Finances
Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2021

Wirst du im Alter finanziell abgesichert sein? Vermutlich nicht, dies lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen. Dennoch behandeln viele Menschen dieses Thema nicht mit der notwendigen Aufmerksamkeit. Sorgen um die Rente scheinen für viel Sorgen von morgen zu sein, die in ferner Zukunft liegen und sich wohl irgendwie regeln werden. Dabei ist Vorsorge in diesem Punkt die einzig richtige Strategie.

Die gesetzliche Rente schützt nicht vor Altersarmut, soviel ist sicher. Selbst private Versicherungen bieten dir in diesem Zusammenhang unzureichend Schutz. Dabei stellt sich in erster Linie die Frage, welche Differenz sich zwischen dem, was du beziehen wirst und dem, was du eigentlich zum Leben bräuchtest, auftun wird. Im Folgenden werden wir dir zeigen wie du diese Lücke berechnest und dir den ein oder anderen wertvollen Tipp an die Hand geben.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen der gesetzlichen Altersvorsorge und dem persönlichen Finanzbedarf einer Person im Ruhestand. Der Finanzbedarf liegt etwa bei 70 % bis 80 % des letzten Nettoeinkommens.
  • Bei der Ermittlung der Rentenlücke werden zusätzlich zur gesetzlichen Rente auch private und betriebliche Vorsorgemaßnahmen einbezogen. Zudem sind andere Einflüsse wie Steuern und Inflation mit zu berücksichtigen.
  • Um Altersarmut vorzubeugen, empfiehlt es sich frühzeitig einen Finanzplan zu erstellen und Rentenzusatzversicherungen abzuschließen. Dafür gibt es entsprechende Anlaufstellen, die beraten und aufklären.

Definition: Was ist die Rentenlücke?

Um die Rentenlücke berechnen zu können, muss im ersten Schritt definiert werden worum es sich mit dem Begriff konkret handelt. Dabei lassen sich verschiedene Definitionen finden, sie unterscheiden sich je nachdem welche Bezugsgrößen in die Berechnung eingebunden werden.

Allgemein kann man aber sagen, der Ausdruck Rentenlücke beschreibt die Differenz zwischen deinem Einkommen als erwerbstätige Person, also deinem letzten Nettolohn und deiner Rente (4).

Die Höhe deiner Rente bemisst sich dabei an verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise deinen Arbeitsjahren, deinem Beruf, deinem Wohnort und deinem Gehalt (1). Oftmals ist in diesem Zusammenhang auch von Versorgungslücke die Rede.

Hintergründe: Was du über das Thema Rentenlücke berechnen wissen solltest

Bei der Rentenlücke handelt es sich nicht um eine gleichbleibende, stetige Größe. Sie variiert vielmehr je nach Lebenslauf und kann durch äußere Umstände beeinflusst werden, wie etwa durch Inflation. Nichtsdestotrotz ist es möglich die Rentenlücke grob in ihrem Ausmaß zu erfassen. Wie das geht, worauf du achten solltest und wie sie zu schließen ist, erklären wir dir jetzt.

Kann man die Rentenlücke selbst berechnen?

Es ist möglich die Rentenlücke selbst zu berechnen, dafür gibt es eine Formel, soviel vorab. Es besteht weiter die Möglichkeit die Rentenlücke online zu berechnen. Verschiedene Webseiten bieten etwa einen Rentenlücken-Rechner an. In der Regel musst du hierbei nur ein paar Daten, wie beispielsweise dein derzeitiges Bruttoeinkommen, dein Geburtsdatum und dein Alter beim Berufseinstieg angeben.

In beiden Fällen handelt es sich jedoch um Momentaufnahmen, welche nur ein starres Bild der zukünftigen Lage erzeugen können und nur einen ungenauen Schätzwert liefern. Eine flexiblere und somit auch prognosefähigere Variante zur Berechnung der finanziellen Situation im Alter stellen Apps zum Thema Rente dar.

Mit welcher Formel ist die Rentenlücke zu berechnen?

