Zuletzt aktualisiert: 8. Juni 2021

In manchen Fällen kommt es vor, dass Stromanbieter ihre Preise erhöhen. Dies kann verschiedene Gründe haben und auf verschiedenen Wegen passieren. Gerade in den letzten Jahren sind die Strompreise rasant angestiegen.

Auf welchen Wegen das passieren kann, welche Gründe dahinterstecken und wie du dich verhältst oder was deine Möglichkeiten sind werden wir in diesem Artikel näher beleuchten. Dabei werden wir uns verschiedenen der häufigsten Fragen widmen.




Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Preiserhöhung ihres Stromvertrages kann aufgrund verschiedener Gründe auftreten und ist mittlerweile jährlich gegeben.
  • Gründe für eine Preiserhöhung wird maßgeblich durch staatliche Umlagen bestimmt. Dennoch wird der Preis auch durch die EGG-Umlage für die Energiewende und den Wettbewerb bestimmt. Jedoch ist der billigste Anbieter nicht auch zwingend auch der beste, da dort meist versteckte Vertragskonditionen vorliegen.
  • Bei einer Preiserhöhung von Strom bleibt dem Verbraucher jedoch ein Sonderkündigungsrecht. Dabei sind jedoch einige Voraussetzungen zu beachten, da sonst unter Umständen der Vertrag verlängert werden kann.

Hintergründe: Was sind Preiserhöhungen für Strom?

Preiserhöhungen für Strom sind, wie der Name schon gesagt, Preiserhöhungen von Stromanbietern gegenüber ihren Kunden. Ähnlich wie Gaspreisentwicklungen kann dies aus verschiedenen Gründen passieren und dem Kunden auch auf verschiedenen Wegen mitgeteilt werden. In jedem Fall sollte man einen Blick auf die aktuellen Veränderungen der Preise haben.

Warum gibt es Preiserhöhungen für Strom?

Strom wird in jedem Haushalt mit digitalen Stromzählern gemessen. Abhängig vom Verbrauch kann dann der Preis, den man im Jahr an den Stromanbieter zu entrichten hat, variieren. Was beeinflusst den Preis jedoch außerhalb davon, denn der Preis für Strom ist innerhalb der letzten Jahre massiv gestiegen.

  • Staatliche Abgaben
  • Wettbewerb
  • Ausbauten des Stromnetzwerks
  • EEG- Umlagen

Dies hat verschiedene Gründe. Zunächst bildet sich der Preis auch aus staatlichen Abgaben. Diese machen etwa 70% des Strompreises aus, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Stromanbieter nur etwa 30% des Strompreises kontrollieren kann.

Preiserhöhung Strom

Die Energiewende und die dafür notwendige Produktion von "Grüner Energie" wird auch in den nächsten Jahren noch ein Treiber für Strom sein. (Bildquelle: Appolinary Kalashnikova / Unsplash)

Dennoch unterscheidet sich der Strompreis immer noch massiv zwischen einzelnen Anbietern, was vor allem am Wettbewerb liegt. Dies wird auch in Zukunft nicht aufhören, da die Energiewende teurere Ausbauten und Renovierungen nötig macht und auch die EEG- Umlage, die die Ökostrom- Förderung vorantreibt, in den nächsten Jahren ansteigt(1).

Wie kann eine Preiserhöhung für Strom erfolgen?

Ob und wie eine Preiserhöhung erfolgt, hängt von der Art der Versorgung ab. Dabei kann zwischen Grund- und Sonderversorgung unterschieden werden. Bei der Grundversorgung muss die Erhöhungen öffentlich erfolgen. Beispiele dafür sind örtliche Amtsblätter, Zeitungen und im Internet. Zusätzlich muss der Verbraucher sechs Wochen vor der Änderung per Brief informiert werden.

Dies ist gesetzlich geregelt. Bei Sonderversorgung sieht die Informationspflicht anders aus. Da es sich um eine Sonderversorgung handelt, also nicht für die breite Masse relevant ist, muss nur per Brief über die Preiserhöhung informiert werden(2).

Darf eine Preiserhöhung via E-Mail erfolgen?

Gerade in der heutigen Zeit wird immer mehr via e- Mail kommuniziert. Der hohe Datenverkehr und eine enorme e- Mail Dichte von verschiedensten Unternehmen, können das Postfach oft unübersichtlich aussehen lassen. Dabei stellt sich die Frage, ob es ausreicht, wenn eine Preiserhöhung per e- Mail zugeht. Dies genügt laut der Verbraucherzentrale nur dann, wenn der Verbraucher auch seine Zustimmung zur Kommunikation auf diesem Wege gibt.

Zudem muss eine Preiserhöhung auf diesem Wege klar erkennbar sein. Oft wird von Stromanbietern versucht die e- Mails als Werbung zu tarnen oder durch andere Verschleierungstaktiken den Kunden zu verwirren. Dadurch ist die Transparenz jedoch nicht gegeben. Durch eine Klage der Verbraucherzentrale ist es jetzt möglich, im Nachhinein gerichtlich gegen so eine Preiserhöhung vorzugehen und das Geld zurückzufordern(2).

