Rückforderung Bearbeitungsgebühren Kredite
Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2021

Jedes Jahr werden viele Kredite in Deutschland abgeschlossen. (1) Oft fordern die Banken zusätzliche Gebühren für die Bearbeitung, wenn man einen Kredit aufnimmt. Doch kannst du das Geld zurückfordern und wenn ja, wie funktioniert das?

In unserem umfangreichen Ratgeber zum Thema Rückforderung der Bearbeitungsgebühren bei Krediten zeigen wir dir, wie du dein Geld zurückbekommen kannst. Weiterhin erhältst du von uns alle Antworten auf die meist gestellten Fragen in Bezug auf das Thema, um dich bei deinem Weg der Rückforderung der Bearbeitungsgebühren bei Krediten zu unterstützen.




Das Wichtigste in Kürze

  • Banken dürfen für Verbraucherkredite neben der Tilgung nur Zinsen verlangen.
  • Zusätzlich berechnete Kreditbearbeitungsgebühren sind unzulässig und können zurückgefordert werden.
  • Die Verjährungsfrist beträgt drei Jahre mit Ablauf des Jahres. Auch bei schon bei getilgten Krediten kann die Bearbeitungsgebühr zurückgefordert werden.

Definition: Was ist eine Rückforderung für Bearbeitungsgebühren bei Krediten?

Kreditbearbeitungsgebühren sind Gebühren, die oftmals von Banken beim Abschluss eines Kredites verlangt werden. Dies passiert zum Beispiel bei Ratenkrediten, Autokrediten oder gewerblichen Krediten.

Dabei ist es so, dass die Bearbeitungsgebühr des Kredits als gesonderter Betrag bei der Kreditvergabe abgerechnet wird und unabhängig von den ohnehin anfallenden Zinsen und Raten besteht. Grundsätzlich sind Bearbeitungsgebühren, die im vornherein durch die Bank festgelegt wurden und denen keine ersichtliche Gegenleistung gegenübersteht, unzulässig. Dies gilt auch, wenn sie in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommen wurden.

Eine Rückforderung kommt immer dann in Betracht, wenn die Bearbeitungsgebühr für Tätigkeiten erhoben wird, die die Bank nach der gesetzlichen Regelung ohne gesondertes Entgelt zu erbringen hätte und die sie tatsächlich allein im eigenen Interesse erbringt. Zur Rückerstattung musst du deinen Kreditgeber kontaktieren.

Hintergründe: Was du über die Rückforderung der Bearbeitungsgebühren bei Krediten wissen solltest

Innerhalb von acht Jahren sollen Banken allein 13 Milliarden Euro mit Bearbeitungsgebühren für Kredite eingenommen haben. (3) Lange Zeit konnten Finanzinstitute bei der Kreditvergabe problemlos eine Bearbeitungsgebühr berechnen.

Durch verschiedene Entscheidungen des Bundesgerichtshofes (BGH) hat sich das in den letzten Jahren zugunsten der Verbraucher geändert. Mitunter besteht sogar die Möglichkeit, bereits gezahlte Gebühren zurückzuverlangen. Hierbei muss jedoch die entsprechende Verjährungsfrist beachtet werden.

Warum bieten Banken eine Rückerstattung von Bearbeitungsgebühren überhaupt an?

Im Jahr 2014 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Kreditbearbeitungsgebühren bei Verbraucherkrediten grundsätzlich unzulässig sind. Demnach haben die Banken seitdem in den meisten Fällen nicht das Recht, dir zusätzliche Gebühren bei Aufnahme eines Kredites zu berechnen. Verbraucher können seitdem eine Erstattung verlangen.

