patientenverfügung
Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2021

Das Thema Patientenverfügung schiebt man normalerweise in weite Ferne und befasst sich erst damit, wenn es denn wirklich an Relevanz gewonnen hat. Nur Ältere benötigen so etwas, denn wenn man jünger ist, ist man sowieso auf der sicheren Seite, denken die meisten. Warum eine Patientenverfügung zu jeder Lebenslage wichtig ist und von jetzt auf gleich ein Thema werden könnte, erklären wir Dir hier.

In unserem Ratgeber erklären wir Dir den Unterschied zu einer Vorsorgevollmacht, wann Du eine Patientenverfügung benötigst und was darin enthalten sein sollte. Auch auf die Länge der Gültigkeit und den Zeitpunkt, wann Du Deine Patientenverfügung aktualisieren solltest, gehen wir ein. Außerdem helfen wir Dir dabei, wie Du Deine Patientenverfügung verfasst, und gehen auf den Stellenwert des Coronavirus in diesem Zusammenhang ein.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Themen Patientenverfügung und Vorsorge betreffen nicht nur alte und kranke Menschen. Dies zeigt sich vor allem in Zeiten von Corona ganz deutlich.
  • Eine Patientenverfügung muss nicht vom Notar beglaubigt werden, greift aber auch erst, wenn man den eigenen Willen nicht mehr äußern kann.
  • Du kannst Deine Patientenverfügung ganz einfach selbst erstellen und auch jederzeit wieder verändern. Aktualisieren solltest Du sie jedenfalls alle zwei Jahre, um sie möglichst aktuell zu halten und Dich mit Deinen Wünschen und Vorstellungen auseinanderzusetzen.

Hintergründe: Das solltest Du über die Patientenverfügung wissen

Wenige machen sich im normalen Alltag Gedanken über eine Patientenverfügung. Doch sollte ein Unfall oder eine schwere Krankheit eintreten, kommt genau diese ins Spiel. Genau dieses Dokument entscheidet dann, ob Dein Wille ausgeführt wird oder nicht. Es ist also durchaus ratsam, sich schon früh mit dem Thema Patientenverfügung auseinanderzusetzen. Wir erklären Dir hier, worauf Du dabei achten solltest und was Du wissen musst.

Was ist eine Patientenverfügung?

In einer Patientenverfügung wird der Wille von Patienten für den Fall, dass sie ihn aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht mehr selbst aussprechen können, ausdrücklich festgelegt. Dieser muss konkret formuliert werden.

Liegt keine Patientenverfügung vor, handeln Ärzte und Pflegepersonal nach bestem Wissen und Gewissen und nach dem anzunehmenden Willen der Patienten. In Zusammenhang mit der Patientenverfügung wird häufig auch die Organspendeerklärung genannt. Denn auch in diesem Kontext ist nach dem Willen des Patienten zu handeln. (1, 2)

Du übst mit der Erstellung Deiner Patientenverfügung also Dein Selbstbestimmungsrecht aus, solltest Du später nicht mehr dazu in der Lage sein. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, Deine Verfügung zu jeder Zeit noch einmal zu verändern oder zu überarbeiten. (3)

Was ist der Unterschied zwischen einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht?

Während Du bei einer Patientenverfügung nur ein bloßes Schriftstück brauchst und dadurch über Dich selbst bestimmst, benötigst Du bei einer Vorsorgevollmacht eine Vertrauensperson, die im Falle Deiner Einwilligungsunfähigkeit stellvertretend Deinen Willen vertritt. Diese sorgt dafür, dass Deine Wünsche und Vorstellungen in dem von Dir gewünschten Ausmaß erfüllt werden.

Daneben gibt es aber auch noch eine Betreuungsverfügung, die im Falle einer angeordneten Betreuung greift. Wenn man die eigenen Angelegenheiten nicht mehr ohne Hilfe regeln kann, wird vom Gericht auch ein Betreuer verordnet. (4)

Am besten setzt Du Dich neben der Patientenverfügung auch mit anderen Arten der Vorsorge auseinander.

Um also rundum vorgesorgt zu haben, solltest Du sowohl eine Patientenverfügung als auch eine Vorsorgevollmacht erstellen. Es ist aber auch möglich, selbst einen Betreuer für den Fall einer benötigten Betreuung festzulegen.

So sind also Betreuungsverfügung und Organspendeerklärung gute Ergänzungen zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Daneben bietet sich im Falle einer Erkrankung auch noch eine Sterbegeldversicherung an. (5)

Wer vorausschaut und an anderer Stelle vorsorgen möchte, kann daneben noch eine fondsgebundene Rentenversicherung abschließen. Für den Fall einer schweren Krankheit oder eines Unfalls gibt es außerdem eine Dread-Disease-Versicherung und für Pflegebedürftigkeit eine Pflegeversicherung.

Wann benötigst Du eine Patientenverfügung?