Im Wesentlichen lautet die Formel zur Berechnung der Rentenlücke wie folgt. Du musst im ersten Schritt deinen späteren Finanzbedarf ermitteln, also die Summe die du im Alter für deine Fixkosten und deinen angestrebten Lebensstil benötigen wirst. Diese Summe sollte in etwa 70 % bis 80 % deines letzten Nettoeinkommens betragen, da diverse Kosten im Alter wegfallen dürften.

Von diesem Betrag sind im zweiten Schritt deine zu erwartenden Einnahmen abzuziehen, welche du aus der gesetzlichen und privaten Altersvorsorge erhalten wirst. Dafür erhältst du jährlich einen Rentenbescheid, der dir zumindest einen groben Eindruck vermittelt von der Deutschen Rentenversicherung (4, 6).

Schon wird die beschriebene Lücke in Form der entstandenen Differenz ersichtlich. Allerdings kann es sich dabei nur um einen Schätzwert handeln, da andere Faktoren wie deine Lebenserwartung, die Zinsentwicklung sowie Steuern und Inflation mit zu bedenken sind, um auf ein aussagekräftiges Ergebnis zu kommen.

Zudem wären zusätzliche Einnahmen wie beispielsweise der Bezug von Miete durch Hauseigentum mit einzuberechnen, welche die Rentenlücke verkleinern würde. In der folgenden Tabelle zeigen wir dir eine Beispielrechnung mit einer Inflation von 2 % jährlich:

Bezugsgrößen Betrag
Bruttolohn 3000 €
Letzter Nettolohn nach aktueller Kaufkraft 1772 €
Finanzbedarf im Alter ausgehend von 80 % des Nettolohns 1418 €
Gesetzliche Rente 1042 €
Rentenlücke nach aktueller Kaufkraft 376 €
Tatsächliche Rentenlücke nach geschätzter Kaufkraft in 20 Jahren mit Inflation von 2 % 558,72 €

Dieses Beispiel soll dir einen konkreteren Einblick geben, wie dies jedoch besonders für dich aussieht kannst du selbst errechnen oder berechnen lassen.

Welche Fehler sind im Hinblick auf die Rentenlücke zu vermeiden?

Der wohl größte Fehler im Hinblick auf deine spätere Absicherung im Alter wäre die Thematik auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Rentenlücke sollte nicht unterschätzt werden, sie einmalig zu berechnen und auf das Beste zu hoffen, wird nicht ausreichen.

Denn wer im Alter finanziell gut versorgt sein möchte, sollte seine Einnahmen und Anlagen kontinuierlich im Blick behalten. Weiter empfiehlt es sich seine Versorgungsstrategie bewusst zu wählen und nicht permanent zu wechseln. Auch solltest du dir darüber bewusst sein, dass das Leben nicht immer so verläuft wie du es dir wünschst.

Für die spätere Absicherung sollte die Rentenlücke nicht unterschätzt werden.

Unerwartete Zwischenfälle wie Unfälle oder Krankheiten können dir die Teilhabe am Arbeitsmarkt unmöglich machen und somit Auswirkungen auf deine späteren Bezüge haben. In diesem Zusammenhang ist es ratsam über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachzudenken (8).

Es wäre auch ein Fehler im Hinblick auf die Altersvorsorge auf die Einnahmen seines Lebenspartners zu setzen. Gerade Frauen sind bis heute am Arbeitsmarkt strukturell benachteiligt. Sie arbeiten etwa häufiger in Teilzeit, werden schlechter vergütet und müssen daher mit einer größeren Rentenlücke rechnen. Dieses Missverhältnis wird auch als Gender Pension Gap bezeichnet (2, 7).

Wie bereits beschrieben, solltest du auch äußere Einflüsse wie die Zinsentwicklung und Inflation im Bewusstsein behalten. Sparen und ein Finanzplan können vorbereitend sein und du kannst mit einer kleinen Sicherheit in die Zukunft gehen.

Welche Anlaufstellen gibt es, um sich die Rentenlücke berechnen zu lassen?

Neben der Möglichkeit seine Rentenlücke selbst oder mithilfe von online Rechnern oder Apps zu ermitteln, gibt es auch konkrete Anlaufstellen, die dir helfen können, gut informierte Entscheidungen zu treffen. Vor allem im Hinblick auf Zuverlässigkeit und Sicherheit kann es die klügere Wahl sein sich an Experten zu wenden.

