Schadenfreiheitsklasse
Zuletzt aktualisiert: 3. Juni 2021

Die Schadenfreiheitsklasse hört man oft im Zusammenhang mit der Autoversicherung. Aber was ist das überhaupt genau? Und wie verändert sie sich? Wir beantworten hier alles rund um die Schadenfreiheitsklasse. Dafür geben wir dir einen kurzen Überblick über das Thema.

Du erfährst, in welcher Schadenfreiheitsklasse du dich befindest. Zudem geben wir dir Tipps, um eine mögliche Rückstufung zu vermeiden. Somit kannst du einiges an Geld sparen. Außerdem gehen wir auf die Besonderheit von Fahranfängern ein. Und wir sagen dir, wann sich eine Übertragung der Schadenfreiheitsklasse mal nicht lohnt.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schadenfreiheitsklasse gibt an, wie viele Jahre du bereits unfallfrei Auto gefahren bist. Dafür werden nur die Jahre gezählt, in denen du auch versichert warst.
  • Wenn du die Schuld für einen Unfall trägst, wird deine Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft. Somit wird dir im folgenden Jahr weniger Rabatt auf deine Versicherung gewährt.
  • Du kannst die Schadenfreiheitsklasse von Familienmitgliedern übernehmen oder auf sie übertragen. Eine Übertragung auf Dritte funktioniert dagegen nicht.

Hintergründe: Alles was du über die Schadenfreiheitsklasse wissen solltest

Im folgenden Abschnitt erfährst du alles, was du über die Schadenfreiheitsklasse wissen solltest. Danach wirst du rundum bestens informiert sein, sodass keine Fragen mehr offen bleiben.

Was bedeutet die Schadenfreiheitsklasse?

Die Schadenfreiheitsklasse teilt Autofahrer in verschiedene Klassen ein. Damit wird ausgedrückt, wie lange du unfallfrei gefahren bist. Die Klasseneinteilung wird intern von Versicherungen verwendet. Dadurch wird ermittelt, wie hoch deine Kosten für die Versicherung sind. (1)

Die Versicherungen gewähren dir einen immer höheren Rabatt, je länger du unfallfrei Auto gefahren bist. Dabei zählen nur die versicherten Jahre mit rein. Es reicht also nicht, nur seinen Führerschein zu besitzen. Du selber musst ein Auto besitzen und eine Autoversicherung darauf abschließen. All die Zeit, in der du nun Auto fährst, wird zusammengezählt.

Jeder, der eine Versicherung abschließt, wird in eine SF-Klasse eingeteilt. Damit wird unfallfreies Fahren belohnt. (Bildquelle: Sonnie Hiles / Unsplash)

Je höher die Schadenfreiheitsklasse ist, desto besser für dich. Denn jeder beginnt bei der Schadenfreiheitsklasse 0. Sie kann bis zu 31 oder mehr steigen. Wenn deine Schadenfreiheitsklasse hoch ist, kriegst du mehr Rabatt auf deine Autoversicherung. Bei einer niedrigen SF-Klasse gibt es weniger oder gar keinen Rabatt.

Wie ermittelt sich die Schadenfreiheitsklasse?

Die Schadenfreiheitsklasse wird in Jahren berechnet. Jedes Jahr, indem kein unverschuldeter Autounfall verursacht wurde, erhöht die SF-Klasse. Die Klasse steigt dann jedes Jahr um eine Ebene. Zu Beginn startet jeder mit der Schadenfreiheitsklasse 0.

Das bedeutet es gibt keinen Rabatt auf seine Versicherung. Wenn du 5 Jahre unfallfrei gefahren bist, bist du in der SF-Klasse 5. Diese steigert sich immer so weiter. Wir haben für dich eine Tabelle verfasst, die dir den Rabatt zeigt:

Schadenfreiheitsklasse Rabatt
SF 1/2 kein Rabatt
SF 1 kein Rabatt
SF 2 ca. 15 %
SF 3 bis SF 4 ca. 30 - 40 %
SF 5 bis SF 8 ca. 45 - 50 %
SF 9 bis SF 15 ca. 55 - 60 %
SF 16 bis SF 25 65 - 75 %
SF 26 bis SF 30 75 - 80 %
SF 31 bis SF 35 mehr als 80 %

Denk immer daran, dass sich diese Tabelle an den unfallfreien Jahren orientiert. Also SF-Klasse 3 bedeutet eben 3 Jahre unfallfreies Fahren. Übrigens befinden sich die meisten Autofahrer in der Schadenfreiheitsklasse zwischen 6 und 10. (2) Außerdem ist es irrelevant, wie du dein Auto finanziert hast. Wenn du einen Autokredit in Anspruch genommen hast, ist das kein Problem.

