Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2021

Muss ich eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen oder nicht? Die Abgabe der Steuererklärung ist ein wichtiger und zum Teil gesetzlich verpflichteter Vorgang, den viele Arbeitnehmer und Selbstständige jedes Jahr machen müssen. Hierbei werden finanziellen Kennzahlen, wie das Einkommen und die Werbungskosten, dem Finanzamt vorgelegt. Diese werden benötigt, um die Höhe der Steuer zu ermitteln.

In diesem Artikel werden wir auf diese beiden Gruppen näher eingehen, sowie auf die verschiedenen Anlagen der Steuererklärung, die Fristen zur Abgabe und der elektronischen Steuererklärung mittels Elster.




Das Wichtigste in Kürze

  • Du kannst entweder dazu verpflichtet sein, deine Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen oder du kannst sie ohne gesetzliche Verpflichtung freiwillig abgeben.
  • Die freiwillige Abgabe deiner Steuererklärung kann sich unter bestimmten Umständen oft lohnen. Hier kannst du einen Teil deiner Lohnsteuer zurückerstattet bekommen.
  • Deine Steuererklärung muss jedes Jahr beim Finanzamt eingereicht werden. Dies erfolgt immer um den 31. Juli des Folgejahres. Unter bestimmten Voraussetzungen bist du sogar dazu verpflichtet, deine Steuererklärung elektronisch einzureichen.

Hintergründe: Was du über die Steuererklärungspflicht wissen solltest

Falls du dazu verpflichtet bist, eine Steuererklärung abzugeben, solltest du einige Punkte und Fristen beachten. Deshalb werden wir dir im Folgenden wichtige Fragen rund um die Pflicht zur Steuererklärung  beantworten. So weißt du, ob du eine beim Finanzamt einreichen musst, mit welchen Anlagen und zu welchem Zeitpunkt.

Warum besteht eine Steuererklärungspflicht?

Die Einkommenssteuer ist eine Veranlagungssteuer. Dies bedeutet, dass du jedes Jahr beim Finanzamt eine Steuererklärung abgeben musst. Aufgrund dieser Steuererklärung nimmt das Finanzamt nachträglich die Veranlagung vor und anhand der Einkommensverhältnisse kann die Höhe der Steuer ermittelt werden.

Deine Steuererklärung wird beim Finanzamt eingereicht.

Bei einer Pflichtveranlagung bist du gesetzlich dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Die Antragsveranlagung hingegen bedeutet, dass du deine Steuererklärung freiwillig abgeben kannst (1).

Wer ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet?

Wenn man Einkünfte aus seinen Arbeitsverhältnissen erhält, wird monatlich eine Lohnsteuer abgezogen und an das Finanzamt abgeführt. Dies liegt nur dann vor, wenn die Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegen (2).

Auch wenn du nicht dazu verpflichtet bist eine Steuererklärung abzugeben, kann die freiwillige Erstellung sinnvoll sein. (Bildquelle: Scott Graham / Unsplash)

Jedoch können einige Personen nach dem § 46 EStG gesetzlich dazu verpflichtet sein, mehr Steuern zu zahlen. Einige Gründe hierfür könnten sein:

  • Du hast in diesem Jahr Nebeneinkünfte von über 410 € erzielt, die nicht im Lohnsteuerabzug enthalten sind. Dies können Einnahmen aus einer Vermietung oder selbstständigen Tätigkeiten sein.
  • Du erhältst einen Arbeitslohn von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig.
  • Du hast Freibeträge bei deinem Lohnsteuerabzug in Anspruch genommen.
  • Du hast Sonderzahlungen erhalten, im selben Jahr deinen Arbeitgeber gewechselt und der neue Arbeitgeber hat bei der Lohnsteuerabrechnung die Werte des früheren Arbeitgebers nicht berücksichtigt.
  • Deine Ehe wurden geschieden oder dein Partner ist verstorben und im selben Jahr heiratet einer von euch wieder.

