Werkstudent Krankenversicherung
Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2021

Als Student musst du wie jeder in Deutschland eine Krankenversicherung haben. Du kannst dir in den meisten Fällen aussuchen, wie du versichert sein möchtest. Lediglich dein Werkstudentenjob ist von der Versicherungspflicht in der Krankenversicherung befreit, sodass du für diese Tätigkeit keine zusätzlichen Krankenversicherungsbeiträge zahlen musst.

Bei einer Beschäftigung als Werkstudent ist es wesentlich, dass das Studium im Vordergrund steht. Nur wann wirst du als Werkstudent anerkannt?

In unserem umfangreichen Ratgeber zum Thema Krankenversicherung für Werkstudenten informieren wir dich über die verschiedenen Möglichkeiten, die du hast. Des Weiterhin kriegst du Antworten darauf, welche Faktoren die Höhe des Krankenversicherungsbeitrags beeinflussen, welche Ausnahmen es gibt und wie Steuer und Krankenversicherung für Werkstudenten zusammenhängen.




Das Wichtigste in Kürze

  • Dein Werkstudentenprivileg befreit dich von der Krankenversicherung. Dennoch gibt es strenge gesetzliche Regelungen, bis wann du als Werkstudent giltst. Dein Studium soll deine Priorität sein.
  • Die Anzahl der Wochenstunden, Höhe des Einkommens und Arbeitszeiten spielen dabei eine wesentliche Rolle. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Dazu zählen Semesterferien und Arbeiten in den Abend- und Nachtstunden.
  • Wenn du nicht mehr als Werkstudent zählst, bist du automatisch versicherungspflichtig und wirst auch wie ein Arbeitnehmer behandelt. Den Betrag behält direkt dein Arbeitgeber ein. Dementsprechend musst du den zu zahlenden Betrag auch in deiner Steuererklärung angeben.

Hintergründe: Was du über Krankenversicherung bei Werkstudenten wissen solltest

Werkstudenten werden vor dem Sozialversicherungsgesetz bei entgeltlichen Tätigkeiten anders behandelt. Da es gesetzlich genau festgelegt ist, bis wann du noch als Werkstudent giltst, ist es schwer, einen Durchblick zu haben. Deshalb haben wir für dich die wichtigsten Fragen beantwortet.

Welche Arten von Krankenversicherung gibt es bei Werkstudenten?

Als Werkstudent bist du von der Versicherungspflicht befreit. Das nennt man Werkstudentenprivileg. (1) Dennoch kannst du dich freiwillig versichern. Dabei hast du verschiedene Auswahlmöglichkeiten.

Als Werkstudent kannst du noch Teil der Familienversicherung sein. Zusätzlich gibt es noch die freiwillige gesetzliche oder private Krankenversicherung und die studentische Krankenversicherung. Die genauen Unterschiede haben wir für dich in einer Liste zusammengefasst.

  • Familienversicherung: Bis zu deinem 25. Lebensjahr bist du kostenlos über die Familie mitversichert. Bist du verheiratet, kannst du dich über deinen Ehepartner oder Ehepartnerin mitversichern. Andernfalls geht es über deine Eltern.
  • Studentische Krankenversicherung: Ab deinem 25. Lebensjahr musst du die studentische Krankenversicherung (KvdS) in Anspruch nehmen. Diese gilt bis zu deinem 30. Lebensjahr.
  • Freiwillige gesetzliche Krankenversicherung: Nachdem die studentische Krankenversicherung abgelaufen ist, musst du dich freiwillig weiter versichern. Das kannst du über die gesetzliche oder private Krankenversicherung tun.
  • Freiwillige private Krankenversicherung: Als Student kannst du auch privat versichert sein. Da gilt die studentische Krankenversicherung bis zum 34. Lebensjahr.