Welche Schadenfreiheitsklasse habe ich?

Um deine eigene Schadenfreiheitsklasse herauszufinden gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste lautet, dass du einen Blick in deine Versicherungsunterlagen wirfst. Dafür musst du am besten deine letzte Rechnung heraussuchen.

Dort ist normalerweise darauf angegeben, in welcher Schadenfreiheitsklasse du dich befindest. Es kann auch sein, dass dort direkt dein Rabatt angegeben ist. Wenn du deinen Rabatt kennst, kennst du deine SF-Klasse. Genau hierfür kannst du unsere Tabelle nutzen.

Alternativ rechnest du all deine Jahre zusammen, in denen du unfallfrei Auto gefahren bist. Achte darauf, dass du nur versicherte Jahre mit einberechnest. Hast du den Führerschein bereits 5 Jahre, bist aber nur 2 Jahre lang mit deinem eigenen Auto gefahren, dann zählt nicht alles. Es zählen dann nur die 2 Jahre, in denen du versichert warst. Außerdem musst du selber die Versicherung abgeschlossen haben.

Welche Schadenfreiheitsklasse gibt es als Fahranfänger?

Wer seinen Führerschein gerade erfolgreich bestanden hat, gilt als Fahranfänger. Selbst wenn du deinen Führerschein bereits ein Jahr besitzt, bist du noch ein Fahranfänger. Generell startest du dann immer mit der Schadenfreiheitsklasse 0. Bei Fahranfängern gibt es jedoch ein paar Besonderheiten. Diese haben wir im Folgenden zusammengefasst:

Schadenfreiheitsklasse Bedingungen Versicherungsbeitrag Höhe
SF 1 1 Jahr unfallfrei gefahren 100 %
SF 1/2 bereits seit 3 Jahren Führerschein, zum ersten Mal versichert 100 - 140 %
SF S in SF 1 Rückstufung erhalten 150 - 180 %
SF 0 Führerschein seit weniger als 3 Jahren 190 - 250 %

Diese Schadenfreiheitsklassen sind besonders wichtig für Fahranfänger. Für die Erstversicherung wird nämlich ein Unterschied gemacht, ob du deinen Führerschein seit 3 Jahren besitzt oder nicht. Wenn du deinen Führerschein schon 3 Jahre hast, kommst du in eine höhere Schadenfreiheitsklasse (3). Dafür musst du nicht einmal in den 3 Jahren eine eigene Autoversicherung gehabt haben. Es lohnt sich also, mit seiner Erstversicherung zu warten.

Wann steigt die Schadenfreiheitsklasse?

Für dich ist es besser, wenn die Schadenfreiheitsklasse steigt. Denn je höher die Klasse ist, desto mehr Rabatt erhältst du. Du willst also, dass die Schadenfreiheitsklasse steigt. Das passiert durch die Jahre, in denen du unfallfrei gefahren bist.
Die SF-Klasse steigt automatisch jedes Jahr an.

Dabei handelt es sich um Jahre, in denen du selber keinen Unfall verursacht hast. Um dich abzusichern, kannst du dir eine Dashcam besorgen. Dann bist du dir sicher, ob du die Schuld hattest oder nicht.

Außerdem musst du in den Jahren versichert gewesen sein. Es reicht nicht aus, bei einem anderen Pkw mitversichert gewesen zu sein. Du selber benötigst eine Autoversicherung. Ansonsten musst du nichts mehr machen. Denn falls den Versicherungen kein Schaden gemeldet wird, gehen sie von einem unfallfreien Jahr aus. Also kriegst du automatisch Post, wenn deine Schadenfreiheitsklasse gestiegen ist.

Wann sinkt die Schadenfreiheitsklasse?

Für deinen Geldbeutel ist es nicht gut, wenn die Schadenfreiheitsklasse sinkt. Wenn dies passiert, spricht man von einer sogenannten Rückstufung. Die Rückstufung kann jederzeit passieren. Denn die Schadenfreiheitsklasse sinkt immer bei einem selbstverschuldeten Unfall.

Dabei ist es meist irrelevant, wie hoch der Schaden ist. Es ist generell immer im Ermessen der Versicherung. Tatsächlich sinkt die Schadenfreiheitsklasse oft, ohne dass ein großer Schaden entstanden ist. Da reicht es aus, dem Nachbarn ganz leicht in die Seite gefahren zu sein. Die Hauptsache hierfür ist, dass du selbst den Unfall verschuldet hast.

Wie verläuft die Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse?