Wer möchte schon im Alter sein Kleingeld zusammen kratzen müssen? Berechne deine Rentenlücke und sorge angemessen vor. (Bildquelle: Josh Appel / Unsplash)

So bieten beispielsweise viele Banken und der Bund der Deutschen Rentenversicherung eine kostenlose Finanzberatung an. Darüber hinaus lassen sich auch unabhängige Finanz- und Rentenberater finden, welche ihre Mandanten kostenpflichtig in Renten- sowie Versicherungsfragen aufklären und betreuen. Experten für Altersvorsorge bieten erste Beratungsgespräche in der Regel kostenfrei an.

Welche Auswirkungen hat die Inflation auf die Rentenlücke?

Durch Inflation ändert sich die Kaufkraft von Geld. Die Inflation hat somit Auswirkungen auf den Wert deiner zukünftigen Rente und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit deren Kaufkraft minimieren. Zwischen dem Zeitraum von 2000 bis 2018 hat sich der Zahlbetrag der Rente beispielsweise kontinuierlich erhöht. Die Rente hat sich in diesen Jahren der Inflation angepasst. Die Inflationsrate entspricht durchschnittlich 2 % (3).

Die sogenannte Rentenanpassung ist gesetzlich festgeschrieben und erfolgt jährlich zum 1. Juli. Dementsprechend bemisst sich die Rentenlücke also nicht nur an Zahlen, sondern vielmehr an deren Bedeutung und Wert, also der Kaufkraft. Dies verdeutlicht einmal mehr, dass es sich bei der Berechnung der Rentenlücke um ein komplexes Thema handelt (5).

Welche Finanztipps gibt es, um die Rentenlücke zu schließen?

An erster Stelle steht, wie so oft betont, die möglichst genaue Berechnung deiner persönlichen Rentenlücke. Egal für welche Variante du dich letztendlich entscheidest, um diesen Punkt abzuhaken, soll es an dieser Stelle vordergründig um deine Möglichkeiten gehen, die Versorgungslücke zu schließen. Eine Option die Experten empfehlen, ist das Drei-Säulen-Modell. Es besteht aus folgenden Elementen:

  • Gesetzliche Rente
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Private Altersvorsorge

Dieses Modell setzt also auf die Summe aus der gesetzlichen Rente in Kombination mit der betrieblichen Absicherung durch den Arbeitgeber und einer privaten Altersvorsorge (4). Welche Rentenversicherung zur privaten Vorsorge sich für dich lohnt, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren wie deinem Familienstand, deinem Einkommen, deinem Lebensstil und den entsprechenden Renditen ab.

Eine weitere Möglichkeit bilden etwa Geldanlagen in Form von Aktien, Wertpapieren und Fonds, wobei je nach gewählter Option immer ein gewisses Risiko bestehen bleibt. Umso wichtiger ist in diesem Zusammenhang eine gute Aufklärung und weitsichtige Planung. In jedem Fall solltest du deine Finanzen gezielt einsetzen und wenn es die Gesamtsituation zulässt, sparen, was du sparen kannst, ohne an Lebensqualität einzubüßen (6).

Fazit

Wie du siehst, ist es also von großer Wichtigkeit schon heute an deine finanzielle Sicherheit von morgen zu denken. Wenn es dir später einmal gut gehen soll, empfiehlt es sich voraussichtlich zu planen. Um dieser schwierigen Herausforderung gerecht zu werden, kannst du selbst tätig werden, dich belesen und deine Rentenlücke berechnen.

Da es sich dabei aber um eine komplexe Aufgabe handelt und viele verschiedene Aspekte in die Rechnung einfließen, empfiehlt es sich durchaus Experten zurate zu ziehen. Diese liefern dir nicht nur eine zuverlässigere Prognose deiner Rentenlücke, sondern können dich darüber hinaus über deine Möglichkeiten informieren die Versorgungslücke individuell und zu deinem Lebensmodell passend, zu schließen.

Dabei lassen sich verschiedene Optionen ausfindig machen, um Altersarmut vorzubeugen, den von dir angestrebten Lebensstandard aufrechtzuerhalten und dir finanzielle Sorgen nach deinem Arbeitsleben zu ersparen. Fange also schon heute damit an dich um deine Zukunft zu kümmern. Wir wünschen dir dabei viel Erfolg und Weitsicht.