Wie du siehst, ist die Krankenversicherung für Werkstudenten gestaffelt nach deinem Alter oder Studienlänge. Erst ab dem 30. Lebensjahr musst du dich grundlegender entscheiden. (2)

Wer zahlt die Krankenversicherung für Werkstudenten?

Werkstudenten haben vor dem Gesetz einen besonderen Status in der Krankenversicherung. Sie sind zwar gegen Entgelt beschäftigt, sind aber versicherungsfrei. (3, 4) Das bedeutet, dass weder Arbeitgeber noch Werkstudent für diese Beschäftigung Beiträge zur Krankenversicherung zahlen müssen.

Krankenversicherung bei Werkstudenten-1

Als Werkstudent brauchst du dir keine Sorge über die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge zu machen - du unterliegst keiner Versicherungspflicht.
(Bildquelle: unsplash / Jenny Hill)

Wenn du studierst, aber nicht als Werkstudent eingestuft wirst, giltst du als normaler Arbeitnehmer. In dem Fall zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte. Dein Teil wird dir direkt von deinem Einkommen abgezogen, du siehst deinen Beitrag direkt auf deiner Lohnsteuerbescheinigung.

Wie hoch ist der Krankenversicherungsbeitrag als Werkstudent?

Bei der Bewertung der Verhältnisse ist die Höhe des Beitrags abhängig von verschiedenen Faktoren. Je nach Umfang und Lage der Arbeitszeit wirst du als Werkstudent eingestuft oder nicht. Für einen Überblick haben wir für dich die wichtigsten zusammengefasst.

Inwiefern werden die Anzahl an Wochenstunden mitberechnet?

Wenn du eine bestimmte Wochenanzahl überschreitest, kann sich deine Versicherung ändern. Wenn du lediglich 20 Stunden pro Woche arbeitest, besteht Versicherungsfreiheit. Du kannst also kostenlos familienversichert bleiben. Dabei solltest du aber deinen Höchstverdienst im Auge behalten.

Bei mehr als 20 Stunden die Woche bist du aus Sicht der Krankenversicherung kein Werkstudent mehr. Es kann sein, dass der Arbeitgeber prüft, ob bei einzelnen Beschäftigungen Geringfügigkeit vorliegt. Dann besteht auch Versicherungsfreiheit.

Wenn nicht, musst du als normaler Arbeitnehmer die Beiträge direkt vom Einkommen zahlen. Die Beiträge für die Krankenversicherung liegen bei etwa 14,5 Prozent des Einkommens. (5)

Wenn du mehrere Nebenjobs hast, prüft die Krankenversicherung, ob du mehr als 20 Stunden die Woche arbeitest. Wenn du im Laufe eines Zeitjahres mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) mehr als 20 Stunden die Woche beschäftigt bist, zählst du nicht mehr als Werkstudent. Das voraussichtliche Ende der zu beurteilenden Beschäftigung wird dabei als Startpunkt genommen.

Inwiefern wird das regelmäßige Einkommen mitberechnet?

Ein weiterer Punkt ist der Höchstverdienst. Grundsätzlich spielt die Höhe des Einkommens zur Berechnung der Versicherungsbeiträge für Werkstudenten keine Rolle. Der Beitrag wird nicht anhand vom Einkommen abgezogen.

Krankenversicherung bei Werkstudenten-2

Tipp: Es ist wichtig, dass du auf deine gesamten monatlichen Einnahmen achtest. Verdienst du zu viel oder bist gerade an der Grenze, musst du womöglich hohe Beiträge zahlen und hast am Ende kaum noch Verdienst
(Bildquelle: unsplash / Sam Dan Truong)

Dennoch ist es als Werkstudent wichtig, dass du nur einen Maximalbetrag pro Monat verdienst, damit du in deiner Versicherungsart bleibst. Wenn du weniger als 435 Euro im Monat verdienst, brauchst du keine Beiträge zu zahlen und kannst kostenlos familienversichert bleiben.

