt und Klimas.

Auch hier soll durch staatlichen Eingriff weitestgehend eine Monopolbildung verhindert werden, allerdings gibt es Bereiche der Wirtschaft, die als strategisch wichtig gelten und somit unter staatlicher Aufsicht monopolisiert sind, wie zum Beispiel Wasserversorgung, Infrastruktur und gewisse soziale Bereiche. (8)

Die Öko - Soziale Marktwirtschaft ist vornehmlich im europäischen Raum und den fernöstlichen Industrienationen anzutreffen.

Vorteile
  • vielfältiges Angebot
  • weitgehend freier Wettbewerb
  • hoher Gewinn, soziale Absicherung
  • Umweltschutz
Nachteile
  • Konjunkturschwankungen
  • Gefahr von Monopolbildung

Planwirtschaft

Im Gegensatz zu den marktorientierten Wirtschaften existiert noch die sogenannte Plan- oder auch Zentralverwaltungswirtschaft. Bei der Planwirtschaft gibt es keinen sich selbst regelnden Markt, sondern nur den Staat als Regulativ. Alle Marktteilnehmer bekommen am Anfang der Planungsperiode (5 Jahresplan) sämtliche Ressourcen zugeteilt und müssen dann damit auskommen, ob der Bedarf der Waren und Dienstleistungen gegeben ist oder nicht. Dies hat in der Vergangenheit auf Grund der unmöglichen Planbarkeit zu einerseits Überproduktion und andererseits Mangel geführt.

Die Planwirtschaft stellt das Wirtschaftssystem des Kommunismus dar und hat nachhaltig zum Zusammenbruch des Marxistischen Systems geführt. Heute findet man die Planwirtschaft nur mehr in angepasster Form in Kuba, Nordkorea und zum Teil in der Volksrepublik China.

Vorteile
  • bessere Vorhersage von Ergebnissen
  • Steuerung der Wirtschaft
  • bessere Ressourcenverteilung
Nachteile
  • verminderte Produktivität
  • Engpässe in der Produktion

Fazit

Im Marktmechanismus stehen Angebot, Nachfrage und Preis im wechselseitigen Verhältnis zueinander. Bei der Veränderung einer dieser Faktoren kommt es gleichzeitig auch zu einer Veränderung der beiden anderen.

Nur in der freien Marktwirtschaft sowie in der sozialökonomischen Marktwirtschaft kommt der Marktmechanismus zum Tragen. In der Planwirtschaft übernimmt der Staat diesen Faktor und wirkt auf den Markt ein, indem er Angebot sowie die Nachfrage vorgibt.

In einer freien Marktwirtschaft besteht die Möglichkeit, dass sich leicht Monopole bilden, die wettbewerbsverzehrend auf Preise einwirken können.

Bildquelle: golubovy/ 123rf.com

Einzelnachweise (8)

1. Prof. Dr. Dirk Piekenbrock Duale Hochschule Baden-Württemberg
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2. Dr. Ingo Mecke Bundeskartellamt, Federal Cartel Office Berichterstatter der 10. Beschlussabteilung
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3. Dr. Ingo Mecke Bundeskartellamt, Federal Cartel Office Berichterstatter der 10. Beschlussabteilung
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4. Prof. Dr. Dirk Piekenbrock Duale Hochschule Baden-Württemberg
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5. Prof. Dr. Dirk Sauerland Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Gesundheitspolitik Lehrstuhlinhaber
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6. Carell, E. (1929). V. Das Bestehen des Marktmechanismus in unserer gegenwärtigen Wirtschaft, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 131(1), 191-194. doi:
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7. Zeitschrift Für Die Gesamte Staatswissenschaft / Journal of Institutional and Theoretical Economics, 112(1), 131-143. Retrieved July 3, 2020,
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8. Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Magdeburg hatte das IWS Halle und das 1Ö WBerlin beauftragt, für das Land Sachsen-Anhalt eine Studie über die Chancen und Risiken ökologischer Wirtschaftspoli-tik in diesem Bundesland zu erstellen. Die Studie ist in mehrere Teile untergliedert, wovon hier vor allem die allgemeinen Teile dokumentiert werden. Weitere Teile beschäftigen sich mit der Be-standsaufnahme der bisherigen Wirtschaftspolitik in Sachsen-Anhalt, einer Darstellung von Fall-beispielen für eine noch mögliche, ökologisch ausgerichtete Entwicklung sowie den Problemen einer ökologieorientierten Industriepolitik.
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Warum kannst du mir vertrauen?

Definition: Was ist "Markt"?
Prof. Dr. Dirk Piekenbrock Duale Hochschule Baden-Württemberg
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Ausführliche Definition im Online-Lexikon von Polypol
Dr. Ingo Mecke Bundeskartellamt, Federal Cartel Office Berichterstatter der 10. Beschlussabteilung
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Ausführliche Definition im Online-Lexikon von Oligopol
Dr. Ingo Mecke Bundeskartellamt, Federal Cartel Office Berichterstatter der 10. Beschlussabteilung
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Ausführliche Definition im Online-Lexikon von Monopol
Prof. Dr. Dirk Piekenbrock Duale Hochschule Baden-Württemberg
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Ausführliche Definition von Markt- Preismechanismus
Prof. Dr. Dirk Sauerland Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Gesundheitspolitik Lehrstuhlinhaber
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V. Das Bestehen des Marktmechanismus in unserer gegenwärtigen Wirtschaft
Carell, E. (1929). V. Das Bestehen des Marktmechanismus in unserer gegenwärtigen Wirtschaft, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 131(1), 191-194. doi:
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SULZBACH, W. (1956). DEMOKRATIE UND FREIE MARKTWIRTSCHAFT
Zeitschrift Für Die Gesamte Staatswissenschaft / Journal of Institutional and Theoretical Economics, 112(1), 131-143. Retrieved July 3, 2020,
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Chancen und Risiken ökologischer Wirtschaftspolitik in Sachsen-Anhalt: Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Magdeburg hatte das IWS Halle und das 1Ö WBerlin beauftragt, für das Land Sachsen-Anhalt eine Studie über die Chancen und Risiken ökologischer Wirtschaftspoli-tik in diesem Bundesland zu erstellen. Die Studie ist in mehrere Teile untergliedert, wovon hier vor allem die allgemeinen Teile dokumentiert werden. Weitere Teile beschäftigen sich mit der Be-standsaufnahme der bisherigen Wirtschaftspolitik in Sachsen-Anhalt, einer Darstellung von Fall-beispielen für eine noch mögliche, ökologisch ausgerichtete Entwicklung sowie den Problemen einer ökologieorientierten Industriepolitik.
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