Schuldzinsenabzug
Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2020

Schuldzinsen sind Aufwendungen, die bei der Aufnahme eines Kredites entstehen. Dazu gehören auch die Nebenkosten und bei Nachzahlungen und Stundungen anfallende Zinsen sowie Geldbeschaffungskosten, darunter die Provision für die Kreditvermittlung. §4 Abs. 4a des Einkommensteuergesetzes (EStG) regelt dabei, welche Arten von Schuldzinsen steuerlich geltend gemacht werden können und wann ein Schuldzinsenabzug nur eingeschränkt möglich ist.

In diesem Beitrag erhältst du alle wichtigen Informationen rund um das Thema Schuldzinsenabzug im Jahr 2020. Dabei erklären wir dir die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen eines Schuldzinsenabzugs und stellen dir einige Beispiele vor, in denen die nicht abziehbaren Schuldzinsen für mehrere Wirtschaftsjahre und bei einer Personengesellschaft berechnet werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wird ein Darlehen zur Erzielung von Einkünften aufgenommen, können die daraus entstehenden Schuldzinsen bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens berücksichtigt werden und damit die Steuerlast mindern.
  • Zu den abziehbaren Schuldzinsen gehören Zinsen aus Krediten zur Anschaffung von betrieblichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens und Zinsen von aufgenommenen Darlehen zur Finanzierung vermieteter Immobilien. Private Schuldzinsen können dagegen nicht steuerlich geltend gemacht werden.
  • Bei gemischt genutzten Wirtschaftsgütern mit privatem und betrieblichem Anteil sowie bei Überentnahmen ist ein Abzug der Schuldzinsen vom zu versteuernden Einkommen nur eingeschränkt möglich.

Glossareintrag: Der Begriff Schuldzinsenabzug im Detail erklärt

Nachfolgend haben wir für dich die wichtigsten Fragen zum Thema Schuldzinsenabzug beantwortet. Auch die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen haben wir für dich hier aufbereitet, damit du dir einen schnellen Überblick darüber verschaffen kannst, in welchen Fällen Schuldzinsen steuerlich geltend gemacht werden können.

Was sind Schuldzinsen?

Unter dem Begriff Schuldzinsen versteht man Zinsen, die für die Aufnahme eines Kredites vom Kreditnehmer zu zahlen sind. Darunter fallen also alle Aufwendungen, die notwendig sind, um einen Kredit zu erlangen und zu sichern.

Schuldzinsenabzug

Die Regelung des Schuldzinsenabzugs im § 4 Abs. 4a EStG  soll verhindern, dass private Entnahmen über einen betrieblichen Kredit finanziert werden und die dadurch entstandenen Schuldzinsen steuerlich geltend gemacht werden können (4) (Bildquelle: unsplash / Markus Winkler).

Zusammenfassend gehören zu den steuerrechtlich abzugsfähigen Schuldzinsen:

  • Aufwendungen zur Erlangung und Sicherung eines Darlehens
  • Nebenkosten, die bei der Kreditaufnahme entstehen
  • Anfallende Zinsen im Zusammenhang mit Nachzahlungen, Aussetzungen und Stundungen
  • Geldbeschaffungskosten, unter anderem Disagio, Provisionen für die Kreditvermittlung und die Beteiligung typisch stiller
  • Gesellschafter am Gewinn (3, 5)

Allerdings ist es in einigen Fällen nicht oder nur eingeschränkt möglich, Schuldzinsen von den zu versteuernden Einkünften abzuziehen. Der eingeschränkte Schuldzinsenabzug ist im § 4 Abs. 4a EStG geregelt (1).

Die folgenden Abschnitte beschäftigen sich damit, wann ein Schuldzinsenabzug grundsätzlich gestattet ist und welche Einschränkungen es dabei geben kann.

Wann ist ein Schuldzinsenabzug steuerlich möglich?