Verdienst du mehr als 435 Euro, musst du in die studentische Krankenversicherung wechseln.

Inwiefern spielt dein Alter bei der Berechnung eine Rolle?

Dein Alter als Werkstudent spielt bei einer zusätzlichen Nebentätigkeit außerhalb des regulären Studiums keine Rolle. Für die Krankenversicherung als Student allerdings schon.

Es ist eine der maßgeblichen Entscheidungspunkte, ob du noch familienversichert bleiben kannst oder nicht. Wo genau die Unterschiede liegen, haben wir weiter oben bei der Art der Krankenversicherung für dich zusammengefasst.

Inwiefern spielt BAföG-Bezug bei der Berechnung eine Rolle?

Wenn du BAföG erhälst, kannst du unter bestimmten Umständen einen Zuschuss zu deiner Krankenversicherung beantragen. Grundsätzlich wird die Höhe nach den BAföG-Bedarfssätzen berechnet. Im Schnitt sind es etwa 76,85 Euro.(2)

Für das Wintersemester 2019/20 wurde § 13 BAföG geändert. Es gibt nun einen Zuschuss zur Krankenversicherung von 84 €. (6)

Gibt es Ausnahmen in der Höhe des Krankenversicherungsbeitrags als Werkstudent?

Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, wann die maximale Wochenstundenanzahl für Werkstudenten aufgehoben wird. In diesen Fällen musst du nicht zwingend die Krankenversicherung wechseln. Diese haben wir im Folgenden für dich zusammengefasst.

Ausnahme Beschreibung
Semesterferien In den Semesterferien kannst du mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten. Das Gleiche gilt, wenn dein Arbeitsverhältnis auf maximal drei Monate (= kurzfristige Beschäftigung) befristet ist. Als Orientierung gelten die offiziellen Semesterferien der Universität oder Hochschule, an der der Werkstudent eingeschrieben ist.
Arbeit am Wochenende oder an freien Tagen Hier kann deine Krankenversicherung eine Ausnahme machen. Dann darfst du mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten. Dafür muss die Beschäftigung allerdings zeitlich befristet sein und nicht über einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) ausgeübt werden.
Arbeiten am späten Abend oder in der Nacht Die Arbeit zu späten Stunden beeinträchtigt dein Studium nicht, weshalb auch hier Ausnahmen gemacht werden. Es ist jedoch Auslegungssache. Besonders hier unterschieden sich die Meinungen der Krankenkassen. Auch hier gilt die 20-Stunden-Regel von Wochenendtätigkeiten.

Dennoch sind Ausnahmen abhängig von der Krankenkasse. Deshalb solltest du vor Vertragsabschluss mit der Krankenkasse sprechen.

Wie hoch ist der Krankenversicherungsbeitrag als Werkstudent mit über 25 Jahren?

Wenn du vorher familienversichert warst, kannst du mit 25 Jahren in die studentische Krankenversicherung. Werkstudenten können sich hier entscheiden zwischen einer gesetzlichen oder einer privaten studentischen Krankenversicherung.

Je nachdem gilt sie bis zum 30. oder 34. Lebensjahr. Der Beitrag liegt bei allen studentischen Krankenversicherungen bei etwa 80 € im Monat.

Wie hoch ist der Krankenversicherungsbeitrag als Werkstudent mit über 30 Jahren?

Ab dem 30. oder 34. Lebensjahr musst du dich freiwillig weiter versichern. Der Beitrag bei einer gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei mindestens 120 € im Monat, kann aber auch deutlich größer sein. Bei der privaten Krankenversicherung, sofern du nicht noch studentisch versichert bist, variieren die Beiträge stark.

Kann der Krankenversicherungsbeitrag für einen Werkstudenten von der Steuer abgesetzt werden?

Grundsätzlich musst du als Werkstudent keine zusätzlichen Beiträge in die Krankenversicherung zahlen. Werkstudenten unterliegen dem regulären Grundfreibetrag. (7)

Verdienst du mehr als 9.408 €, musst du Steuern zahlen.