Trotzdem gibt es Banken, die nach 2014 dennoch Bearbeitungsgebühren berechnen. Dies ist in vielen Fällen nicht rechtens. Verbraucher können sich wehren, indem sie die Gebühren zurückfordern. Zusätzlich müssen Banken dir Zinsen auf die Bearbeitungsgebühren bezahlen. (4)

Rückforderung Bearbeitungsgebühren Kredite

Im Jahr 2014 hat das BGH ein Gesetz eingeführt, dass besagt, dass bei den meisten Krediten keine Bearbeitungsgebühren berechnet werden dürfen. (Bildquelle: Bill Oxford / Unsplash)

Der Bundesgerichtshof begründet seine Urteile vor allem mit zwei Argumenten. Einerseits stellt die von der Bank durchgeführte Bonitätsprüfung aus Kundensicht keine Leistung dar. Infolgedessen benachteiligt das Finanzinstitut Kreditnehmer, wenn es ihnen den entsprechenden Aufwand in Rechnung stellt.

Schließlich verlangt die Bank bereits Zinsen, für die von ihr erledigten Arbeiten. Andererseits liegt die Bonitätsprüfung vorrangig im Interesse des Kreditgebers, für den sogar die gesetzliche Verpflichtung zu dieser Maßnahme besteht.

Wie funktioniert die Rückforderung der Bearbeitungsgebühren für Kredite?

Zuerst solltest du in deinem Kreditvertrag prüfen, ob du einen Anspruch auf die Rückerstattung von Kreditgebühren hast. Wenn das der Fall ist, dann ist nun das Datum deines Kreditvertrags entscheidend. Liegt dieses noch keine drei Jahre zurück, hast du ein Recht auf Rückerstattung.

Gehe nun die Vertragsunterlagen durch und notiere dir deine Vertrags­nummer. Hier kannst du außerdem die Höhe der Gebühren herausfinden, die der Kreditgeber unzulässig von dir eingefordert hat.

Fertige ein Schreiben an, in dem du dein Interesse (Erstattung der Kreditgebühr), die Höhe der Gebühr, deine Kontodaten (IBAN und ggf. BIC), auf das die Gebühr zurück überwiesen werden soll und das Aktenzeichen des Referenzurteils des BGH aufführst. Setze der Bank eine Frist, bis wann du die Rückzahlung erwartest. Es gibt aber auch zahlreiche Musterbriefe hierfür im Internet, die du verwenden kannst.

Wann kann man die Bearbeitungsgebühren für Kredite zurückfordern?

Seit Mai 2014 wurde ein Gesetz der Rückerstattung bei Bearbeitungsgebühren von Krediten eingefordert. Dies betrifft die meisten Kreditarten. Demnach kannst du innerhalb des Zeitraumes von drei Jahren deine Gebühren zurückfordern.

Wo kann man die Bearbeitungsgebühren für einen Kredit zurückfordern?

Du fertigst ein Schreiben an, in dem du dein Interesse erklärst und sendest es deinem Kreditgeber zu.

Rückforderung Bearbeitungsgebühren Kredite

Wenn du dein Geld zurückfordern möchtest, solltest du deinem Kreditgeber ein Schreiben zukommen lassen. (Bildquelle: Scott Graham / Unsplash)

Versende deine Rückforderung der Kreditgebühren per Einschreiben mit Rückschein. Dann kannst du sicher sein, dass das Kreditinstitut dein Schreiben erhalten haben und falls niemand reagiert, hast du so eine gute Grundlage für juristische Schritte.

Können auch Bearbeitungsgebühren zurückgefordert werden, wenn der Kredit schon vollständig zurückgezahlt ist?

Auch bei Krediten, die schon vollständig zurückgezahlt wurden, können die Bearbeitungsgebühren zurückgefordert werden, vorausgesetzt der Rückforderungsanspruch noch nicht verjährt ist.

Wie hoch sind die Bearbeitungsgebühren bei einem Kredit?

Die Bearbeitungsgebühr für einen Kredit  kann hoch ausfallen. Grundsätzlich dürfen Kreditgeber bei der Rückforderung einer Bearbeitungsgebühr Zinsen verlangen. Jährlich 5 % über dem Basiszinssatz sind hierbei die Norm. Dieser sogenannte Verzugszins betrug in den letzten Jahren zwischen 4 und 4,5 %. (5)

Die Gebühren eines Kredits ergeben sich aus den individuellen Vereinbarungen im Kreditvertrag. Meist liegt der Betrag zwischen 0,75 Prozent und 3,5 Prozent bezogen auf die Kreditsumme. Zum Vorteil für Kreditnehmer dürfen Banken seit 2014 aber keine Kosten mehr in Rechnung stellen, die im Rahmen einer Kreditgewährung üblicherweise entstehen.

