Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2021

In Deutschland steht jedem, der einen engen Angehörigen pflegt, eine gewisse Rückerstattung zu. Diese Rückerstattung nennt sich Pflegepauschbetrag. Du hast bestimmt auch schonmal davon gehört, aber weißt du wirklich auch, was das ist und wie es funktioniert?

Die meisten wissen dies nicht und unter ihnen wären vielleicht auch einige berechtigt, den Pflegepauschbetrag zu bekommen. Mithilfe dieses Artikels wollen wir alle Unklarheiten bezüglich des Pflegepauschbetrags beseitigen und dir die wichtigsten Fragen beantworten. Wir wollen dir zeigen, was der Pflegepauschbetrag genau ist, wer ihn beantragen kann und wie diese Beantragung funktioniert.




Das Wichtigste in Kürze

  • Wer in Deutschland einen engen Angehörigen pflegt, hat den Anspruch auf den Pflegepauschbetrag.
  • Die Höhe des Pflegepauschbetrages hängt von dem jeweiligen Pflegegrad der zu pflegenden Person ab.
  • Der Pflegepauschbetrag kann ganz einfach in der Steuererklärung beantragt werden.

Hintergründe: Was du über den Pflegepauschbetrag wissen solltest

Bevor du deine nächste Einkommenssteuererklärung abgibst, solltest du dich darüber informieren, ob es nicht mögliche Steuernachlässe für dich geben könnte. Eine mögliche Art der Steuererleichterung stellt der Pflegepauschbetrag dar.

Diesen kannst du beantragen, wenn du im Privaten einen Angehörigen pflegst und dafür nicht bezahlt wirst. Im Folgenden erklären wir dir alles, was du zum Pflegepauschbetrag wissen musst. Und vielleicht kannst du den Pflegepauschbetrag schon in deiner nächsten Steuererklärung beantragen.

Was ist der Pflegepauschbetrag?

Beim Pflegepauschbetrag handelt es sich um eine Steuerermäßigung, die Steuerpflichtige geltend machen können, die eine außergewöhnliche Belastung bei der Pflege eines Angehörigen haben (§ 33b Abs. 6 EStG) (1). Dabei darf der Steuerpflichtige für die Pflege keine Einnahmen bekommen haben und die Pflege muss entweder in seiner Wohnung oder in der Wohnung des Pflegebedürftigen stattgefunden haben (1).

Bei dem Pflegepauschbetrag handelt es sich also um eine Steuerermäßigung, die du beantragen kannst, wenn du einen Angehörigen pflegst. Dabei gibt es aber noch einige Dinge zu beachten, besonders hinsichtlich der Höhe des Betrags, dieser hängt nämlich vom Pflegegrad der zu pflegenden Person ab. Die Antworten dazu liefern wir dir noch im Folgenden Artikel.

Wer bekommt den Pflegepauschbetrag?

Den Pflegepauschbetrag kann jeder Steuerpflichtige in der Steuererklärung beantragen, der einen Angehörigen pflegt und dafür kein Geld bekommt (2). Wenn du also auch einen Angehörigen pflegst, kannst du in deiner nächsten Steuererklärung den Pflegepauschbetrag beantragen.

Wenn du deine Angehörigen pflegst, kannst du den Pflegepauschbetrag bekommen. (Bildquelle: Unsplash / Logan Weaver)

Dabei gilt es allerdings einige Sache zu beachten. Zum Beispiel die Frage, ab wann eine Person als pflegebedürftig gilt und wie Angehöriger dabei definiert ist. Die Antwort darauf liefern wir dir im nächsten Abschnitt. Und auch über alle weiteren Voraussetzungen für die Beantragung des Pflegepauschbetrages klären wir dich in den nächsten Abschnitten auf.

Wie ist Angehöriger definiert?

Zwischen dir und der zu pflegenden Person muss eine enge persönliche Beziehung bestehen. Darunter fallen vor allem Verwandte und gute Freunde. In der folgenden Liste haben wir dir mal die wichtigsten Beziehungen zu den Pflegebedürftigen aufgelistet, für die du den Pflegepauschbetrag beantragen kannst (3):

  • Eltern
  • Ehe- bzw. Lebenspartner
  • Kinder
  • Enkel
  • Geschwister
  • Tante / Onkel
  • Schwager / Schwägerin
  • Neffe / Nichte

Dazu kommen dann noch die Schwiegereltern, die Stiefeltern sowie die Stiefkinder. Diese Definition umschließt auch Personen, die in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu dir stehen. Dazu gehören gute Freunde und Nachbarn.

