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Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2021

Früher oder später stellen wir uns alle einmal die Frage, wie wir unser Erspartes am besten Anlegen. Wer sich darüber Gedanken macht und sich informiert, wird im Laufe der Zeit auf den Begriff der Zinseszinsen stoßen. Diese Art von Zinsen können dir dabei helfen, dein Vermögen etwas wachsen zu lassen.

Was Zinseszinsen genau sind und welchen Nutzen sie haben, wollen wir dir in diesem Artikel ausführlich erklären. Wir werden dir auch Beispiele vorrechnen, sodass du einen guten Einblick bekommst. Außerdem werden wir dir unsere Quellen verlinken.




Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn du dein Geld anlegst, kannst du Zinsen bekommen. Lässt du diese mit deinem Startkapital weiterhin bei deiner Bank, dann bekommst du das nächste Mal wieder Zinsen, wobei auch die Zinsen der vorigen Periode berücksichtigt werden. Dies sind Zinseszinsen.
  • Du kannst auf viele Anlagen Zinsen bekommen. Zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto, oder einen Sparplan. Bei Aktien bekommst du Dividenden. Wenn diese nicht refinanziert werden, gibt es keinen Zinseszinseffekt.
  • Die Inflation kann höher als die Zinsen sein, welche gerade angeboten werden. Das Problem daran ist, dass dein Geld nicht mehr wird, sondern aufgrund der Inflation weniger werden könnte.

Hintergründe: Was du über Zinseszinsen wissen solltest

Damit du gut über das Thema Bescheid weißt, solltest du zuerst die Grundbegriffe kennen. Daher haben wir für dich den Artikel so strukturiert, dass wir dir zuerst erklären, was der Zinseszins überhaupt ist, sodass die folgenden Informationen und Rechnungen leicht verständlich sind.

Was ist der Zinseszins?

Bereits Albert Einstein erkannte den Nutzen der Zinseszinsen und war ein begeisterter Anhänger. Sie überzeugten ihn so sehr, dass er von ihnen in den höchsten Tönen sprach. Etwa, dass sie die beste Errungenschaft der Menschheit seien (1). Doch was sind sie jetzt genau?

Stell dir vor, du hast etwas Geld bei deiner Bank angelegt und bekommst in Zukunft Zinsen dafür. Unter Zinsen kannst du den Betrag verstehen, welchen du von der Bank bekommst, wenn du dort dein Geld anlegst, aber auch den Betrag, den du ihr zahlen musst, wenn du dir Geld von ihr leihst (2). Wir betrachten derweil nur den ersten Fall.

Mithilfe der Zinseszinsen kann dein Kapital exponentiell steigen. (Bildquelle: Pexels / Pixabay)

Solltest du dein Geld lange genug angelegt haben, bekommst du, wie oben beschrieben, Zinsen. Wenn du diese weiterhin bei der Bank liegen lässt, dann werden sie mit deinem Startkapital in der nächsten Periode wieder verzinst. Das heißt vereinfacht, dass du neben deinem Kapital auch Zinsen auf deine Zinsen bekommst.

Daher auch der Name Zinseszinsen. Somit steigt die Summe, welche du ansparst (3). Es handelt sich um ein exponentielles Wachstum.

In welchen Bereichen kann der Zinseszins angewandt werden?

Nun wollen wir der Frage nachgehen, wann der Zinseszins überhaupt greift. Deshalb wollen wir dir erstmal allgemein auflisten, wo Zinsen überhaupt eingesetzt werden und du somit auch mit Zinseszinsen rechnen könntest. Die Angaben können abweichen, weshalb du dich bei Fragen bei deinem Anbieter wenden solltest.