Banken müssen sämtliche typischen Bearbeitungsgebühren für den Kredit in den Effektivzins einrechnen. Typisch sind etwa:

  • Beratungsgespräche des Kunden

  • Bonitätsprüfung

  • Ausarbeitung eines individuellen Kreditangebots

  • Aufnahme der Kundendaten

Der effektive Zinssatz beinhaltet also sämtliche Bearbeitungsgebühren einer Bank. Wenn Verbraucher wissen wollen, wie hoch dieser Aufschlag konkret ist, müssen sie den Nominalzins mit dem Effektivzins vergleichen. Die Differenz gibt Auskunft über die Höhe der Kosten, die die Bank zusätzlich zum Entgelt für die Bereitstellung des Kreditbetrags in Rechnung stellt.

Wann hat man Anspruch auf Erstattung der Bearbeitungsgebühren bei einem Kredit?

Kreditbearbeitungsgebühren sind unzulässig, wenn damit Kosten gedeckt werden sollen, die üblicherweise bei der Kreditvergabe aufseiten der Bank entstehen. Nur, wenn Sonderleistungen erbracht werden, die über den üblichen Rahmen der Kreditgewährung hinausgehen, dürfen Banken zusätzliche Abschluss- und Bearbeitungsgebühren berechnen.

Als Kunde muss man deshalb ganz genau überprüfen, welche Kosten sich hinter dem Begriff „Gebühren“ verstecken. Im Zweifel empfiehlt es sich, beim Kreditgeber nachzufragen.
Folgende Gebühren sind nicht zulässig:

Gebühren Kredit Kreditart
Kreditbearbeitungsgebühren Verbraucherkredit
Individualbeiträge Verbraucherkredit
Kreditbearbeitungsgebühren Unternehmensdarlehen
Darlehensgebühren Bausparverträge
Kontogebühren in der Darlehensphase von Bausparverträgen

Wie du siehst, sind die meisten Gebühren nicht erlaubt. Kontogebühren in der Darlehensphase sind unzulässig. Damit wälzt die Bausparkasse nach Ansicht der Richter Kosten auf ihre Kunden ab, die für Tätigkeiten anfallen, die sie überwiegend in eigenem Interesse erbringt.

Nach der Rechtsprechung des BGH sind Kreditbearbeitungsgebühren bei Firmendarlehen ebenfalls unzulässig. Banken dürfen auch bei gewerblichen Krediten solche Gebühren nicht verlangen. Zulässig ist dagegen ein Auszahlungsabschlag bei Darlehen der staatlichen KfW-Bank. (6)

Wann verjährt der Anspruch auf Rückforderung der Bearbeitungsgebühren eines Kredites?

Die Verjährungsfrist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und endet nach drei Jahren. (7) Nur in Ausnahmefällen ist es noch denkbar, dass der Anspruch auf Rückforderung noch nicht verjährt ist.

  • Der Kunde hat vor Verjährungseintritt ein Schreiben der Bank erhalten, in dem erklärt wird, der Anspruch werde geprüft und die Bank hat den Anspruch danach nicht abgelehnt.
  • Die Bearbeitungsgebühren wurden mit den Raten verrechnet und die Ratenzahlungen sind erst innerhalb der letzten drei Jahre erfolgt.
  • Es wurde oder wird ein Ombudsmannverfahren durchgeführt und die Verjährung wurde so gehemmt. (8)
  • Die Bank hat auf die Einrede der Verjährung verzichtet.

Bearbeitungsgebühren können dann auch noch nach Eintritt der Verjährung des eigentlichen Rückforderungsanspruchs zurückgefordert werden, wenn der Vertrag wirksam widerrufen wird.

