Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2021

Wenn Kollegen krank werden oder wichtige Arbeiten kurz vor der Deadline stehen, werden oft Überstunden nötig, um die Deadline einzuhalten oder die liegen gebliebene Arbeit von Kollegen aufzufangen.

Um diese Überstunden auszugleichen hat der Arbeitgeber verschiedene Möglichkeiten. Allerdings können Überstunden auch verfallen. In welchen Fällen dies passiert und wie der Verfall von Überstunden vermieden werden kann, soll der folgende Artikel klären.




Das Wichtigste in Kürze

  • So fern es im Arbeitsvertrag nicht anders geregelt ist verfallen Überstunden nach drei Jahren. Wird dir Haltbarkeit von Überstunden im Arbeitsvertrag festgelegt, darf eine Mindesthaltbarkeit von drei Monaten nicht unterschritten werden.
  • Feiert ein Arbeitnehmer seine Überstunden ab und wird in diesem Zeitraum krank, so werden die Krankentage nicht erstattet.
  • Bei Kurzarbeit verfallen die Überstunden nicht. Bevor der Arbeitnehmer in Kurzarbeit geht, müssen die Überstunden aber über Freizeitausgleich oder Endgeltung abgebaut werden.

Überstunden Verfallen: Was du wissen solltest.

Besonders ärgerlich ist es, wenn wertvolle Überstunden verfallen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. In welchen Fällen Überstunden verfallen können werden wir nun näher beleuchten.

Was sind Überstunden?

Im Arbeitsvertrag wird die normale Arbeitszeit pro Woche geregelt. Die meisten Personen mit einer vollen Stelle haben einen Arbeitsvertrag über 40 Stunden pro Woche. Diese Arbeitszeit wird gelegentlich überschritten. Dieser Überhang wird dann als Überstunden bezeichnet.

Können Überstunden verfallen und welche Gründe kann es dafür geben?

Es gibt diverse Gründe warum Überstunden verfallen und so nicht zu einem Zeit- oder Geldausgleich führen können. Der häufigste Grund hierfür ist, dass Überstunden veralten, weil diese nicht rechtzeitig genommen werden.

Oft sind Überstunden mit langen Nächten im Büro verbunden. Um so blöder, wenn sich die Arbeit dann später nicht auszahlt (Bildquelle: Tim Hüfner / unsplash).

Aber auch aufgrund von Krankheit, Insolvenz, Elternzeit oder bei Kündigung besteht zumindest in manchen Fällen die Gefahr, dass die Überstunden verfallen. Grundsätzlich gilt vor allem das, was im Rahmen der Gesetzgebung im Arbeitsvertrag festgelegt ist. Verstoßen aber individuelle Absprachen gegen geltendes Recht, so kommt dies meist den Angestellten zugute.

Wann verjähren Überstunden?

Überstunden verjähren nach dem Paragraf 195  BGB nach drei Jahren. Die dreijährige Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem die Überstunden entstanden sind (1).

Oft ist allerdings der Verfall von Überstunden durch eine Ausschlussfrist geregelt. Diese gibt an innerhalb von welchem Zeitraum Überstunden verfallen. Diese Ausschlussfrist darf allerdings nicht geringer als drei Monate angesetzt werden.

Wird die Ausschlussfrist im Vertrag niedriger als drei Monate angesetzt, sodass die Überstunden schon früher als nach drei Monaten verfallen würden, so tritt automatisch Paragraf 195 BGB in Kraft (2). Somit würden Überstunden erst nach dem Ablauf von drei Jahren verfallen.

Verfallen Überstunden in der Elternzeit?

In dem Fall der Elternzeit kommt es sehr auf die im Arbeitsvertrag festgelegte Regelung an. Wird hier der entsprechende Fall nicht geregelt, so bleibt das angesparte Zeitguthaben während der Elternzeit bestehen und kann nach Wiederaufnahme der Berufstätigkeit innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit genutzt werden. Gibt es eine gültige Ausschlussfrist, so gilt dieser Zeitraum (3, 4).

In seltenen Fällen kann aber im Arbeitsvertrag geregelt werden, dass die Überstunden auf die Elternzeit angerechnet werden. Außerdem kann es Vereinbarungen geben, dass auch in der Elternzeit Überstunden verjähren können. In solchen Fällen sollte man die Überstunden am besten vor der Elternzeit verbrauchen.

