Vollstreckungstitel
Zuletzt aktualisiert: 27. November 2020

Schuldet dir jemand Geld und du möchtest wissen wie genau ein Vollstreckungstitel ausgestellt wird. Oder hast du den Begriff schon einmal gehört und bist dir nicht ganz sicher was es ist. Dann bist du genau richtig bei diesem Artikel um Antworten zu bekommen.

In unserem Beitrag über Vollstreckungstitel 2022 haben wir den Begriff genau erklärt. Außerdem haben wir alles Wichtige rund um diesen Begriff recherchiert und in einem umfassenden Artikel wiedergegeben. Welche Fragen auch immer du hast über das Thema Vollstreckungstitel, wir hoffen alle klären zu können.




Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Vollstreckungstitel ist eine Urkunde, ausgestellt vom Gläubiger um seine Schulden einzutreiben. Ist ein Vollstreckungstitel erlassen, kann sofort eine Zwangsvollstreckung veranlasst werden.
  • Der erste Schritt um einen Vollstreckungstitel zu veranlassen ist es einen Mahnbescheid auszustellen. Wird dieser ignoriert und die Mahnfrist verstreicht kann der zweite Schritt, der Vollstreckungstitel, eingeleitet werden.
  • Bei Erhalt des Mahnbescheids hat der Schuldner zwei Wochen Zeit um Widerspruch einzulegen. Geschieht dies nicht, ist der Vollstreckungstitel gültig und kann nicht mehr angefochten werden.

Glossareintrag: Der Begriff Vollstreckungstitel im Detail erklärt

Möchtest du genauere Informationen über einen Vollstreckungstitel, so haben wir dir eine umfassende Zusammenfassung erstellt. In den nächsten Absätzen kannst du alles rund um dieses Thema nachlesen und tiefer eintauchen. Angefangen bei der Begriffserklärung bis hin zur Verjährungsfrist haben wir dir alles übersichtlich aufbereitet und hoffen das keine Fragen offen bleiben.

Was ist ein Vollstreckungstitel?

Vollstreckungstitel bedeutet, dass ein Gläubiger mit dem Titel eine Zwangsvollstreckung veranlassen kann, um seine Schulden einzutreiben. Zuerst muss der Gläubiger einen Vollstreckungstitel beantragen. Davor muss der Schuldner aber mehrmals eine Mahnung erhalten. (1)

Vollstreckungstitel-1

Ein Vollstreckungstitel ist ein Dokument, mit dem der Gläubiger berechtigt ist, den Schuldner zu pfänden.

(Bildquelle: Maksym Kaharlytskyi / Unsplash)

Der Mahnbescheid muss die Verjährung der Forderungen hemmen und ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Erst dann kann ein Vollstreckungstitel veranlasst werden. Nachdem der Schuldner den Mahnbescheid erhalten hat, kann dieser innerhalb von zwei Wochen einen Widerspruch einlegen.

Die Frist für den Gläubiger beträgt sechs Monate nach Zustellung des Mahnbescheids. Hat der Gläubiger einen vollstreckenden Titel erwirkt, kann er sofort eine Zwangsvollstreckung veranlassen. (2)

Ein Vollstreckungstitel muss nicht immer auf eine Forderung in Form von Geld bestehen, es kann auch auf einen Anspruch in Form eines Tuns oder Unterlassen ausgestellt werden. Möchte jemand eine Zwangsvolsltreckung durchsetzten, ist ein Vollstreckungstitel zwingend notwendig. (3)

Wer stellt einen Vollstreckungstitel aus?

Will der Gläubiger eine Zwangsvollstreckung einleiten, muss er einen Beweis für seinen Anspruch gegenüber dem Schuldner dem zuständigen Amtsgericht vorlegen. Bei diesem Vollstreckungstitel handelt es sich um eine Urkunde, aus der hervorgeht, dass eine Zwangsvollstreckung durchgeführt werden darf.

Um eine Zwangsvollstreckung zu beantragen ist es zwingend zuerst einen Mahnbescheid zu erlassen. Dieser wird beim Mahngericht des zuständigen Bundeslandes eingereicht. Nach diesem ersten Schritt und dem Abwarten der Mahnfrist kann der zweite Schritt eingeleitet werden. (4)

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um einen Vollstreckungstitel zu veranlassen?

