Zuletzt aktualisiert: 1. Juli 2021

Im Bereich des Erbes, gibt es viele Aspekte zu berücksichtigen. Die Meisten erhalten ein Erbe erst nach Verlust der Angehörigen. Doch es gibt auch die Möglichkeit schon zu Lebzeiten der Erblasser, Vermögen zu generieren. Die Sprache ist von der vorweggenommen Erbfolge. Neben höheren Freibeträgen können auch emotionale Gründe für eine vorherige Überschreibung sprechen.

Um einen Überblick über das Thema zu bekommen, wurden die wichtigsten Aspekte erarbeitet. Dazu bekommst du einen Eindruck von Gründen für eine Schenkung. Außerdem erklären wir dir, welche Dinge beachtet werden müssen und welche Klauseln wichtig sind. Nachdem du auch über verbundene Steuern informiert wirst, werden keine Fragen offen bleiben.




Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der vorweggenommenen Erbfolge wird das Vermögen noch zu Lebzeiten des Erblassers verschenkt. Je nach Verwandtschaftsgrad gelten hierbei unterschiedliche Freibeträge.
  • Zusätzliche Steuern werden nur berechnet, wenn der Freibetrag überschritten wurde. Dann werden die gewohnten Erbschaftssteuern erhoben.
  • Je nachdem welches Anliegen zu einer Schenkung bewegt und an wen geschenkt wird, müssen verschiedene Klauseln beachtet werden. Daher lohnt sich eine anwaltliche Rücksprache.

Hintergründe: Wissenswertes über die vorweggenommene Erbfolge

Im folgenden Abschnitt beantworten wir dir die wichtigsten Fragen rund um die vorweggenommene Erbfolge. Danach wirst du einen besseren Überblick zu dem Thema haben. Zudem kann dir dein neu erlangtes Wissen in diesem Bereich auch in Zukunft helfen.

Was ist die vorweggenommene Erbfolge?

Die vorweggenommenen Erbfolge bezeichnet das Übertragen von Vermögen an die künftigen Erben, zu Lebzeiten des Erblassers. Eine weitere Bezeichnung, mit gleicher Bedeutung ist auch die Schenkung. Grundsätzlich ist die vorweggenommene Erbfolge ein beliebtes Mittel um Angehörigen zu niedrigen bis keinen Steuersätzen das Erbe zu vermachen.

2018 bestand das Erbe in Deutschland zu 75 % aus Gelderträgen. (Bildquelle: Unsplash / Josh Appel)

Der Freibetrag von 400.000 Euro pro Kind und 500.000 Euro bei Ehegatten, kann steuerfrei verschenkt werden. Allerdings ist dies an eine Zehn Jahres Frist gebunden. Dies bedeutet, dass dieser Freibetrag nur alle 10 Jahre erbracht werden darf. Innerhalb diesen Zeitraums werden alle Einnahmen durch den Erblasser zusammen gerechnet. Auf diese Weise können Erbschaftssteuern erspart bleiben.(1, 2)

Behältst du dieses Wissen im Hinterkopf, kann eine Schenkungsstrategie entwickelt werden, welche den größten Teil des Erbes erhalten lässt. Demnach bietet es sich bei einer hohen Vermögenssumme an, früh mit den Schenkungen zu beginnen.

Welche Gründe gibt es für eine vorweggenommene Erbfolge?

Für die vorweggenommene Erbfolge sprechen verschiedene Gründe. Neben persönlichen Motiven gibt es auch erbrechtliche Bezüge. Folgende Gründe können für eine Schenkung sprechen:

  • Sparen von Erbschaftssteuer
  • Versorgung des Schenkers und seiner Familie
  • Minderung von Pflichtteilansprüchen
  • Erhalten von Familienvermögen

Die Entscheidung für eine vorweggenommene Erbfolge, sollte wohl überdacht sein und erst nach Rücksprache mit einem Anwalt vollzogen werden. Denn im schlimmsten Fall kann sich die Schenkung negativ auf die Rente des Erblassers haben. Problematisch kann es mit einer Schenkung auch werden, wenn diese an Bedingungen geknüpft ist.

Denn werden diesen Voraussetzungen im Nachgang nicht ausgeführt, kann dies zu Komplikationen auf verschiedenen Ebenen führen.

Beispiel: Der Vater verschenkt eine entsprechende Summe von 100.000€ an sein Kind, mit der Kondition Pflege im Alter als Gegenleistung zu bekommen. Doch nach 2 Jahren der Pflege, wird dies dem Kind zu mühselig und es geht der Bedingung nicht mehr nach. Folglich entstehen familiäre Probleme.