Fazit

Schlussfolgernd weißt du nun, dass Kreditgeber in den meisten Fällen nicht dazu berechtigt sind, Bearbeitungsgebühren zu berechnen. Aus diesem Grund empfehlen wir dir zu prüfen, ob dein Kreditgeber dir unzulässig Gebühren berechnet hat. Wenn dies der Fall ist, solltest du danach sicherstellen, dass dein Anspruch auf Rückerstattung nicht verjährt ist. Dieser beträgt drei Jahre mit Ablauf des Jahres.

Wenn du unzulässig Kreditbearbeitungsgebühren gezahlt hast, setze ein Schreiben an deinen Kreditgeber auf - hierzu kannst du dich an den oben genannten Tipps richten oder ein Musterschreiben aus dem Internet wählen.

Falls du dich weitergehend mit Kreditarten beschäftigen oder dich im Bereich von Gebühren informieren möchtest, findest du auf unserer Seite eine Vielzahl interessanter Beiträge.

(Titelbild: Scott Graham/ Unsplash)

Einzelnachweise (8)

1. Statista.com: Anzahl der Kreditinstitute in Deutschland in den Jahren von 1957 bis 2019, Statista Research Department, 14.07.2020
Quelle

2. Duden.de: Be­ar­bei­tungs­ge­bühr, die
Quelle

3. Spiegel.de: Banken ignorieren kundenfreundliches BGH-Urteil, Tobias Lill, 22.09.2014, 11.43 Uhr
Quelle

4. Markus Henze: Entgeltklauseln in Unternehmenskreditverträgen: Die Wirksamkeit der Entgelterhebung durch Kreditgeber, 2018, Springer Gabler, 978-3-658-20480-8
Quelle

5. Vorfaelligkeitsentschaedigung.net: Bei der Rückforderung der Bearbeitungsgebühr eine Nutzungsentschädigung verlangen: So geht’s
Quelle

6. Finanzen.net: Bearbeitungsgebühr Kredit: So fordern Sie Kreditbearbeitungsgebühren zurück, Annika Niederkorn
Quelle

7. Bundesgerichtshof.de: Berichtigte Fassung! Bundesgerichtshof entscheidet über den Verjährungsbeginn für Rückforderungsansprüche von Kreditnehmern bei unwirksam formularmäßig vereinbarten Darlehensbearbeitungsentgelten in Verbraucherkreditverträgen, Pressestelle des Bundesgerichtshofs, 28.10.2014
Quelle

8. Wirtschaftslexikon.gabler.de: Ombudsmann, Prof. Dr. Fred Wagner
Quelle

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Statista
Statista.com: Anzahl der Kreditinstitute in Deutschland in den Jahren von 1957 bis 2019, Statista Research Department, 14.07.2020
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Duden
Duden.de: Be­ar­bei­tungs­ge­bühr, die
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Spiegel
Spiegel.de: Banken ignorieren kundenfreundliches BGH-Urteil, Tobias Lill, 22.09.2014, 11.43 Uhr
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Fachbuch
Markus Henze: Entgeltklauseln in Unternehmenskreditverträgen: Die Wirksamkeit der Entgelterhebung durch Kreditgeber, 2018, Springer Gabler, 978-3-658-20480-8
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Vorfälligkeitsentschädigung
Vorfaelligkeitsentschaedigung.net: Bei der Rückforderung der Bearbeitungsgebühr eine Nutzungsentschädigung verlangen: So geht’s
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Finanzen
Finanzen.net: Bearbeitungsgebühr Kredit: So fordern Sie Kreditbearbeitungsgebühren zurück, Annika Niederkorn
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Bundesgerichtshof
Bundesgerichtshof.de: Berichtigte Fassung! Bundesgerichtshof entscheidet über den Verjährungsbeginn für Rückforderungsansprüche von Kreditnehmern bei unwirksam formularmäßig vereinbarten Darlehensbearbeitungsentgelten in Verbraucherkreditverträgen, Pressestelle des Bundesgerichtshofs, 28.10.2014
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