Schuldzinsen, die sich auf Kredite beziehen, mit denen privat genutzte Vermögensgegenstände finanziert werden, können nicht steuerlich geltend gemacht werden (1, 2). Dazu gehören beispielsweise Zinsen, die bei der Finanzierung eines Autos oder eines Einfamilienhauses für Privatzwecke über einen Kredit anfallen.

Ebenso dürfen Schuldzinsen für ein Darlehen, das dazu aufgenommen wurde, Gewinnausschüttungen an Gesellschafter einer GmbH & Co. KG zu finanzieren, bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens nicht abgezogen werden. Solche Schuldzinsen werden nämlich als Entnahmen betrachtet (3).

Schuldzinsen für private Wirtschaftsgüter werden steuerlich nicht berücksichtigt.

Wird das Wirtschaftsgut dagegen als Investition genutzt, zum Beispiel zur Vermietung einer Immobilie, können die Schuldzinsen als Werbungskosten steuerlich abgesetzt werden (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG).

Das gilt auch für Vermögensgegenstände wie Maschinen, die für Betriebszwecke angeschafft werden (§ 4 Abs. 4 EStG) (1, 2). Die daraus entstehenden Schuldzinsen können als Betriebsausgaben steuerlich berücksichtigt werden.

An dieser Stelle zählen wir die gängigsten Beispiele von Schuldzinsen auf, die von den Einkünften steuerlich abgezogen werden dürfen.

Schuldzinsen können als Betriebsausgabe steuerlich abgezogen werden: Schuldzinsen können als Werbungskosten steuerlich abgezogen werden:
Beispiel 1: Ein Architekt nimmt einen Kredit auf, um Möbel für das Büro zu kaufen. Beispiel 1: Ein Kapitalanleger nimmt einen Kredit auf, um Aktien zu erwerben.
Beispiel 2: Ein Unternehmer schafft sich mittels Kredit eine neue Maschine für den Betrieb an. Beispiel 2: Ein Immobilienbesitzer erwirbt eine Immobilie über einen Kredit und vermietet diese vollständig.

Manchmal kommt es vor, dass ein Wirtschaftsgut privat und zur Erzielung von Einkünften gleichzeitig genutzt wird. Man nennt solche Vermögensgegenstände auch gemischt genutzte Wirtschaftsgüter.

Wird der über einen Kredit finanzierte Vermögensgegenstand sowohl privat als auch betrieblich genutzt, kann nur der betriebliche Teil beim Schuldzinsenabzug berücksichtigt werden.

Wenn jemand den Erwerb eines Hauses über einen Kredit finanziert, dabei eine Haushälfte vermietet und in der anderen Hälfte selbst wohnt, dann liegt ein gemischt genutztes Wirtschaftsgut vor.

Hier müssen die Schuldzinsen auf einen privaten und einen betrieblichen Nutzungsanteil aufgeteilt werden. Bei gemischt genutzten Immobilien kommt beispielsweise das Verhältnis der Nutzungsflächen zueinander infrage.

Der steuerliche Schuldzinsenabzug unterliegt also einem zweistufigen Prüfungsverfahren. Im ersten Schritt wird geprüft, ob die Schuldzinsen betrieblich veranlasste Aufwendungen im Sinne des Einkommensteuergesetzes sind.

Im zweiten Schritt wird untersucht, ob der Abzug von Schuldzinsen aufgrund von gemischt genutzten Wirtschaftsgütern oder Überentnahmen eingeschränkt ist (6).

In welchen Fällen wird ein Schuldzinsenabzug eingeschränkt?

Bei Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens wie Immobilien und Fuhrpark, die für Betriebszwecke genutzt werden, können Schuldzinsen uneingeschränkt als Betriebsausgaben vom zu versteuernden Gewinn abgezogen werden (§ 4 Abs. 4a Satz 5 EStG) (2).

Der uneingeschränkte Schuldzinsenabzug bei Investitionen gilt jedoch nicht für das Umlaufvermögen eines Unternehmens (7).