Um ein solches Ende zu vermeiden, lohnt es sich, diese Bedingungen vertraglich zu regeln. Findet ein Verstoß statt, kann es zu einer Rückerstattung der Schenkung kommen. Allerdings sollten diese Klauseln mit einer entsprechenden Fachkraft ausgearbeitet werden.

Was gilt es bei der vorweggenommenen Erbfolge bei minderjährigen Enkelkindern zu beachten?

Werden bei der vorweggenommenen Erbfolge Minderjährige berücksichtigt, gilt es einige Punkte zu beachten. Demnach wird das vererbte Vermögen, solange von dem Erziehungsberechtigten verwaltet, bis das minderjährige Enkelkind die Volljährigkeit erreicht hat. Davor muss die Verwaltung zum Interesse und auf Rechnung des Enkelkindes verwaltet werden.

Unter besonderen Umständen muss, für die Schenkung an Minderjährigen, die Zustimmung des Vormundschaftsgerichts erfolgen und ein Ergänzungspfleger bereitgestellt werden. Außerdem muss dem Empfänger die gesamte Verfügungsgewalt gewährt werden. Schlussfolgernd kann kein Vorbehalt oder Rückforderungsrecht erfolgen.

Steuerpflichtige Beträge aus dem geerbten Vermögen, wie beispielsweise Zinsen, unterliegen der Einkommenssteuer. Diese Zinsen stammen meist auf Erträgen des Kapitalvermögens. Diese versteckten Kosten müssen stets bedacht werden, weshalb sich eine frühzeitige Auseinandersetzung durch einen Anwalt lohnt. Hierbei müssen die anfallenden Anwaltskosten beachten werden.(4)

Außerdem sollte bedacht werden, dass die Eltern bei bestimmten Rechtsgeschäften, auf die Genehmigung des Familiengerichts warten müssen. Auf diese Weise wird die rechtmäßige Verwaltung des Vermögend sichergestellt. Dies findet auch statt, wenn das Kind durch einen Ergänzungspfleger vertreten wird.

Welche Klauseln sind bei der vorweggenommenen Erbfolge von Bedeutung?

Im Bezug auf die vorweggenommene Erbfolge können verschiedene Klauseln den Schenkenden absichern. Hierbei gilt es verschiedene Szenarien durchzuspielen und sich über verschiedene Faktoren abzuklären. Schließlich müssen die Bedingungen bereits im Vorfeld festgelegt werden und können nicht im Nachgang hinzugefügt werden. Im Folgenden sind wichtige Klauseln auf einem Blick erklärt.

Klausel Erklärung
Rückfallklausel Verstirbt der Beschenkte noch vor dem Schenkenden, wird durch diese Klausel gesichert, dass der Schenkende das Erbe zurückerhält.(6)
Pflichtteilanrechnungsklausel Der Pflichtteilsberechtigte muss seine Schenkung auf seinen Pflichtteil anrechnen lassen.
Ausgleichungspflicht Demnach muss das Erbe unter allen Beteiligten finanziell ausgeglichen sein. Es kann eine Anrechnung auf beschenkte Erbteile erfolgen.(7)
Verfügungsbeschränkungen Hier kann der Schenker festlegen, wie mit dem Erbe umgegangen werden soll. Beispielsweise kann festgelegt werden, dass eine geschenkte Immobilie nicht verkauft werden darf.(8)

Behältst du diese Klauseln stets im Hinterkopf, sollten keine unschönen Überraschungen auf dich zukommen. Außerdem kann eine frühzeitige Aufklärung über die Rahmenbedingungen des Erbes, den häufig vorkommenden Erbstreit vermeiden. Denn nicht nur der Erblasser wird auf diese Weise abgesichert, sondern auch der Erbe weiß, auf welche Bedingungen er sich im Vorfeld einlässt.

Welche Steuern fallen bei einer vorweggenommenen Erbfolge an?

Da die vorweggenommene Erbfolge eine Schenkung ist, gibt es sehr hohe Steuerfreibeträge. Demnach liegt der Freibetrag bei

  • 500.000 Euro für Ehegatten.
  • 400.000 Euro pro Kind.

Übersteigt das vererbte Vermögen diese Beträge, fällt die gewohnte Erbschaftssteuer an. Diese wird abhängig von dem Verwandtschaftsgrad bestimmt. Demnach können unterschiedliche Beteiligte nach Steuerklasse I, II oder III besteuert werden.(5)

Dabei gestaltet sich die Steuerklasse I mit dem besten Konditionen. Dieser werden die höchsten Freibeträge und die niedrigsten Steuersätze zugesprochen. Im Gegensatz dazu bildet die dritte Steuerklasse eher ungünstige Voraussetzungen, im Bezug auf eine steuerfreie Schenkung.