Wie hoch waren die Preiserhöhungen von Strom in den letzten Jahren?

Wenn es um die Entwicklung der Strompreise lässt sich ein klarer Aufwärtstrend beobachten. Wie bereits am Anfang erwähnt ist der Strompreis seit dem Jahr 2004 um 69% gestiegen(3). Doch auch gerade in den letzten Jahren lässt sich ein kontinuierlicher Anstieg feststellen.

Gerade im Jahr 2013 gab es einen massiven Anstieg auf 28,84ct/kWh. Zudem gab es einen leichten Abfall im Jahre 2015 auf 28,70 ct/kWh. Dennoch lässt sich, wie in der folgenden Tabelle klar zu erkennen ist, ein kontinuierlicher Preisanstieg in den letzten Jahren erkennen(4).

Jahr durchschnittlicher Strompreis in ct/kWh
2010 23,69 ct/kWh
2012 25,89 ct/kWh
2014 29,14 ct/kWh
2016 28,80 ct/kWh
2018 29,47 ct/kWh
2020 31,37 ct/kWh

Welche Stromanbieter werden 2021 teurer?

Der Trend der letzten Jahre wird laut Vorhersagen auch im Jahre 2021 fortgeführt. Trotz diverser Rückgänge durch die Coronakrise und der EGG- Umlagen Deckelung der Bundesregierung werden die Strompreise teurer.
Bereits Anfang 2021 haben 149 verschiedene Stromanbieter eine Preiserhöhung angekündigt.

Bereits jetzt haben 149 Stromversorger eine Preiserhöhung angekündigt. Dies entspricht 14% aller Stromanbieter. Diese Erhöhungen können anbieterabhängig zwischen 0,1% und 26% variieren. Im Mittel beträgt die Erhöhung jedoch etwa 2,7%.

Die Strompreiserhöhungen werden jährlich meist im Oktober, mit den Änderungen der Umlagen und Netzwerkentgelte bekanntgegeben. Einige Anbieter wie Eon, EnBW, Innogy und Vattenfall haben ihre Ankündigungen auf die Mitte des Jahres verlegt, da im Oktober die Medienaufmerksamkeit besonders auf die Preiserhöhungen für Strom gerichtet ist(5).

Kann ich meinen Stromanbieter wechseln?

Ein Wechsel zu einem anderen Stromanbieter und der Bezug von billigerem Strom ist grundsätzlich immer möglich. Allerdings solltest du dabei auf die Kündigungsfristen achten. Meistens sind sie Abhängig vom Tarif festgelegt, können jedoch auch individualvertraglich geregelt sein. Gerade dann solltest du dir die Fristen gut merken, da oft eine automatische Vertragsverlängerung stattfindet.

Die Kündigungsfrist hängt außerdem davon ab, ob du Kunde bei einem Grundversorger, Alternativanbieter bist oder ein Sonderkündigungsrecht hast. Bei einem Grundversorger ist die Kündigung jederzeit möglich und du hast eine Kündigungsfrist von zwei Wochen.

Ein Alternativanbieter bindet in seinen Verträgen meist an eine bestimmte Frist und es gibt eine Mindestvertragslaufzeit. Zudem kann ihnen ein Sonderkündigungsrecht zur Verfügung stehen(6). Alternativ steht dir auch die Option von Photovoltik- Förderung zur Verfügung. Voraussetzungen dafür sind jedoch ein Eigenheim/ eigener Betrieb oder die Abklärung mit deinem Vermieter.

Zu welchem Zeitpunkt habe ich bei einer Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht?

Ähnlich wie bei der gesetzlichen Gewährleistung kann dir auch bei deinem Stromanbieter ein Sonderkündigungsrecht zur Verfügung stehen. Dies kann sie aus zwei verschiedenen Gründen vorkommen. Zum einen können sie unabhängig des Vertrags kündigen, wenn sie den Wohnort wechseln. Zum anderen aber auch wenn ihr Stromanbieter die Preise erhöht.

Dazu gibt es jedoch einige Voraussetzungen. Zum einen musst du selbst kündigen. Zum anderen muss die Kündigung schriftlich, das heißt in Schriftform, erfolgen. In Schriftform bedeutet eine Kündigung per e- Mail, Fax oder Brief.

Dabei muss als Kündigungsgrund das Sonderkündigungsrecht aus dem jeweiligen Grund angegeben werden. Zudem kann es vertragsabhängige Besonderheiten und Fristen geben, die jedoch nichts daran ändern, dass ihnen das Sonderkündigungsrecht grundsätzlich zur Verfügung steht(7).

Kann ich mit einer außerordentlichen Kündigungen meinen Stromvertrag kündigen?

Eine außerordentliche Kündigung wird im Falle eines Umzugs oder einer Preiserhöhung möglich. Somit ermöglicht das Sonderkündigungsrecht eine außerordentliche Kündigung und lässt sich somit gleichsetzen.