Welche Voraussetzungen gibt es?

Es gibt sowohl Voraussetzungen, die du als pflegende Person erfüllen musst, als auch die zu pflegende Person selbst. Eine Übersicht über die zu erfüllenden Bedingungen haben wir dir einmal in der folgenden Liste kurz und knapp zusammengefasst (4). Du erhältst den Pflegepauschbetrag, wenn:

  • du einen pflegebedürftigen, engen Angehörigen pflegst
  • du den Pflegebedürftigen in deiner oder seiner Wohnung betreust und
  • du keine Vergütung für die Pflege erhältst.

Erfüllst du alle diese Voraussetzungen, kannst auch du in deiner nächsten Steuererklärung den Pflegepauschbetrag beantragen. Welche Bedingungen die zu pflegende Person erfüllen muss, haben wir dir im nächsten Abschnitt einmal aufgezeigt.

Ab wann ist eine Person pflegebedürftig?

Im vorherigen Abschnitt haben wir bereits geklärt, welche Voraussetzungen du erfüllen musst, um den Pflegepauschbetrag zu beantragen. In diesem Abschnitt wollen wir uns mal die Voraussetzungen ansehen, die die zu pflegende Person erfüllen muss, damit der Pflegepauschbetrag geltend gemacht werden kann. Steuerrechtlich wird zwischen pflegebedürftig und hilflos unterschieden.

Gerade alte Menschen sind häufig pflegebedürftig. (Bildquelle: Unsplash / Matthew Bennett)

Die beiden Begriffe scheinen das Gleiche zu meinen, haben aber steuerrechtlich unterschiedliche Bedeutungen (5). Im Folgenden definieren wir die beiden Begriffe mal und wollen so ein wenig Licht ins Dunkle bringen.

Der Begriff der Pflegebedürftigkeit ist nach dem Elften Buch des Sozialgesetzbuches folgendermaßen definiert: Pflegebedürftig sind Personen, die aufgrund einer körperlichen, seelischen oder geistigen Krankheit oder Behinderung in ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt sind und zur Bewältigung dieser gewöhnlichen und wiederkehrenden Verrichtung Hilfe benötigen.

Dabei muss die Pflegebedürftigkeit auf Dauer, aber mindestens für 6 Monate, bestehen (§ 14 SGB XI – Elftes Buch Sozialgesetzbuch) (6). Dazu gibt es dann noch den Begriff der Hilflosigkeit.

Dieser Begriff ist im Einkommenssteuergesetz im Paragraf 33b folgendermaßen definiert: Hilflos ist eine Person, wenn sie für eine Reihe von häufig und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen zur Sicherung ihrer persönlichen Existenz im Ablauf eines jeden Tages fremder Hilfe dauernd bedarf (§ 33b Abs. 6 EStG) (1).

Die Hilflosigkeit wird dabei durch den Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen "H" nachgewiesen oder durch die Einstufung in den Pflegegrad 4 oder 5 (7).

Wie hoch ist der Pflegepauschbetrag bei welchem Pflegegrad?

Nach den ganzen Definitionen und Voraussetzungen für die Beantragung des Pflegepauschbetrages kommen wir nun zu den finanziellen Aspekten und der Frage, wie hoch der Pflegepauschbetrag denn jetzt eigentlich ist. Der Pflegepauschbetrag wird immer für ein Jahr ausgezahlt und die Höhe orientiert sich dabei am Pflegegrad der zu pflegenden Person.

Der Pflegepauschbetrag wurde zum Jahr 2021 erhöht.

Dabei gibt es schonmal direkt eine gute Nachricht für dich, denn der Pflegepauschbetrag wurde zum Jahr 2021 erhöht und wir jetzt auch schon ab dem Pflegegrad 2 ausgezahlt.