Ein Schuldzinsenabzug ist jedoch nicht immer in voller Höhe gestattet. § 4 Abs. 4a EStG definiert, wann ein Schuldzinsenabzug nur eingeschränkt möglich ist (1, 2), etwa dann, wenn das Wirtschaftsgut sowohl privat als auch betrieblich verwendet wird.

Hier darf nur der auf den Betrieb entfallende Anteil der Schuldzinsen vom Gewinn abgezogen werden (1, 2). Die Aufteilung erfolgt nach der Zinsstaffelmethode (3).

Ein weiterer Fall, in dem Schuldzinsen nur eingeschränkt steuerlich geltend gemacht werden dürfen, liegt bei einer Überentnahme vor. Dabei sind die Entnahmen aus dem Unternehmen höher als die Summe aus Einlagen und Gewinn für das jeweilige Wirtschaftsjahr. Es handelt sich also um einen Differenzbetrag, bei dem die Entnahmen die Einkünfte samt Einlagen übersteigen.

Bei den Entnahmen und Einlagen werden nicht nur Geldbeträge in Betracht gezogen. Auch Sach-, Nutzungs- und Leistungsentnahmen und die jeweiligen Einlagen werden bei der Berechnung der Überentnahme berücksichtigt.  Ebenso fließen Verluste bei der Ermittlung der Überentnahme mit ein.

Der Verlust selbst wird nicht als Überentnahme angesehen. Überentnahmen können jedoch in Wirtschaftsjahren, in denen ein Verlust entstanden ist, eintreten, wenn die Entnahmen insgesamt die Summe der Einlagen übersteigen (7).

Wie berechnen sich die Schuldzinsen im Falle einer eingeschränkten Abzugsfähigkeit?

Laut § 4 Abs. 4a Satz 3 EStG sind 6 Prozent der im jeweiligen Wirtschaftsjahr getätigten Überentnahmen als Schuldzinsen nicht abziehbar. Wenn darüber hinaus Überentnahmen in den vorangegangenen Wirtschaftsjahren erfolgt sind, müssen diese zum nicht abziehbaren Betrag der Schuldzinsen dazu addiert werden (2).

Dagegen verringern Unterentnahmen vorheriger Wirtschaftsjahre den nicht abziehbaren Betrag der Schuldzinsen. Eine Unterentnahme liegt vor, wenn die Summe aus Gewinn und Einlagen höher ist als die Summe der Entnahmen (2).

Nach § 4 Abs. 4a Satz 4 EStG wird also die Differenz aus Überentnahmen, Gewinn und Einlagen mit den Über- und Unterentnahmen der vorherigen Wirtschaftsjahre saldiert.

Der dabei ermittelte Betrag wird bei einem Überschuss an Entnahmen mit 6 Prozent typisierend verzinst (2, 4). Daraus ergibt sich der nicht abziehbare Schuldzinsbetrag, der dem Gewinn hinzugerechnet werden muss. Dabei ist zu beachten, dass Schuldzinsen bis zu einer Höhe von 2.050 Euro unbeschränkt vom Gewinn abgezogen werden dürfen (3, 5).

An dieser Stelle zeigen wir dir anhand eines Beispiels, wie die nicht abziehbaren Schuldzinsen berechnet werden:

1. Wirtschaftsjahr 2. Wirtschaftsjahr
Verlust/Gewinn -90.000 Euro 40.000 Euro
Einlagen 0 Euro 100.000 Euro
Entnahmen 130.000 Euro 10.000 Euro
Überentnahmen pro Jahr 220.000 Euro -130.000 Euro
Angehäufte Überentnahmen 220.000 Euro 90.000 Euro
Entnahmeüberschuss pro Jahr 130.000 Euro -80.000 Euro
Angehäufter Entnahmeüberschuss 130.000 Euro 50.000 Euro
Nicht abzugsfähige Schuldzinsen 7.800 Euro 3.000 Euro

Obwohl die angehäuften Überentnahmen im ersten Wirtschaftsjahr 220.000 Euro und im zweiten Wirtschaftsjahr 90.000 Euro betragen, wurden in diesem Zeitraum lediglich 130.000 Euro bzw. 50.000 Euro mehr entnommen als eingelegt.