Eine anderweitige außerordentliche Kündigung ist im Normalfall nicht möglich, kann aber abhängig vom jeweiligen Vertrag individuell festgelegt werden, oder bereits von vorneherein vom Anbieter angeboten werden(8).

Was ist eine Vorlage, mit der ich meinen Stromvertrag kündigen kann?

Im Folgenden stellen wir euch Vorlagen für eine gewöhnliche Kündigung, sowie für eine Sonderkündigung zur Verfügung. Beachte, dass im Normalfall die Kündigungsfrist 2 Wochen beträgt oder von einem exakten vertraglich festgelegten Termin abhängt. Eine Sonderkündigung ist nur aufgrund eines besonderen Anlasses in einem bestimmten Zeitraum möglich.

Preiserhöhung Strom

Für eine Kündigung deines Stromvertrags gibt es verschiedene Wege. Sie kann per Post, Mail oder eines Formulars des Anbieters erfolgen. (Bildquelle: Andrew Neel / Unsplash)

Besonders wichtig ist es, zu erwähnen, aus welchem Grund man kündigt und zu welchem Datum. Zudem sollte Kunden- und Zählernummer erwähnt werden, sowie eine Kündigungsbestätigung angefordert werden(9, 10).

Ist eine Preiserhöhung bei Strom und Gas rechtswidrig?

Eine Preiserhöhung ist mittlerweile innerhalb der letzten Jahre zum Standard geworden. Könnte eine solche Preiserhöhung jedoch rechtswidrig sein? Dies kann laut dem EuGH aus verschiedenen Gründen der Fall sein. Stromanbieter haben kein Recht zur Preiserhöhung, wenn nicht deutlich ist, aus welchem Grund, ab welchem Datum und in welcher Höhe eine Preiserhöhung stattfindet.

Zudem kann eine Preiserhöhung rechtswidrig sein, wenn ein Stromanbieter diese als Werbung tarnt oder anderweitig verschleiert. Zudem muss es auf einem Weg mitgeteilt werden, an dem der Kunde die Erhöhung auch wahrnehmen kann(11).

Fazit

Zum Abschluss lässt sich sagen, dass die Preise in den letzten Jahren kontinuierlich stiegen und auch in den nächsten Jahren steigen wird. Dies hat vor allem die Gründe der staatlichen Abgaben, des Wettbewerbs und die Verrechnung der EGG- Umlagen.

Doch einem Kunden bleibt im Falle einer Preiserhöhung die Möglichkeit einer außerordentliche Kündigung durch das Sonderkündigungsrecht. Dies verlangt jedoch bestimmter Voraussetzungen die dringend beachtet werden müssen.

Bildquelle: Daniela Staerk / 123rf

Einzelnachweise (11)

1. Heike Jahberg (Stand: 30.04.21), Strompreis- Warum steigt der Strompreis ständig?
Quelle

2. Verbraucherzentralen Deutschland (2021); Preiserhöhungen bei Strom und Gas – was ist erlaubt?
Quelle

3. A. Breitkopf (2020); Verivox-Verbraucherpreisindex: Strompreis für Privathaushalte in Deutschland bei einem Stromverbrauch von 4.000 kWh in den Jahren 2004 bis 2020
Quelle

4. Alexander Charles (2020); Strompreisentwicklung: Verbraucherpreise steigen kontinuierlich
Quelle

5. Linda Marie Holm (2021), Strompreiserhöhung 2021: Hier steigen die Strompreise
Quelle

6. Hr B.P. Woldring (Stand: 30.04.2021); Kündigungsfrist: Wichtige Hinweise!
Quelle

7. Lasse Schmid (2021); Wann gilt das Sonderkündigungsrecht?
Quelle

8. Daniel Puschmann (2016); Sonderkündigungsrecht Strom und Gas: Vorzeitig aus dem Vertrag!
Quelle

9. Dr. Matthias Moeschler (Stand: 30.04.2021); Stromanbieter kündigen | Vorlagen für E-Mail, FAX & Brief
Quelle

10. Arik Meyer (Stand: 30.04.2021); VORLAGE FÜR SONDERKÜNDIGUNG BEI STROM/GAS PREISERHÖHUNG
Quelle

11. Hubertus Primus (2014); Strom- und Gaspreise: Fast jede Preis­erhöhung rechts­widrig
Quelle

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Alexander Charles (2020); Strompreisentwicklung: Verbraucherpreise steigen kontinuierlich
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Linda Marie Holm (2021), Strompreiserhöhung 2021: Hier steigen die Strompreise
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Hr B.P. Woldring (Stand: 30.04.2021); Kündigungsfrist: Wichtige Hinweise!
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Vorlage Sonderkündigung
Arik Meyer (Stand: 30.04.2021); VORLAGE FÜR SONDERKÜNDIGUNG BEI STROM/GAS PREISERHÖHUNG
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