Wenn deine Schadenfreiheitsklasse sinkt, sprechen wir also von einer Rückstufung. Wenn man sowas noch nie erlebt hat, weiß man nicht was man sich darunter vorstellen kann. Generell wird bei einem verschuldeten Unfall die Versicherung informiert. In diesem Falle wäre es nun deine Versicherung, die informiert wird. Denn wir nehmen mal an, dass du die Schuld für einen Autounfall hast.

Dann wird deine Versicherung den Schaden des Unfallgegners bezahlen. In diesem Fall erfolgt die Rückstufung. Also deine Schadenfreiheitsklasse sinkt. Dadurch wird dein Versicherungsbeitrag teurer. Aber keine Sorge. Denn der Beitrag wird nicht sofort teurer. Der Beitrag wird nämlich erst zum nächsten Versicherungsjahr erhöht. Ansonsten musst du nichts machen. Deine Versicherung passt deine Beiträge automatisch an und schickt dir Post.

Es kann auch passieren, dass du nicht nur einen Unfall im Jahr hast. Wenn du 2 oder mehr Unfälle hast, dann werden diese für das Versicherungsjahr zusammengerechnet. Gleichzeitig wirst du noch mehr zurückgestuft. Nur weil du bereits einen Unfall begangen hast, hast du keinen Freifahrtschein für das restliche Jahr.

Wie ist die Schadenfreiheitsklasse nach einem Unfall?

Allgemein kommt es darauf an, ob du für den Unfall Schuld bist. Denn ein Unfall bedeutet nicht automatisch, dass sich deine Schadenfreiheitsklasse ändert. Viel wichtiger ist, wer Schuld für den Unfall hat. Wenn der Unfallgegner Schuld hat, dann ändert sich an deiner Schadenfreiheitsklasse nichts konkret. Du wirst nicht hochgestuft, aber auch nicht zurückgestuft.

Deine Schadenfreiheitsklasse sinkt, wenn du Schuld an einem Autounfall hast. (Bildquelle: Clark Van Der Beken / Unsplash)

Es sieht anders aus, wenn du die Schuld an dem Autounfall trägst. Dann wirst du nämlich immer um eine Stufe zurückgestuft. Wenn du vorher SF-Klasse 6 hattest, also 6 Jahre unfallfrei gefahren bist, sinkt diese. In unserem Beispiel wärst du dann wieder in der SF-Klasse 5. Dein Beitrag würde sich um einige Prozente erhöhen.

Das muss nicht zwangsweise so sein. Es kann passieren, dass es sich um einen kleinen Schaden handelt. Teilweise lohnt es sich mehr, den Schaden selber zu zahlen. Denn dann wird nicht die Versicherung darüber informiert. Daraus folgt keine Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse. (4) Beachte also immer, in welcher Höhe der Schaden ist.

Wie kann ich die Schadenfreiheitsklasse übertragen?

Es ist auf jeden Fall möglich, die Schadenfreiheitsklasse zu übertragen. Hierfür müssen jedoch einige Bedingungen erfüllt sein. Nur wenn diese eingehalten werden, kann eine Übertragung erfolgen. Eine Übertragung ist nur innerhalb der Familie möglich. Dort sind Eltern, Geschwister, Großeltern, Ehepartner und der eigene Haushalt mit eingeschlossen.

Außerdem verliert die Person, die ihre Versicherung überträgt ihre eigenen Schadenfreiheitsklassen. Das bezieht sich jedoch nur auf die jeweilige Versicherung dann. Die Person, die die Versicherung annimmt, kann meist nicht alle SF-Klassen mitnehmen.

Denn die empfangene Person muss so viele Jahre ihren Führerschein besitzen, wie sie an SF-Klassen annehmen würde. Es ist nicht möglich, mit einem Führerschein seit 5 Jahren, eine höhere Klasse als SF 5 anzunehmen. (5)

Zudem ist es nicht mehr möglich, die Schadenfreiheitsklasse wieder zurück zu übertragen. Dementsprechend sollte dieser Schritt gut überlegt sein. Die meisten Versicherungen besitzen Formulare, die für die Übertragung ausgefüllt werden müssen. Alles weitere klärt dann die jeweilige Versicherung. Du solltest in allen Fällen die eVB-Nummer wissen.

Schadenfreiheitsklasse an Kinder übertragen

Bei den einzelnen Versicherungen herrschen Unterschiede bei der Übertragung. Nicht alle Versicherungen gestatten eine Übertragung an alle Familienmitglieder. Dazu gehören dann Großeltern oder Hausgemeinschaften. Trotzdem lässt sich die eigene Schadenfreiheitsklasse nahezu immer an die eigenen Kinder übertragen. Denn die Kinder gelten zur sehr engen Familie. Meist denkt man dann an eine Familienversicherung.