  • Girokonto: Diese Konten nützt du, um deine Rechnungen per Überweisungen, Lastschriften oder mit der Karte zu bezahlen (4). Sie werden manchmal nicht verzinst.
  • Tagesgeldkonto, Festgeld, Sparbuch: Bei einem Sparbuch, Tagesgeldkonto und bei Festgeld kannst du dein Geld lagern, jedoch eher schwieriger vermehren. Das liegt daran, dass die Zinsen sehr gering sein könnten, wobei die Inflation ebenfalls ihren Teil betragen kann (5). Trotzdem sind sie in Deutschland noch sehr beliebt.
  • Sparplan: In diesem Fall gibt es feste Zinsen. Sie orientieren sich daran, wie lange du dein Geld bei der Bank anlegst (5).
  • Aktien: Bei Aktien gibt es keine Zinsen, somit auch keine Zinseszinsen. Das liegt daran, dass die Dividenden nicht automatisch refinanziert werden.
  • Thesaurierende Fonds: Hier werden die Dividenden wieder angelegt. Somit können sie mit Zinseszinsen verglichen werden. Bei Fonds, wo du das Geld ausgezahlt bekommst, ist nicht mit diesem Effekt zu rechnen  (6). Ähnlich ist es bei ETFs.
  • Kredite: Nicht nur wer Geld anlegt, sondern auch wer Geld leiht, hat es mit Zinsen zu rechnen (2).

Dabei handelt es sich nur um grobe Richtlinien, welche sich je nach Produkt noch einmal individuell unterscheiden könnten. Falls du ein Produkt als geeignet empfindest, lies dich bitte gut ein und kontaktiere bei Fragen deinen Anbieter.

Rentieren sich Zinseszinsen?

Es gibt Stimmen, die sagen, dass sich Zinseszinsen rentieren können und einfach zu wenig beachtet werden. Das ist jedoch nur der Fall, wenn die Zinsen nicht so gering wären, wie sie die Europäische Zentralbank ansetzten würde. Wegen dieser niedrigen Zinsen wollen einige ihr Geld nicht anlegen (7).

Eine breite Auffächerung deines eingesetzten Kapitals kann dein Risiko senken.

Andere behaupten, dass Aktien höhere Erträge generieren können. Diese halten jedoch viele für riskant, da sie sich je nach Wirtschaftslage ändern könnten. Aus diesem Grund sei es besser sein Vermögen nicht nur in ein Projekt zu stecken, sondern aufzuteilen.

Das kann die Gefahr senken. Jedoch kann jede Investition ein Risikopotential haben (5). Wer das Risiko eingehen möchte, der kann sein Tagesgeldkonto mit niedrigen Zinsen beispielsweise mit einem Indexfonds kombinieren. Rein rechnerisch könnte bei einer guten Aufteilung der Produkte so eine 5-prozentige Rendite erreicht werden.

Falls du genug gespart hast, um etwas für spätere Zeiten zu investieren, solltest du dir bewusst sein, dass du ein gewisses Risiko bei einer Investition haben kannst. (Bildquelle: Unsplash / Mathieu Stern)

Ein Beispiel dafür ist der MSCI-World-Index. Er hat in den letzten 50 Jahren einen durchschnittlichen Ertrag von 7,2 Prozent jährlich generiert. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwankungen sollte er als eine längerfristige Investition gesehen werden, denn seit 1970 konnten sich die Anleger nach 15 Jahren über positive Renditen freuen. Das stellt jedoch keine Sicherheit dar, dass es bei dir auch so sein könnte, falls du jetzt investieren würdest (8).

Wie berechne ich den Zinseszins?

Zinseszinsen können mit Logarithmen berechnet werden (3). Es können auch Programme zur Hilfe genommen werden, zum Beispiel mit Exel. Die allgemeine Formel für die Berechnung lautet wie folgt: kn = k0*q^n (3)

Dabei stellt kn den verzinsten Betrag dar, k0 ist das Startkapital, q sind die Zinsen und n bezieht sich auf die Dauer in Jahren. Um q richtig in die Rechnung einzubetten, musst du folgendermaßen vorgehen: 1+(q/100) (3). Da dies noch ziemlich abstrakt ist, haben wir für dich noch ein Beispiel gerechnet, sodass dir das Prinzip geläufiger wird.

Die gesamte Formel für die Zinsrechnung ist daher: kn = k0*(1+q/100)^n

Stell dir vor, du hast 1000 Euro angespart und willst es bei 2% Zinsen für 10 Jahre anlegen. Zuerst wollen wir q ermitteln: 1+(2/100)= 1.02. Wenn du alles einsetzt, sieht deine Rechnung so aus: 1000*1.02^10 = 1218,99 Euro. Diese Berechnung enthält das Startkapital, die Zinsen und die Zinseszinsen. Wie du siehst, könntest du in dem Fall etwas mehr als 200 Euro erwirtschaften.