Die angehäuften Entnahmeüberschüsse sind in beiden Jahren niedriger als die angehäuften Überentnahmen. Deshalb werden erstere als Bemessungsgrundlage nach § 4 Abs. 4a EStG genutzt, um den Betrag der nicht abziehbaren Schuldzinsen zu berechnen.

Im ersten Wirtschaftsjahr betragen die nicht abziehbaren Schuldzinsen somit 7.800 Euro (= 6 Prozent von 130.000 Euro) und im zweiten Wirtschaftsjahr beläuft sich der Betrag auf 3.000 Euro (= 6 Prozent von 50.000 Euro).

Im nächsten Schritt wird der Betrag der nicht abziehbaren Schuldzinsen mit den tatsächlich angefallenen Schuldzinsen des Wirtschaftsjahres verglichen. Dabei können vom tatsächlichen Schuldzinsbetrag maximal 2.050 Euro abgezogen werden.

Der niedrigere der beiden Beträge wird schließlich als nicht abzugsfähige Betriebsausgabe zum steuerlichen Gewinn außerhalb der Bilanz dazu addiert.

Von einem eingeschränkten Schuldzinsenabzug sind vor allem Kleinunternehmer, die ihre Gewinne nach der Einnahmen-Überschussregelung ermitteln (§ 4 Abs. 4a Satz 6 EStG) (4), und Personengesellschaften betroffen.

Dagegen spielt § 4 Abs. 4a EStG bei Kapitalgesellschaften keine Rolle. Stattdessen werden bei Kapitalgesellschaften die vom Gewinn abziehbaren Schuldzinsen über die sogenannte Zinsschranke (§ 4h EStG) begrenzt (1).

Wie funktioniert der eingeschränkte Schuldzinsenabzug bei einer Personengesellschaft?

Für Personengesellschaften wird die Regelung der Überentnahme gesellschaftsbezogen angewandt. Hier steht also der jeweilige Betrieb und nicht die Gesellschafter bzw. Mitunternehmer im Vordergrund. Die von der Personengesellschaft gezahlten Zinsen werden den Gesellschaftern nach dem Gewinnverteilungsschlüssel zugeteilt (5).

Überentnahmen werden ebenfalls über den Anteil des einzelnen Gesellschafters am Gesamtgewinn der Personengesellschaft ermittelt. Dabei werden auch Ergänzungsbilanzen und das Ergebnis des Sonderbetriebsvermögens der Gesellschafter berücksichtigt. Außerdem fließt die Summe der Einlagen und Entnahmen aller Gesellschafter mit ein (5).

Bei einer Personengesellschaft werden die nicht abzugsfähigen Schuldzinsen für jeden Gesellschafter ermittelt.

Der uneingeschränkt abziehbare Schuldzinsbetrag von 2.050 Euro ist als Mindestabzugsbetrag auf die Personengesellschaft zu beziehen. Das heißt, dieser Betrag wird nicht mit der Zahl der Gesellschafter im Unternehmen vervielfacht. Stattdessen wird er auf die einzelnen Gesellschafter gemäß ihrer Schuldzinsquote aufgeteilt (5).

An dieser Stelle möchten wir anhand eines Beispiels verdeutlichen, wie die dem Gewinn zugerechneten Zinsen bei einem eingeschränkten Schuldzinsenabzug ermittelt werden:

Drei Gesellschafter sind jeweils zu einem Drittel an einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) beteiligt. Im ersten Wirtschaftsjahr erzielte die OHG einen Gewinn von 150.000 Euro. Dabei betrugen die Schuldzinsen, mit denen laufende Aufwendungen finanziert werden, 12.000 Euro.

Währenddessen hat der erste Gesellschafter 30.000 Euro und die anderen beiden Gesellschafter jeweils 70.000 Euro an Entnahmen getätigt. In diesem Zeitraum gab es keine Einlagen.