Bildquelle: Tunedin123/ 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Dr. Michael Böhmer, Dr. Oliver Ehrentraut, Dr. Claudia Funke, Tina Schneidenbach, Rentenperspektiven 2040, Niveau und regionale Kaufkraft der gesetzlichen Rente für typisierte Berufe. (2015): Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V., 30 Seiten.
Quelle

2. Susanna Kochskämper, Gender Pension Pay Gap – Lehren für die Zukunft? (2020): IW-Kurzbericht 19/2020, 3 Seiten.
Quelle

3. Stefan Graf, Alexander Kling und Jochen Ruß, Auswirkungen von Garantien auf inflationsbereinigte Chancen und Risiken langfristiger Sparprozesse (2021): Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften. 57 Seiten.
Quelle

4. Wirtschaftslexikon.gabler: Versorgungslücke, Helmut Keller, Abruf am 10.05.2021 um 11:00 Uhr.
Quelle

5. Wirtschaftslexikon.gabler: Rentenanpassung, Jan-Hendrik Krumme, Prof. Dr. Joachim Becker, Abruf am 10.05.2021 um 11:00 Uhr.
Quelle

6. beyondsaving: Rentenlücke schließen: In 3 Schritten fürs Alter vorsorgen, Carlos Link-Arad, Abruf am 10.05.2021 um 11:30 Uhr.
Quelle

7. Christina Klenner, Peter Sopp, Alexandra Wagner, GROSSE RENTENLÜCKE ZWISCHEN MÄNNERN UND FRAUEN, (2016):WSI-Report Nr. 29, 6/2016, 70 Seiten.
Quelle

8. Wirtschaftslexikon.gabler: Berufsunfähigkeit, Prof. Dr. Joachim Becker, Prof. Dr. Fred Wagner, Abruf am 10.05.2021 um 11:30 Uhr.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wissenschaftliche Untersuchung
Dr. Michael Böhmer, Dr. Oliver Ehrentraut, Dr. Claudia Funke, Tina Schneidenbach, Rentenperspektiven 2040, Niveau und regionale Kaufkraft der gesetzlichen Rente für typisierte Berufe. (2015): Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V., 30 Seiten.
Gehe zur Quelle
Wissenschaftliche Untersuchung
Susanna Kochskämper, Gender Pension Pay Gap – Lehren für die Zukunft? (2020): IW-Kurzbericht 19/2020, 3 Seiten.
Gehe zur Quelle
Wissenschaftliche Untersuchung
Stefan Graf, Alexander Kling und Jochen Ruß, Auswirkungen von Garantien auf inflationsbereinigte Chancen und Risiken langfristiger Sparprozesse (2021): Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften. 57 Seiten.
Gehe zur Quelle
Wissenschaftliche Definition
Wirtschaftslexikon.gabler: Versorgungslücke, Helmut Keller, Abruf am 10.05.2021 um 11:00 Uhr.
Gehe zur Quelle
Wissenschaftliche Definition
Wirtschaftslexikon.gabler: Rentenanpassung, Jan-Hendrik Krumme, Prof. Dr. Joachim Becker, Abruf am 10.05.2021 um 11:00 Uhr.
Gehe zur Quelle
Wissenschaftliche Untersuchung
beyondsaving: Rentenlücke schließen: In 3 Schritten fürs Alter vorsorgen, Carlos Link-Arad, Abruf am 10.05.2021 um 11:30 Uhr.
Gehe zur Quelle
Wissenschaftliche Untersuchung
Christina Klenner, Peter Sopp, Alexandra Wagner, GROSSE RENTENLÜCKE ZWISCHEN MÄNNERN UND FRAUEN, (2016):WSI-Report Nr. 29, 6/2016, 70 Seiten.
Gehe zur Quelle
Wissenschaftliche Definition
Wirtschaftslexikon.gabler: Berufsunfähigkeit, Prof. Dr. Joachim Becker, Prof. Dr. Fred Wagner, Abruf am 10.05.2021 um 11:30 Uhr.
Gehe zur Quelle
Testberichte