Interessant ist jedoch, dass die Elternteile nicht als eine Person schenken. Stattdessen wird jeder Erziehungsberechtigte getrennt voneinander betrachtet. Daraus ergeben sich zwei Freibeträge und somit die doppelte Anzahl an möglichen Leistungen. Somit lassen sich zusätzlich Steuern einsparen.

Welchen Einfluss hat die vorweggenommene Erbfolge auf den Pflichtteil?

Wird von dem Schenkenden festgelegt, dass ein Ausgleich und/oder eine Anrechnung nicht erwünscht sind, hat die vorweggenommene Erbfolge keinen Einfluss auf den Pflichtteil des Erbenden. Demnach muss der Wert der Zuwendung nicht auf den Pflichtteil angerechnet werden.(3)

Der Pflichtteil nimmt immer 50 % des gesetzlichen Erbteils ein.

Wurde jedoch zuvor ein Vermögen verschenkt und die Person nicht als Erbe berücksichtigt, zählt die vorherige Schenkung zum Pflichtteil dazu. So muss die vorher erbrachte Zuwendung von dem Pflichtteil abgezogen werden. Der verbleibende Betrag bildet den neuen rechtmäßigen Pflichtteil.

Legt der Schenkende zuvor einen Ausgleich und/oder eine Anrechnung fest, muss diese umgesetzt werden. Hierfür ist das Nachlassgericht zuständig. Aus diesem Grund wird das, zu Lebzeiten des Erblassers, erhaltene Erbe, zu dem Pflichtteil angerechnet oder es findet ein Ausgleich unter allen beteiligten Erbenden statt.

In Deutschland werden 1300 Milliarden Euro von 2015 bis voraussichtlich 2024 in Form von Immobilien vererbt. (Bildquelle: Pexels / Michael Tusynski)

Im Allgemeinen gibt es nur wenige bis keine Möglichkeit, den Pflichtteil auszuschlagen. Dies wird unabhängig von persönlichen Problemen geregelt. Folgernd wird auch eine missliebige Person am Vermögen beteiligt. Diese erhält schließlich den Pflichtteil des Erbes.

Fazit

Um keine bösen Überraschungen im Nachgang zu erleben, lohnt sich eine intensive Auseinandersetzung mit der vorweggenommenen Erbfolge. Demnach gibt es einige Klauseln, sowie grundlegende Rahmenbedingungen zu beachten. Außerdem sollte zur endgültigen Absicherung ein Anwalt hinzugezogen werden.

Beachtest du diese Aspekte, kann sich eine Schenkung positiv auf dein Vermögen auswirken. Vor allem die erhöhten Freibeträge können einen Anreiz geben, die vorweggenommene Erbfolge zu nutzen. Aber auch persönliche Gründe können für dieses Vorhaben sprechen. Das wichtigste ist, dass für die Position des Schenkenden keine Nachteile entstehen.

Bildquelle: Racorn / 123rf

Einzelnachweise (8)

1. wirtschaftslexikon.gabler.de Definition: Was ist "vorweggenommene Erbfolge"? Brigitta Dennerlein
Quelle

2. wirtschaftslexikon24.com: Schenkung.
Quelle

3. gesetze-im-internet.de: § 2315 Anrechnung von Zuwendungen auf den Pflichtteil.
Quelle

4. gesetze-im-internet.de § 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze.
Quelle

5. gesetze-im-internet.de: Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz.
Quelle

6. wirtschaftslexikon.gabler.de Rückfallklausel. Dr. Norbert Dautzenberg
Quelle

7. gesetze-im-internet.de: § 2050 Ausgleichungspflicht für Abkömmlinge als gesetzliche Erben
Quelle

8. gesetze-im-internet.de: § 1365 Verfügung über Vermögen im Ganzen.
Quelle

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Definition: Was ist "vorweggenommene Erbfolge"?
wirtschaftslexikon.gabler.de Definition: Was ist "vorweggenommene Erbfolge"? Brigitta Dennerlein
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Schenkung
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§ 2315 Anrechnung von Zuwendungen auf den Pflichtteil
gesetze-im-internet.de: § 2315 Anrechnung von Zuwendungen auf den Pflichtteil.
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§ 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze
gesetze-im-internet.de § 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze.
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Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz
gesetze-im-internet.de: Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz.
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Rückfallklausel
wirtschaftslexikon.gabler.de Rückfallklausel. Dr. Norbert Dautzenberg
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§ 2050 Ausgleichungspflicht für Abkömmlinge als gesetzliche Erben
gesetze-im-internet.de: § 2050 Ausgleichungspflicht für Abkömmlinge als gesetzliche Erben
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§ 1365 Verfügung über Vermögen im Ganzen
gesetze-im-internet.de: § 1365 Verfügung über Vermögen im Ganzen.
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