Sad children
Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2021

Als Kind die eigenen Eltern zu verlieren bedeutet viel Trauerarbeit für alle Angehörigen. Dazu kommt aber auch die Verpflichtung, sich um die finanzielle Zukunft der Kinder zu kümmern. Dazu gehört vor allem die Halb- oder Vollwaisenrente als Hinterbliebenenrente. Diese ist im Sozialgesetzbuch festgeschrieben.

Was genau die Waisenrente ist, wer Anspruch darauf hat und welche Hintergrundinformationen für die Beantragung relevant sind - Das alles haben wir für dich zusammengefasst. Nachfolgend wollen wir dir nun die wichtigsten Fragen beantworten.




Das Wichtigste in Kürze

  • Versterben ein oder beide Elternteile, haben ihre Kinder Anspruch auf eine Waisenrente bis sie 18 Jahre alt sind. Wer eine Ausbildung oder ein Studium macht, erhält das Geld bis 27 Jahre.
  • Voraussetzung für die Beantragung beim jeweiligen Rententräger ist, dass der verstorbene Elternteil mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt hat.
  • Die Rente beträgt bei Halbwaisen 10 Prozent und bei Vollwaisen 20 Prozent vom Rentenanspruch des Verstorbenen.

Hintergründe: Was du über die Waisenrente wissen solltest

Im Folgenden möchten wir dir ein gewisses Hintergrundwissen zur Waisenrente näher bringen. Dabei werden die wichtigsten Fragen rund um Definition, Anspruch, Antrag und Sonderregelungen beantwortet.

Was ist eine Waisenrente?

Ebenso wie die Witwenrente fällt die Waisenrente unter die finanziellen Absicherungen der Hinterbliebenen bei einem Todesfall. Dabei wird unterschieden zwischen einer Halbwaisenrente sowie einer Vollwaisenrente.

Die Halbwaisenrente erhalten Kinder eines verstorbenen Elternteils, wenn der Verstorbene vorab bereits Rente erhalten hat bzw. Rentenansprüche bei einer gesetzlichen Versicherung erworben hat. Eine Vollwaisenrente hingegen greift, wenn beide Elternteile verstorben sind.

Wer hat Anspruch auf eine Waisenrente?

Als Kind eines verstorbenen Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung hast du als Halb- bzw. Vollwaise einen Anspruch auf eine Waisenrente, sobald der verstorbene Elternteil die allgemeine Wartezeit erfüllt hat. Das bedeutet, dass Kinder die Rente nur erhalten, wenn der Elternteil mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt hat.

Ein Sonderfall besteht bei nichtehelichen Kindern: Diese haben gegenüber dem Vater nur Anspruch auf Waisenrente, wenn er der leibliche Vater war. (Bildquelle: Unsplash / Marcus Wallis)

Die finanzielle Absicherung im Rahmen der Waisenrente gilt neben leiblichen Kindern auch für adoptierte Kinder, Stiefkinder, Pflegekinder sowie Enkel und Geschwister, welche mit dem Verstorbenen in einem Haushalt gelebt haben.

Wie beantragt man die Waisenrente?

Ein Antrag auf die Auszahlung der Waisenrente kann bei der gesetzlichen Rentenversicherung gestellt werden. Diese stellen Formulare zur Verfügung, welche von den Hinterbliebenen ausgefüllt werden müssen.

Selbstständig einen Antrag einreichen können Kinder, die mindestens 15 Jahre alt sind. Ansonsten muss diese Aufgabe der jeweilige gesetzliche Vertreter übernehmen. Alle wichtigen Informationen wie Kontaktdaten finden die Betroffenen auf der Webseite der Versicherung.

Eine Zahlung der Rente ist nur für 1 Jahr rückwirkend möglich.

Zeitlich sollte der Antrag zügig nach dem Tod des Versicherten eingereicht werden, damit die finanzielle Absicherung der Kinder nicht gefährdet wird. Eine Verlängerung der Zahlung über die Volljährigkeit hinaus muss ebenfalls extra beantragt werden.

Welche Dokumente benötigt werden, wird der zuständige Versicherungsträger kommunizieren. Zusätzlich zum amtlichen Vordruck des Hauptdokuments, dem Rentenantrag, werden noch weitere Dokumente für die Bearbeitung benötigt. Dazu zählen:

  • Die Geburts- oder Abstammungsurkunde des Kindes
  • Die Sterbeurkunde
  • Bei volljährigen Antragstellern der Nachweis ihrer Ausbildung/ihres Studiums
  • Klärungsantrag (wenn das Rentenkonto des Verstorbenen nicht geklärt ist)

Mit diesen Tipps und Informationen sollte einer vorschriftsgemäßen Beantragung nichts mehr im Wege stehen. Die finanzielle Absicherung der Kinder kann pausenlos gewährleistet werden, sobald die Unterstützung des verstorbenen Elternteils wegfällt.

Wie hoch ist die Waisenrente?