Neben diesen Fällen gibt es noch weitere Gründe, wieso du eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen musst. Alle diese Fälle kannst du im § 46 EStG nachlesen (9).

Wann ist die freiwillige Abgabe der Steuererklärung sinnvoll?

Die Abgabe der freiwilligen Steuererklärung, der sogenannten Antragsveranlagung, ist oft sinnvoll. Hier kannst du Steuervorteile geltend machen, die ansonsten verloren gehen. Da das Finanzamt oft mehr Lohnsteuer einbehält, kannst du dir so einen Teil zurückerstatten. Einige Gründe, bei der die freiwillige Abgabe sinnvoll ist, sind folgende:

  • Deine Werbungskosten gehen über den Werbungskostenpauschbetrag von 1000 € hinaus. Hierzu zählen zum Beispiel Reisekosten, deine Arbeitskleidung oder Arbeitsmittel wie ein Laptop.
  • Du hattest hohe Krankheitskosten oder außergewöhnliche Belastungen.
  • Deine Versicherungsbeiträge liegen über der Vorsorgepauschale.
  • Die Höhe deines Arbeitslohnes hat sich im Laufe des Jahres geändert und dein Arbeitgeber hat keinen Lohnsteuerausgleich gemacht.
  • Du möchtest Steuerermäßigungen, wie zum Beispiel für haushaltsnahe Dienstleistungsverhältnisse, geltend machen.

Weitere Gründe können sein, dass du zum Beispiel nicht das ganze Jahr gearbeitet hast oder in dem Jahr geheiratet hast. Wenn einer dieser Gründe zutrifft, solltest du deine Steuererklärung freiwillig einreichen und so einen Teil der Steuer zurückerhalten. Du hast eine Frist von 4 Jahren, um diese beim Finanzamt einzureichen (3, 10).

Welche Anlagen sind Pflicht bei der Steuererklärung?

Der wichtigste Teil der Einkommensteuererklärung ist das vierseitige Hauptformular, welches von jeder Person ausgefüllt werden muss. Hier müssen Angaben zu einem selber ausgefüllt werden. Hinzu können, je nach Beruf und Ausübungen, noch weitere Anlagen kommen:

Anlage Eigenschaft
Anlage N Diese gilt für Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit. Es müssen das Einkommen, die gezahlte Lohnsteuer und Werbungskosten eingetragen werden.
Anlage L Dies ist für Einnahmen aus der Land- und Forstwirtschaft relevant.
Anlage G Hier müssen die Gewinne und Verluste von Einkünften aus Gewerbebetrieben festgehalten werden. Dies betrifft zum Beispiel Unternehmen des Groß- und Einzelhandels.
Anlage S Ärzte oder Architekten, die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit erhalten, müssen diese Anlage ausfüllen.
Anlage KAP Diese Anlage ist für Kapitalanleger relevant, die zum Beispiel Kapitalerträge durch Aktienfonds erlangen.

Dies sind die wichtigsten Anlagen, welche ausgefüllt werden könnten. Sie betreffen verschiedene Personen- und Arbeitsgruppen, sodass jeder meist eine spezifische Anlage ausfüllen muss (3).

Welche Abgabefristen solltest du beachten?

Deine Steuererklärung solltest du immer bis zum 31. Juli des Folgejahres beim Finanzamt einreichen. Mit einer Fristverlängerung könntest du die diese auch erst im November abgeben (5).

Wenn du steuerlich beraten wirst, zum Beispiel durch einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein, verschiebt sich die Frist noch weiter nach hinten. Hier kannst du die Steuererklärung erst im kommenden Jahr im Februar abgeben (2).

Kann man die Frist zur Abgabe der Steuererklärung verlängern?

Wenn du es nicht schaffst, deine Steuererklärung rechtzeitig beim Finanzamt einzureichen, kannst du einen Antrag auf Fristverlängerung stellen. Diesen Antrag solltest du vor dem Erstdatum absenden, um den Verspätungszuschlag zu vermeiden. Auf den werden wir im folgenden Abschnitt genauer eingehen.