Erwirkt der Gläubiger einen Vollstreckungstitel, hat dieser einen großen Handlungsspielraum. Er darf das Vermögen des Schuldners pfänden lassen. Um ein Vollstreckungstitel erfolgreich zu erwerben, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein:

  • Die Forderung muss berechtigt sein: Der Gläubiger muss seine korrekte Vorgehensweise nachweisen können. Die Erbringung der Leistung, rechtmäßige Ausstellung der Rechnung und es dürfen keine Mängel oder Garantievertragsverletzungen vorliegen.
  • Erfolglose Mahnungen: Bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden, muss der Gläubiger versuchend die Angelegenheit außergerichtlich zu regeln. Er muss dem Schuldner mindestens eine Mahnung schicken und die Mahnfrist abwarten.
  • Mahnfrist muss bewahrt werden: Dem Schuldner steht eine Mahnfrist von 5 bis 10 Tagen zu, um angemessen darauf zu reagieren.
  • Mahnverfahren: Der Vollstreckungstitel kann erst nach Einleiten eines Mahnverfahrens beantragt werden.

Um den Schuldner vor möglich unberechtigten Vollstreckungen zu schützen, müssen diese Voraussetzungen erfüllt werden, um einen Titel zu veranlassen. Wird eines dieser Erfordernisse nicht erfüllt, kann der Schuldner den Vollstreckungstitel abwehren. (5)

Wann verjährt ein Vollstreckungstitel?

Ein Vollstreckungstitel hat eine Gültigkeit von 30 Jahren, sofern in der Zwischenzeit keine Verjährungsunterbrechung erfolgt. Diese kann durch eine Klage oder einen Widerspruch gegen den Vollstreckungsbescheid entstehen.

Ein Vollstreckungstitel verjährt erst nach 30 Jahren.

Hast du einen Vollstreckungstitel erwirkt welcher nicht durchgesetzt werden konnte, da der Schuldner nicht zahlungsfähig ist, hast du trotzdem die Chance 30 Jahre lang dein Geld zu verlangen.

Da sich die finanzielle Lage des Schuldners ändern kann, ist es zu empfehlen immer wieder an die Tür zu klopfen und danach zu verlangen. (2)

Wie kann ich in 3 Schritten eine Vollstreckung einleiten?

Eine gute Kundenbindung ist für alle Unternehmen wichtig und sollte im Vordergrund stehen. Bei ausstehenden Zahlungen ist deshalb der erste Weg die Kundenkommunikation. Damit wird der Kunde an die Zahlung erinnert und etwaige Gründe für den Zahlungsverzug können in Erfahrung gebracht werden.

Bestehen finanzielle Schwierigkeiten beim Kunden, gibt es die Möglichkeit ihm individuelle Zahlungsmöglichkeiten anzubieten. Zum Beispiel Ratenzahlungen oder Stundung wären Optionen.

Zahlt der Kunde nicht wegen Mängel am Produkt oder Leistung, kannst du Maßnahmen oder Garantieleistung mit ihm abstimmen. So kannst du die Mängel beheben und kommst an dein Geld.

Kannst du auf keinen Weg deinen Kunden zur Zahlung bewegen, bleibt nichts anderes als der Rechtsweg offen. Eröffne ein Mahnverfahren und beantrage einen Vollstreckungstitel.

  • Mahnung des Schuldners: Das Mahnverfahren beginnt mit mindestens einer Mahnung an den Schuldner. Danach sollte dem Schuldner eine Frist von 5 bis 10 Tagen gegeben werden, dass dieser auch angemessen reagieren kann.
  • Beantragung eines Mahnbescheides: Als zweiten Schritt kannst du einen Mahnbescheid am Mahngericht beantragen. Danach hat der Schuldner 14 Tage Zeit um zu reagieren.
  • Beantragung des Vollstreckungstitels: Kommt keine Reaktion vom Schuldner, so kannst du nun den Vollstreckungstitel beantragen. Die Formulare musst du wieder beim Mahngericht einreichen, welches den Bescheid dann zustellt.

War das Verfahren erfolgreich und du hast den Bescheid, kannst du sofort eine Zwangsvollstreckung veranlassen. (5)

Was tun, wenn ein Vollstreckungstitel verloren geht?

Bei Umzügen kann es schon einmal vorkommen, dass zwischen den vielen Kartons und Umzugsstress ein Dokument verloren geht. Oder auch beim Ausmisten von Papieren könnte ein falschen Dokument unterrutschen und für immer verloren gehen. Das ist aber kein Grund zu Sorge, der Anwalt sollte eine Kopie aufbewahrt haben.

Auch bei Gericht könnte noch eine Kopie vorhanden sein. Schlimmsten Falls muss der Vollstreckungstitel aktualisiert werden, was ein neues Gerichtsverfahren bedeutet. Natürlich kostet das Gerichtsverfahren auch wieder Geld. (3)

Welche Kosten entstehen bei der Beantragung eines Vollstreckungstitels?