Das ist nicht besonders viel, wenn bedacht wird, dass es 10 Jahre dauert und häufig die Zinsen noch geringer ausfallen können, was Sparer frustrieren kann.

Wie verhalten sich meine Erträge, wenn die Zinsen hoch sind?

Um dir zu veranschaulichen, wie sich dein Startkapital je nach Zinssatz verändert, haben wir für dich eine Tabelle erstellt, welche du dir nun genauer ansehen kannst. Dabei sind wir von einem Startkapital von 10 000 Euro ausgegangen. Es sind auch die Zinseszinsen im Endkapital enthalten.

Startkapital Anlagedauer Zinssatz Endkapital
10.000 Euro 10 Jahre 0,1 % 10.100,45 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 0,5 % 10.511,40 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 1 % 11.046,22 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 1,5 % 11.605,41 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 2 % 12.189,94 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 2,5 % 12.800,85 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 3 % 13.439,16 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 3,5 % 14.105,99 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 4 % 14.802,44 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 4,5 % 15.529,69 Euro
10.000 Euro 10 Jahre 5 % 16.288,95 Euro

Wie du aus unserer Tabelle entnehmen kannst, verändert sich der Endbetrag je nachdem welcher Zinssatz verwendet worden ist. Je höher der Zinssatz, desto höher ist auch der Endbetrag. Das ist unter anderem auch dem Zinseszinseffekt zuzuschreiben.

Manchmal ist es so, dass Anleger einen bestimmten Betrag generieren wollen, welchen sie erreichen möchten. Zum Beispiel wollen sie innerhalb von 10 Jahren ihr Vermögen auf 50.000 Euro aufwerten. Um das zu erreichen, muss genau auf die Zinsen und dein Startkapital geachtet werden.

Wenn du 41.000 Euro zur Verfügung hast, dann brauchst du einen Zinssatz von circa 2 Prozent um dein finanzielles Ziel zu erreichen. Solltest du weniger Geld, angenommen 31.000 Euro, benötigst du ungefähr 5 Prozent Zinsen, damit du nach 10 Jahren 50.000 Euro angespart hast.

Wann verdoppelt sich mein Kapital?

Wenn du gerade nichts berechnen möchte, kannst du diesen Trick anwenden. Manchmal wird eine Zahl, genauer gesagt die 72, für diese Berechnung genutzt. Du musst einfach deine Zinsen durch 72 dividieren, dann hast du ein ungefähres Ergebnis, nach wie vielen Jahren sich deine Anlage verdoppelt (7).

Wenn dein Zinssatz bei 0.6 Prozent liegt, dann musst ungefähr 120 Jahre auf deine Verdopplung warten. Ein höherer Zinssatz, etwa 5%, kann dein Kapital bereits nach 14,4 Jahren verdoppeln. Wenn dir diese Zahlen zu ungenau sind, kannst du auch andere Methoden dafür nutzen.

Inwiefern beeinflusst die Inflation den Zinseszins?

Viele legen ihr Geld bei einem sehr geringen Zinssatz bei ihrer Bank an, da sie denken, dass das Risiko bei der Bank nicht sehr groß ist. Dabei liegen sie jedoch nicht ganz richtig, da sie einen Aspekt nicht beachten - die Inflation (9).

Die Inflation kann Sparpläne bei geringen Zinsen negativ beeinflussen.

Wenn die Inflation höher als die Zinsen der Bank sind, kann es sein, dass dein Geld dank der Inflation und Steuern weniger wird. Das einzige Produkt, was nicht betroffen sein könnte, ist der Sparbrief (9). Seit den letzten Monaten steigt die Inflationsrate, im April diesen Jahres (2021) liegt sie bei 2 Prozent (10).

Fazit

Es gibt viele Wege sein Geld anzulegen. Wer es vermehren will, sollte besonders auf die Zinsen und Zinseszinsen achten. Diese können mit ihrem exponentiellen Wachstum dein Geld wachsen lassen. Bei niedrigen Zinsen kann es sein, dass dir die Zeit der Anlage, oder die Inflation bei deinem Vermögensaufbau Probleme bereiten könnten.

