Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2021

In fast allen Arbeitsverträgen wird eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Diese Vereinbarung hilft dir deinen Arbeitgeber näher kennenzulernen und natürlich auch dem Arbeitgeber dich auf die Probe zu stellen. Das Besondere an der Probezeit allerdings ist, dass sowohl du, als auch dein Arbeitgeber innerhalb von zwei Wochen eine Kündigung ausstellen können.

Es herrscht ein großer Mythos, dass es nicht möglich sei, innerhalb der Probezeit Urlaub zu nehmen. Allerdings solltest du dich nicht scheuen, deinen Arbeitgeber trotzdem um Urlaub zu bitten.

Denn auch in der Probezeit sammelst du bereits Urlaubstage. In diesem Artikel möchten wir den Irrglauben aus der Welt schaffen und dir alles erklären, was du über das Thema Urlaub in der Probezeit wissen solltest.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Probezeit bemisst sich meist auf einen Zeitraum von sechs Monaten, da anschließend der Kündigungsschutz in Kraft tritt. Nach der Wartezeit von sechs Monaten hast du einen Anspruch auf volle 20 Tage Jahresurlaub.
  • Auch während der Probezeit erwirbst du einen Anspruch auf Urlaub. Das sind aufgerundet 2 Urlaubstage pro Monat. Diesen Teilurlaub kannst du bereits vor Ablauf der Probezeit in Anspruch nehmen. Scheue dich nicht diesen Urlaub bei deinem Arbeitgeber einzufordern.
  • Kommt es innerhalb der Probezeit zu einer Kündigung, egal ob vom Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, kannst du bis vor Eintritt der Kündigung deinen Teilurlaub nehmen oder der Arbeitgeber muss diese Zeit finanziell ausgleichen.

Hintergründe: Was du über Urlaub in der Probezeit wissen solltest

Im folgenden Kapitel möchten wir auf alle wichtigen Fragen zum Thema Urlaub während der Probezeit eingehen. Wir beantworten dir alles, was du wissen musst, um deinen Urlaub bei deinem Arbeitgeber einzufordern.

Was ist der Unterschied zwischen Probezeit und Wartezeit?

Bei Antritt einer neuen Stelle ist es üblich, dass der Arbeitgeber im Vertrag eine Probezeit festhält. Meistens geht die Probezeit bis zu sechs Monaten, da sich der Arbeitnehmer in diesem Zeitraum auf das Kündigungsschutzgesetz berufen kann (1). Allerdings kann die Probezeit auch deutlich kürzer ausfallen.

Jeden vollen Monat erwirbst du deine Urlaubstage. Es ergibt Sinn deine Urlaubswünsche frühzeitig zu anzusprechen, damit dein Arbeitgeber gut planen kann. (Bildquelle: Piano Oficial / Unsplash)

Oft tauchen die Begriffe Probezeit und Wartezeit gemeinsam auf. Doch was ist eigentlich der Unterschied? Die Wartezeit muss abgewartet werden, damit der Arbeitnehmer einen vollen Urlaubsanspruch und Kündigungsschutz erhält. Bei der Probezeit kann der Arbeitnehmer lediglich innerhalb einer kürzeren Frist kündigen.

Eine Probezeit gibt es allerdings nur, wenn sie ausdrücklich mit dem Arbeitgeber vereinbart und im Arbeitsvertrag festgehalten wird.

Gibt es einen Anspruch auf Urlaub in der Probezeit?

Es ist möglich innerhalb der Probezeit Urlaub zu nehmen. Allerdings gibt es keinen Anspruch auf vollen Urlaub. Dieser tritt erst nach Ablauf von sechs Monaten ein (siehe oben: Wartezeit) (2).

Aus diesem Grund denken viele Arbeitnehmer, dass sie während der Probezeit noch keinen Urlaub nehmen können. Dies ist ein Irrglaube. Denn es besteht zwar kein voller Urlaubsanspruch, aber als Mitarbeiter erwirbst du jeden Monat ein Zwölftel deines Jahresurlaubs.

Möchtest du also ein paar Tage frei nehmen, brauchst du keine Scheu zu haben, deinen Arbeitgeber danach zu fragen. In den meisten Fällen sollte das gar kein Problem darstellen.

Schließlich könnte es passieren, dass du ansonsten zum Ende des Jahres deinen kompletten Resturlaub auf einmal nehmen müsstest und dem Unternehmen somit mehrere Wochen nicht zur Verfügung stehen würdest.

Wie viele Tage Urlaub kann ich während der Probezeit nehmen?

Wie schon erwähnt, erwirbt jeder Arbeitnehmer während eines vollen Monats ein Zwölftel seines Jahresurlaubs (3). Entsteht bei der Berechnung eine Kommazahl, so wird um mindestens 0,5 Urlaubstage aufgerundet.
Der gesetzliche Urlaubsanspruch liegt bei 20 Tagen im Jahr.

Arbeitest du also, fünf Tage die Woche, ergeben sich zwei Urlaubstage innerhalb des ersten Monats. Jährlich gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf 20 Tage Urlaub.