Verfallen Überstunden bei Krankheit?

Ist ein Arbeitnehmer krank, so verfallen die Überstunden generell nicht. Nimmt sich aber der Arbeitnehmer in einem entsprechenden Zeitraum frei, um die Überstunden abzubauen und wird in diesem Zeitraum krank, so werden die Überstunden nicht erstattet, sondern verfallen ersatzlos.

Wird man krank während man seine Überstunden abfeiert werden diese anders als bei Urlaubstagen nicht erstattet (Bildquelle: Kelly Sikkema / unsplash).

Genau hier liegt auch der Unterschied zu einer Erkrankung im Urlaub. Erkrankt der Arbeitnehmer in dieser Zeit, so werden ihm die entsprechenden Tage gutgeschrieben (5, 6). Allerdings kann auch bei der Aushandlung des Arbeitsvertrags von der Norm abgewichen werden und individuelle Regelungen getroffen werden.

Verfallen Überstunden bei Kurzarbeit?

Entscheidet sich ein Unternehmen in Kurzarbeit zu gehen, so verfallen die Überstunden nicht. Gewöhnlich kommt es aber dazu, dass das Unternehmen darauf drängt, das die Überstunden mit Freizeit abgebaut werden.

Das hat damit zu tun, dass ausgeglichene Arbeitszeitkonten eine gesetzliche Voraussetzung für das Zahlen von Kurzarbeitergeld ist (7). Um die Arbeitszeitkonten Auszugleichen, könnte das Unternehmen auch alternativ seine Arbeitnehmer entsprechend entgelten. Dies wird aber in solchen Unternehmenssituationen, wo Liquidität sowieso schon knapp ist, meist vermieden.

Verfallen Überstunden bei Insolvenz?

Hier muss sich immer gefragt werden, wann die Überstunden entstanden sind. Generell unterscheidet man hier zwei Fälle. Überstunden, die vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden sind. Oder Überstunden, die während dem Insolvenzverfahren entstanden sind.

Wenn eine Firma insolvent wird, besteht die Gefahr dass Überstunden verfallen.

Überstunden, die vor dem Insolvenzverfahren entstanden sind, werden wie eine Insolvenzforderung behandelt. Das bedeutet, dass die noch zu gewährenden Überstunden bzw. dessen Auszahlung in die Konkursmasse des entsprechenden Unternehmens fließt und nur nach Quote ausgezahlt wird (8).

Sind die Überstunden aber während dem Insolvenzverfahren entstanden, so hat der entsprechende Arbeitnehmer gegenüber dem Amt für Arbeit einen Anspruch auf Auszahlung.

Verfallen Überstunden bei Kündigung?

Wird einem Mitarbeiter das Arbeitsverhältnis gekündigt, so verfallen in der Regel auch die Überstunden. Deshalb müssen eventuell angesammelte Überstunden in einem solchen Fall bis zum Ende der Kündigungsfrist eigenverantwortlich abgebaut werden. Können die Überstunden nicht mehr abgebaut werden, so muss der Arbeitgeber die mehr geleistete Arbeit im Normalfall vergüten (9).

Sind Arbeitnehmer allerdings in einem Arbeitsverhältnis mit Gleitzeitregelung, so liegt die Verantwortung beim Arbeitnehmer die Arbeitszeit einzuteilen. Damit hat dieser dann auch im Normalfall kein Recht Überstunden abzurechnen. Aus diesem Fall verfallen bei Gleitzeit Überstunden bei Kündigung ersatzlos. Allerdings gibt es auch hier wieder die Möglichkeit gesonderte Regelungen im Arbeitsvertrag festzuhalten.

Welche Möglichkeiten gibt es, um Überstunden zu nutzen?

Um den Ärger über verfallenden Überstunden zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hierbei kommt es vor allem auf die Kommunikation zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber an.

Aber auch auch das Arbeitszeitgesetzt muss natürlich beachtet werden. Besonders stellt sich hier die Frage, was beide Parteien präferieren. Mehr Freizeit bzw. mehr Arbeitsleistung oder mehr Gehalt bzw. mehr Lohnkosten. Grundsätzlich gibt es hierbei drei grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Überstunden Ausgleich
  • Überstunden auszahlen
  • Arbeitszeitkonto

Im Folgenden werden wir auf die drei gängigsten Möglichkeiten Überstunden Ausgleich, Überstunden Auszahlung und das Arbeitszeitkonto eingehen und diese näher erläutern.