Wer bereit ist mehr Risiko einzugehen, der kann sein Geld in Aktien anlegen, welche sich unter Umständen mehr rentieren. Dabei muss dir aber bewusst sein, dass das kein sicherer Weg ist. Außerdem soll es besser sein, das Geld breit zu streuen. Das heißt, dass es besser sein soll, sein Geld auf mehrere Anlagen aufzuteilen.

Bildquelle: Olia Danilevich / 123rf

Einzelnachweise (10)

1. Crilly T. (2009) Die Mathematik des Geldes. In: 50 Schlüsselideen Mathematik. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Quelle

2. Definition: Was ist "Zinsen"? (2018, 19.02). Gabler Wirtschaftslexikon: Das Wissen von Experten. Abgerufen am 08.05.2021.
Quelle

3. Müller, G. & Löffelholz, J.(1978): Bank-Lexikon: Handwörterbuch für Das Bank- und Sparkassenwesen (8. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler KG, Wiesbaden.
Quelle

4. Das Wissen von Experten. Girokonto. (2018, 19.02). Gabler Wirtschaftslexikon: Abgerufen am 08.05.2021.
Quelle

5. Was tun bei Null- oder Negativzins? Geldanlage in schwierigen Zeiten (2019, 12.09.). Manager Magazin. Abgerufen am 08.05.2021.
Quelle

6. Balz, K. (2020, 23.10.). In Fonds anlegen: Worauf Du unbedingt achten solltest. WirtschaftsWoche. Abgerufen am 08.05.2021.
Quelle

7. Was die magische Finanzzahl 72 über Zinsen und Zinseszinsen aussagt. trend. (2015, 20.12.) Abgerufen am: 09.05.2021
Quelle

8. Neumann, M. (2020, 30.11.). MSCI World – dieser Index bringt die besten Fondsmanager zum Weinen. Fairvalue: Magazin für Anlagestrategie. Aufgerufen am: 09.05.2021
Quelle

9. So verbrennen Banken und Sparkassen das Vermögen ihrer Kunden. (2014, 29.09.). Manager Magazin. Abgerufen am 10.05.2021
Quelle

10. Inflationsrate in Deutschland bis April 2021. (2021, 30.04.). Deutsches Bundesamt (2021), zitiert nach Statista Research Department. Abgerufen am 10.05.2021
Quelle

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Fachbuch
Crilly T. (2009) Die Mathematik des Geldes. In: 50 Schlüsselideen Mathematik. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
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Wirtschaftslexikon
Definition: Was ist "Zinsen"? (2018, 19.02). Gabler Wirtschaftslexikon: Das Wissen von Experten. Abgerufen am 08.05.2021.
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Müller, G. & Löffelholz, J.(1978): Bank-Lexikon: Handwörterbuch für Das Bank- und Sparkassenwesen (8. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler KG, Wiesbaden.
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Wirtschaftslexikon
Das Wissen von Experten. Girokonto. (2018, 19.02). Gabler Wirtschaftslexikon: Abgerufen am 08.05.2021.
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Fachmagazin
Was tun bei Null- oder Negativzins? Geldanlage in schwierigen Zeiten (2019, 12.09.). Manager Magazin. Abgerufen am 08.05.2021.
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Fachmagazin
Balz, K. (2020, 23.10.). In Fonds anlegen: Worauf Du unbedingt achten solltest. WirtschaftsWoche. Abgerufen am 08.05.2021.
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Wirtschaftsmagazin
Was die magische Finanzzahl 72 über Zinsen und Zinseszinsen aussagt. trend. (2015, 20.12.) Abgerufen am: 09.05.2021
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Finanzmagazin
Neumann, M. (2020, 30.11.). MSCI World – dieser Index bringt die besten Fondsmanager zum Weinen. Fairvalue: Magazin für Anlagestrategie. Aufgerufen am: 09.05.2021
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So verbrennen Banken und Sparkassen das Vermögen ihrer Kunden. (2014, 29.09.). Manager Magazin. Abgerufen am 10.05.2021
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