Niemand ist verpflichtet, eine Patientenverfügung aufzusetzen. Allerdings bietet sie sich im Falle von Krankheiten sehr gut an. Gibt es keine Patientenverfügung, so wäre eine Vorsorgevollmacht jedenfalls sehr hilfreich, damit Entscheidungen getroffen werden können. Besteht eine Unstimmigkeit und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Familie über Entscheidungen, entscheidet als letzte Instanz das Gericht. (6)

Eine Patientenverfügung ist kein Muss, wäre aber in jedem Alter zu empfehlen. Besonders im fortgeschrittenen Alter und bei Krankheiten sollten vorsorglich Entscheidungen getroffen werden. (Bildquelle: Pexels / Kampus Production)

Bezieht man aber mit ein, wofür eine Patientenverfügung gedacht ist, so betrifft das Verfassen einer solchen nicht eben kranke oder alte Personen. Der Gedanke davon ist ja, eine Vorsorge zu treffen, die man im gesunden Zustand durchführt. Es bietet sich also für jede Person an, eine Patientenverfügung bereitzuhalten, denn Unfälle, Operationen, Impfschäden oder eine Corona-Infektion können jederzeit passieren.

Was sollte in Deiner Patientenverfügung stehen?

Um anerkannt zu werden und auch wirklich Deinen Willen zu erfüllen, sollte Deine Patientenverfügung die folgenden Punkte enthalten:

  • Eingangsformel: Diese sollte Deinen Vor- und Nachnamen, das Geburtsdatum sowie Deine Adresse enthalten.
  • Beschreibung der Situation: Du solltest genau beschreiben, in welchem Fall die Patientenverfügung gültig sein soll.
  • Vorgaben: Es braucht genaue Vorgaben zur Schmerz- und Symptombehandlung, zur künstlichen Ernährung, zur künstlichen Beatmung, zur Wiederbelebung, zur Gabe von Antibiotika und Bluttransfusionen und zu lebenserhaltenden Maßnahmen.
  • Wünsche in Bezug auf den Tod: Es sollten Äußerungen zum Sterbeort und der Sterbebegleitung beinhaltet sein.
  • Aussagen zur Auslegung, Durchsetzung, Verbindlichkeit sowie zum Widerruf.
  • Hinweis auf andere Verfügungen.
  • Hinweis auf eine Organspendeerklärung.
  • Schlussformel: Diese sollte Datum und Unterschrift enthalten.
  • Aktualisierungen: Diese sollten alle zwei Jahre ergänzt werden.

Diese Punkte sollten so genau wie möglich ausgeführt werden, um auch greifen zu können. Es wäre doch schade, wenn Formulierungen zu ungenau wären und Deine Patientenverfügung somit nicht in Kraft treten könnte. (7)

Wann ist eine Patientenverfügung gültig?

Verfasst werden kann eine Patientenverfügung von einem einwilligungsfähigen Volljährigen. Um nun gültig zu sein, muss das Dokument schriftlich vorliegen und sollte außerdem alle zuvor genannten, wichtigen Punkte in konkreter Formulierung enthalten.

Bei unspezifischen Aussagen kann es leicht zu Missverständnissen kommen, sodass Dein Wille womöglich erst nicht erfüllt werden kann. Es gilt noch zu beachten, wann die Patientenverfügung in Kraft tritt. Dies ist im Falle, dass

  • Du als Patient nicht einwilligungsfähig bist.
  • Dein Wille für Lebens- und Behandlungssituationen festgelegt ist.
  • die jeweilige medizinische Maßnahme notwendig ist.

Unabhängig von der Art Deiner Erkrankung müssen die genannten Punkte eintreten. Ansonsten tritt die Patientenverfügung nicht in Kraft. Daneben gibt es keine juristischen Vorgaben für eine Patientenverfügung. Das Dokument wird mit Deiner Unterschrift gültig. (8, 9, 10)

Wie lange ist Deine Patientenverfügung wirksam und wann solltest Du sie aktualisieren?

Es ist ratsam, Deine Patientenverfügung alle zwei Jahre auf den neuesten Stand zu bringen, auch um Deine womöglich veränderten Vorstellungen und Wünsche situationsgerecht einzubauen. Auch Deine gesundheitliche Situation sowie der Stand der Medizin könnten sich in der Zwischenzeit verändert haben.

Du solltest Deine Patientenverfügung alle zwei Jahre aktualisieren.

An Gültigkeit verliert die Verfügung allerdings ab der Ausstellung mit Unterschrift erst durch einen Widerruf oder den Eintritt des Todes. Du solltest Deine Patientenverfügung jeweils mit Datum unterschreiben, um sie aktuell zu halten. Alte Versionen solltest Du vernichten. Dadurch erlischt ihre Gültigkeit ebenfalls. (11)

Wo solltest Du Deine Patientenverfügung hinterlegen?

Du kannst eine Kopie Deiner Patientenverfügung sowohl Deinem Arzt als auch Deinen Angehörigen übergeben. Überdies kannst Du die Verfügung auch in zentralen Registern hinterlegen. Du kannst in jedem Fall auch eine Karte mit Dir führen, die besagt, dass eine Patientenverfügung existiert und wo sich diese befindet. Du musst Deine Patientenverfügung zumindest nicht notariell beglaubigen lassen oder beim Notar hinterlegen. (12)

Wie kannst Du selbst eine Patientenverfügung erstellen?