Durch 12 Monate geteilt, sind das 1,67 Tage, aufgerundet zwei Urlaubstage pro Monat. Nach Ablauf von sechs Monaten kann sich sogar ein höherer Urlaubsanspruch, als die 20 gesetzlich vorgesehenen Tage, ergeben.

Wie wird der Urlaub in der Probezeit berechnet?

Um dir ein besseres Verständnis zu geben, wie der Urlaub in der Probezeit berechnet wird, möchten wir dir im Folgenden ein kleines Beispiel vorstellen.

Peter hat am 01.02.2021 den ersten Tag an seiner neuen Arbeitsstelle. Also bleibt er auch nach seinen sechs Monaten Probezeit bis zum 01.08.2021 in dem Unternehmen.  Pro vollem Monat hat sich Peter einen Anspruch von 1,67 Tagen Urlaub erarbeitet. Das heißt, dass er bereits nach 4 Monaten Arbeit, aufgerundet 7 Tage Urlaub erworben hat.

Das heißt, der Jahresurlaub wird anteilig in jedem vollen Monat Arbeit erworben. Dieser Teilurlaub kann bereits vor Ablauf der Probezeit eingefordert werden.

Bis wann muss der Teilurlaub genommen werden?

Der Urlaub sollte immer in dem Jahr angetreten werden, in dem der Anspruch entstanden ist. Dies gilt auch für den Teilurlaub innerhalb der sechs Monate. Ist es nicht möglich den Urlaub im gleichen Kalenderjahr zu nehmen, kann der Urlaub ins nächste Jahr verschoben werden. Er kann dann bis zum 31. März angetreten werden.

Warum kann der Arbeitgeber den Urlaub in der Probezeit verweigern?

Der Arbeitnehmer kann jederzeit seinen Urlaub während der Probezeit beim Arbeitgeber einfordern. Allerdings gibt es einige Fälle, in denen der Arbeitgeber den Urlaub verweigern kann. Laut Gesetz kann der Arbeitgeber die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers verweigern, wenn dringende betriebliche Gründe oder Urlaubsansprüche anderer Arbeitnehmer im Wege stehen (4).

Betriebliche Gründe müssen im direkten Bezug zur Arbeitsstruktur und Organisation stehen. So könnte es also sein, dass es zu bestimmten Zeiten ein erhöhtes Arbeitsaufkommen gibt oder Arbeitskollegen durch Krankheit ausfallen und nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Die Probezeit stellt allerdings keinen betrieblichen Grund dar. Es ist also nicht möglich, dass dir dein Arbeitgeber deinen Urlaub verweigert, weil du dich noch in der Probezeit befindest. Einige Arbeitgeber fordern aber eine kontinuierliche Einarbeitungszeit oder die Teilnahme an Schulungen. Dies wiederum wären legitime Gründe dir den Urlaub zu verweigern.

Was passiert mit dem Urlaub bei Kündigung in der Probezeit?

Kommt es während der Probezeit zu einer Kündigung gibt es keine gesonderten Regelungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kündigung vom Arbeitnehmer oder Arbeitgeber ausgesprochen wird.
Bei einer Kündigung verfällt dein Urlaub nicht.

Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf seinen erworbenen Teilurlaub oder die Zeit muss finanziell ausgeglichen werden (5).

Das heißt entweder nimmt der Arbeitnehmer sich bis zum wirksam werden seiner Kündigung die erworbenen Urlaubstage frei oder falls dies nicht möglich sein sollte, muss der Arbeitgeber für die Urlaubszeit finanziell aufkommen.

Fazit

Wie der Artikel gezeigt hat, ist dem Mythos, dass während der Probezeit kein Urlaub genommen werden kann, keine Bedeutung zuzuschreiben. Es sollte also kein Problem sein, deinem Arbeitgeber deutlich zu machen, dass du gerne während deiner Probezeit einige Tage Urlaub nehmen möchtest.

Dein Urlaub kann dir nicht verwehrt werden, weil du noch in der Probezeit bist. Ausschließlich dringende betriebliche Gründen können Auslöser dafür sein, dass dein Arbeitgeber dir deine Urlaubswünsche verweigert.

Es lohnt sich also, das Gespräch mit deinem Arbeitgeber zu suchen. Im Endeffekt ist es für das Unternehmen sowieso von Vorteil, wenn sich die Urlaubsansprüche nicht bis zum Ende des Jahres anstauen und du somit für mehrere Wochen nicht zur Verfügung stehst.

Ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber hilft eigentlich immer. Falls es dennoch Gründe geben sollte dir dein Urlaub zu verweigern, hilft Kooperation meistens mehr als Konfrontation. Oft lassen sich gute Kompromisse finden.

Titelbild: Marvin Meyer / Unsplash

Einzelnachweise (5)

1. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
Quelle

2. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
Quelle

3. dejure.org. Abgerufen am: 04.05.2021
Quelle

4. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
Quelle

5. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

§1 Kündigungssschutzgesetz
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
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§4 Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz)
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
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§5 Teilurlaub (Bundesurlaubsgesetz)
dejure.org. Abgerufen am: 04.05.2021
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§7 Abs.1 Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz)
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
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§7 Abs.4 Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz)
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Abgerufen am 04.05.2021
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