Je nachdem, ob man Halbwaisen- oder Vollwaisenrente erhält, gibt es unterschiedliche Anspruchsgrundlagen. Als Halbwaise erhält man 10 Prozent der Rente des Verstorbenen und als Vollwaise sogar 20 Prozent. Wichtig ist hier, dass die 20 Prozent nicht auf beide Renten, sondern nur auf den höheren Betrag angerechnet werden.

Der Zuschlag gilt gem. § 78 SGB VI für jeden Monat, den der verstorbene Versicherte in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt hat. (1)

Art der Waisenrente Prozentsatz der Versichertenrente des Verstorbenen
Halbwaise 10 Prozent der Versichertenrente des Verstorbenen
Vollwaise 20 Prozent der Versichertenrente des Verstorbenen

Wie bereits erläutert gibt es eine Erfüllungszeit von 5 Jahren, die der Verstorbene eingezahlt haben muss. Wenn die Eltern vor ihrem 63. Lebensjahr sterben, erhalten die Waisen dementsprechend nur einen Abschlag auf die Rente. Kinder, die noch minderjährig sind, können sich die Rente nicht direkt auszahlen lassen. Diese wird an den Erziehungsberechtigten gezahlt, der die Rente für die Kinder verwahrt.

Auch Kinder von Beamten können die Waisenrente geltend machen, obwohl die Eltern nicht in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt haben. Diese kann entweder bei der Ren­ten­ver­si­che­rung, der Unfallversicherung oder dem Versorgungsamt beantragt werden.

Welche Ausnahmen gibt es bei der Wartezeit?

Wie die Frage schon sagt, greift die Wartezeit nicht in jedem Fall. Eine Ausnahme bildet beispielsweise ein tödlicher Arbeitsunfall. Damit hier eine Rente an die Hinterbliebenen ausbezahlt werden kann, reicht es, wenn der Verstorbene einen Monat in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat.

Ein weiterer Ausnahmefall tritt ein, wenn ein Elternteil in sehr jungen Jahren stirbt. Das betrifft Kinder von Verstorbenen, die in den ersten sechs Jahren nach dem Ende ihrer Ausbildung gestorben sind und gleichzeitig in den letzten zwei Jahren vor dem Tod mindestens ein Jahr sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben. Auch diese Personengruppe hat Anspruch auf eine Waisenrente. (2)

Auf die angesprochene Wartezeit werden vom Staat folgende Zeiträume angerechnet:

  • Beitragszeiten (Pflicht- und freiwillige Beiträge)
  • Kindererziehungszeiten
  • Zeiten aus dem Versorgungsausgleich und dem Rentensplitting unter Ehegatten
  • Zeiten geringfügiger Beschäftigung mit Beitragszahlung des Arbeitnehmers

Die Auszahlung der Rente richtet sich danach, ob der Verstorbene noch in die Versicherung eingezahlt hat oder bereits in Rente war. Die Auszahlung der Waisenrente beginnt mit dem Todeszeitpunkt des Verstorbenen, wenn er noch nicht in Rente war. Anderenfalls erfolgt die Rentenzahlung nach Ablauf des Sterbemonats.

Wie lange erhält man die Waisenrente?

Grundsätzlich wird die Waisenrente bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres an die hinterbliebenen Kinder ausgezahlt. Es gibt allerdings auch Varianten, die eine Auszahlung maximal bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres erlauben. Dafür müssen einige Punkte erfüllt sein:

  • Das Kind befindet sich in einer Schul- oder Berufsausbildung,
  • im Studium,
  • es leistet ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr ab,
  • es hat eine Behinderung und überschreitet bestimmte Einkommensgrenzen nicht.

Volljährige Empfänger der Waisenrente müssen allerdings für all diese Punkte entsprechende Nachweise beim Rentenversicherungsträger vorlegen und in bestimmten Fällen auch aufkommende Einkommensänderungen anzeigen. (3)

Diese Verbesserung betrifft bis zum 25. Lebensjahr alle Kinder, die zur Schule gehen bzw. studieren.

Eine Neuerung, welche seit dem 1. Januar 2017 gilt, befreit Waisen von der Kostenbeteiligung an der Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Hier sind vor allem Waisen betroffen, welche bislang allein deshalb versicherungspflichtig waren, weil sie eine Waisenrente bekommen haben. Weiter Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung müssen Kinder bezahlen, die bereits arbeiten oder sich in einer Berufsausbildung befinden. (4)

Ist die Waisenrente steuerpflichtig?

Alle Hinterbliebenenversicherungen und damit auch die Waisenrente sind seit 2005 mit dem jeweiligen Besteuerungsanteil steuerpflichtig. Dabei wird die Steuer dem Kind auch direkt zugerechnet und bedingt eine jährliche Steuererklärung mit der Anlage R. In der Regel werden Kinder, die eine Waisenrente beziehen, keine weiteren Einkünfte haben.