Man kann nicht jede Schadenfreiheitsklasse annehmen.

Diese Übertragung macht jedoch nicht immer Sinn. Das liegt an den Bedingungen. Denn ein Mensch kann nur die SF-Klasse annehmen, wie lange er seinen Führerschein hat. Wenn jemand seit 6 Jahren seinen Führerschein hat, kann er nicht die SF-Klasse 7 oder mehr annehmen.

Vor allem bei den eigenen Kindern will man die Versicherung übertragen. Denn die Kinder besitzen seit wesentlich geringerer Zeit den Führerschein, als die Eltern. Wenn ein Kind jedoch den Führerschein erst seit einem Jahr besitzt, macht die Übertragung überhaupt keinen Sinn. Theoretisch wäre es trotzdem möglich.

Schadenfreiheitsklasse an Dritte übertragen

Bei dem Übertrag an Dritte kommt es darauf an. Denn die meisten Versicherungen gestatten es nur, die Versicherung zu übertragen, wenn es innerhalb der Familie geschieht. Das Wort Familie ist jedoch nicht immer direkt geklärt. Meist ist damit die enge Verwandtschaft gemeint.

Einige Versicherungen nehmen das Wort Familie nicht ganz so eng. Dann sind auch Enkelkinder oder der Partner geeignet. Trotzdem gibt es jedoch Grenzen beim Übertrag. Denn an Bekannte, Kollegen oder Freunde lässt sich die Schadenfreiheitsklasse nicht übertragen. Dabei gibt es keine Ausnahmen.

Schadenfreiheitsklasse auf andere Versicherung übertragen

Hierbei ist die Antwort ganz klar. Denn der Übertrag auf eine andere Versicherung stellt kein Problem dar. Es müssen nur einige Aspekte beachtet werden. Die Übertragung sollte frühzeitig angekündigt werden. Hierfür reicht ein formloser Antrag nicht aus.

Die meisten Versicherungen besitzen ihre eigenen Anträge hierfür. Dementsprechend sollte dieser in Ruhe ausgefüllt werden. Dort werden auch die wichtigen Bedingungen für den Übertrag abgefragt.

Fazit

Die Schadenfreiheitsklasse ist kein komplexes Thema. Wenn du es einmal verstanden hast, gibt es kaum Fragen mehr. Denn die Schadenfreiheitsklasse orientiert sich insgesamt daran, wie gut du Auto fährst. Wenn dir keinerlei Unfälle passieren, dann wirst du von der Versicherung belohnt. Dabei ist es aber wichtig, Geduld zu haben. Denn eine Erhöhung der SF-Klasse dauert Jahre.

Außerdem ist es möglich, eine SF-Klasse zu übernehmen oder zu übertragen. Hierfür kann es sich um zwei unterschiedliche Versicherungen handeln. Das ist kein Problem. Beachte nur, dass es sich um Familienmitglieder handeln sollte.

Bildquelle: Viegas / 123rf

Einzelnachweise (5)

1. GDV.de: So setzt sich der Ver­si­che­rungs­bei­trag für einen Pkw zusam­men
Quelle

2. Statista.de: Anteil der Pkw-Fahrer in den Schadenfreiheitsklassen (schadenfreie Jahre) der Kfz-Haftpflichtversicherung in Deutschland
Quelle

3. Bussgeldkatalog.org: Schadenfreiheitsklasse: Wie erfolgt die Ein- und Rückstufung?
Quelle

4. Auto-Motor-und-Sport.de: So sparen Sie Geld durch Schadensrückkauf
Quelle

5. Sueddeutsche.de: Fluch und Segen der Schadenfreiheitsklasse
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

So setzt sich der Ver­si­che­rungs­bei­trag für einen Pkw zusam­men
GDV.de: So setzt sich der Ver­si­che­rungs­bei­trag für einen Pkw zusam­men
Gehe zur Quelle
Statistik
Statista.de: Anteil der Pkw-Fahrer in den Schadenfreiheitsklassen (schadenfreie Jahre) der Kfz-Haftpflichtversicherung in Deutschland
Gehe zur Quelle
Schadenfreiheitsklasse: Wie erfolgt die Ein- und Rückstufung?
Bussgeldkatalog.org: Schadenfreiheitsklasse: Wie erfolgt die Ein- und Rückstufung?
Gehe zur Quelle
So sparen Sie Geld durch Schadensrückkauf
Auto-Motor-und-Sport.de: So sparen Sie Geld durch Schadensrückkauf
Gehe zur Quelle
Fluch und Segen der Schadenfreiheitsklasse
Sueddeutsche.de: Fluch und Segen der Schadenfreiheitsklasse
Gehe zur Quelle
Testberichte