Am Jahresende wird dann eine Steuererklärung fällig. Die Steuer wird jedoch nur von dem Betrag, der über den Freibetrag fällt, abgezogen. (8)

Bei mehr als 20 Stunden die Woche musst du für deine Krankenversicherung Steuern zahlen, da du dann nicht mehr dein Werkstudentenprivileg hast.

Fazit

Als Werkstudent bist du grundsätzlich nicht verpflichtet, Beiträge in eine Krankenversicherung zu zahlen. Vermeidest du gerne Risiken, kannst du dich dennoch freiwillig versichern. Dabei hast du bis zu einem gewissen Grad die Auswahl zwischen einer studentischen Krankenversicherung oder einer freiwilligen privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Höhe des Beitrags und der Art der Versicherung hängen von deinem Alter ab. Wichtig ist, dass du dich genau informierst, bis wann du noch als Werkstudent giltst. Verdienst du monatliche mehr als vorgesehen oder arbeitest du mehr als 20 Stunden die Woche, verlierst du den Werkstudentenprivileg.

Dabei gibt es auch Ausnahmen. In den Semesterferien, am Wochenende, freien Tagen oder manchmal auch bei Abend- oder Nachtschichten, gilt die 20-Stunden-Regelung nicht mehr. Das ist aber Auslegungssache. Jede Krankenkasse hat hier andere Regelungen.

Bist du kein Werkstudent mehr und arbeitest zu viel, wirst du wie ein gewöhnlicher Arbeitnehmer behandelt und zahlst die Hälfte deiner Krankenversicherung. Dementsprechend musst du auch die Beiträge versteuern. Wenn dich du dich über weitere Versicherungsmöglichkeiten informieren möchtest, hast du auf unserer Seite einen Überblick.

Bildquelle: everydayplus / 123rf

Einzelnachweise (8)

1. Deutsches Studentenwerk (2020). Studienfinanzierung: Werkstudenten. Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

2. Verbraucherzentrale Bayern und Nordrhein-Westfalen (2020). Studentische Krankenversicherung: die wichtigsten Möglichkeiten. Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

3. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2020). Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) - Gesetzliche Krankenversicherung - (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477). Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

4. Becker, J. (2020). Stichwort: Versicherungsfreiheit. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

5. Verbraucherzentrale (2020). Wichtige Rechenwerte in der Sozialversicherung. Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

6. bafoeg-aktuell.de (2020). Krankenversicherung Studenten - Studentische GKV - KVdS. Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

7. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2020). Einkommensteuergesetz (EStG): § 32a Einkommensteuertarif. Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

8. Eggert, W. (2020). Stichwort: Freibetrag. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 29.12.2020.
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Artikel Studentenwerk
Deutsches Studentenwerk (2020). Studienfinanzierung: Werkstudenten. Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle
Artikel Verbraucherzentrale
Verbraucherzentrale Bayern und Nordrhein-Westfalen (2020). Studentische Krankenversicherung: die wichtigsten Möglichkeiten. Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle
Gesetzestext
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2020). Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) - Gesetzliche Krankenversicherung - (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477). Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle
Wirtschaftslexikon
Becker, J. (2020). Stichwort: Versicherungsfreiheit. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle
Artikel Verbraucherzentrale
Verbraucherzentrale (2020). Wichtige Rechenwerte in der Sozialversicherung. Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle
Artikel BAföG Regelungen
bafoeg-aktuell.de (2020). Krankenversicherung Studenten - Studentische GKV - KVdS. Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle
Gesetzestext
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2020). Einkommensteuergesetz (EStG): § 32a Einkommensteuertarif. Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle
Wirtschaftslexikon
Eggert, W. (2020). Stichwort: Freibetrag. In: Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon 2018. Abgerufen am 29.12.2020.
Gehe zur Quelle