Beim Beantragen eines Vollstreckungstitels entstehen Kosten, denn das Gericht verlangt für seinen Aufwand und seine Arbeit Verwaltungs- und Gerichtskosten. Diese Kosten muss der Gläubiger zuerst bezahlen, bekommt sie aber vom Schuldner rückerstattet bei einem erfolgreichen Verfahren.

Streitkosten Gerichtskosten
bis 1.000€ 32€
bis 5.000€ 73€
bis 10.000€ 120,50€
bis 25.000€ 185,50€

Die Kosten starten bei mindestens 32 Euro und orientieren sich am Streitwert. Zusätzlich können noch Verwaltungs- und Anwaltskosten dazukommen, welche individuell sind. Auch diese Kosten muss der Schuldner bei Erfolg tragen. (5)

Wie kann ein Vollstreckungstitel aufgehoben werden?

Zuerst sollte es gar nicht so weit kommen, dass ein Vollstreckungstitel erlassen wird. Da dieser erst nach einigen Mahnungen und einem Mahnantrag erlassen werden kann, ist dazwischen eine Menge Zeit um dem zu entgehen.

Am besten natürlich ist, wenn gezahlt wird, sollten finanzielle Schwierigkeiten vorliegen, kann versucht werden mit dem Gläubiger zu sprechen.

Vielleicht kann sich auf eine Ratenzahlung geeinigt werden, denn ein wenig Geld ist besser für den Gläubiger als gar keines. Die meisten Gläubiger lassen sich auf eine Ratenzahlung ein, um dem Aufwand eines Vollstreckungstitels zu entgehen. Doch sehen sie keine Kooperation vom Schuldner, kämpfen sie um ihr Geld. Ist ein Vollstreckungstitel einmal rechtskräftig kann er nicht mehr aufgehoben werden, nur noch getilgt. (3)

Fazit

Bevor ein Vollstreckungstitel beantragt werden kann, muss ein Mahnbescheid beantragt werden. Ignoriert der Schuldner auch diesen und legt keinen Widerruf innerhalb von zwei Wochen ein, so kann ein Vollstreckungstitel veranlasst werden. Ist er erfolgreich erlassen, so kann sofort eine Zwangsvollstreckung veranlasst werden. Der Vollstreckungstitel kann nicht mehr angefochten werden und hat eine Verjährungsfrist von 30 Jahren.

Um erfolgreich einen Vollstreckungstitel zu erlassen, müssen ein paar Voraussetzungen gegeben sein. So muss die Forderung berechtigt sein und der Gläubiger muss die erbrachte Leistung vorweisen können. Außerdem muss zuerst ein Versuch erfolgen die Situation außergerichtlich zu klären, der Schuldner muss mindestens einmal an seine ausstehende Zahlung erinnert werden.

Eine weitere Voraussetzung ist es die Mahnfrist von 5 bis 10 Tagen einzuhalten, um dem Schuldner Zeit zu geben angemessen darauf zu reagieren. Zuguterletzt muss ein Mahnverfahren eingeleitet werden bevor ein Vollstreckungstitel erlassen werden kann.

Sind all diese Voraussetzungen gegeben, kann ein Vollstreckungstitel beantragt werden und der Schuldner kann gepfändet werden. Ist das Verfahren erfolgreich kann der Gläubiger außerdem seine Kosten vom Schuldner erstatten lassen.

Bildquelle: Saklakova/ 123rf.com

Einzelnachweise (5)

1. "Titel / Vollstreckungstitel im deutschen Recht" 13.07.2020
Quelle

2. "Titel zur Zwangsvollstreckung: Wie können Sie diesen erwirken?" 13.07.2020
Quelle

3. "VOLLSTRECKUNGSTITEL" 13.07.2020
Quelle

4. "Vollstreckungsbescheid, und dann?" 13.07.2020
Quelle

5. "Vollstreckungsbescheid beantragen: Vorgehen & Fristen" 13.07.2020
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Lexikon
"Titel / Vollstreckungstitel im deutschen Recht" 13.07.2020
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Ratgeber
"Titel zur Zwangsvollstreckung: Wie können Sie diesen erwirken?" 13.07.2020
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Wiki
"VOLLSTRECKUNGSTITEL" 13.07.2020
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Ratgeber
"Vollstreckungsbescheid, und dann?" 13.07.2020
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Ratgeber
"Vollstreckungsbescheid beantragen: Vorgehen & Fristen" 13.07.2020
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