Der nicht abzugsfähige Schuldzinsenbetrag wird nun wie folgt berechnet:

1. Gesellschafter 2. Gesellschafter 3. Gesellschafter
Anteil am Gewinn 50.000 Euro 50.000 Euro 50.000 Euro
Entnahmen 30.000 Euro 70.000 Euro 70.000 Euro
Überentnahmen -20.000 Euro 20.000 Euro 20.000 Euro
Typisierung mit 6 Prozent 0 Euro 1.200 Euro 1.200 Euro
Anteil an betrieblichen Zinsen 4.000 Euro 4.000 Euro 4.000 Euro
Mindestabzug bei Schuldzinsen 684 Euro 683 Euro 683 Euro
Höchstabzug bei Schuldzinsen 3.316 Euro 3.317 Euro 3.317 Euro
Nicht abzugsfähige Schuldzinsen 0 Euro 1.200 Euro 1.200 Euro

Beim ersten Gesellschafter liegt eine Unterentnahme vor, da der auf ihn entfallende Gewinnanteil seine Entnahmen übersteigt. Währenddessen haben die anderen beiden Gesellschafter eine Überentnahme von jeweils 20.000 Euro für das Wirtschaftsjahr getätigt, da ihre Entnahmen höher sind als ihr Gewinnanteil.

Der Mindestbetrag von 2.050 Euro, mit dem Schuldzinsen vom Gewinn abgezogen werden können, wird in diesem Fall unter den drei Gesellschaftern aufgeteilt. Der Höchstabzug wird als Differenz aus den anteiligen betrieblichen Schuldzinsen und dem unter den Gesellschaftern geteilten Mindestbetrag von 2.050 Euro ermittelt.

Die mit 6 Prozent typisierten Überentnahmen des zweiten und dritten Gesellschafters (jeweils 1.200 Euro) bilden hier den Betrag an Schuldzinsen, der dem Gewinn hinzuzurechnen ist und somit die Steuerlast der OHG erhöht. Dieser steuerlich nicht abziehbare Schuldzinsbetrag beläuft sich insgesamt auf 2.400 Euro.

Der korrigierte Gewinn der OHG beträgt also 152.400 Euro anstelle von 150.000 Euro. Von den 152.400 Euro zu versteuernden Gewinn entfallen 50.000 Euro auf den ersten Gesellschafter und jeweils 51.200 Euro auf die anderen beiden Gesellschafter.

Dabei ist zu beachten, dass Zinsaufwendungen bei der Ermittlung des Gesamtgewinns nur einbezogen werden können, wenn sie Betriebsausgaben darstellen.

Zinsen für ein Darlehen, das ein Gesellschafter der Personengesellschaft zur Verfügung stellt, sowie Zinsen von indirekt beteiligten Gesellschaftern gleichen sich in ihrer Wirkung auf den Gesamtgewinn der Personengesellschaft aus und werden daher nicht als Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG aufgefasst (5).

Kann man Schuldzinsen bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung steuerlich absetzen?

Wenn der Kredit zur Finanzierung einer Immobilie aufgenommen wurde und diese Immobilie vollständig vermietet wird, dürfen die Schuldzinsen als Werbungskosten von den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung steuerlich abgezogen werden (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG) (5).

Wird ein Teil der Immobilie allerdings privat für Wohnzwecke verwendet, handelt es sich um ein gemischt genutztes Wirtschaftsgut.

In diesem Fall muss das Verhältnis zwischen dem privaten und vermieteten Teil ermittelt werden, zum Beispiel mittels Nutzungsfläche. Lediglich der Anteil an Schuldzinsen, die der gemieteten Fläche zuzuordnen sind, kann dann steuerlich geltend gemacht werden.

Welche Rolle spielt der Schuldzinsenabzug bei der Gewerbesteuer?