Weil die Rente meistens eher gering ausfällt, bleibt das Kind somit auch regelmäßig unter dem Grundfreibetrag. (5)

Ein wenig anspruchsvoller sieht die Versteuerung aus, wenn der ehemalige Arbeitgeber des verstorbenen Elternteils die Waisenrente zahlt. (Bildquelle: Unsplash / Chinh Le Duc)

Eine solche Zahlung wird nicht zu den Hinterbliebenenrenten gezählt, sondern zu den Einnahmen aus einem früheren Dienstverhältnis. Somit müssen diese Einnahmen als Arbeitslohn versteuert werden. (6)

Wird ein eigenes Einkommen auf die Waisenrente angerechnet?

Hier gab es erst vor einigen Jahren eine wichtige Änderung. Mittlerweile dürfen Waisen unbegrenzt zu ihrer Waisenrente dazuverdienen. Bis zum 30.06.2015 war das allerdings anders: Damals musste man als Waise ab dem 18. Geburtstag jegliche Einkünfte offenlegen. Darüber hinaus wurden bei der Überschreitung des Freibeitrags 40 Prozent der Einkünfte negativ auf die Rente angerechnet. (7)

Wichtig ist hier aber, dass die Rentenzahlungen der Hinterbliebenenversorgung selbst als Einkommen gewertet werden und somit beispielsweise bei der Berechnung von Sozialleistungen oder BAföG mit einberechnet werden müssen. (8)

Fazit

Sicherlich ist der Verlust eines oder beider Elternteile ein sehr tiefer und trauriger Einschnitt im Leben eines Kindes. Trotzdem muss man sich natürlich um die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen kümmern. Eine Halb- oder Vollwaisenrente leistet hier einen Beitrag zur finanziellen Absicherung der Waisenkinder.

In der Regel deckt die Waisenrente mit 10 Prozent der gesetzlichen Rente bei Halbwaisen und 20 Prozent bei Vollwaisen in der Regel nur einen kleinen Teil der monatlichen Kosten. Daher empfehlen wir den Eltern auch mittels anderer Maßnahmen für den Ernstfall vorzusorgen. Das könnte beispielsweise auch eine Lebensversicherung sein.

Bildquelle: Lucas Metz / 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Gesetze-im-internet.de: Sozialgesetzbuch (SGB) Sechstes Buch (VI) - Gesetzliche Rentenversicherung - § 78 Zuschlag bei Waisenrenten
Quelle

2. Deutsche-rentenversicherung.de: Renten für Hinterbliebene - Wer hat Anspruch auf Halb- oder Vollwaisenrente?
Quelle

3. Sozialgesetzbuch-sgb.de: Sozialgesetzbuch (SGB VI), Sechstes Buch, Gesetzliche Rentenversicherung, § 48 SGB VI Waisenrente
Quelle

4. Haufe.de: Krankenversicherung der Waisenrentner neu geregelt, Haufe Online Redaktion, 22.02.2017
Quelle

5. Taxfix.de: Versteuerung von Halbwaisenrenten und Vollwaisenrenten, 27. April 2021
Quelle

6. Vlh.de: Waisenrente: Höhe, Beginn und Steuererklärung, 13.11.2020
Quelle

7. Sozialversicherung-kompetent.de: Waisenrente, 14.03.2021
Quelle

8. Unterhalt.net: Halbwaisenrente – Anspruch, Bezug und Höhe, Peter Piekarz, 24.03.2021
Quelle

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Rechtsnorm
Gesetze-im-internet.de: Sozialgesetzbuch (SGB) Sechstes Buch (VI) - Gesetzliche Rentenversicherung - § 78 Zuschlag bei Waisenrenten
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Renten für Hinterbliebene
Deutsche-rentenversicherung.de: Renten für Hinterbliebene - Wer hat Anspruch auf Halb- oder Vollwaisenrente?
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Rechtsnorm
Sozialgesetzbuch-sgb.de: Sozialgesetzbuch (SGB VI), Sechstes Buch, Gesetzliche Rentenversicherung, § 48 SGB VI Waisenrente
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Krankenversicherung der Waisenrentner neu geregelt
Haufe.de: Krankenversicherung der Waisenrentner neu geregelt, Haufe Online Redaktion, 22.02.2017
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Versteuerung von Halbwaisenrenten und Vollwaisenrenten
Taxfix.de: Versteuerung von Halbwaisenrenten und Vollwaisenrenten, 27. April 2021
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Waisenrente: Höhe, Beginn und Steuererklärung
Vlh.de: Waisenrente: Höhe, Beginn und Steuererklärung, 13.11.2020
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Waisenrente
Sozialversicherung-kompetent.de: Waisenrente, 14.03.2021
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Halbwaisenrente – Anspruch, Bezug und Höhe
Unterhalt.net: Halbwaisenrente – Anspruch, Bezug und Höhe, Peter Piekarz, 24.03.2021
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