Die genau Übersicht zu jedem Pflegegrad findest du in der nachfolgenden Tabelle. Darin wird auch zwischen den Beträgen bis zum Jahr 2020 und ab dem Jahr 2021 unterschieden (8):

Pflegegrad Bis 2020 Ab 2021
1 0€ 0€
2 0€ 600€
3 0€ 1100€
4 924€ 1800€
5 924€ 1800€

Wie du sehen kannst, kommt dir die Neuerung zu diesem Jahr auf jeden Fall entgegen. So bekommst du jetzt schon ab einem Pflegegrad von 2 den Pflegepauschbetrag und für die Pflegegrade 4 und 5 hat sich der Betrag fast verdoppelt auf 1800€.

Welche Pflegegrade gibt es und wie sind diese definiert?

In diesem Abschnitt wollen wir dir nur kurz eine kleine Übersicht über die verschiedenen Pflegegrade geben. Hierbei werden wir aber nicht zu sehr ins Detail gehen, denn das würde für diesen Artikel den Rahmen sprengen. Wir wollen dir nur mit an die Hand geben, wie welcher Pflegegrad definiert ist, damit du weißt, welchem Pflegegrad deine zu pflegende Person angehört. Dies ist ja durchaus wichtig für die Höhe des Pflegepauschbetrags.

Die Pflegegrade sind im zwölften Buch des Sozialgesetzbuches definiert (9). Da heißt es in Paragraf 61b, dass der Pflegegrad in einem Begutachtungsverfahren nach ermittelten Gesamtpunkten in Abhängigkeit der Schwere der Beeinträchtigung eingeordnet wird. Die Einordnung sieht dabei folgendermaßen aus:

Grad der Selbstständigkeit Punktezahl Pflegegrad
Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit 12,5 bis 27 1
Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit 27 bis unter 47,5 2
Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit 47,5 bis unter 70 3
Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit 70 bis unter 90 4
Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung 90 bis 100 5

Wie beantrage ich den Pflegepauschbetrag?

Nachdem wir dir dargestellt haben, was eigentlich der Pflegepauschbetrag ist, wer ihn bekommen kann und wie hoch der Betrag in Abhängigkeit des Pflegegrades ist, wollen wir dir noch in diesem letzten Schritt erklären, wie du den Pflegepauschbetrag beantragen kannst.

Der Pflegepauschbetrag lässt sich ganz einfach in der Steuererklärung beantragen.

Dieser letzte Schritt ist dabei tatsächlich gar nicht so kompliziert. Dazu brauchst du nur deine Steueridentifikationsnummer.

Dann kannst du den Pflegepauschbetrag ganz einfach in deiner nächsten Steuererklärung beantragen. Genauer gesagt, kannst du ihn in der Steuererklärung bei den "Außergewöhnlichen Belastungen" in den Zeilen 11 und 12 geltend machen.

Du brauchst dafür nicht einmal irgendwelche Nachweise oder Belege. Natürlich kann es vorkommen, dass das Finanzamt um Nachweise im Nachhinein bittet, aber für die Beantragung des Pflegepauschbetrages in der Steuererklärung brauchst du erstmal keine Belege.

Was ist der Unterschied zwischen Pflegefreibetrag und Pauschbetrag?

Damit es hier zu keinen Verwechslungen kommt, wollen wir dir im Folgenden Abschnitt einmal kurz den Unterschied zwischen Pflegefreibetrag und Pflegepauschbetrag erläutern. Im allgemeinen Sprachgebrauch sind sich die beiden Begriffe zwar sehr ähnlich, aber im Hinblick auf Gesetze und Rechte haben die beiden Begriffe eine unterschiedliche Bedeutung.

Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden Begriffe Freibetrag und Pauschbetrag dahingehend, dass der Freibetrag ein Teil des Einkommens ist, der steuerfrei ist. Der Pauschbetrag hingehen ist ein Betrag, der in der Steuererklärung von der Steuer abgesetzt werden kann und meist benötigt das Finanzamt dafür keine Belege.

Der Pflegefreibetrag ist ein Begriff des Erbschaftssteuerrechtes. Diesen Pflegefreibetrag kannst du geltend machen, wenn die Person, die du gepflegt hast verstorben ist. Die Höhe der Steuererleichterung hängt dabei von dem Verwandtschaftsgrad des Pflegenden und des zu pflegenden Verstorbenen ab. Je enger dieser Grad war, desto höher fällt der Pflegefreibetrag aus.