Eine Fristverlängerung ermöglicht eine spätere Abgabe der Steuererklärung.

Den Antrag auf Fristverlängerung kannst du unkompliziert beim Finanzamt mit einem Schreiben anfragen. Hier musst du den Grund für die Verlängerung der Abgabe nennen. Nachvollziehbare Gründe können eine Krankheit, ein Umzug oder fehlende Unterlagen sein. So kann sich die Frist zur Abgabe der Steuererklärung um einige Wochen nach hinten schieben (8).

Wann droht ein Verspätungszuschlag?

Damit Steuerzahler ihre Steuererklärung fristgerecht einreichen braucht es oft ein Druckmittel. Hierfür wurde der Verspätungszuschlag eingeführt. Wenn du deine Steuererklärung nicht pünktlich abgibst, kann dieser als Druckmittel eingesetzt werden (4).

Der Verspätungszuschlag triff in Kraft, wenn deine Steuererklärung nach 14 Monaten immer noch nicht eingereicht wurde. Er darf jedoch nicht mehr als 25000 € betragen. Ab 2018 wurde zudem noch eingeführt, dass mindestens 25 € pro begonnen verspäteten Monat anfallen. Um auf der sicheren Seite zu stehen, solltest du deine Steuererklärung lieber fristgerecht einreichen (5).

Ist die elektronische Steuererklärung Pflicht?

Eine elektronische Steuererklärung dient der Vereinfachung und Beschleunigung der Bearbeitung. Des Weiteren kommt es auch zu Verwaltungskosteneinsparungen. Um diese Vorteile zu erlangen, wurde das Internet-Programm Elster eingeführt. Hier kannst du deine Steuererklärung online erstellen und elektronisch an das Finanzamt übermitteln (6).

Elster ist ein kostenloses Finanzprogramm, mit welcher die Steuererklärung bequem online erstellt werden kann. (Bildquelle: Christin Hume / Unsplash)

Für einige Personengruppen ist die elektronische Steuererklärung über Elster Pflicht. Dies gilt für Selbstständige, Gewerbetreibende und Land- und Forstwirte. Doch auch allgemein steigt in den letzten Jahren die Zahl der elektronisch übermittelten Steuererklärungen. Im Jahr 2020 haben zum Beispiel 28,2 Millionen Menschen ihre Steuererklärung online abgegeben. 2012 hingegen taten dies nur 12 Millionen Menschen (7).

Fazit

Du solltest die Steuererklärung nicht nur als lästige Pflicht sehen. Sie dient dir vor allem dazu, deine Steuervorteile geltend zu machen, sodass du einen Teil der Steuer zurückbekommst. Auch wenn du nicht dazu verpflichtet bist, ist die Abgabe der freiwilligen Steuererklärung oft lohnenswert. Wenn die Erstellung der Steuererklärung zu anspruchsvoll und verwirrend für dich ist, gibt es Möglichkeiten dir Hilfe zu holen.

Hierbei kannst du dir eine Steuersoftware holen, welche dich unterstützt oder einen Steuerberater zurate ziehen. So stehst du auch auf der richtigen Seite, dass alles korrekt ausgefüllt wurde und dir keine Fehler unterlaufen sind. Alles in allem solltest du dich mit dem Thema Steuererklärung auseinandersetzen, damit du jedes Jahr darauf vorbereitet bist.