Überstunden-Ausgleich

Hat der Arbeitnehmer Überstunden angesammelt, kann er diese in Rücksprache mit dem Vorgesetzten in Freizeittage umwandeln. Oft werden sogar Mitarbeiter aufgefordert ihre Überstunden abzufeiern, um eine mögliche Geldwerteverbindlichkeit gegenüber den Mitarbeitern vorzubeugen.

Oft steigt der Stundenlohn mit der Anzahl der geleisteten Überstunden pro Tag überproportional an zum normalen Stundenlohn an.

Dies hat den Grund, dass Überstunden überdurchschnittlich bezahlt werden. Je nach Arbeitsvertrag fällt schon bei der ersten Überstunde 125 Prozent des normalen Stundenlohns für den Arbeitgeber an. In der zweiten Überstunden kann es dann schon 150 Prozent sein.

Überstunden auszahlen

Gibt es jedoch viel Arbeit und profitiert der Arbeitgeber mehr als der erhöhte Stundenlohn die Unternehmung belastet, so bevorzugt der Arbeitgeber gewöhnlich die Überstunden als Bonus monatlich oder jährlich auf das normale monatliche Gehalt draufzuschlagen.

Mit der Bonuszahlung sind dann die Überstunden abgegolten und können dann nicht mehr in Freizeit umgewandelt werden.

Arbeitszeitkonto

Die dritte Möglichkeit ist das Arbeitszeitkonto. Gerade bei Beschäftigungsverhältnissen, die Unstetig sind, wird oft das Arbeitszeitkonto eingesetzt.

Hierbei werden Überstunden aufsummiert und dann nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses angehängt. Somit ist der Arbeitnehmer offiziell noch bei dem Arbeitgeber angestellt ohne dort zu Arbeiten und feiert im Grunde seine Überstunden nach der Beschäftigung ab. Der wichtigste Vorteil aus Sicht der Arbeitnehmer ist, dass er über diesen Zeitraum weiter sozialversichert ist.

Fazit

Grundsätzlich verfallen Überstunden nach mindestens drei Jahren. Dennoch kann aber ein anderes Verfallsdatum im Arbeitsvertrag vereinbart werden. Mindestens muss aber eine Frist von drei Monaten eingeräumt werden.

Darüber hinaus kann man Überstunden verlieren, indem man beim Abfeiern von Überstunden Krank wird oder das Unternehmen insolvent wird. Keine Überstunden kann man dagegen verlieren bei Krankheit im Urlaub oder wenn die Firma in Zeitarbeit geht.

Bildquelle: Cankaya/ 123rf

Einzelnachweise (9)

1. Bürger Gesetzbuch § 195: gesetze-im-internet.de
Quelle

2. Bürger Gesetzbuch § 307: gesetzte-im-internet.de
Quelle

3. Bürger Gesetzbuch § 195: gesetze-im-internet.de
Quelle

4. Bürger Gesetzbuch § 307: gesetzte-im-internet.de
Quelle

5. Bürger Gesetzbuch § 315: gesetze-im-internet.de
Quelle

6. Gewerbeordnung § 106: gesetze-im-internet.de
Quelle

7. Verpflichtender Abbau von Arbeitszeitguthaben bei Kurzarbeit: haufe.de
Quelle

8. Arbeitgeberinsolvenz und Gehaltsrückstände: afa-anwälte.de
Quelle

9. Bürger Gesetzbuch § 626: gesetze-im-internet.de
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Bürger Gesetzbuch § 315
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Gewerbeordnung § 106
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Verpflichtender Abbau von Arbeitszeitguthaben bei Kurzarbeit
Verpflichtender Abbau von Arbeitszeitguthaben bei Kurzarbeit: haufe.de
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Arbeitgeberinsolvenz und Gehaltsrückstände
Arbeitgeberinsolvenz und Gehaltsrückstände: afa-anwälte.de
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Bürger Gesetzbuch § 626
Bürger Gesetzbuch § 626: gesetze-im-internet.de
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