Fazit

Zum Schluss wollen wir die ganzen Informationen des Artikels nochmal kurz und prägnant für dich zusammenfassen. Der Pflegepauschbetrag ist ein Betrag, den Personen, die enge Angehörige pflegen, über die Steuererklärung beantragen können. Dabei sind einige Voraussetzungen zu beachten und die Höhe des Betrages hängt letztendlich von dem Pflegegrad der zu pflegenden Person ab.

Mithilfe dieses Artikels solltest du jetzt ein echter Profi im Themenbereich des Pflegepauschbetrages sein. Hoffentlich wurden alle deine Fragen zu deiner Zufriedenheit beantwortet. Wir haben dir außerdem erklärt, wie du den Pflegepauschbetrag in deiner nächsten Steuererklärung beantragen kannst. Wir hoffen sehr, dass alles klar geworden ist und du schon demnächst deinen verdienten Pflegepauschbetrag erhältst.

Bildquelle: luzitanija / 123rf

Einzelnachweise (9)

1. gesetze-im-internet.de: Einkommensteuergesetz (EStG) § 33b Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen, Hinterbliebene und Pflegepersonen. Abgerufen am: 01.05.2021.
Quelle

2. dmrz.de: Pflegepauschbetrag. So setzen Sie ihre Pflegekosten von der Steuer ab. Abgerufen am: 02.05.2021.
Quelle

3. pflege.de: Pflegepauschbetrag – Steuerentlastung für Angehörige von Pflegebedürftigen. Abgerufen am: 02.05.2021
Quelle

4. finanztip.de: Pflegepauschbetrag. Wer kostenlos pflegt, zahlt weniger Steuern. Abgerufen am 02.05.2021.
Quelle

5. allianz.de: Pflegepauschbetrag: Finanzieller Ausgleich für pflegende Angehörige. Abgerufen am: 02.05.2021.
Quelle

6. sozialgesetzbuch-sgb.de: § 14 SGB XI Begriff der Pflegebedürftigkeit. Abgerufen am: 02.05.2021.
Quelle

7. haufe.de: Pflege-Pauschbetrag für selbst Pflegende. Abgerufen am: 02.05.2021.
Quelle

8. pflege-durch-angehoerige.de: Unter diesen Voraussetzungen erhalten Sie den Pflegepauschbetrag. Abgerufen am: 02.05.2021.
Quelle

9. sozialgesetzbuch-sgb.de: § 61b SGB XII Pflegegrade. Abgerufen am: 03.05.2021.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Gesetz
gesetze-im-internet.de: Einkommensteuergesetz (EStG) § 33b Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen, Hinterbliebene und Pflegepersonen. Abgerufen am: 01.05.2021.
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dmrz.de: Pflegepauschbetrag. So setzen Sie ihre Pflegekosten von der Steuer ab. Abgerufen am: 02.05.2021.
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pflege.de: Pflegepauschbetrag – Steuerentlastung für Angehörige von Pflegebedürftigen. Abgerufen am: 02.05.2021
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finanztip.de: Pflegepauschbetrag. Wer kostenlos pflegt, zahlt weniger Steuern. Abgerufen am 02.05.2021.
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Ratgeber
allianz.de: Pflegepauschbetrag: Finanzieller Ausgleich für pflegende Angehörige. Abgerufen am: 02.05.2021.
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Gesetz
sozialgesetzbuch-sgb.de: § 14 SGB XI Begriff der Pflegebedürftigkeit. Abgerufen am: 02.05.2021.
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Ratgeber
haufe.de: Pflege-Pauschbetrag für selbst Pflegende. Abgerufen am: 02.05.2021.
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Ratgeber
pflege-durch-angehoerige.de: Unter diesen Voraussetzungen erhalten Sie den Pflegepauschbetrag. Abgerufen am: 02.05.2021.
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Gesetz
sozialgesetzbuch-sgb.de: § 61b SGB XII Pflegegrade. Abgerufen am: 03.05.2021.
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