Titelbild: Markus Winkler / Unsplash

Einzelnachweise (10)

1. Sicherer, Klaus. Einkommensteuer, Berlin, Boston: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2010. https://doi.org/10.1515/9783486700367
Quelle

2. Statistik, Geschäftsbereich. "Lohn-und Einkommensteuer in Nordrhein-Westfalen 2010."
Quelle

3. Christoffel, Hans Günter, and Wolfgang Geiß. Einkommen-Steuererklärung 2009/2010: Schritt-für-Schritt-Leitfaden für Ihre Steuererklärung 2009, vereinfachte Steuererklärung 2009 für Arbeitnehmer, Steuer-Spar-Tipps, Stichwortverzeichnis, Mustervorlagen, Einkommensteuertabellen 2009 und amtliche Erklärungs-Vordrucke 2009;[vollständige Anleitungen für Ihre Steuererklärung 2009, mit Profi-Tipps zu allen Steuerfragen]. Haufe-Lexware, 2010.
Quelle

4. Bartsch, Michael: Stichwort: Verspätungszuschlag. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 05.05.2021.
Quelle

5. Laufenberg, Michael. "Steuerliche Änderungen in 2019." Der Freie Zahnarzt 63.2 (2019): 38-39.
Quelle

6. Röhrs HP. (2002) Auf dem Weg zur papierlosen Steuererklärung. In: Gabriel R., Hoppe U. (eds) Electronic Business. Physica, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-57496-2_24
Quelle

7. Statista Research Department. Anzahl der übermittelten elektronischen Steuererklärungen in Deutschland bis 2021. Abgerufen am 06.05.2021.
Quelle

8. Bundesfinanzministerium. Ab­ga­be­frist für Steu­er­er­klä­run­gen 2017 und Frist­ver­län­ge­rung. Abgerufen am 06.05.2021.
Quelle

9. Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Einkommensteuergesetz (EStG) § 46 Veranlagung bei Bezug von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit. Abgerufen am 06.05.2021
Quelle

10. Bundesfinanzministerium. Einkommen- und Lohnsteuer Ausgabe 2019. Abgerufen am 06.05.2021
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wissenschaftliches Buch
Sicherer, Klaus. Einkommensteuer, Berlin, Boston: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2010. https://doi.org/10.1515/9783486700367
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Wissenschaftliche Studie
Statistik, Geschäftsbereich. "Lohn-und Einkommensteuer in Nordrhein-Westfalen 2010."
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Wissenschaftliches Buch
Christoffel, Hans Günter, and Wolfgang Geiß. Einkommen-Steuererklärung 2009/2010: Schritt-für-Schritt-Leitfaden für Ihre Steuererklärung 2009, vereinfachte Steuererklärung 2009 für Arbeitnehmer, Steuer-Spar-Tipps, Stichwortverzeichnis, Mustervorlagen, Einkommensteuertabellen 2009 und amtliche Erklärungs-Vordrucke 2009;[vollständige Anleitungen für Ihre Steuererklärung 2009, mit Profi-Tipps zu allen Steuerfragen]. Haufe-Lexware, 2010.
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Wirtschaftslexikon
Bartsch, Michael: Stichwort: Verspätungszuschlag. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 05.05.2021.
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Wissenschaftlicher Artikel
Laufenberg, Michael. "Steuerliche Änderungen in 2019." Der Freie Zahnarzt 63.2 (2019): 38-39.
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Wissenschaftlicher Artikel
Röhrs HP. (2002) Auf dem Weg zur papierlosen Steuererklärung. In: Gabriel R., Hoppe U. (eds) Electronic Business. Physica, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-57496-2_24
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Statistik
Statista Research Department. Anzahl der übermittelten elektronischen Steuererklärungen in Deutschland bis 2021. Abgerufen am 06.05.2021.
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Internetbeitrag
Bundesfinanzministerium. Ab­ga­be­frist für Steu­er­er­klä­run­gen 2017 und Frist­ver­län­ge­rung. Abgerufen am 06.05.2021.
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Gesetz
Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Einkommensteuergesetz (EStG) § 46 Veranlagung bei Bezug von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit. Abgerufen am 06.05.2021
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Internetbeitrag
Bundesfinanzministerium. Einkommen- und Lohnsteuer Ausgabe 2019. Abgerufen am 06.05.2021
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