Bei der Erstellung Deiner Patientenverfügung solltest Du Dich vor allem mit Deinem Arzt beraten, da es doch um medizinische Belange geht und er Dir bei wichtigen Entscheidungen sicher einen Weg weisen kann. Daneben können auch Hospize beim Verfassen der Verfügung hilfreich sein und darauf hinweisen, was es im jeweiligen Fall zu beachten gilt.

Auch Sterbegeldversicherungen können solche Dokumente bereitstellen. Überdies gibt es Informationsbroschüren und Online-Formulare. (13)

Beispielhafte Formulare findest Du etwa auf Malteser sowie auf der Seite der BMJV.

Ein Beispiel für Formulare wären etwa die Dokumente, die man über malteser.de herunterladen kann. Diese kann man einzeln oder in Kombination verwenden. Darüber hinaus werden in einer eigenen Broschüre die einzelnen Bestandteile der Patientenverfügung erläutert.

Dies soll beim Erstellen der Verfügung helfen und lässt die Wichtigkeit der einzelnen Teile verstehen. Auch die Seite der BMJV bietet Formulare zu diversen Verfügungen und Vollmachten und gibt daneben einen guten Überblick über die einzelnen Dokumente. (14, 15)

Solltest Du das Coronavirus in Deine Patientenverfügung aufnehmen?

Auf der Seite der Malteser findest Du unter anderem einen Zusatz, der sich auf das Coronavirus bezieht. Dabei ist besonders das Thema der Beatmung ein wichtiger Punkt. Allerdings sind Themen wie die Beatmung ein standardmäßiger Teil einer Patientenverfügung. (16)

Wegen des Coronavirus müssen nicht unbedingt Änderungen in der Patientenverfügung vorgenommen werden. Es sollte aber der Anlass dazu sein, die Verfügung auf ihre Aktualität zu prüfen. Bildquelle: Pexels / Kampus Production)

Da es sich vor allem um Themen der Beatmung und der Behandlung auf Intensivstationen und im Falle eines Komas handelt, unterscheidet sich der Fall des Coronavirus nicht so stark von anderen Fällen, in denen eine Patientenverfügung sowieso greift. Es ist also nicht extra darauf zu verweisen. Allerdings sollte man sich in Zeiten von Corona unbedingt Gedanken über die allgemeine Erstellung einer Patientenverfügung machen.

Fazit

Du siehst, es macht also sichtlich Sinn, sich früh über eine Patientenverfügung Gedanken zu machen. Auch eine Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung oder eine Organspendeerklärung sind eine Überlegung wert. Um nämlich rundum vorgesorgt zu haben, bietet sich eine Verbindung aus etwa Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht an.

Da das Coronavirus dieselben Punkte wie andere schwere Erkrankungen betrifft, ist es nicht zwingend notwendig, für diesen Fall eigene Maßnahmen zu treffen, auch wenn es dazu Formulare gibt. Wichtig ist, dieses Thema als Anstoß überhaupt zur Erstellung einer Patientenverfügung zu sehen und die Wichtigkeit der Vorsorge zu erkennen.

Nachdem Du nun weißt, was Deine Patientenverfügung beinhalten soll und wann sie wirksam wird, ist es ein Leichtes, eine solche selbst zu erstellen. Dabei helfen auch diverse Online-Formulare und hilfreiche Vorgaben sowie Broschüren.

Bildquelle: Alexander Raths / 123rf

Einzelnachweise (16)

1. bundesgesundheitsministerium.de: Patientenverfügung, 22.12.2020.
Quelle

2. bundesaerztekammer.de: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.
Quelle

3. caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
Quelle

4. bundesaerztekammer.de: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.
Quelle

5. caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
Quelle

6. caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
Quelle

7. caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
Quelle

8. bundesaerztekammer.de: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.
Quelle

9. caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
Quelle

10. patientenverfuegung.digital: Patientenverfügung, 28.12.2020.
Quelle

11. dipat.de: Was ist eine Patientenverfügung? Franziska Weber, 16.04.2021.
Quelle

12. caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
Quelle

13. caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
Quelle

14. malteser.de: Wozu eigentlich eine Patientenverfügung? Karin Gollan.
Quelle

15. bmjv.de: Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung, 02.05.2017.
Quelle

16. malteser.de: Wozu eigentlich eine Patientenverfügung? Karin Gollan.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

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bundesgesundheitsministerium.de: Patientenverfügung, 22.12.2020.
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bundesaerztekammer.de: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.
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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
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Patientenverfügung
patientenverfuegung.digital: Patientenverfügung, 28.12.2020.
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Was ist eine Patientenverfügung?
dipat.de: Was ist eine Patientenverfügung? Franziska Weber, 16.04.2021.
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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
caritas.de: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, 30.01.2019.
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Wozu eigentlich eine Patientenverfügung?
malteser.de: Wozu eigentlich eine Patientenverfügung? Karin Gollan.
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Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung
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