Bei der Gewerbesteuer werden ab 2008 die Schuldzinsen mit 25 Prozent zum ermittelten Gewerbeertrag dazu addiert. Dies erfolgt unabhängig von der Laufzeit der Schuldzinsen und unter Berücksichtigung von 100.000 Euro als Freibetrag für alle Finanzierungsentgelte (1).

Wenn Schuldzinsen nach § 4 Abs. 4a EStG nicht als Betriebsausgaben vom Gewinn abgezogen werden können, werden sie auch nicht zum Gewerbeertrag hinzugerechnet (3).

Fazit

Wenn sich die bei einem Kredit anfallenden Schuldzinsen auf die Erzielung von gewerblichen Einkünften beziehen, dürfen diese Schuldzinsen steuerrechtlich geltend gemacht werden. Dagegen ist ein Schuldzinsenabzug bei der Kreditaufnahme für privat genutzte Vermögensgegenstände oder ausschließlich für Wohnzwecke genutzte Immobilien nicht möglich.

Bei betrieblichen Investitionen können die Schuldzinsen uneingeschränkt vom Gewinn abgezogen werden und damit die Steuerlast senken. In einigen Fällen ist ein Schuldzinsenabzug jedoch nur eingeschränkt möglich. So muss etwa bei gemischt genutzten Wirtschaftsgütern ermittelt werden, welcher Anteil an Schuldzinsen auf den privaten bzw. den betrieblichen Bereich entfällt.

Auch bei Überentnahmen wird der Betrag der abziehbaren Schuldzinsen eingeschränkt. Eine Überentnahme liegt vor, wenn die Entnahmen im Unternehmen die Summe aus Gewinn und Einlagen übersteigen. Der dabei ermittelte Schuldzinsbetrag wird dem Gewinn zugerechnet und erhöht somit die Steuerlast des Unternehmens.

Bildquelle: Teerasatean / 123rf 

Einzelnachweise (7)

1. Dennerlein B. Schuldzinsen (2020). Definition. In: Gabler Wirtschaftslexikon.
Quelle

2. Bundesamt für Justiz (2020). § 4 Gewinnbegriff im Allgemeinen. In: Einkommensteuergesetz (EStG).
Quelle

3. Mertes, T. (2020). Schuldzinsenabzug bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften. In: Haufe Finance Office Premium.
Quelle

4. Deubner Steuern & Praxis (2020). BMF-Schreiben: So müssen Sie den Schuldzinsenabzug jetzt berechnen.
Quelle

5. SmartSteuer (2020). Schuldzinsen.
Quelle

6. Deloitte (2018). BMF: Betrieblicher Schuldzinsenabzug. In: Unternehmenssteuer.
Quelle

7. Rechnungswesen-verstehen.de (2020). Betrieblicher Schuldzinsenabzug.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Mike hat seinen internationalen Master in "Finance and Accounting" in Österreich absolviert. Mittlerweile arbeitet er in einer bekannten Bank als Wealth- und Kreditmanager. Schon seit dem Gymnasium hat Mike zusammen mit seinem Vater die Finanzen für die gesamte Familie gemacht und sich mithilfe von Fachartikeln im Gebiet der Finanzen weitergebildet.
Online-Glossarbeitrag
Dennerlein B. Schuldzinsen (2020). Definition. In: Gabler Wirtschaftslexikon.
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Einkommensteuergesetz (EStG)
Bundesamt für Justiz (2020). § 4 Gewinnbegriff im Allgemeinen. In: Einkommensteuergesetz (EStG).
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Online-Artikel
Mertes, T. (2020). Schuldzinsenabzug bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften. In: Haufe Finance Office Premium.
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Deubner Steuern & Praxis (2020). BMF-Schreiben: So müssen Sie den Schuldzinsenabzug jetzt berechnen.
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SmartSteuer (2020). Schuldzinsen.
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Deloitte (2018). BMF: Betrieblicher Schuldzinsenabzug. In: Unternehmenssteuer.
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Rechnungswesen-verstehen.de (2020). Betrieblicher Schuldzinsenabzug.
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